Ernährung bei Stoma – wie können Komplikationen verhindert werden?

Wer mit einem Stoma lebt, muss bereits bei dessen Pflege sehr sorgfältig sein. Doch auch in Bezug auf die Ernährung sollten Sie als Patient einiges beachten. Insbesondere Träger eines Ileostomas, also einer Stomavorrichtung, die im Bereich des Dünndarms angebracht ist, kann die falsche Auswahl von Lebensmitteln eine unschöne Wirkung auf den betroffenen Darmabschnitt haben. Von Blähungen über Bauchschmerzen bis hin zu ernsten Reizreaktionen am künstlichen Darmausgang sind hier zahlreiche Beschwerden denkbar.

Daneben bedeutet ein Stoma auch eine erhöhte Ausscheidung von Flüssigkeit. Weil der Darm nur noch bedingt funktionsfähig ist, erfolgt ein ‚Entwässern‘ des Stuhls nur noch unzureichend. Dies bedeutet für den Körper nicht nur einen vermehrten Flüssigkeits- sondern, im Falle eines Ileostomas, auch einen erheblichen Nährstoffverlust. Ähnlich wie etwaige Verdauungsbeschwerden müssen auch diese beiden Aspekte müssen bei der Ernährung berücksichtigt werden. Lesen Sie deshalb im Folgenden wichtige Tipps zum Thema Stoma und Ernährung.

Gibt es Einschränkungen in der Ernährung mit einem Stoma?

Die Antwort lautet: Jein. Zwar sind für Patienten mit einem Stoma keine umfangreichen Spezialdiäten erforderlich, bestimmte Lebensmittelgruppen sollten dennoch in Maßen genossen werden.

© Liaurinko - Fotolia.com
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    blähende Lebensmittel: Wer Blähungen und somit eine unnötige Ansammlung von Darmgasen in seinem Stomabeutel verhindern möchte, sollte Lebensmittel mit blähender Wirkung in seiner Ernährung reduzieren. Dabei ist insbesondere Zwiebel-, Lauch- und Kohlgemüse dafür bekannt, Blähungen im Verdauungstrakt zu verursachen.

    faserhaltige Lebensmittel: Mit Blick auf eine mögliche Blockade des Colon- oder Ileostomas ist auch stark faserhaltige Nahrung im Übermaß nicht zu empfehlen. Gerade ein Ileostoma reagiert aufgrund seiner besonderen Lage bei ballaststoffreicher Kost gerne mit Stomablockaden. Da der Dünndarm unmittelbar nach dem Magen beginnt, wird er vorrangig mit grob zerkleinerten Nahrungsmittelstücken konfrontiert wird. Faserhaltige und somit schwer zersetzbare Lebensmittel überfordern das dort befindliche Ileostoma demnach enorm.

    magenreizende Lebensmittel: Scharfe Gewürze und Säuren halten für viele Patienten mit eingeschränkter Darmfunktion gewisse Tücken bereit. Ob Sodbrennen, Magenreizungen oder eine Verschlimmerung bereits bestehender Entzündungen – reizende Lebensmittel können für eine Reihe Probleme sorgen, weshalb Sie diese nur in kleinen Mengen verzehren sollten.

    stopfende Lebensmittel: Ebenfalls zu meiden sind größere Mengen von Nahrungsmitteln mit stopfender Wirkung. Sie wirken sich nachteilig auf die Idealkonsistenz des abzuleitenden Stuhls aus. Dies kann unter Umständen zu Verstopfungen und Bauchschmerzen führen und Stomaträgern somit Unbehagen bereiten.

    künstliche Ernährung: In Fällen von Stomaversorgung, bei denen ein enormer Nährstoffmangel vorliegt, könnte es zu Einschränkungen in Form von künstlicher Ernährung kommen. Die spezielle Zusammensetzung der enteral zugeführten Nahrung ermöglicht es aber, etwaige Mangelernährungen unkompliziert auszugleichen.

Übersicht zu Lebensmitteln mit nachteiliger Wirkung:

blähende Nahrungfaserhaltige Nahrungstopfende Nahrungreizende Nahrung
EierspeisenAnanasBananenscharfe Gewürze
frisches BrotLeinsamenHeidelbeerenZitrusfrüchte
Hülsenfrüchteflachsiges FleischKarottenEssig
Knoblauchgrobe VollkornprodukteReiseingelegtes Gemüse
KohlMaisRosinen
KohlensäureNüsseWeißmehlprodukte
LauchPaprikaSchwarzer Tee
ZwiebelnPilze
Rhabarber
Spinat
Spargel
Trauben
© Witold Krasowski - Fotolia.com
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Lässt sich das Leben mit einem Stoma durch bestimmte Ernährung erleichtern?

In der Tat gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Stomaträger, ihr Wohlbefinden über die Ernährung zu verbessern. Zum Beispiel können blähende, faserhaltige, stopfende oder reizende Lebensmittel in ihrer Wirkung abgeschwächt werden. Hierzu empfehlen sich je nach Art der unerwünschten Nebeneffekte abführende Lebensmittel oder Produkte, die Blähungen erfolgreich entgegenwirken. Zudem ist es möglich, die Gerüche der abgeleiteten Ausscheidungen zu regulieren.

    Nährstofferhöhung: Gelegentlich ersetzt ein Ileostoma umfangreichere Abschnitte des Dünndarms. Dies kann mit Nährstoffdefiziten einhergehen, denn der Dünndarm ist maßgeblich für die Verwertung von Vitaminen und anderen Nährstoffen verantwortlich. Zusätzlich hat der Körper durch den deutlich verflüssigten Stuhl mit einer erhöhten Ausscheidung von Mineralien wie Kalium und Natrium zu kämpfen. Eine gezielte Ernährung bewirkt hier deutliche Verbesserung.

    gesteigerte Flüssigkeitszufuhr: Ein weiterer, wichtiger Punkt in Sachen Ernährung bei Stoma ist die Flüssigkeitszufuhr. Viel zu trinken ist unerlässlich, um Dick- und Dünndarm die Verdauung der Lebensmittel zu erleichtern. Nicht zuletzt kompensiert die erhöhte Getränkezufuhr auch den gesteigerten Flüssigkeitsverlust, welcher durch die unzureichende Entwässerung des Stuhls erfolgt.

    Säure-Basen-Ausgleich: Ebenfalls unterstützen sollten Sie bei einem Stoma einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt ihres Körpers. Dieser ist vor allem bei einem Urostoma wichtig, könnte ein zu hoher bzw. zu tiefer pH-Wert des Urins doch Entzündungen und Reizungen der Harnleiter begünstigen. In Sachen Nährstoffaufnahme empfiehlt es sich, entsprechende Nahrungsergänzungspräparate in Erwägung zu ziehen oder gezielt nährstoffreiche Kost zu sich zu nehmen.

Übersicht zu Lebensmitteln mit positiven Effekten:

gegen Blähungen und Gerüchebei Kalium-Natrium-Defizitzum Säure-Basen-Ausgleich
AnisFetakäse
DillFisch und Meeresfrüchte
Fenchel / FenchelteeKartoffelnAprikosen
Heidelbeeren / HeidelbeersaftKochbananenÄpfel
IngwerOlivenBananen
Joghurt und QuarkRote BeeteHeidelbeeren / Heidelbeersaft
KümmelTrockenobstMelonen
PetersilieTomatenOliven
Preiselbeeren / PreiselbeersaftVollkornproduktePreiselbeeren / Preiselbeersaft
Trockenobst
Zitrusfrüchte

Warum können trotzdem Unverträglichkeiten durch ein Stoma entstehen?

© patboon - Fotolia.com
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Auch wenn Sie die oben genannten Empfehlungen befolgen, ist eine unschöne Wirkung beim Verzehr bestimmter Lebensmittel dennoch denkbar. Dies kann zum einen daran liegen, dass Sie sich noch in der Heilungsphase befinden. Hier sind die Ausscheidungen für gewöhnlich besonders dünnflüssig und auch der Magen-Darm-Trakt muss sich erst noch an die Neuerungen gewöhnen. Für Beschwerden, die hingegen im späteren Verlauf und ohne ersichtlichen Grund auftreten, ist aller Wahrscheinlichkeit nach einer der folgenden Gründe verantwortlich:

  • zu schnelles Essen (mit einem Stoma sollten sie besonders langsam essen)
  • zu große Nahrungsportionen (4 bis 5 kleinere Mahlzeiten täglich empfohlen)
  • zu geringe Flüssigkeitszufuhr (2 bis 4 Liter täglich empfohlen)
  • Organverengungen durch ein Uro-, Colon- oder Ileostoma
  • Vernarbungen oder Verwachsungen durch ein Stoma
  • Wundheilstörungen oder Wundentzündungen

Fazit

Verzichten müssen Sie als Stomaträger bei ihrer Ernährung auf nichts. Es ist jedoch sinnvoll, Lebensmittel nach ihrer Wirkung auf die Verdauung zu unterscheiden und ggf. wohl zu portionieren. In Anbetracht der starken Entwässerung des Körpers durch ein Stoma, sowie drohender Nährstoffdefizite durch Funktionsbeeinträchtigungen des Dünndarms ist auch eine gesteigerte Nährstoff- bzw. Flüssigkeitszufuhr ratsam. Um einzelne Nebenwirkungen abzuschwächen, können Sie zudem Lebensmittel mit gegenteiligem Effekt nutzen.

 

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