Basische Ernährung – was steckt hinter diesem Konzept?

Geht es um das Konzept einer basischen Ernährung, sprechen viele von der sogenannten Azidose. Sie bezeichnet eine Übersäuerung des Blutes, die gegeben ist, wenn der Blut-pH-Wert unter 7,35 Punkten liegt. Allerdings hat basische Ernährung mit blutbasierter Übersäuerung nichts zu tun, denn hier geht es mehr um die Übersäuerung von Körpergewebe (alimentäre chronische Gewebeazidose). Lesen Sie in diesem Beitrag Einzelheiten zum basischen Konzept und ob es tatsächlich einer Übersäuerung vorbeugen kann.

Was ist basische Ernährung?

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Das basische Ernährungskonzept stützt sich auf die Annahme, dass unsere moderne Ernährung von einem Übermaß an säurebildenden Lebensmitteln bevölkert ist. Diese führen demnach zu einer fortschreitenden Übersäuerung des Körpers. Vor allem auf die Funktionalität des Stoffwechsels sollen sich säurebildende Lebensmittel negativ auswirken, weil die Übersäuerung hier nach der Verwertung der Lebensmittel ihren Anfang nimmt. Um die Übersäuerung auszugleichen, muss unser Körper nach Überzeugung der basischen Ernährung vermehrt Mineralien aufwenden. Diese kurbeln die Funktionalität des Stoffwechsels an und tragen somit zur Entsäuerung beitragen, so die Annahme.

Zusätzlich zur Entmineralisierung des Körpers durch erhöhte Stoffwechseltätigkeit geht das basische Ernährungskonzept auch davon aus, dass sich überschüssige Säuren hauptsächlich im Bindegewebe der Organe einlagern. Dort binden sie basische Mineralien aus umliegendem Körpergewebe an sich und bilden daraus schädliche Salze. Die Verdauungsorgane und Knochen sind laut der basischen Ernährung besonders von dieser Demineralisation betroffen. Langfristig entstünde durch die ernährungsbedingte Übersäuerung von Körpergewebe ein anhaltender Mineralstoffmangel. Dieser trägt wiederum zur Entstehung folgender Beschwerden bei:

  • Erschöpfungssymptome
  • Schlafstörungen
  • Gemütsschwankungen und Reizbarkeit
  • Muskelverspannungen und Muskelschmerzen
  • erhöhte Allergieanfälligkeit
  • Hautprobleme und Zellmutationen
  • Knochenschwund und Gelenkbeschwerden
  • Herzrhythmusstörungen

Die basische Ernährung bzw. das Basenfasten versucht nun, der Übersäuerung von Körpergewebe durch den gezielten Verzehr basenbildender Lebensmittel entgegen zu wirken. Zu diesem Zweck werden Nahrungsmittelbestandteile in Säurebildner und Basenbildner unterteilt. Als Säurebildner gelten dabei Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, die im Körper zur Säurebildung beitragen. Basenbildner sind hingegen Mineralstoffe, die dazu in der Lage sind, eine Gewebeazidose zu verhindern. Hier ein kleiner Überblick:

SäurebildnerBasenbildner
Chlor, Phosphor, Schwefel, Stickstoff (Nitrate)Chrom, Eisen, Fluor, Jod, Kalium, Kalzium, Kobalt, Kupfer, Lithium, Magnesium, Mangan, Molybdän, Natrium, Selen und Zink
säurebildende Lebensmittelbasenbildende Lebensmittel
Alkohol, Fisch, Fleisch, Wurst, Eier, Käse, Quark, Nüsse, Getreideprodukte (v.a. aus Weißmehl) , Hülsenfrüchte, Zucker, Nudeln, Butter, Margarine und SchwarzteeLeitungs- und Mineralwasser, Obst, Trockenobst, Gemüse, Sojaprodukte, fettarme Milch- und Rohmilchprodukte

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Vor- und Nachteile einer basischen Ernährung

Interessante Ansätze bietet das basische Ernährungskonzept reichlich. Nicht alle davon sind ernährungswissenschaftlich bedenklich oder ungerechtfertigt. Jedoch ernten einige Aussagen doch Kritik aus dem Bereich der Medizin und Ernährungswissenschaft. Man sollte die basische Ernährung deshalb von zwei Seiten betrachten:

  1. Fleisch und Fisch als Säurebildner

    Ein Grundgedanke der basischen Ernährung ist es, tierische Lebensmittel als starke Säurebildner aus dem Ernährungsplan zu streichen. Fleisch, Fisch und fettige Milchprodukte enthalten demzufolge hohe Mengen säurebildender Inhaltsstoffe. Fettarme Milchprodukte erkennt das basische Ernährungskonzept hingegen als „schwache“ Basenbildner an.

    • [+] Tatsächlich bedeuten Tierprodukte wie fettreiche Fleisch- und Käsesorten für die körpereigene Verdauung eine Mehrbelastung, die auf Dauer zu Stoffwechselstörungen und Gesundheitsproblemen führen kann.
    • [-] Fisch und mageres Geflügelfleisch ist als tierischer Eiweißlieferant unabdingbar. Zwar gibt es auch pflanzliche Proteinquellen, jedoch kann pflanzliches Eiweiß vom Körper nur schlecht verwertet werden und den täglichen Eiweißbedarf dauerhaft über Pflanzenproteine zu decken, ist schwierig.
  2. Trockenobst als Basenbildner

    Trockenobst wird von Vertretern des basischen Ernährungskonzepts hochgeschätzt und darf beim Basenfasten nach Herzenslust verzehrt werden. Das getrocknete Obst gilt je nach Obstsorte als stark bis schwach basisch.

    • [+] Wenn es ums Naschen geht, ist Trockenobst in der Tat eine gesunde Alternative zu zuckerhaltigen Süßwaren. Die getrockneten Früchte enthalten trotz mangelnder Frische oft gehörige Portionen an Vitaminen und Mineralien. Dies macht Trockenobst als Lebensmittel vor allem im Winter zu einer wichtigen Nährstoffquelle.
    • [-] Zahlreiche Trockenobstvarianten werden heute durch Schwefelung hergestellt. Hierfür verwendet die Lebensmittelindustrie schwefelhaltige Säuren, die gemäß der basischen Ernährung eigentlich als stark säurebildende Inhaltsstoffe gelten. Trockenobst ist also nicht gleich Trockenobst und kann auf keinen Fall als grundsätzlich basenbildend angesehen werden.
  3. Kontroverse bei Getreide und Hülsenfrüchten

    Hülsenfrüchte und Getreideprodukte definiert die basische Ernährung deshalb als säurebildende Lebensmittel, weil sie im Körper die Aufnahme des basenbildenden Minerals Eisen behindern sollen. Auch enthielten die beiden Arten von Lebensmitteln schädliche Mengen an Phytinsäure, die im Organismus eine Übersäuerung befördere.

    • [+] Es gibt einige Getreidesorten, die deutlich schädlicher sind als andere. Vor allem Weizen und Getreideprodukte aus Weizenmehl stehen immer wieder in der Kritik, weil sie durch ihren hohen Glutengehalt vermehrt allergische Reaktionen befördern.
    • [+] Auch Hormon- und Stoffwechselstörungen, wie sie bei Fetteinlagerungen, Diabetes Typ II, Gicht und einigen rheumatischen Erkrankungen zum Tragen kommen, stehen im Verdacht, durch lebenslangen Verzehr weizenhaltiger Lebensmittel begünstigt zu werden. Die Idee, Weizen- und Weizenmehlprodukte wie Weißbrot und Gebäck aus dem Ernährungsplan zu streichen, hat also ihre Berechtigung.
    • [-] Der Gehalt an Phytinsäure in den meisten Hülsenfrüchten und Getreidesorten ist schwindend gering und kann nach Ansicht von Ernährungsexperten nicht wirklich für eine Übersäuerung des Körpers verantwortlich gemacht werden.
    • [-] Zahlreiche Produkte aus Vollkorngetreide enthalten wertvolle Mengen basisch wirkender Mineralstoffe, wie zum Beispiel Eisen, Kalium, Mangan und Zink.
    • [-] Des Weiteren sollte man zwischen ungekeimtem und gekeimtem Getreide unterscheiden. So ist Keimlingsbrot zum Beispiel dafür bekannt, besonders mineralhaltig und damit eigentlich stark basisch zu sein. Die basische Ernährung widerspricht sich hier also zum Teil selbst.

Belege zur Wirkung der basischen Ernährung

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Fakt ist: Der Denkansatz des basischen Ernährungskonzepts, unsere moderne Ernährung wieder durch mehr Lebensmittel aus dem Bereich der Obst- und Gemüsesorten zu ergänzen, ist nicht falsch. Eine 2011 durchgeführte Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung kam nämlich zu dem Ergebnis, dass in Deutschland gut 68 Prozent aller Todesfälle durch ernährungsbedingte Krankheiten verursacht wird.

Fakt ist aber auch: Studien, welche die Wirkung von basischer Ernährung oder Basenfasten und damit eine Heilung oder Prävention ernährungsbedingter Krankheiten sicher belegen, gibt es nicht. Sicherer sind hingegen die kritischen Stimmen aus dem Bereich der Ernährungswissenschaft und Medizin. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ließ zum basischen Ernährungskonzept zum Beispiel verlauten:

„Eine basenüberschüssige Kost bringt keine nachweisbaren gesundheitlichen Vorteile. Eine Übersäuerung des Körpers ist beim Gesunden nicht zu befürchten, da Puffersysteme den Säure-Basen-Spiegel im Blut und Gewebe konstant halten. […]“

Eine Übersäuerung von Körpergewebe gibt es laut DGE übrigens nur bei bestehender Blut- oder Stoffwechselerkrankung (z.B. Diabetes). Dies bedeutet, dass die Gewebeazidose, wie sie von der basischen Ernährung als Folge säurebildender Lebensmittel beschrieben wird, nicht existiert. Ungesund ist eine basische Ernährung deshalb aber nicht. Zumindest dann nicht, wenn sie nur kurzfristig, also als Basenfasten angewendet wird. Als dauerhafte Ernährungsform gilt das basische Ernährungskonzept hingegen als umstritten. Grund hierfür ist die Tatsache, dass der strenge Verzicht auf mineralhaltige Hülsenfrüchte sowie Getreide- und Fischsorten innerhalb der basischen Ernährung die für eine Entsäuerung tatsächlich sehr wichtige Aufnahme von Mineralstoffen eher behindert als unterstützt.

Fazit

Unsere moderne Ernährung gibt der basischen Ernährung zu Recht Grund zur Sorge. Denn über ein Drittel aller Todesfälle ist durch ernährungsbedingte Krankheiten motiviert. Diese Krankheiten aber von säurebildenden Lebensmitteln abhängig zu machen und basische Lebensmittel als Allheilmittel zu betrachten, ist nicht ganz unbedenklich. Viele der nach dem basischen Ernährungskonzept als „schlechte Säurebildner“ dargestellten Lebensmittel sind für unsere Ernährung nämlich von großer Bedeutung. Zwar sollte man Fisch, Fleisch und Getreide mit Sorgfalt auswählen und auch nur in Maßen verzehren. Sie ganz wegzulassen kann dem basisch wirkenden Mineralhaushalt des Körpers aber mehr schaden als nützen. Empfehlen lässt sich basische Ernährung deshalb nur als vorübergehendes Basenfasten, nicht aber als lebenslanges Ernährungskonzept.

 

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