Heilfasten – ist die Fastenkur sinnvoll oder schädlich?

Im Christentum, ebenso wie im Judentum, Islam und Buddhismus, gilt ein alljährliches Fasten als wichtiger Bestandteil des religiösen Lebens. Die Gründe des Fastens sind hier zum Teil mit der Idee verknüpft, Solidarität mit armen Menschen zu zeigen. Diese müssen aufgrund ihrer Armut oft unfreiwilliges Fasten. Zum Teil liegt dem religiösen Fasten aber auch ein gesundheitlicher Aspekt zugrunde, denn durch eine Fastentherapie wird dem Körper Gelegenheit zur Entlastung und Reinigung gegeben. Das Heilfasten eint in diesem Zusammenhang verschiedene Ansätze des reinigenden Fastens. Inwiefern diese Prinzipien der Fastentherapie gesundheitsfördernd oder eher schädlich sind, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Was ist Heilfasten überhaupt?

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Das Heilfasten geht davon aus, dass sich im Laufe unseres Lebens eine ganze Reihe gesundheitsschädlicher Schlacken im Körper ansammeln. Sie entstehen nach Auffassung der Fasten- bzw. Heilfasten-Anhänger zum einen durch für den Organismus unverwertbare oder schwer lösliche Abbauprodukte von Nahrungsmittelbestandteilen (z.B. Salze, Fette, Zuckerbausteine oder Säuren). Zum anderen stellen Umweltschadstoffe wie Metallpartikel oder Feinstaub eine enorme Belastung für den Körper dar, so die Annahme. Gemeinsam sei den Urhebern gesundheitsschädlicher Schlacken dabei, dass sie sich mit Vorliebe im Körpergewebe sowie in Organen und Gefäßen einlagern. Hierdurch könne es laut Heilfasten-Überzeugung zu nachhaltigen Stoffwechselstörungen kommen. Diese begünstigen wiederum unter anderem folgende gesundheitliche Probleme:

  • allgemeine Stoffwechselerkrankungen
  • z.B. Fettleibigkeit, Diabetes oder Gicht

  • Hauterkrankungen
  • z.B. Neurodermitis, Schuppenflechte oder Hautallergien

  • Atemwegserkrankungen
  • z.B. Asthma oder COPD

  • Herz- und Gefäßkrankheiten
  • z.B. Arteriosklerose oder Herzinsuffizienz

  • Knochen- und Gelenkerkrankungen
  • z.B. Arthrose, Rheuma oder Osteoporose

  • Magen-Darm-Probleme
  • z.B. Verdauungsprobleme, Geschwüre oder Entzündungen des Verdauungstraktes

  • sonstige Gesundheitsprobleme
  • z.B. Krebs, Unfruchtbarkeit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Migräne

Das Heilfasten beruht folglich auf der Idee, durch reduzierte Nahrungsaufnahme oder den ausschließlichen Verzehr bestimmter Lebensmittel Giftstoffe und andere schädliche Körperschlacken gezielt aus dem Körper zu schleusen. Der Organismus würde durch das Fasten also entschlackt und entgiftet. Auch Stoffwechsel- und Immunfunktion sollen im Zuge einer Fastenkur wieder verbessert und so nicht nur das körperliche, sondern auch das seelische Wohlbefinden gesteigert werden.

Wie funktioniert Heilfasten?

Richtiges Heilfasten folgt einem festen Konzept. Dabei ist schon die Vorbereitung auf das eigentliche Fasten von enormer Wichtigkeit. Man sollte darum im Vorfeld 2 bis 3 der sogenannten Entlastungstage einplanen. Denkbar ist hier zum Beispiel ein:

  • Obsttag,
  • Gemüsetag,
  • Safttag,
  • oder Reistag.

Dieser soll den Körper auf die bevorstehende Fastentherapie vorbereiten und ein erster Schritt hin zum Entschlackungsprozess sein. Der Verzicht auf Suchtmittel wie Alkohol, Kaffee oder Zigaretten ist für die Entlastungstage ebenfalls wichtig.

Das Fasten selbst dauert im Anschluss an die Entlastungstage im Normalfall 3 bis 7 Tage. Einige fasten auch schon mal 7 bis 14 Tage oder machen gar einen Fastensport von bis zu 42 Tagen daraus. (Von Letzterem ist mit Blick auf die Gesundheit schon an dieser Stelle abzuraten) Im Anschluss an das Fasten kommt das Fastenbrechen. Es zeigt wie beim religiösen Fasten das Ende des Fastens an und wird beim Heilfasten mit

  • 1 Apfel oder Apfelmus zum Frühstück
  • 1 Apfel oder Apfelmus zum Mittagessen
  • und einer leichten Gemüsesuppe zum Abendessen

begangen. Im Anschluss an das Fastenbrechen folgen die sogenannten Aufbautage. Für einige ist das Heilfasten danach vollständig beendet. Andere sehen die Aufbautage lediglich als kurze Pause vor ihrem nächsten Heilfasten. Grundsätzlich sollte die Aufbauzeit aber mindestens ein Drittel der Fastentage oder, bei Kurzfastern, mindestens 2 bis 3 Aufbautage umfassen. Hier kommt es dann darauf an, den Körper mit leichter Proteinkost sowie leichtverdaulichem Obst und Gemüse vom Fasten zu entbinden. Denkbare Lebensmittel sind zum Beispiel:

  • Knäckebrot
  • Buttermilch
  • Kräuter-Magerquark
  • Ziegenkäse
  • Hüttenkäse
  • Naturjoghurt
  • Honig
  • Möhren
  • Lauch
  • Äpfel
  • Leinsamen
  • Müsli
  • Vollkornprodukte
Wichtig: Die Portionen sollten in den Aufbautagen Schritt für Schritt erhöht werden, um den auf Fasten eingestellten Stoffwechsel langsam wieder an eine normale Nahrungsaufnahme zu gewöhnen!

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Arten von Heilfasten – Ein Überblick

Für die Hauptphase des heilsamen Fastens gibt es verschiedene Ernährungskonzepte. Hier ein Überblick zu den wichtigsten Strategien:

  1. Heilfasten nach Buchinger
  2. Otto Buchinger war ein deutscher Arzt und gilt als Begründer des Heilfastens. Der Mediziner erkrankte mit 1917 an rheumatischer Arthritis, wobei es zur damaligen Zeit noch keine geeignete Behandlung für Rheumaerkrankungen gab. Buchinger widmete sich in Folge der Erforschung geeigneter Therapiemethoden und stieß dabei auf den Zusammenhang zwischen Rheuma und Stoffwechselstörungen. Gemeinsam mit einem Kollegen, dem Arzt Gustav Riedlin entwickelte Buchinger daraufhin eine Fastentherapie, um sein Gelenkrheuma zu behandeln. Dies gelang den beiden Ärzten auch und so wurde Buchingers Heilfasten zur ersten bekannten Form der Fastentherapie weltweit.

    Das Heilfasten nach Buchinger ist eine Mischung aus reduzierter Kalorienzufuhr (max. 200 bis 500 kcal pro Tag) und einer gezielten Darmreinigung durch Einläufe und dem Trinken von mindestens 2 bis 3 Litern Wasser pro Tag. Maßnahmen wie viel körperliche Bewegung, Leberwickel und Trockenbürsten sollen beim Heilfasten nach Buchinger die Stoffwechseltätigkeit weiter anregen. Zu den verzehrten Lebensmitteln gehören hier vor allem vitamin- und mineralstoffhaltige Produkte, wobei ein täglicher Ernährungsplan wie folgt aussieht:

  • morgens: Darmreinigung durch Einlauf, 1 Tasse Kräutertee mit Honig
  • mittags: Gemüsebrühe oder Gemüsesaft
  • abends: Gemüsebrühe oder Obst- bzw. Gemüsesaft, 1 Tasse Kräutertee mit Honig
  • Milch-Semmel-Fasten nach Mayr
  • Der Österreichische Gastroenterologe Franz Xaver Mayr beschäftigte sich gemäß seiner ärztlichen Profession mit den Funktionen und Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Er war der Überzeugung, dass eine vorübergehend eintönige Ernährung die Verdauungsfunktion des Darms und so auch die Stoffwechselfunktion verbessere. Seine Milch-Semmel-Diät wurde im Nachhinein weiter für das Fasten optimiert und umfasst heute folgenden Tagesplan:

    • morgens: Glaubersalz; 1 Glas Milch, 1 Semmel / 2 – 3 Scheiben Knäckebrot
    • mittags: Gemüsebrühe, 1 Semmel / 2 – 3 Scheiben Knäckebrot, 1 Glas Milch, Kräutertee
    • abends: Gemüsebrühe, 1 Semmel / 2 – 3 Scheiben Knäckebrot, Kräutertee

    Ergänzend zu jeder Mahlzeit werden beim Heilfasten nach Mayr heute Vitamin- und Mineralstoffpräparate eingenommen. Zum Abendessen sind ferner 30 bis 50 g Eiweißzulage (z.B. Fisch oder Magerquark) empfohlen.

    Neben der Monotonie der Nahrung schrieb Mayr auch dem Kauen trockener Semmel eine große Bedeutung zu, weil es den Speichelfluss anrege und so die Verdauung positiv unterstütze. Insgesamt begründet sich Mayrs Milch-Semmel-Diät auf drei Prinzipien

    • Schonung – durch die Zufuhr sehr schlichter Nahrungsmittel wird der Verdauungstrakt entlastet
    • Säuberung – die schlichten Nahrungsmittel enthalten wenig bis gar keine schlackebildenden Inhaltsstoffe. Darüber hinaus helfen Glaubersalz, Tees und Gemüsebrühen bei der Entschlackung, Entgiftung und Entwässerung.
    • Schulung – Der Magen-Darm-Trakt wird nach anfänglicher Schonung und Säuberung wieder an einen gesunden Verdauungsrhythmus gewöhnt. Die Darmmuskulatur (Peristaltik) lässt sich durch Mayrs Fastenkur regulieren.
  • Heilfasten durch Flüssignahrung und Getränke
  • Es gibt verschiedene Konzepte zum Heilfasten, die sich auf eine Entschlackung durch Fasten mit Flüssignahrung und Getränke fokussieren. Die mögliche Lebensmittelpalette umfasst hier je nach Fastentherapie Kräutertee, Obst- und Gemüsesäfte, die als natürliche Abführmittel, Vitamin- und Nährstofflieferanten dienen, sowie flüssige Milchprodukte (v.a. Molke und Buttermilch), um den täglichen Proteinbedarf zu decken. Ein Tagesplan fürs Heilfasten mit Flüssignahrung könnte dabei wie folgt aussehen:

    • 0,2 l Pflaumen- oder Sauerkrautsaft zum Frühstück
    • 1 – 1,5 l Molke oder Buttermilch über den Tag verteilt
    • 0,5 l trüber Apfelsaft über den Tag verteilt
    • 3 l kohlensäurefreies Wasser oder Kräutertee über den Tag verteilt
  • Reis-, Obst- und Gemüse-Fasten
  • Die Reis-, Obst- und Gemüsetage aus der Fastenvorbereitung können auch als Konzept für das eigentliche Heilfasten herhalten. Wichtig ist hier, auf leicht verdauliche sowie entschlackende oder entwässernde Gemüsesorten, Früchte und Reisbeilagen zu achten, damit die Fastentherapie nicht ihren Zweck verfehlt. Darüber hinaus müssen immer mindestens 3 Liter Wasser oder Kräutertee getrunken werden, um die Entschlackung zu unterstützen und den Flüssigkeitshaushalt des Körpers stabil zu halten. Hier einige Anreize zu geeigneten Lebensmitteln für eine solche Fastenkur:

    • Vollkornreis
    • Ananas
    • Äpfel
    • Brennnesseltee
    • Gurken
    • Möhren
    • Rhabarber
    • Sauerkraut
    • Sellerie
    • Spargel
    • Tomaten
    • Zucchini

    Heilfasten – Wirkung und Nebenwirkungen

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    • Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) honoriert die positive Wirkung von Heilfasten auf das Essverhalten. Sie räumt ein, dass die Fastentherapie eine gesunde Lebensführung sowie ein gesundheitsorientiertes Ernährungsverhalten oftmals unterstütze, beziehungsweise die Ernährungsgewohnheiten eines Menschen zum Positiven verändern könne.
    • Allerdings weist die DGE auch darauf hin, dass die Wirkung des Heilfastens bislang noch nicht ausreichend durch Studien belegt ist und längere Heilfastenkuren auf keinen Fall ohne ärztliche Betreuung stattfinden sollten.
    • Sowohl DGE, als auch die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e.V. (ÄGHE) betonen, dass Fasten kein Mittel zum Abnehmen sei. Vielmehr diene es der kurzfristigen Entlastung des Verdauungsapparates, wobei dies nur bei einer Anwendung des Fastens in Maßen der Fall sei.
    • Dauerfasten ist nicht ganz ungefährlich, denn bei anhaltendem Fastenmodus wird im Körper der Hungerstoffwechsel aktiviert. Er lässt im Organismus vermehrt sogenannte Ketokörper (Aceton, Acetoacetat und 3-Hydroxybutyrat) entstehen. Diese sind zu Hungerzeiten eine wertvolle Energiequelle für den Körper, ihre Herstellung und Verwertung bedeutet für den Stoffwechsel auf Dauer aber einen enormen Mehraufwand. Darüber hinaus begünstigen Ketokörper einen Anstieg der Harnsäurewerte in den Nieren, was das Risiko von Nieren- und Blasensteinen erhöht. Die förderliche Wirkung des Fastens auf den Stoffwechsel, geht bei übertrieben langer Anwendungsdauer also verloren.
    • Kontraindiziert ist Heilfasten während der Schwangerschaft, Stillzeit, sowie bei Niereninsuffizienz, Kachexie und Essstörungen (z.B. Anorexia nervosa). Wer unter einem sehr hohen Purinspiegel leidet, dem droht beim Heilfasten zudem ein akuter Gichtanfall aufgrund der erhöhten Harnsäurewerte.

    Fazit

    Heilfasten kann – in Maßen angewandt – den Stoffwechsel und den Verdauungsapparat entlasten, wobei die entschlackende Reinigungsfunktion des Fastens bislang noch nicht ausreichend belegt ist. Viele Konzepte zur Fastentherapie wurden jedoch von renommierten Medizinern entwickelt und berücksichtigen gesundheitsrelevante Ernährungsaspekte. Gegen ein einmaliges Heilfasten unter Einhaltung des Fastenplans spricht also nichts. Von Dauerfasten oder Fasten zum Abnehmen wird gemäß DGE und ÄGHE hingegen abgeraten, da es Stoffwechsel und Verdauung eher be- als entlastet.

     

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