Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen – Ursachen, Symptome, Gegenmittel

Zu den mitunter am schwersten behandelbaren Krankheiten der Welt gehören die sogenannten Autoimmunerkrankungen. Sie entstehen immer dann, wenn das menschliche Immunsystem irrtümlicher Weise gegen körpereigenes Gewebe agiert. Dabei spielen die Fehlprogrammierung immuneigener Antikörper, sowie gestörte Immuntoleranzwerte eine entscheidende Rolle.

Insgesamt gibt es hunderte verschiedener Krankheitsbilder, die unter den Begriff der Autoimmunerkrankung fallen. Hierzu zählen auch Gastritis Typ A, Morbus Crohn, Morbus Addison und Multiple Sklerose. Viele der besagten Krankheitsbilder sind aufgrund ihrer Seltenheit nur unzureichend erforscht. Geeignete Therapiemethoden machen deshalb häufig eine lebenslange, medikamentöse Behandlung erforderlich. Zudem können Autoimmunerkrankungen bislang noch nicht vollständig geheilt werden. Lesen Sie in diesem Beitrag mehr zum Thema.

Was ist eine Autoimmunerkrankung? – Einzelheiten zum chronisch erkrankten Immunsystem

© Lonely - Fotolia.com

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Das Immunsystem ist der Quell jedweder körperlicher Gesundheit. Ohne die von ihm gebildeten Antikörper wäre der Mensch dauerhaft wehrlos gegen Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren. Darüber hinaus wirkt die Immunabwehr aktiv an der Zellerneuerung mit, registriert und entfernt sie doch zuverlässig beschädigte sowie entartete Zellbestandteile. Auf diese Weise kann das Immunsystem sogar Krebszellen bis zu einem gewissen Grad selbst abbauen.

Verantwortlich für diesen effizienten ‚Spürmechanismus‘ ist ein hochkomplexes Netzwerk aus Zellen und Molekülen. Insbesondere das Zusammenspiel von T-Zellen und MHC-Molekülen stellt für das Immunsystem ein unerlässliches Werkzeug zur Feststellung von Gesundheitsschäden dar. Gemeinsam erzeugen die beiden Stoffe die sogenannte Immuntoleranz – ein Erkennungsmechanismus, der den Körper regelmäßig nach Fremdkörperstrukturen in Form von Antigenen absucht. Im Falle einer Gesundheitsbeeinträchtigung veranlassen die alarmierten Toleranzwerte eine sofortige Produktion immuneigener Antikörper, welche die Urheber der Antigene (z.B. Bakterien, Viren oder Tumorzellen) beseitigen.

Bei Autoimmunerkrankungen ist der beschriebene Erkennungsmechanismus allerdings gestört. So geschieht es, dass T-Zellen nicht nur bösartiges Fremdgewebe, sondern auch körpereigenes Gewebe als schädlich einstufen. Im Verlauf einer Autoimmunerkrankung richtet sich das Immunsystem folglich gegen den eigenen Körper. Die hierbei aktivierten Antikörper werden als Autoantikörper bezeichnet, wobei sich ihr Angriff gegen so gut wie alle Körperbereiche richten kann. Unterschieden wird zwischen folgenden Formen von Autoimmunerkrankung:

  • organspezifische Autoimmunerkrankungendie Autoimmunkrankheit richtet sich gezielt gegen einzelne Organe wie Darm, Haut oder Nieren.
  • systemische Autoimmunerkrankungendie Autoimmunkrankheit befällt organunspezifische Körpersysteme, wie es z.B. bei Rheumaerkrankungen der Fall ist.
  • intermediäre Autoimmunerkrankungendie Autoimmunkrankheit stellt eine Mischform verschiedener Autoimmunerkrankungen dar.

Ursachen für Autoimmunerkrankungen

Manchmal basieren Autoimmunerkrankungen auf einer fehlerhaften Selektion von T-Zellen im Thymus. Dieser bezeichnet ein auf Herzhöhe gelegenes Immunorgan, in dem die Erkennungszellen für ihre Aufgabe im Immunsystem ausgewählt werden. Sollte die Thymusselektion fehlerhafte T-Zellen übersehen, gelangen diese ebenfalls in den Erkennungsmechanismus der Immuntoleranz und verursachen somit Fehler beim Leseprozess der Körpermoleküle. Eine Situation, die Autoantikörper begünstigt.


Autoimmunerkrankungen im Detail


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Kollagenose
Sklerodermie
Multiple Sklerose (MS)


Im Einzelnen sind die genauen Ursachen für Autoimmunerkrankungen jedoch bis heute nicht völlig geklärt. Allerdings gehen Forscher mittlerweile von dem Einfluss folgender Faktoren aus:


erbliche Faktoren: Dass eine genetische Disposition die Entstehung bestimmter Krankheiten begünstigen kann, ist kein Geheimnis. Und auch bei Autoimmunerkrankungen spielt die genetische Veranlagung eine gewisse Rolle. Bestes Beispiel hierfür sind Multiple Sklerose und Morbus Addison. Beide Krankheiten resultieren aus Fehlfunktionen im Immunsystem und werden durch genetische Faktoren stark beeinflusst.

Ernährungsfaktoren: Autoimmunerkrankungen wie Gastritis Typ A und Morbus Crohn zeichnen sich dadurch aus, dass sie sehr sensibel auf den Verzehr von Lebensmitteln reagieren. Auch ist erwiesen, dass die Zusammensetzung der Darmflora einen entscheidenden Beitrag zur Entstehung dieser organspezifischen Autoimmunkrankheiten leistet. Die richtige Wahl der Lebensmittel kann also nicht nur Symptome lindern, sondern auch Initialreize zum Ausbruch der Erkrankung schaffen.

Umwelt- und Hygienefaktoren: Stress, Chemikalien, eine schadstoff- oder keimbelastete Umgebung können den Ausbruch einer Autoimmunkrankheit enorm beschleunigen. Sollte eine immunbasierte Erkrankung (z.B. Schuppenflechte) also bereits latent schlummern, wird sie durch mangelnde Hygiene, einen stressreichen Alltag oder den Kontakt zu chemischen Substanzen möglicherweise aktiviert. Daneben verstärken die genannten Faktoren oftmals die Agressivität der Autoantikörper, was für plötzliche Krankheitsschübe sorgen könnte.

Vorerkrankungen: Bestehende Krankheiten bedeuten für das Immunsystem immer eine Mehrbelastung. Nicht nur, dass hier vermehrt Antikörper zur Beseitigung von Krankheitserregern gebildet werden müssen, ist auch die Abwehrfunktion nach der Heilungsphase deutlich geschwächt. Nicht selten kommt es in diesem Zusammenhang auch zur Manifestation von Autoimmunerkrankungen. Gerade vermeintliche Volkskrankheiten wie die Grippe dienen hier häufig als Indikator. So ist das Auftreten von Herpes nach einer Erkältung beispielsweise gelegentlich ein Hinweis auf eine bestehende Erkrankung des Immunsystems.


Welche Symptome verursachen Autoimmunerkrankungen?

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Die Art der Beschwerden sind bei einer Autoimmunkrankheit meist abhängig von den betroffenen Körperabschnitten. Sollten sich die Autoantikörper bspw. vermehrt gegen den Magendarmtrakt richten, ist vorrangig mit Verdauungsproblemen zu rechnen. Für einen besseren Überblick hier die Hauptsymptome einiger Autoimmunerkrankungen im Überblick:


autoimmune Blut- und Blutgefäßkrankheiten
z.B. Blutarmut, Raynaud-Syndrom oder Vaskulitis

  • erhöhter oder verringerter Blutdruck
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzschmerzen
  • Sauerstoffmangel des Blutes
  • Venenleiden
  • Venenkrämpfe

autoimmune Gelenks-, Knochen-, Muskel- und Nervenkrankheiten
z.B. Multiple Sklerose oder rheumatoide Arthritis

  • Abbau der Knochen- bzw. Muskelsubstanz
  • eingeschränkte Bewegungsfreiheit
  • erhöhte Bruchgefahr
  • Gelenkschmerzen
  • Rückenschmerzen

autoimmune Hautkrankheiten
z.B. Allergien, Schuppenflechte oder spezielle Formen von Dermatitis

  • Absterben von Hautzellen
  • Juckreiz
  • Veränderungen der Hautzellen
  • Rötungen und Entzündungen der Haut

autoimmune Organerkrankungen
z.B. Colitis ulcerosa, Gastritis Typ A, Morbus Crohn oder Morbus Addison

  • Bauchschmerzen
  • Lebensmittelunverträglichkeiten
  • Leberzirrhose
  • Nierenbeschwerden und Nierenversagen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Verdauungsprobleme

autoimmune Stoffwechselerkrankungen
z.B. Diabetes Mellitus Typ I oder Morbus Basedow

  • Erschöpfungsgefühle und Müdigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Gewichtszunahme
  • gestörter Stoffwechselhaushalt
  • Schweißausbrüche
  • Schwindel
  • Übelkeit und Erbrechen


Diagnose und Therapie bei Autoimmunkrankheiten

© Juan Gärtner - Fotolia.com

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Die Feststellung einer Autoimmunerkrankung gestaltet sich mit Blick auf die vielseitigen Erscheinungsformen äußerst schwierig. Zum einen können Sie je nach Beschwerdebild einen Facharzt aufsuchen, der Ihnen mit bildgebenden Verfahren sowie Bluttests bei der Diagnosestellung hilft. Zum anderen können DNA-Tests notwendig werden, um zu ermitteln, ob die Autoimmunkrankheit durch erblich bedingte Faktoren ausgelöst wird.

Ähnlich differenziert ist bei Autoimmunerkrankungen auch die Art der Behandlung zu sehen. Je nach Krankheitsbild lassen sich folgende Therapiemaßnahmen ergreifen:


medikamentöse Therapie: Grundsätzlich kommt bei Autoimmunerkrankungen nur eine palliative (symptomlindernde) Behandlung durch immunsuppressive Medikamente in Frage. Diese zielt maßgeblich darauf ab, das körperfeindliche Verhalten der Autoantikörper zu hemmen. Ebenso lassen sich durch moderne Arzneipräparate gesundheitsschädliche Abläufe im Immunsystem zumindest ansatzweise unterdrücken, was die gestörte Immuntoleranz zusätzlich entschärft.

Ernährungstherapie: Bei speziellen Formen einer Autoimmunerkrankung (z.B. bei Morbus Basedow, Morbus Crohn oder Gastritis Typ A) können gezielte Ernährungsumstellungen die Krankheitsbeschwerden lindern. Auch stärkt die bewusste Aufnahme von Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen die körpereigene Abwehr gegen Krankheitserreger, wodurch das Immunsystem entlastet wird.

Physiotherapie: Autoimmunerkrankungen wie Arthritis oder Rheuma reagieren erfahrungsgemäß positiv auf bewegungstherapeutische Maßnahmen. So lassen sich Gelenkversteifungen, aber auch Nerven- und Muskelstörungen mitunter sehr gut durch leichte Physiotherapie lindern. Zudem können die Therapiemaßnahmen zur Entspannung des Patienten beitragen, was das Auftreten stressbedingter Krankheitsschübe minimiert.


Tipps zur Prävention von Autoimmunkrankheiten

Behandeln lassen mag sich eine Autoimmunkrankheit zum derzeitigen Forschungsstand nur bedingt. Allerdings können Sie selbst einiges tun, um den Ausbruch einer autoimmunen Erkrankung zu verhindern:

  • Achten Sie darauf, für das Immunsystem belastende Krankheiten stets vollständig auszuheilen. Rückstände von Krankheitserregern verursachen häufig eine gestörte Immuntoleranz und können auch Antikörper in ihrer Funktion beeinträchtigen.
  • Vermeiden Sie Stress und den dauerhaften Kontakt mit schädlichen Umwelteinflüssen. Hierzu zählen nicht nur Schadstoffe, sondern auch verunreinigte Oberflächen, chemisch behandelte Lebensmittel und Arbeitschemikalien.
  • Auch Rausch- und Genussmittel sind als Auslöser für eine Autoimmunerkrankung nicht auszuschließen. Konsumieren Sie Alkohol und Co. wenn überhaupt also nur in Maßen, um Schäden an Ihrem Immunsystem vorzubeugen.
  • Die Ernährung spielt bei manchen Autoimmunerkrankungen eine wichtige Rolle. Zur Prävention ist es deshalb sinnvoll, auch ohne Anzeichen einer Krankheit auf gesunde Lebensmittel zurück zu greifen.

Fazit

Eine Autoimmunerkrankung ist immer eine komplizierte Angelegenheit. Umso wichtiger ist es, durch eine gesunde Lebensweise ausreichende Vorsorge zu betreiben. Auch sollten Sie im Falle einer Allgemeinkrankheit auf eine vollständige Genesung achten, damit Ihr Immunsystem schnell wieder störfrei funktioniert. Im Falle einer bestehenden Autoimmunkrankheit müssen fachärztliche Differenzialdiagnosen über die richtige Therapie entscheiden