Gichtanfall – was tun?

Wer an Gicht leidet, ist meist an einer Purin-Stoffwechselstörung erkrankt. Diese sorgt durch einen Überschuss an Harnsäure (Hyperurikämie) dafür, dass sich Harnsäurekristalle vermehrt in Gelenkinnenräumen und umliegenden Geweberegionen anreichern. Die Gicht verläuft dabei in Schüben, sodass sich beschwerdefreie Zeiträume mit den schmerzhaften Phasen akuter Gichtanfälle ablösen. Lesen Sie in diesem Ratgeber, wie sich ein akuter Anfall gestaltet, durch welche Faktoren er ausgelöst werden kann und welche Methoden sich zur Behandlung eignen.

Wie entsteht ein akuter Gichtanfall?

Die grundlegende Ursache für einen akuten Gichtanfall ist eine erhöhte Konzentration von Harnsäure im Blut. Diese führt zur Überschreitung der harnsäureeigenen Löslichkeitsgrenze. Als Folge fallen vermehrt Harnsäurekristalle aus, die im umliegenden Gewebe oder in Gelenkinnenräumen schmerzhafte Entzündungen hervorrufen. Das Immunsystem ruft daraufhin Leukozyten an den Entzündungsherd, welche die Harnsäurekristalle aufnehmen und den Harnsäurespiegel so regulieren sollen. Dabei entsteht saures Laktat als Ausscheidungsprodukt und lagert sich in der Entzündungsstelle ein. Dies wiederum sorgt für ein Abfallen des pH-Wertes im Gelenkinnenraum, wodurch die Löslichkeit der Harnsäure weiter abnimmt. Es fallen erneut Kristalle aus und rufen Entzündungen hervor. Ein Teufelskreis also, der sich in einem akuten Gichtanfall äußert.

Ein akuter Krankheitsschub bei Gicht weist vor allem folgende Symptome auf:

© ThamKC - Fotolia.com

© ThamKC – Fotolia.com

  • plötzlich auftretende und starke Schmerzen
  • Berührungsempfindlichkeiten
  • Rötungen am Gelenk
  • Überwärmung der betroffenen Stelle
  • Schwellungen am betroffenen Gelenk.

Der Gichtanfall tritt meist nachts, am frühen Morgen oder unmittelbar nach Alkoholkonsum oder dem Genuss purinreicher Lebensmittel auf. Erfolgt schnell die nötige Behandlung, lindern sich die Symptome im Normalfall binnen einiger Stunden. Ohne Behandlung müssen Sie die Beschwerden eines Gichtanfalls mitunter bis zu 3 Wochen aushalten. Als Auslöser eines Krankheitsschubes kommen dabei folgende Faktoren in Frage:

  • Ernährung und Alkohol: Durch den übermäßigen Verzehr von Lebensmitteln, die einen hohen Puringehalt aufweisen (z.B. Innereien, Forellen, Schinken, Hülsenfrüchte) steigt der Harnsäurespiegel im Blut bei vorliegender Gicht drastisch an. Grund hierfür ist die Tatsache, dass beim Abbau der Purine Harnsäure entsteht. Selbiges gilt für den Konsum von alkoholhaltigen Getränken, wobei vor allem die im Bier enthaltene Hefe für erhöhte Purinwerte sorgt. Neben purinreicher Kost können zudem auch strenge Diäten den Harnsäurespiegel erhöhen, da es durch sie häufig zu starken Stoffwechselschwankungen kommt. Somit sind entsprechende Lebensmittel und Alkohol starke Auslöser für einen Gichtanfall.
  • körperliche Belastung und Stress: Starke körperliche Belastung, zum Beispiel in Form eines intensiven Trainings, kann sich ebenfalls steigernd auf den Harnsäurespiegel im Blut auswirken. So führt extremes Training zu einem Flüssigkeitsverlust, auf den der Körper mit einem erhöhten Zellumsatz reagiert. Der Prozess begünstigt die Freisetzung von in den Zellen enthaltenen Purinen und sorgt bei Gicht ähnlich wie purinhaltige Nahrung für einen rapiden Anstieg der Harnsäure. Einen vergleichbaren Effekt hat auch körperlicher Stress im Alltag, der ebenfalls als Auslöser gilt.
  • Erkrankungen und Verletzungen: In seltenen Fällen haben akute Schübe bei Gicht auch Krankheiten oder Verletzungen als Auslöser. Der Prozess gleicht jenem bei falscher Ernährung und Körperstress, wobei insbesondere Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus und Nierenfunktionsstörungen (z.B. durch Niereninsuffizienz) den Harnsäurespiegel ansteigen lassen.

Behandlung bei Akutfällen der Gicht

Ein erhöhter Harnsäurespiegel, ebenso wie der Leukozytgehalt im Blut lassen sich bei akuter Gicht am besten durch Bluttests diagnostizieren. Zusätzlich helfen bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder eine CT dabei, zu überprüfen, inwieweit betroffene Gelenke bereits durch die Harnsäurekristalle geschädigt wurden.

Im Zentrum der Therapie stehen bei einem akuten Gichtschub zunächst die Linderung der schmerzhaften Symptome und die Eindämmung der auftretenden Entzündungsreaktionen. Hierzu werden vor allem schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Keinesfalls dürfen dabei Mittel wie Aspirin zur Anwendung kommen, die Acetylsalicylsäure enthalten, da diese die Ausscheidung von Harnsäure verlangsamt und somit die Anreicherung von Harnsäurekristallen begünstigt. Einzelheiten zum richtigen Vorgehen bei einem Gichtanfall entnehmen Sie bitte der nachstehenden Übersicht:

  • Akuthilfe – Um das schmerzende Gelenk schnellstmöglich zu entlasten, sollten Betroffene am besten einen kühlenden Umschlag auf das betroffene Gelenk legen. Das Gelenk sollten sie dabei auf einem weichen Kissen hochlagern. Neben Kälte kann sich auch die Zufuhr von Wärme angenehm auswirken, zum Beispiel in Form eines entspannenden Bades. Ebenso ist es wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um die Nieren in ihrer Harnsäureausscheidung anzuregen und so die Harnsäurekonzentration zu vermindern. Dies kann durch das Trinken von harntreibenden Tees (z.B. Salbeitee, Ingwertee, Birkenblättertee) unterstützt werden. Auch homöopathische Mittel wie Bryonia und Belladonna, die gegen starke Schmerzen und Fieber wirken, können zum Einsatz kommen.
  • Schmerzmittel – Zur Schmerzsenkung und Entzündungshemmung werden bei akuten Fällen von Gicht nichtsteroidale-antirheumatika (NSAR) eingenommen, die die Schmerzen innerhalb kurzer Zeit abklingen lassen. Mittel wie Ibuprofen, Diclofenac, Etoricoxib oder Naproxen geören dabei zum Standard. Sie werden als Tabletten eingenommen. Menschen die an Gicht erkrankt sind, sollten sich diesbezüglich einen Vorrat zulegen, um bei akuten Krankheitsschüben schnell handeln zu können.
  • Colchicin – Um den weiteren Abbau der Harnsäurekristalle und die daraus folgende Ansäuerung des Gelenkinnenraums zu unterbinden, verabreichen Ärzte häufig sogenanntes Colchicin. Dieses aus der Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale) gewonnene Medikament wird mit einer Höchstdosis von maximal 6 mg pro Tag in Tablettenform eingenommen.
  • Kortison – Auch das körpereigene Cortisol trägt dazu bei, die für Gicht typischen Entzündungsreaktionen und damit verbundene Schmerzen zu lindern. Meist werden hierfür Tabletten mit cortisolhaltigen Glukokortikoiden verwendet (z.B. Prednisolon). Bei größeren Gelenken kann Kortison aber auch direkt in die Gelenkkapsel gespritzt werden.
  • Ernährungsumstellung – Um die allgemeine Dauer von Krankheitsschüben bei Gicht zu beschränken, ist es notwendig. die Ernährung dauerhaft umzustellen. Hierzu sollte auf den Verzehr purinreicher Lebensmittel und den Konsum von Alkohol (v.a. Bier) im Großen und Ganzen verzichtet werden. Ebenso sind strapazierende Diäten, Fasten oder Durstphasen zu vermeiden. Stattdessen ist es für Patienten mit Gicht wichtig, stets ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen (2 – 3 l täglich) und dem Körper Vitamin C zuzuführen. Letzteres wirkt sich sehr positiv auf die Ausscheidung von Harnsäure aus und kann die Schmerzphasen bei Gicht somit einschränken.
© ThamKC - Fotolia.com

© ThamKC – Fotolia.com

Gichtanfall – Wann zum Arzt?

Ein Arztbesuch ist bei akuten Anfällen von Gicht nahezu immer ratsam. Nur so lassen sich Gelenkschäden, die durch unzureichende Behandlung entstehen können, vermeiden. Setzen sie im Falle akuter Krankheitsschübe also auf eine Untersuchung beim Arzt, selbst wenn diese nur der Kontrolle dient.

Fazit

Ein akuter Gichtanfall ist die besonders schmerzhafte Phase einer Gicht, bei der sich die kristallisierte Harnsäure in Gelenken und Geweben ablagern. In der Folge kommt es zu einer Entzündungsreaktion in der betroffenen Körperregion, die zu stechenden Schmerzen, Berührungsempfindlichkeit, Überwärmung, Schwellungen und Rötungen führt. Um betroffene Gelenke vor bleibenden Schäden zu schützen, sollten Sie diese schonen und durch entzündungshemmende und schmerzlindernde Mittel entlasten. Am besten erfolgt in Akutphasen eine ärztliche Behandlung, sowie eine Kontrolle der betroffenen Gelenke auf Substanzschäden.

 

Related Posts

Leave a Comment