Darmträgheit – was tun gegen zu langsame Verdauung?

Wenn der Darm immer wieder durch Verstopfung Probleme macht, oder der Stuhl im Allgemeinen sehr hart und trocken erscheint, dann liegt womöglich eine chronische Darmträgheit vor. Es handelt sich dabei um kein seltenes Phänomen, das sowohl den Dick- als auch den Dünndarm betreffen kann und an dem hierzulande rund 15 Millionen Menschen leiden. Mit zunehmendem Alter ist ein träger Darm sogar eine der häufigsten Verstopfungsursachen. Ursachen für die Passivität im Bauch können sowohl eine falsche Ernährung als auch Krankheiten sein. Im Folgenden erfahren Sie, wie es zu Darmträgheit kommen kann und wie sich diese behandeln lässt.

Was ist Darmträgheit?

Im Bauch hat eines der komplexesten menschlichen Organe seinen Sitz: der Darm. Die drei Schichten seiner Wand – Schleimhaut, Ringmuskulatur und Längsmuskulatur – sorgen dafür, dass aufgenommene Nahrung aufgeschlossen und weitertransportiert wird. Nerven, die wir bewusst nicht beeinflussen können, geben dabei den Impuls zur Darmperistaltik, die den Nahrungsbrei schrittweise vom Magen durch den Dünndarm, den Dickdarm und schließlich nach draußen befördert. Ist der Organismus gesund, findet dieser Prozess meist innerhalb von 60 Stunden statt. Verschiedene Faktoren im Lebensstil sowie Krankheiten können Reize auf die Nerven im Bauch dämpfen, den Stoffwechsel verlangsamen und die Passage des Nahrungsbreis durch den Darm bremsen. Von Darmträgheit sprechen Fachleute, wenn es weniger als dreimal in der Woche zum Stuhlgang kommt.

Wie entsteht Darmträgheit?

Findet die „Sitzung“ auf der Toilette weniger als dreimal pro Woche statt, sprechen Mediziner von Darmträgheit, Quelle: © photo 5000 – Fotolia.com

Ursächlich für einen trägen Darm ist eine verlangsamte Darmbewegung (Darmperistaltik). Sie betrifft zumeist den Dickdarm, kann in seltenen Fällen aber schon im Dünndarm ihren Anfang nehmen. Der Stuhl wird hierbei nur sehr langsam in den Enddarm transportiert, weshalb er dazu neigt, sich aufzustauen und zu verdichten.

Darüber hinaus können dem Kot durch das lange Verweilen im Darm vermehrt Wasser und Salze entzogen werden, wodurch der Stuhl trocken und hart wird. Nicht selten entwickelt sich aus der Darmträgheit eine chronische Verstopfung (Obstipation), wobei die Medizin hier zwischen zwei Formen unterscheidet:

  • Primäre Obstipation – Die Ursachen der zur Verstopfung führenden Darmträgheit lassen sich medizinisch nicht erklären
  • Sekundäre Obstipation – Der träge Darm, welcher der Verstopfung zugrunde liegt, wird durch nachweisbare Ursachen (z.B. Krankheiten oder Medikamente) hervorgerufen

Außerdem wird zwischen der akuten und der chronischen Verlaufsform unterschieden, wobei die akute Darmträgheit relativ selten auftritt. Häufiger liegt eine chronische Darmträgheit vor, von der gesprochen wird, wenn Patienten

  • länger als drei Monate weniger als dreimal pro Woche Stuhlgang haben
  • beim Stuhlgang stark pressen müssen oder
  • nach dem Stuhlgang das Gefühl haben, Ihr Darm sei unvollständig entleert

Welche Ursachen rufen Darmträgheit hervor?

Im Allgemeinen können diverse Ursachen zu einer Darmträgheit und infolgedessen zu einer Obstipation führen. Einen Überblick zu den wichtigsten Gründen finden Sie nachstehend:

  • Vorerkrankungen: Es gibt zahlreiche Basiserkrankungen für einen trägen Darm sowie eine mögliche Verstopfung. Dazu gehören unter anderem:
    Ballaststoffarme Nahrung auf der Basis von Weißmehl und tierischen Produkten begünstigt die Entwicklung von Darmträgheit, Quelle: © FoodieFactor/Pixabay.com
    • Mangelernährung und ungesunde Gewohnheiten: Kommt es im Körper zu einer Störung des Salzhaushaltes, kann dies durchaus eine Ursache für eine Verlangsamung Ihrer Darmtätigkeit sein. Dies passiert zum Beispiel bei einem Kaliummangel. Hauptursache für eine Darmträgheit in westlichen Ländern ist jedoch eine zu geringe Zufuhr von Flüssigkeit und eine ballaststoffarme Ernährung in Kombination mit mangelnder Bewegung. Auch Alltagsstress und stressbedingtes Unterdrücken des Stuhlgangs befördern in Industrienationen immer häufiger einen trägen Darm.
    • Psychische Belastungen: Magen und Darm reagieren in ihrer Funktion empfindlich auf seelische Stressfaktoren. Angststörungen, Depressionen sowie akute Belastungen der Psyche können durchaus mit Verdauungsstörungen wie Darmträgheit in Verbindung stehen.
    • Bewegungsmangel und Alter: Nicht nur in jungen Jahren kann ein Mangel an Bewegung einen trägen Darm begünstigen. Gerade im hohen Alter, wenn viele Menschen vermehrt bettlägerig werden, kann dies die Darmtätigkeit enorm verlangsamen. Überhaupt baut die Darmfunktion im Alter stetig ab. Und auch im Falle von Krankheiten (z.B. bei langen Klinikaufenthalten) stellt sich über Bewegungsmangel eine verlangsamte Darmperistaltik ein.
    • Medikamenteneinnahme: Die Einnahme bestimmter Medikamente kann zu einer Verlangsamung des Darms führen. Hierzu zählen unter anderem Medikamente gegen Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Epilepsie, Asthma und Allergien, Eisenmangel, starken Husten, Inkontinenz oder Parkinson. Auch Säureblocker für den Magen, sogenannte Antazida, bremsen durch das enthaltene Kalziumkarbonat den Verdauungsprozess . Zusätzlich können Schmerz-, Beruhigungs- und Schlafmittel sowie bestimmte Psychopharmaka als Nebenwirkung Trägheit auslösen.
    • Fehlregulierung des Hormonhaushaltes: Neben einer Schilddrüsenunterfunktion und anderen hormonellen Störungen, kann auch eine Schwangerschaft zur Darmträgheit führen. Während der Schwangerschaft schüttet der Körper vermehrt das Hormon Progesteron aus. Das Geschlechtshormon gilt als „unterleibsberuhigend“ und provoziert auf diesem Wege eine Verlangsamung der Darmtätigkeit.

    Diagnose und Behandlung bei Darmträgheit

    Für die Diagnose einer Darmträgheit führt Ihr Arzt mit Ihnen ein eingehendes Gespräch. Hierbei wird erfragt, wie häufig Sie Stuhldrang haben und welche Beschaffenheit ihr Stuhl besitzt. Daneben wird er Sie zur individuellen Ernährung, Bewegungsgewohnheiten und möglichen Stressfaktoren befragen.

    Um andere Darmerkrankungen auszuschließen, erfolgt zudem eine körperliche Untersuchung des Dickdarms, um bestehende Verstopfungen, Organerkrankungen und Organfehlfunktionen aufzudecken. Dabei stehen Ärzten folgende diagnostische Methoden zur Verfügung:

    • Urin- und Blutanalyse: Auf diese Weise ermittelt man den Elektrolytstatus des Patienten und erhält hinweise, ob eine Stoffwechselerkrankung vorliegt oder der Patient aufgrund von Abführmittelmissbrauch an Darmträgheit leidet.
    • Hämoccult-Test: Blut im Stuhl kann ein Hinweis auf chronische Darmentzündungen, Polypen oder Darmtumoren sein.
    • Sonografie: Im Ultraschallbild vom Bauch der Betroffenen sind krankhafte Verengungen des Darms zumeist erkennbar. Darüber hinaus sieht der behandelnde Arzt, ob die Peristaltik aktiv ist oder kaum Bewegung im Verdauungsorgan stattfindet.
    • Darmspiegelung: Innerhalb der Koloskopie erkennen Fachleute Gewebeveränderungen in der Darmwand, etwa Tumoren und Polypen, welche die Passage verengen und Verstopfungen auslösen können.
    • Kolontransit-Test: Hierbei schluckt der Patient in festem zeitlichen Rhythmus mit Kontrastmittel gefüllte Kapseln. Nach einer Woche wird per Röntgenaufnahme ersichtlich, in welchen Darmabschnitten sich die sogenannten „Marker“ befinden. Daraus können Mediziner die Passagezeit der Nahrung durch den Darm errechnen. Der Kolontransit-Test wird nur bei Verdacht auf einen angeborenen verlängerten Dickdarm (Dolichokolon) durchgeführt.

    Wichtig ist dann natürlich eine ursachenorientierte Behandlung, denn nur, wenn die Grunderkrankung behoben wird, verschwindet auch die Darmträgheit. Ergänzend lassen sich neben der Behandlung der Grunderkrankung folgende Maßnahmen ergreifen:

    Natürliche Therapie und Hausmittel

    • Umstellung der Ernährung – Essen Sie viel Gemüse, Obst sowie Vollkornprodukte und achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit, damit Ihr Darm leichter verdauen kann. Auch Hausmittel wie Trockenpflaumen, trüber Apfelsaft oder Leinsamen gelten als gesund und können die Verdauung kurzfristig anregen. Wer allerdings darmanregende Hausmittel zu hoch dosiert, läuft Gefahr, dass sich eine Darmträgheit in Durchfall verwandelt. Insgesamt erzeugt eine ballaststoffreiche Nahrung ein größeres Stuhlvolumen, was wiederum einen Reiz auf die Darmwand ausübt und die Peristaltik anregt. Liegen bestimmte Nahrungsunverträglichkeiten vor, kann eine spezielle Diät die Symptome einer Reizdarm-Erkrankung mildern, die auch häufig mit wechselnder Darmträgheit und Durchfall einhergeht.
    • Nahrungsergänzungsmittel – löst ein Mangel an Kalium oder Magnesium die Verdauungsstörungen aus, können entsprechende Nahrungsergänzungsmittel den Darm auf Trab bringen. Die Einnahme sollte allerdings mit Bedacht erfolgen: Eine hohe Dosis Magnesium kann heftigen Durchfall auslösen und Kalium sollte man wegen der Wirkung auf das Herz nur in Absprache mit dem Hausarzt einnehmen.
    • körperliche Bewegung – Bewegt sich der Körper, so bewegt sich auch der Darm. Aus diesem Grund ist es ratsam, tägliche Bewegung oder Sport in den Alltag zu integrieren. Gerade ältere Menschen müssen ihrem Darm oftmals mit ausreichenden Bewegungseinheiten auf die Sprünge helfen. Kleine Spaziergänge oder die Treppe statt den Lift zu benutzen, genügen häufig schon, um die Verdauung anzuregen und erhalten nebenbei das Herz-Kreislauf-System gesund.

    Schulmedizinische Therapie und Arzneimittel

    • medikamentöse Maßnahmen – Verlangsamen eingenommene Medikamente, z.B. Säurehemmer für den Magen, Ihren Darm, kann eine verminderte Medikamentendosis erprobt oder das Medikament gewechselt werden. Abführmittel oder Zuckerstoffe sollten bei Darmträgheit hingegen erst zum Einsatz kommen, wenn nach einer Änderung des Lebensstils noch immer keine Besserung eintritt.
    • operative Maßnahmen – Nur in äußerst seltenen Fällen kommt es bei Darmträgheit zu einem operativen Eingriff. Hierfür muss neben der Darmträgheit eine sehr lange und starke Obstipation vorliegen. Da hier über längere Zeiträume kein Stuhlgang mehr möglich ist, droht ein gefährlicher Darmverschluss, weshalb der Stuhl operativ entfernt werden muss. Operativ behoben werden müssen in jedem Fall Darmwandveränderungen, etwa Polypen und Tumore, die eine mechanische Behinderung der Stuhlpassage darstellen.
    Eine angepasste Ernährung und veränderte Gewohnheiten schaffen akute Abhilfe und bieten langfristige Präventionsmaßnahmen bei Darmträgheit., Quelle: © gesundheits-fakten.de

    Darmträgheit – Wann zum Arzt?

    Meistens lässt sich eine Darmträgheit mit einer Umstellung des Lebensstils gut selbst behandeln. Ernähren Sie sich gesund, bewegen Sie sich ausreichend und vermeiden Sie ein Unterdrücken des Stuhlgangs. Einen Arzt sollten Sie dennoch aufsuchen, wenn …

      … der träge Darm trotz Umstellung der Lebensgewohnheiten anhält.
      …Sie zusätzlich zur Darmträgheit an einer bekannten Vorerkrankung leiden.
      …Sie darmverlangsamende Medikamente einnehmen.
      …eine Obstipation plötzlich auftritt und / oder
      …die Verstopfung mit Fieber und starken Schmerzen verbunden ist.

    Fazit

    Darmträgheit ist ein häufiges Symptom und tritt vor allem bei einem ungesunden Lebensstil oder im hohen Alter auf. Die Verlangsamung der Darmtätigkeit ist die häufigste Ursache einer chronischen Verstopfung, die ebenfalls mit zunehmenden Alter häufiger anzutreffen ist. Behandeln und zugleich vorbeugen lässt sich dem trägen Darm am besten mit ballaststoffreicher Ernährung, genügend Flüssigkeit, ausreichend Bewegung und möglichst wenig Stress. Nur in wenigen Fällen muss Darmträgheit medikamentös oder gar operativ behandelt werden.

     

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