Dienstag, November 12, 2019

Reizdarm – Ratgeber und Tipps zum Reizdarmsyndrom

Im Einzelnen sind Magenbeschwerden und deren Symptome oftmals schon äußerst unangenehm. Umso schlimmer ist es, wenn Bauchschmerzen, Blähungen und Co. gemeinsam auftreten. Bei einem Reizdarmsyndrom ist dies der Fall. Zwar gilt die Erkrankung gemeinhin als harmlos, ihre Begleiterscheinungen machen Betroffenen jedoch schwer zu schaffen und können gelegentlich auf ernste Probleme im Darm hindeuten. Damit nicht genug, stehen der Reizdarm und seine Beschwerden häufig mit schweren psychischen Traumata in Verbindung und fungieren somit als Warnsignal für schwere seelische Belastungen.

Symptome und Beschwerden bei einem Reizdarmsyndrom

Der Begriff Reizdarmsyndrom bzw. Reizdarm bezeichnet eine Reihe von Krankheiten, die den Darm in seiner Funktionalität beeinträchtigen. Wenngleich die Erkrankung aber mit 50 Prozent eine der häufigsten Ursachen für einen Besuch beim Gastroenterologen (Facharzt für Magen-Darm-Heilkunde) stellt, sind die Gründe für ihre Entstehung bislang weitestgehend ungeklärt.

Besser bekannt sind hingegen die Symptome eines Reizdarms. Grundsätzlich müssen an Reizdarm erkrankte Patienten mit Blähungen, chronischen Becken- oder Bauchschmerzen, und Unbehagen in Magen oder Darm zu rechnen. Auch sind physische und psychische Sensibilitäten bei einem Reizdarmsyndrom nichts ungewöhnliches.

Eine Besonderheit bei der Klassifizierung der Erkrankung bilden veränderte Stuhlgewohnheiten. Je nach Ausprägung der Symptome unterscheidet die Medizin hier folgende Formen des Reizdarms:

  • Reizdarm mit chronischem Durchfall (diarrhoe-prädominantes Reizdarmsyndrom)
  • Reizdarm mit chronischen Verstopfung (obstipations-prädominantes Reizdarmsyndrom)
  • Reizdarm mit wechselndem Stuhlgang (Durchfall und Verstopfung treten im Wechsel auf)

Ursachen und Diagnose bei Reizdarm

Darmverschlingung
CC0

Gemäß den Rom-Kriterien, einem speziellen Diagnose-Schema der Gastroenterologie zur Feststellung von Darmerkrankungen, liegt ein Reizdarmsyndrom vor, wenn Betroffene innerhalb eines Jahres mindestens 84 Tage (mit oder ohne Unterbrechung) an Bauchschmerzen oder Blähungen litten. Zusätzlich müssen zwei der folgenden Eigenschaften auf die Schmerzsymptomatik zutreffen:

  • das Aufkommen von Bauchschmerzen und Blähungen ging mit abnormer Stuhlhäufigkeit (z.B. Durchfall oder Verstopfung) einher
  • das Aufkommen von Bauchschmerzen und Blähungen ging mit abnormer Stuhlkonsistenz (z.B. schleimiger Stuhl) einher
  • Bauchschmerzen und Blähungen lassen sich durch Stuhlgang lindern

Ferner müssen Fachärzte bei der Diagnose von Reizdarm zahlreiche Gesundheitsaspekte des Patienten berücksichtigen, um die Ursachen für ein Reizdarmsymptom abzuklären und auszuschließen, dass eine andere Darmerkrankungen für die Beschwerden verantwortlich sind. Folgende Fragen spielen deshalb bei der Untersuchung eine wichtige Rolle:

 

© Coloures-pic - Fotolia.com
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  • Welche Symptome sind beim Patienten vorherrschend und wie oft treten sie auf?

Sowohl zur Klassifizierung als auch zur Einleitung geeigneter Therapiemaßnahmen gegen Reizdarm ist es wichtig, die genaue Symptomatik der Betroffenen zu erfassen. Auch kann die Intensität der Symptome Auskunft über die Ausmaße der Erkrankung geben. Gelegentlicher Durchfall ist beispielsweise kein eindeutiges Indiz für das Vorliegen eines Reizdarms. Tritt der Durchfall hingegen dauerhaft auf, so ist ein Reizdarmsyndrom sehr wahrscheinlich.

 

  • In welcher psychischen Verfassung befindet sich der Patient?

Schwere seelische Traumata (z.B. Kindesmissbrauch) und psychische Vorerkrankungen können ein Reizdarmsyndrom begünstigen. Sollten Symptome wie chronische Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall demnach gemeinsam mit einer geschwächten bzw. angeschlagenen Psyche auftreten, könnte dies ein Hinweis auf einen Reizdarm sein.

 

  • Weist der Patient bestimmte Allergien auf?

Gelegentlich wird ein Reizdarm bzw. dessen Symptome mit Reizreaktionen im Darm auf einzelne Nahrungsmittel verwechselt. Beispielsweise können Lebensmittelunverträglichkeiten wie Laktoseintoleranz oder Glutenunverträglichkeit auf Dauer für bakterielle Veränderungen im Darmmilieu sorgen und somit Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Durchfall auslösen, die dem Reizdarmsyndrom sehr ähnlich sind. Auch gelten dauerhafte Therapien mit Antibiotika nicht selten als Urheber für einen Reizdarm. Zur Diagnose ist es deshalb unerlässlich, derartige Allergien als Ursachen für die Erkrankung durch entsprechende Tests (z.B. H2-Atemtest) auszuschließen.

 

  • Leidet der Patient bereits an einer Darmerkrankung?

Viele Symptome bei Reizdarm sind auch für andere Darmerkrankungen, etwa Kolon- oder Magenkarzinome typisch. Somit muss bei der Diagnose auch abgeklärt werden, ob anstelle eines Reizdarmsyndroms möglicherweise eine Vorerkrankung des Verdauungstraktes für die Beschwerden verantwortlich ist. Bei einer Untersuchung kommen hierfür Ultraschalluntersuchungen, Magen- und Darmspiegelungen zum Einsatz.

 

  • Kommen andere Krankheiten als Auslöser der Symptome in Frage?

Neben Darmerkrankungen sind auch Hormonstörungen, Blut-, Leber- und Nierenkrankheiten dazu in der Lage, Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung zu verursachen. Damit Gastroenterologen besagte Faktoren als Auslöser für die Symptome ausschließen können, fließen bei einem Verdacht auf Reizdarm auch Blutuntersuchungen, eine Überprüfung des Hormonspiegels, sowie Tests zur Feststellung der Leber- und Nierenwerte in eine Untersuchung mit ein.

Therapie und Vorsorge gegen Reizdarm

Glutenfreier Kuchen
CC0

Aufgrund seiner teils unerforschten Entstehungsgeschichte existieren für ein Reizdarmsyndrom nicht viele, medikamentöse Behandlungskonzepte. In der Heilung und Prävention gleichermaßen vielversprechend scheinen jedoch Maßnahmen, die auf homöopathischen, ernährungs- oder psychotherapeutischen Ansätzen basieren, wie folgende Tipps zur Bekämpfung von Reizdarm zeigen:

  • Vor Beginn einer Therapie gegen Reizdarm kann es helfen, eine professionelle Darmreinigung durchzuführen. Auf diese Weise lassen sich nicht nur Verstopfungen und Blähungen regulieren. Darmreinigungen sorgen darüber hinaus für das Ausspülen gesundheitsschädlicher Bakterien aus dem Verdauungstrakt.
  • Langfristig ist eine Ernährungstherapie bei Reizdarm sehr zu empfehlen. Im Vordergrund stehen sollten dabei vor allem frische und nährstoffreiche Zutaten in Form von Obst und Gemüse. Begleitend können Sie als Patient auch ein Ernährungstagebuch führen, um einen besseren Überblick über die von Ihnen konsumierten Lebensmittel zu erhalten.
  • Lernen Sie, gute von schlechten Ballast- und Nährstofflieferanten zu unterscheiden, wenn Sie ein Reizdarmsyndrom vermeiden oder behandeln möchten. Verzichten Sie zu diesem Zweck insbesondere auf Fertigprodukte, Zucker, Fett, scharfe Gewürze, Glutamat und ggf. auch Milchprodukte, sofern eine Laktoseintoleranz vorliegt.
  • Essen sie nicht spät am Abend. Unser Magen-Darm-Trakt fährt zu dieser Tageszeit seine Aktivität herunter und tut sich folglich schwer mit dem Verdauen von Nahrung. Symptome wie Verstopfung und Blähungen aufgrund gestörter Verdauungsabläufe sind daher abends wahrscheinlicher als morgens oder mittags.
  • Trinken Sie vornehmlich zuckerfreie Getränke ohne Kohlensäure, um Blähungen zu vermeiden. Kräutertees eignen sich in diesem Zusammenhang nicht nur zum Abdecken des täglichen Flüssigkeitsbedarfs. Heilpflanzen wie Baldrian, Johanniskraut, Hopfen, Kurkuma Melisse oder Pfefferminze beruhigen daneben auch unruhige Mägen und fördern die Verdauung, wodurch sie sich zur Behandlung von Reizdarm ebenso eigenen wie zu dessen Prävention.
  • Da unser Darm äußerst empfindlich auf Stress reagiert, ist es zur Behandlung bzw. Vorbeugung gegen Reizdarm notwendig, regelmäßige Entspannungsmaßnahmen durchzuführen. Ob Massagen, Erholungsbäder, Meditation oder Autogenes Training ist dabei unerheblich. Hauptsache es hilft dem Körper, sich von Gefühlen der Angespanntheit und des Drucks zu lösen.
  • Mit Blick auf die Gefahr, einen Reizdarm durch unverarbeitete, seelische Traumata auszulösen, ist Betroffenen mit entsprechender Vorgeschichte eine Gesprächstherapie nahe zu legen. Diese kann entweder Bestandteil von Behandlungs- oder Präventivmaßnahmen gegen das Reizdarmsyndrom sein.
  • Bewegung hat schon so manchem schwerfälligen Darm auf die Sprünge geholfen. Immerhin kurbelt sportliche Betätigung nicht nur den Stoffwechsel, sondern ebenso Immunsystem und Verdauung an. Widmen Sie sich also mindestens 20 Minuten täglich intensiver, körperlicher Aktivität, um einem Reizdarm bzw. Reizdarmsyndrom vorzubeugen.

Fazit

Ein Reizdarm kann sehr quälend und nervenaufreibend sein, lässt sich aber durch ein strites Vorgehen gegen die Ursachen zumindest eindämmen. Sollten bei Ihnen also ein Reizdarmsyndrom festgestellt werden, forschen Sie nach den Ursachen und verbannen SIe nach Möglichkeit Stress und ungesunde Ernährung weitestgehend aus Ihrem Leben.