Hodenbruch (Skrotalhernie) – Ursachen, Symptome, Behandlung

Von einem Hodenbruch sind im Laufe ihres Lebens etwa 4 % aller Männer in der Bevölkerung betroffen. Als besondere Lebensspanne, in der Hodenbrüche besonders vermehrt auftreten, gelten das männliche Kindesalter, sowie die Lebensjahre zwischen 40 und 50. Was sich aber äußerst schmerzvoll anhört, kann bisweilen sogar völlig beschwerdefrei verlaufen. Gefährlich ist der Hodenbruch aber dennoch. Lesen Sie im Folgenden, weshalb.

Was genau ist ein Hodenbruch? – Einzelheiten zur Skrotalhernie

Das primäre Geschlechtsorgan eines Mannes unterliegt einem komplexen Aufbau. Die wichtigsten Elemente werden dabei von folgenden Bestandteilen gestellt:

  • Hoden (Testikel)
  • Hodenarterie (Arteria testicularis)
  • Kopfende (Extremitas capitata)
  • Schwanzende (Extremitas caudata)
  • Nebenhoden (Epididymis)
  • Nebenhodenrand (Margo epididymalis)
  • freier Hodenrand (Margo liber)
  • Hodengekröse (Mesorchium)
  • Samenstrang (Funiculus spermaticus)
© GordonGrand - Fotolia.com
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Im Laufe der embryonalen Entwicklung wandern die Hoden eines Mannes vom Ort ihrer Entstehung hinter der Niere durch den Leistenkanal in den Hodensack (Skrotum). Dieser Hodenabstieg wird auch als Descensus testis bezeichnet und gibt ein gutes Bild vom anatomischen Verlauf, den ein Hodenbruch (Skrotalhernie oder Hernia scrotalis) nimmt. Es handelt sich hierbei nämlich nicht, wie der Begriff vermuten lässt, um einen Bruch des Hodens selbst, sondern um einen Gewebebruch der Bauchwand.

Da sich oberhalb der Leiste die Gedärme befinden, entsteht durch die Skrotalhernie ein aus Bauchfell bestehender Bruchsack, welcher bedingt durch das Gewicht beinhalteter Organe aus der Bruchpforte hinab bis in den Hodensack abwandern kann. Hodenbrüche bezeichnen demnach ein Absinken bestimmter Darmanteile in das Skrotum.

Ursachen für einen Hodenbruch

Die Ursachen für einen Hodenbruch entscheiden bisweilen nicht nur über die Größe der Verletzung, sondern auch über Art der Behandlung und Schmerzintensität. Dabei gibt es in der Allgemeinheit einige Irrtümer zum Bruchhergang bei einer Skrotalhernie:

    Leistenbruch: Entgegen weitläufiger Meinungen müssen Hodenbrüche nicht zwingend mit einem Leistenbruch, auch Leistenhernie genannt, in Verbindung stehen. Allerdings ist die hierbei entstehende Lücke in der Bauchwand die häufigste Ursache dafür, dass Darmanteile gen Samenstrang wandern oder gar bis in den Hoden vordringen. Entstehen kann ein Leistenbruch unter anderem durch schweres Heben. Der dabei ausgeübte Druck auf die Bauchwand ist gelegentlich so groß, dass besagtes Gewebe zu reißen beginnt.

    Zwerchfellbruch: Neben der Leisten- kann auch eine Zwerchfellhernie zu Geweberissen führen, die Organ- bzw. Darmanteile bis in den Hoden absacken lassen. Ursächlich ist hier meist eine angeborene Fehlentwicklung des Zwerchfells. Diese erzwingt eine Verlagerung von Organen, sodass ein Hodenbruch durch verschobene Gedärme nicht ausgeschlossen ist.

    Hodentorsion: Kommt es am Hoden oder Nebenhoden zu einer Stielverdrehung, so spricht die Medizin von einer Hodentorsion. Sie ereignet sich sehr oft bei männlichen Säuglingen und Kleinkindern, da die Hodenhülle hier noch nicht ausreichend Verwachsen ist. Ebenso ist eine Hodenverdrehung im Erwachsenenalter, etwa bei Sportaktivitäten oder abrupten Bewegungsabläufen möglich. Besonders schwere Torsionen können dabei durchaus einen Hodenbruch provozieren.

    Krebserkrankungen: Sollte sich im Bereich der Hoden, des Bauchgewebes oder im Leistenkanal ein Karzinom befinden, werden betroffene Gewebeabschnitte nachhaltig geschwächt. Die Entstehung einer Bruchlücke ist hierbei nicht auszuschließen, sodass auch im Falle einer Krebserkrankung freigesetzte Darmelemente in die Hoden abwandern können. Aus diesem Grund erfordern Hodenbrüche stets eine sorgfältige Untersuchung, damit Karzinombildungen als Ursache ausgeschlossen werden können.

Symptome bei Hodenbruch

Wandert ein gefüllter Bruchsack den Leistenkanal entlang, muss natürlich mit gewissen Veränderungen am betroffenen Gewebe gerechnet werden. So kann es Beispielsweise zu einer Verformung des Leistengewebes oder einer Hodenvergrößerung kommen, die mit Spannungsgefühlen einher geht. Weitere, denkbare Symptome sind:

  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • Blut im Stuhl
  • Missempfindungen
  • Schmerzen
  • Übelkeit
  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • Verstopfung und Durchfall
Wichtig: Kleinere Skrotalhernien können zu Beginn ohne jegliche Beschwerden verlaufen. Schmerzen treten hier meist nur während gezielter Anspannung der Bauchmuskulatur oder zum Zeitpunkt der Entstehung der Hernie auf. Unbehandelt kann die anfangs kleine Bruchpforte aber schnell größer werden, was der Beschwerdefreiheit rasch ein Ende bereitet.

Diagnose und Therapie bei Hodenbruch

© Zerbor - Fotolia.com
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Eine ärztliche Untersuchung ist bei Verdacht auf Hodenbruch unbedingt erforderlich. Mögliche Diagnosemaßnahmen sind bildgebende Verfahren wie Röntgen, Kernspin- oder Computertomographie. Gegebenenfalls müssen Sie auch mit einer Bauchspiegelung rechnen, in deren Verlauf die genaue Lage von Bruchsack, Bauchfell und Gedärmen ermittelt werden. Um diese zurück in ihre Ausgangsposition zu versetzen, sind grundsätzlich operative Maßnahmen erforderlich:

    Bruchband: Zur konservativen Versorgung der Verletzung muss bei Hodenbruch ein sogenanntes Bruchband verlegt werden. Es fungiert wie eine Korsage und verhindert, dass der austretende Bruchsack weiter nach unten rutscht. Auch kann das Bruchband, welches meist aus einem Ledergürtel und einer hölzernen oder metallischen Fixierplatte besteht, helfen, das Bauchfell durch die Bruchpforte zurück in die Leistengegend zu drängen.

    Vernähen der Gewebelücke: Sobald der Bruchsack samt Gedrämeanteilen zurück in die Ausgangsposition gedrängt wurden, muss die Bruchpforte verschlossen werden. Dies kann zum einen durch eine spezielle Nahttechnik geschehen. Häufige Anwendung finden hierbei die Techniken nach Edoardo Bassini und Edward Earle Shouldice, welche im 19. und 20. Jahrhundert das Vernähungsprinzip für Leisten- und Skrotalhernien entwickelten.

    Schließung der Gewebelücke mittels Kunststoffnetz (Variante 1): Eine fortgeschrittenere Behandlungsvariante des Hodenbruchs stellt das Verschließen der Bruchpforte mittels Netzimplantation dar. Sie gehen auf die Implantationstechnik des Chirurgen Irving L. Lichtenstein zurück, wobei heute zwei verschiedene Techniken zum Netzeinsatz denkbar sind. Die Transabdominale präperitoneale Netzimplantation (TAPP) beschreibt dabei die Einbringung des Netzes durch Bauchhöhlenspiegelung, wobei das Netz zwischen Bauchfell und Bruchpforte platziert wird. Besagte Technik erfordert eine Netzbefestigung durch Metall- oder Kunststoffclips.

    Schließung der Gewebelücke mittels Kunststoffnetz (Variante 2): Anders als beim TAPP-Verfahren legen Chirurgen das Kunststoffnetz bei einer Total extraperitonealen Hernioplastik (TEPP) nicht vor, sondern auf das Bauchfell, wodurch sich die Bauchwand nach einem Hodenbruch nachhaltig verstärken lässt. Der Eingriff hier nicht mittels Bauchhöhlen- sondern Bauchdeckenspiegelung. Auch muss das Netz bei einer TEPP nicht mit Clips befestigt werden und die Belastbarkeit der Bauchdecke ist nach Abschluss der Operation sofort gewährleistet.

Hodenbruch – Infos zu Verlauf, Komplikationen und Prävention

Um Skrotalhernien zu vermeiden, ist es in erster Linie wichtig, das über dem Hoden gelegene Gewebe vor zu starker Druckeinwirkung zu schützen. Das Heben von Schwerstlasten ist diesbezüglich ebenso zu unratsam, wie ruckartige Bewegungen, welche Leiste und Leistenkanal zu stark spreizen, und damit zu Rissen am Bauchgewebe führen könnten. Sollte es dennoch einmal zu einem Hodenbruch kommen, sind folgende Punkte zu beachten:

  • Herbe Druckeinwirkung durch Bewegung ist während der Heilungsphase des Hodenbruchs nicht ratsam, denn es kann bis zu vier Monate dauern, bis die Bauchwand wieder soweit stabil ist, dass sie größeren Belastungen standhält. Schonen Sie sich daher und versuchen Sie, ihren Unterleib so druckfrei wie möglich zu halten.

  • Werden Leistenkanal und Hoden während der Verheilung überstrapaziert, kann die Hernie nicht richtig abheilen, was nicht selten zu Spätkomplikationen führt. Das größte Risiko besteht diesbezüglich in einem wiederholten Hodenbruch, welcher im Übrigen auch trotz gutem Heilungserfolg eintreten kann. Grund hierfür ist die Tatsache, dass eine Wunde in der unteren Bauchwand häufig dauerhafte Gewebeschwächungen zur Folge hat.

  • Eine noch größere Gefahr stellen Hodenbrüche, wenn durch den Bruch Blutgefäße oder Nerven eingeklemmt wurden. Hier kann die Durchblutung des Darms, aber auch die Nervenfunktionalität beeinträchtig werden, was zu Missempfindungen, Nervenlähmungen, im Schlimmsten Fall sogar zum Absterben von Organen führen kann. Vor allem wenn die Hodenarterie oder der Samenstrang an derartigen Gefäßverklemmungen beteiligt sind, ist höchste Vorsicht geboten. Hier könnte ein dauerhafter Verlust der Zeugungsfähigkeit eintreten.

  • Komplikationen bei der Operation eines Hodenbruchs sind eher selten. Zwar ist die Gefahr von verletzten Blutgefäßen, Nerven und Samensträngen auch hier gegeben, doch die Chirurgie kennt heutzutage gute, minimal invasive Therapiemethoden, die ein Verletzungsrisiko relativ gering halten.

Fazit

Dass der männliche Geschlechtsapparat äußerst empfindlich ist, steht außer Frage. Allerdings können Druckeinwirkungen nicht nur zu Verletzungen am Hoden selbst, sondern auch zu Hernien am darüber liegenden Gewebe führen. Der Hodenbruch beschreibt eine derartige Hernie und bedeutet für Betroffene zwar nicht immer Schmerzen, dafür aber ein erhöhtes Risiko von dauerhaften Funktions- bzw. Stabilitätseinbußen der Hoden und des Unterleibs. Bewahren Sie beide Körperabschnitte deshalb vor zu hohem Druck und stellen Sie einen ausreichenden Schutz Ihrer Testikel, wie auch der Bauchwand bei belastungsintensiven Bewegungsabläufen sicher.

 

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