Luftröhrenschnitt – Ursachen, Ablauf und Risiken

Ein Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) ist ein durch eine Operation geschaffener Zugang zur Luftröhre. Diese als Tracheostoma bezeichnete Öffnung wird immer dann benötigt, wenn die Sauerstoffversorgung eines Patienten durch künstliche Beatmung gesichert werden muss. Lesen Sie im Folgenden, in welchen Situationen eine Tracheotomie erforderlich ist, wie der Eingriff erfolgt, und welche Chancen und Risiken mit einem derartigen Eingriff verbunden sein können.

Irrtümlicher Weise wird umgangssprachlich auch die sogenannte Kiniotomie als Luftröhrenschnitt bezeichnet. Bei dem Eingriff handelt es sich um eine notfallmedizinische Luftröhrenpunktion, die auf eine Öffnung der Atemwege in Höhe des Kehlkopfes abzielt. Anders als bei der Tracheotomie wird bei einer Kiniotomie aber nicht die Luftröhre, sondern lediglich die Membran zwischen Ring- und Schildknorpel durchtrennt, um die Atmung des Patienten zu sichern.

Warum ein Luftröhrenschnitt? – Zweck einer Tracheotomie

© ALDECAstudio - Fotolia.com
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Der medizinische Fachbegriff für einen Luftröhrenschnitt „Tracheotomie“ leitet sich von den altgriechischen Worten trachýs (τραχύς) für ‚rau‘ und tomē (τομή) für ‚Schnitt‘ ab. Dabei erfolgt die Tracheotomie über äußere Gewebeschichten und muss bis in die Luftröhre (Trachea) vordringen, um den Zugang zur Lunge freizulegen. Das so geschaffene Tracheostoma kann dann zur künstlichen Beatmung eines Patienten genutzt werden.

Erste Luftröhreneröffnungen wurden bereits im antiken Ägypten vorgenommen. Im Mittelalter kamen bei der Tracheotomie schließlich erstmals kleine Röhrchen zum Einsatz, welche die Schnittöffnung sichern sollten. Auch heute noch werden für den Luftröhrenschnitt spezielle Tracheal- oder Atemkanülen (Tubus) aus Kunststoff oder Metall angewandt, welche zum einen das Tracheostoma stabilisieren und zum anderen die künstliche Beatmung des Patienten erleichtern.

Die Gründe für Tracheotomie können von Fall zu Fall unterschiedlich ausfallen. Generell wird der Luftröhrenschnitt aber immer dann unerlässlich, wenn die Luftröhre eines Patienten stark verengt oder gänzlich blockiert ist. Ursächlich für eine solche Problematik können sein:

  • Tumorerkrankungen
    z.B. im Nasen- und Rachenraum
  • Verletzungen der Atemwege
    z.B. nach Unfallverletzungen im Mittelgesicht, am Hals oder Rachen
  • Schwellungen der Atemwege
    z.B. bei starken allergischen Reaktionen oder Entzündungen im Mund- und Rachenraum
  • Fremdkörperaspiration
    z.B. durch verschluckte Fremdkörper in der Luftröhre
  • sonstige Ursachen
    z.B. chronische Atemschwäche, Koma, Atemwegsfehlbildungen oder Lähmung des Kehlkopfes

 

Wissenswertes: Ein Luftröhrenschnitt ist deutlich schonender als eine Intubation. Letztere birgt das Risiko einer Verletzung der Stimmbänder und des Kehlkopfes, wenn der Tubus in den Hals eingeführt wird. Eine Tracheotomie ist für den Patienten außerdem angenehmer, da ihm das Essen und Sprechen selbstständig möglich ist und die Atemkanülen kein derart unangenehmes Fremdkörpergefühl auslöen,, wie es beispielsweise beim intubationseigenen Tubus der Fall ist.

 

© torsak - Fotolia.com
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Wie läuft ein Luftröhrenschnitt ab?

Wie bereits dargelegt, wird eine Tracheotomie eingesetzt, wenn der Patient nicht mehr selbst zur Atmung fähig ist oder verengte Atemwege eine Atmung erschweren. In seltenen Fällen kann ein Luftröhrenschnitt auch in Notsituationen zur Anwendung kommen, beispielsweise wenn unfallbedingt eine Verletzung des Kehlkopfes vorliegt oder die Luftröhre aufgrund eines allergischen Schocks stark angeschwollen ist. Unabhängig von der Ursache wird ein Luftröhrenschnitt aber stets unter Vollnarkose des Patienten geplant durchgeführt. Der Eingriff läuft dabei wie folgt ab:

  1. Schritt – Desinfektion und Patientenpositionierung: Zu Beginn desinfiziert der behandelnde Chirurg vor dem Luftröhrenschnitt die Halspartie des Patienten. Umliegende Bereiche werden mit sterilen Tüchern abgedeckt. Außerdem muss sich der Patient für den Eingriff in Rückenlage befinden, der Hals muss nach hinten überstreckt sein.
  2. Schritt – Eröffnung der Luftröhre: Im Anschluss an die vorbereitenden Maßnahmen wird ein Skalpell unterhalb der sogenannten Trachealringe (Cartilagines tracheales) angesetzt. Es erfolgt ein vertikaler Schnitt von ca. 3 cm Länge. Der Schnitt durchdringt zunächst die Haut und das darunterliegende Gewebe. Als nächstes arbeitet sich der Chirurg durch die Halsmuskulatur bis zur Luftröhre vor. Hin und wieder wird hier auch eine partielle Durchtrennung der Schilddrüse erforderlich.
  3. Schritt – Einführung der Trachealkanüle: In das durch den Luftröhrenschnitt entstandene Tracheostoma wird nun die Trachealkanüle eingeführt. Der Tubus hält den Luftröhrenzugang offen und ermöglicht eine direkte Luftzufuhr in die Lunge. Es ist absolut wichtig, sowohl beim Schnitt als auch beim Legen der Trachealkanüle äußerst vorsichtig vorzugehen, um keine umliegenden Blutgefäße oder Nerven zu beschädigen.
  4. Schritt – Fixierung der Kanüle: Nach Abschluss Luftröhrenschnittes wird der eingesetzte Tubus abschließend fixiert. Wenn die Kanüle nur für kurze Zeit in der Luftröhre verbleiben soll, wird dies normalerweise mit einem Halsband. Bei lang anhaltender, künstlicher Beatmung (z.B. bei komatösen Patienten) erfolgt eine Fixierung hingegen mit Nähten, die bei dauerhafter Beatmung eine sichere Position des Tubus gewährleisten und dessen verrutschen verhindern. Eine gesonderte Nachbehandlung ist nach einem Luftröhrenschnitt nicht notwendig.
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Chancen und Risiken eines Luftröhrenschnitts

  • Eine Tracheotomie ist ein operativer Eingriff, der innerhalb seines Ablaufes kaum Risiken birgt. Da der Luftröhrenzugang unterhalb der Trachealringe liegt, wird im Regelfall kein Knorpelgewebe entfernt und die Schilddrüse nicht dauerhaft beschädigt. Für Menschen mit akuter oder chronischer Atemnot bzw. Atembeschwerden ist der Luftröhrenschnitt also eine minimalinvasive Methode, um die Sauerstoffversorgung des Körpers wiederherzustellen. Für Personen, die aufgrund eines schweren Unfalls im Koma liegen und ohne künstliche Beatmung sterben würden, bedeutet eine Tracheotomie gar die einzige Überlebenschance.
  • Prinzipiell besteht bei unsachgemäßer Ausführung allerdings die Gefahr einer Verletzung der Halsschlagadern, die unmittelbar neben der Luftröhre verlaufen. Ebenso besteht das Risiko einer Durchtrennung des Nervus Recurrens, welcher an der Luftröhre verläuft und die Stimmbänder steuert. Auch eine tracheoösophageale Fistel durch fehlerhafte Durchstoßung der Luft- und Speiseröhre könnte eintreten, lässt sich heute jedoch ärztlich gut behandelt.
  • Nicht ausreichend fixierte Atemkanülen können durch Bewegungen des Patienten verrutschen. Dies kann zu einer erschwerten Luftzufuhr und einer Sauerstoffunterversorgung führen. Selbiges gilt für Verstopfungen der Kanüle, was bei Patienten gemeinhin durch Speichelansammlungen im Tubus bei ungenügendem Absaugen des Speichels geschieht.
  • Nach der Behandlung strömt Luft nicht über Mund oder Nase, sondern durch die Kanüle in die Lunge. Dies schränkt den Geruchs- und Geschmacksinn der Patienten natürlich stark ein. Zusätzlich kann die Kanüle den Kehlkopf einengen und dadurch das Schlucken erschweren. Des Weiteren kann es durch eine falsch eingeführte Trachealkanüle zu Luftansammlungen im Mittelfellraum der Brusthöhle und im Pleuraspalt kommen. Diese können Druck auf die Lunge ausüben und müssen ärztlich behandelt werden.
  • Am Tracheostoma kann es durch Verunreinigungen zu Entzündungen und Wundinfektionen kommen. Ebenso ist die Entstehung von Blutergüssen möglich. Die Schnittöffnung muss deshalb vor, während und nach der Nutzung des Tracheostomas zur Beatmung so steril wie möglich gehalten werden.

Fazit

Der Luftröhrenschnitt ist ein wichtiger operativer Eingriff, der eine stetige Sauerstoffversorgung atmungsunfähiger Patienten gewährleistet. Da der Schnitt nur wenige Zentimeter beträgt und so schonend wie möglich durchgeführt wird, zählt de Tracheotomie heute zu den minimalinvasiven Operationen. Dennoch kann nach der Eröffnung der Luftröhre eine dauerhafte Narbe zurück bleiben. Die möglichen Komplikationen halten sich bei einem Luftröhrenschnitt jedoch in Grenzen und treten gemeinhin nur selten auf, wenn der Eingriff sorgfältig und unter sterilen Bedingungen durchgeführt wird.

 

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