Diabetes als Wegbereiter – die Zahl der Folgeerkrankungen wächst

Diabetes hat sich zu einer Volkskrankheit entwickelt, die global eine immer größere Rolle spielt. Wie Spiegel Online berichtet, hat die Zahl der Betroffenen in den letzten Jahren und Jahrzehnten drastisch zugenommen. Laut des ersten Welt-Diabetes Berichts der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren 2014 etwa 422 Millionen Menschen weltweit an der Stoffwechselstörung erkrankt, deutlich mehr als noch 1980. Besonders stark fiel der Anstieg in Schwellenländern aus, was aber vor allem daran liegen mag, dass die Industrieländer bereits sehr hohe Fallzahlen aufweisen.

Auch in Deutschland ist die Zahl der von Diabetes Betroffenen gestiegen. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Typ-2-Diabetes. Begünstigt durch einen ungesunden Lebenswandel, tritt diese Erkrankung mittlerweile auch zunehmend bei jüngeren Menschen auf.

© Andrey Popov - Fotolia.com
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Je nach Einzelfall hat Diabetes schwerwiegende Folgen. Dazu gehört das steigende Risiko von Folgeerkrankungen. Diese können die verschiedensten Körperbereiche und auch die Psyche betreffen und sogar zu lebensgefährlichen Komplikationen führen.

Dieser Artikel gibt Ihnen einen Überblick über mögliche Folgeerkrankungen von Diabetes mellitus.

Diabetische Retinopathie

Eine der häufigsten Folgeerkrankungen von Diabetes betrifft die Augen. Sie trägt den Namen „Diabetische Retinopathie“. Dabei geschieht Folgendes:

  • Durch einen hohen Blutzuckerspiegel kommt es zu einer Schädigung der kleinen Blutgefäße in der Netzhaut.
  • Als Folge bekommen die Nervenzellen, die die Netzhaut (Retina) bilden, nicht genügend Sauerstoff.
  • Neue, wenig stabile Blutgefäße entstehen, die leicht platzen.

Viele Diabetes-Patienten sind bereits von einer Schädigung der Netzhaut betroffen, wenn Sie ihre Diagnose erhalten. Dabei unterscheiden Ärzte zwei Stadien der Diabetischen Retionpathie:

  1. Das Anfangsstadium, die nicht-proliferative diabetische Retinopathie
  2. Die proliferative diabetische Retinopathie, bei der eine Erblindung droht

Die diabetische Retinopathie ist nicht zu unterschätzen. Gut 30 Prozent aller Fälle von Erblindungen in Europa werden auf sie zurückgeführt. Und selbst, wenn es nicht so weit kommt, leiden die Betroffen häufig an schweren Sehstörungen, die ihr Leben im Alltag stark beeinträchtigen. Aufhalten lässt sich der Krankheitsverlauf am besten durch eine rasche und sorgfältige Regulierung des Blutzuckerspiegels.

Herz- und Gefäßkrankheiten

Besonders von Diabetes Typ 2 betroffene Menschen leiden häufig auch an Übergewicht, schlechten Blutfettwerten und einem hohen Blutdruck. Die Folge ist eine Arterienverkalkung durch Ablagerungen in den Gefäßwänden. Dadurch kommt es zu einer Behinderung des Blutflusses. Die Gefahr von Herz- und Kreislauferkrankungen steigt.

Diabetiker sind deshalb mit dem Risiko folgender schwerer Erkrankungen konfrontiert:

Letzere führt zu einem diabetischen Fußsyndrom, das mit schmerzenden und schweren Beinen einhergeht. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zum Absterben von Gewebe. Dann kann sogar eine Amputation notwendig werden.

Auch das Risiko schwerer Herz- und Gefäßerkrankungen lässt sich durch eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung von Diabetes verringern. Das schließt ein, Begleiterkrankungen wie Übergewicht und Bluthochdruck anzugehen.

Übrigens: Für Diabetiker ist es besonders wichtig, auf das Rauchen zu verzichten, um einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit zu entgehen.

Diabetische Neuropathie

Eine diabetische Nervenerkrankung (Neuropathie) kann die Lebensqualität von Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Sie wird in verschiedene Formen eingeteilt:

  • Diabetische sensomotorische Polyneuropathie: In diesem Fall sind die peripheren Nerven, also die Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark betroffen. Beeinträchtigungen der willentlich gesteuerten Teile des Nervensystems führen zu Symptomen wie einem gestörten Schmerzempfinden. Auch das autonome Nervensystem (z.B. Herzfrequenz, Blasenfunktion, Atmung) kann betroffen sein.
  • Autonome diabetische Neuropathie: Im Gegensatz zur diabetischen sensomotorischen Polyneuropathie betrifft diese Form der diabetischen Nervenerkrankung Nerven innerer Organe (autonomes Nervensystem). Mögliche Folgen sind u.a. lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen.
  • Mononeuropathie: Eine Schädigung einzelner Nerven gilt als sehr selten. Sie äußert sich zum Beispiel durch eine Lähmung einzelner Muskeln der Augen.

Aus diesen Beschreibungen wird bereits deutlich, dass eine diabetische Neuropathie verschiedene Folgen nach sich ziehen kann. Diese reichen von Verstopfung über Lähmungserscheinungen und Schmerzen im Bereich der Beine bis hin zu Herzrhythmusstörungen mit möglicher Todesfolge.

Als zentrale Behandlungsmaßnahmen gelten einmal mehr die richtige Einstellung des Blutzuckers und ein gesunder Lebenswandel. Eine Heilung der diabetischen Neuropathie ist derzeit nicht möglich.

© Minerva Studio - Fotolia.com
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Demenz

Während viele Menschen Diabetes mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko in Verbindung bringen, gilt das weniger für Demenz. Dabei haben amerikanische Forscher erst kürzlich in einer Langzeitstudie nachgewiesen, dass Diabetiker auch diesbezüglich mit einem deutlich höheren Risiko konfrontiert sind als gesunde Menschen. Eine weitere Studie aus Singapur bekräftigte diesen Zusammenhang.

Relativierend lässt sich festhalten, dass andere Faktoren einen stärkeren Einfluss auf das Altern haben als Diabetes. Durch eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und den Verzicht auf Nikotin können auch an Diabetes Erkrankte das Risiko, dement zu werden, senken.

Diabetische Nephropathie

„Nephropathie“ ist der Überbegriff für sämtliche Nierenerkrankungen. Der Name „diabetische Nephropathie“ deutet auf die Ursache für diese Erkrankung hin. Sie entsteht folgendermaßen:

  • Grundvoraussetzung sind jahrelang erhöhte Blutzuckerwerte.
  • Es kommt zu Schädigungen von Blutgefäßen und Ablagerungen in den Arterien, die den Blutfluss behindern.
  • Dies beeinträchtigt vor allem die Gefäße der Glomeruli (Nierenkörperchen).
  • Die Nierenfunktion ist eingeschränkt. Im Urin findet sich vermehrt Albumin, ein bestimmtes Eiweiß.

Je früher eine diabetische Nephropathie erkannt wird, desto besser stehen die Chancen, eine Nierenschädigung zu vermeiden oder rückgängig zu machen. Bei einer stark verspäteten Diagnose steigt dagegen das Risiko einer chronischen Niereninsuffizienz. Dann kann eine Nierentransplantation erforderlich werden.

Depression

© kwanchaichaiudom - Fotolia.com
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Eine Diabetes-Diagnose ist zweifellos eine unangenehme Nachricht für die Betroffenen. Das könnte eine Erklärung für den Zusammenhang der Stoffwechselstörung mit dem Auftreten von Depressionen sein. Demnach

  • erkranken Menschen mit Diabetes häufiger als andere an einer behandlungsbedürftigen Depression
  • haben depressive Personen ein höheres Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken.

Die genaue Ursache für die gegenseitige Begünstigung von Diabetes und Depressionen ist noch nicht geklärt. Psychologen sehen folgende Gründe als wahrscheinlich an:

  • Diabetes ist eine körperliche und psychische Belastung für Betroffene.
  • Die Diagnose führt oft zu einer starken Angst vor möglichen Folgeerkrankungen und einem Gefühl von Hilflosigkeit. Dies begünstigt das Entstehen von Depressionen.
  • Umgekehrt führen bestimmte Arten von Antidepressiva zu einem höheren Körpergewicht und einem erhöhten Blutzuckerspiegel.

Depressionen sind nicht die einzige psychische Erkrankung, die Menschen mit Diabetes besonders betrifft. Auch Essstörungen oder Angsterkrankungen kommen bei diesen überdurchschnittlich häufig vor. Tückisch daran ist: Die Psyche beeinträchtigt auch den Verlauf von Diabetes. Wie mittlerweile bekannt ist, wirken sich psychische Störungen negativ auf eine erfolgreiche Behandlung von Diabetes aus – weshalb es für Ärzte besonders wichtig ist, sie bei einer Therapie zu berücksichtigen und „mitzubehandeln“.

Fazit

In vielen Fällen ist das Auftreten von Diabetes in späteren Jahren eine Folge eines ungesunden Lebenswandels – zusammen mit der entsprechenden Veranlagung. Doch auch sportliche Menschen sind vor der Stoffwechselstörung nicht gefeit. Sie haben es allerdings oft leichter, nach einer Diagnose das Risiko von Folgeerkrankungen zu verringern.
Denn so zahlreich und gefährlich diese sind, so haben doch die Betroffenen zu einem gewissen Grad die Möglichkeit, Ihrem Auftreten vorzubeugen. Eine gesunde Lebensführung ist dabei genauso entscheidend wie eine konsequente Regulierung des eigenen Blutzuckerspiegels. So können sich auch viele Diabetiker bis ins hohe Alter eine hohe Lebensqualität erhalten.

 

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