Wenn Männer plötzlich Brüste bekommen – ungewöhnliche Erkrankungen für das männliche Geschlecht

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Ob Erkältung oder Lungenkrebs, die meisten Erkrankungen können beide Geschlechter betreffen, wenngleich teilweise in unterschiedlicher Häufigkeit. Dann lösen sie auch in der Regel dieselben Symptome aus. Allerdings gibt es auch Krankheiten oder körperliche Vorgänge, die die meisten Menschen nur von Frauen kennen.

Lassen sich diese dann bei Männern feststellen, ist die Verwirrung im ersten Moment groß. Das gilt zum Beispiel, wenn Männern Brüste wachsen. Doch worum handelt es sich in diesem Fall und welche anderen vermeintlichen „Frauenkrankheiten“ gibt es, die auch bei Männern auftreten können?

Gynämokastie

Brüste sind eigentlich Frauen vorbehalten, sieht man von einer ausgeprägten Brustmuskulatur ab, wie sie manche Bodybuilder aufweisen. Anders sieht die Sache aus, wenn Männer an der sogenannten „Gynämokastie“ leiden. Denn diese geht mit einer Größenzunahme von einer oder beiden Brustdrüsen einher, was bei den Betroffenen oft zu ausgeprägter Scham führt.

Zusätzlich kann es zu den folgenden Beschwerden kommen:

  • Bewegungseinschränkung
  • Berührungsempfindliche Brustwarzen
  • Spannungsgefühl

Genau genommen handelt es sich bei einer Gynämokastie nicht um eine eigenständige Erkrankung, sondern um ein Symptom, das auf Störungen des männlichen Hormonhaushalts zurückgeht. Mögliche Ursachen dafür sind zum Beispiel:

  • Ein verändertes Gleichgewicht der Sexualhormone in der Pubertät (Pubertätsgynämokastie)
  • Die Abnahme von Testosteron und die Zunahme von Fettgewebe im Alter (Altersgynämokastie)

Außerdem weist mehr als die Hälfte aller männlichen Neugeborenen vorübergehend einen kleinen Brustansatz auf. Dies rührt durch das Östrogen, dass das Kind durch die Muttermilch und die Plazenta erhält und zunächst nur langsam abbauen kann.

Ist ein krankhafter Prozess für die Gynämokastie verantwortlich, kann dies auf einer erblichen Veranlagung beruhen. Andere mögliche Schuldige sind

  • Nierenerkrankungen
  • Schwere Unterernährung
  • Lebererkrankungen
  • Verlust von einem oder beiden Hoden
  • Krebserkrankungen
  • Drogen, Medikamente oder sogar Pflegeprodukte

Die Therapie einer Gynämokastie richtet sich nach ihren Ursachen. Während eine Pubertätsgynämokastie von alleine wieder abklingt, hilft in anderen Fällen eine Ernährungsumstellung. Medikamententherapien sind dagegen umstritten. Manchmal bleibt nur eine OP beim Facharzt, um den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen.

Brustkrebs bei Männern

Brustkrebs gilt gemeinhin als eine Erkrankung, die nur Frauen betrifft. Dabei kann er durchaus auch bei Männern vorkommen. Dass dies nur sehr selten der Fall ist, erhöht die Gefahr, dass der Tumor nicht rechtzeitig erkannt wird.

Als Warnsignale gelten

  • Veränderungen des Brustgewebes, die sich ertasten lassen – beispielsweise ein Knoten
  • Aus der Brustwarze austretende Flüssigkeiten
  • Dellen an der Brustwarze oder der Brusthaut
  • Wunden beziehungsweise Entzündungen, die nicht abheilen wollen

Als mögliche Ursache kommt neben einer genetischen Veranlagung ein bestimmter Lebensstil infrage. So ist zum Beispiel die Einnahme nicht zugelassener Hormone, wie sie bei vielen Bodybuildern üblich ist, ein Risikofaktor. Lebererkrankungen können den Hormonspiegel ungünstig beeinflussen und auf diesem Weg ebenso Brustkrebs hervorrufen. Oft lassen sich aber nur schwer oder gar nicht eindeutige Ursachen für eine Krebserkrankung feststellen.

Die Therapie bei Männern und Frauen unterscheidet sich kaum. Eine zentrale Stellung nimmt dabei eine Operation ein, bei der der Tumor und benachbarte Bereiche entfernt werden. Je nach Einzelfall sind außerdem Maßnahmen wie die Einnahme von Medikamenten und / oder eine Bestrahlung notwendig. Speziell bei Männern kommt oft eine antihormonelle Therapie zum Einsatz. Entscheidend für eine Behandlung ist neben der Frage, wie fortgeschritten die Erkrankung bereits ist, das Rückfallrisiko.

Tückisch an Brustkrebs: Dieser macht sich lange Zeit kaum bemerkbar. Umso wichtiger ist es, auch als Mann bei verdächtigen Symptomen im Brustbereich schnell einen Arzt aufzusuchen.

Krampfadern

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Auch Krampfadern gelten in erster Linie als Frauenkrankheit. Dabei leidet statistisch gesehen jeder fünfte Mann an ihnen. Die meisten davon gehen zu spät zum Arzt und nehmen so gefährliche Komplikationen in Kauf, wie die Welt berichtet.

Doch worum handelt es sich eigentlich bei Krampfadern und wodurch werden diese ausgelöst?

  • Krampfadern sind nichts anderes als krankhaft erweiterte Venen. In der Regel treten sie an den Beinen auf.
  • Ursächlich ist vor allem eine Schwäche des Bindegewebes
  • Dadurch werden die Venenklappen beeinträchtigt und das Blut, das eigentlich zum Herz fließen soll, fließt zurück ins Bein.
  • Dort sammelt es sich und als Folge dehnt sich die Venenwand aus.
  • Auf diese Art entsteht eine sichtbare Krampfader.

Dabei sind Krampfadern nicht nur unschön anzusehen, sondern auch gefährlich. Denn geht Mann nicht rechtzeitig zum Arzt, kann sich im schlimmsten Falle eine Thrombose oder eine Lungenembolie entwickeln. Und auch Geschwüre, die bleiben, sind nicht selten.

In manchen Fällen hilft nur noch eine Operation, um den Krampfadern und der zugrundeliegenden Erkrankung Herr zu werden. Vorbeugen lässt sich zu einem gewissen Grad durch eine gesunde Lebensweise und die Vermeidung von Übergewicht. Dazu gehört neben einer gesunden Ernährung und dem Verzicht auf das Rauchen regelmäßiger Sport.

Magersucht

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Magersucht bei Männern ist selten, aber kein Einzelfall, wie der Spiegel berichtet. Dabei trifft es Männer im Regelfall später als Frauen, nämlich erst zwischen 18 und 26 Jahren. Eine Studie, die das Ärzteblatt zitiert, deutet allerdings darauf hin, dass Essstörungen bei Männern zunehmen.

Der Unterschied zwischen diesem Beispiel und den oben aufgeführten Krankheiten besteht vor allem darin, dass es sich bei Magersucht um eine psychische Erkrankung handelt. Die Betroffenen leiden an einem verzerrten Körperbild, das ihnen suggeriert, sie seien zu dick, auch wenn sie buchstäblich „bis auf die Knochen abgemagert“ sind.

Typische Symptome einer Magersucht sind die folgenden:

  • Starke Gewichtsabnahme durch den Verzicht auf Nahrung und oft exzessiven Sport
  • Ständige Gewichtskontrolle und Beschäftigung mit dem Thema Essen
  • Verzerrte Wahrnehmung
  • Körperliche Folgeerscheinungen des Untergewichts wie Funktionsstörungen von Nieren und Leber, Konzentrationsstörungen, Haarausfall, Verstopfung, sexuelle Lustlosigkeit und viele mehr
  • Psychische Störungen wie depressive Verstimmungen und ausgeprägte Stimmungsschwankungen

In vielen Fällen kann eine Magersucht lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Die Therapie ist häufig kompliziert und fokussiert sich in der Regel auf eine psychotherapeutische Behandlung, in die auch das soziale Umfeld der Betroffenen miteinbezogen wird. Ist die Erkrankung weit fortgeschritten, ist ein stationärer Aufenthalt notwendig. Viele Betroffene leiden auch nach einer erfolgreichen Behandlung lebenslang an Auswirkungen der Magersucht und müssen regelmäßig gegen einen Rückfall ankämpfen. Bei etwa 10 bis 20 Prozent der Erkrankten nimmt die Störung einen tödlichen Ausgang.

Vorsicht zahlt sich aus

Wie aus den oben genannten Beispielen ersichtlich wird, sind Männer also empfindlicher gegenüber vermeintlichen Frauenkrankheiten als oft angenommen – was übrigens auch für die berüchtigte Migräne gilt. Und ob Mann oder Frau, wichtig ist: Je früher eine der angeführten Erkrankungen diagnostiziert wird, desto besser stehen die Chancen für eine erfolgreiche Therapie.

Deshalb sollten sich Männer nicht davor scheuen, schnellstmöglich zum Arzt zu gehen, wenn sie auffällige Veränderungen an ihrem Brustgewebe oder Krampfadern feststellen. Dasselbe gilt dann, wenn scheinbar aus dem Nichts weibliche Brüste wachsen. Scham ist in diesen Fällen zwar verständlich, allerdings unbegründet. Schließlich kümmern sich Tumoren und Co. nicht um das Geschlecht.

 

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