Nikotinentzug – wie lange dauert die Entwöhnung von der Zigarette?

Dass Rauchen auf Dauer gesundheitsschädlich ist, ist vielen Nikotinsüchtigen durchaus bewusst. Allerdings verdrängen sie die vielseitigen Probleme ihrer Abhängigkeit häufig, nicht zuletzt, weil die damit zusammen hängende Entwöhnung einen langwierigen und komplizierten Prozess darstellt. Grund hierfür sind vor allem die im Gehirn gebildeten Nikotinrezeptoren, die sich im Laufe einer langjährigen Nikotinsucht sowohl im Nervensystem, als auch in der motorischen Endplatte bilden. Werden diese Rezeptoren nicht mehr ausreichend mit Nikotin versorgt, kommt es beim Betroffenen zu mannigfaltigen Entzugserscheinungen, die sich nicht nur psychisch, sondern auch körperlich äußern können.

Von der Gewöhnung zur Entwöhnung

Da die Symptome eines Nikotinentzugs sich individuell äußern, gibt es keinen wirklich festgelegten Entwöhnungszeitraum. Zwar ist immer wieder von einer Dauer zwischen 3 Tagen und mehreren Wochen die Rede, dieser Zeitraum orientiert sich allerdings lediglich an der körperlichen Abhängigkeit, welche nach dem Abbau der Nikotinrezeptoren in der Tat binnen kürzester Zeit überwunden ist. Schwieriger wird die Angelegenheit jedoch mit Blick auf die zahlreichen Entzugserscheinungen, welche zum einen durch die Unterversorgung der Nikotinrezeptoren entstehen, zum anderen auf die Gewohnheiten des frisch gebackenen Nichtrauchers zurück zu führen sind. Hier kann es mitunter mehrere Monate, manchmal sogar Jahre eiserner Disziplin erfordern, um dem Nikotin dauerhaft und somit erfolgreich ab zu schwören. Hier ein kleiner Überblick zu der Vielzahl an Symptomen, gegen die der eiserne Wille dabei anzukämpfen hat:

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Schmacht: Wird die Sehnsucht nach dem täglichen Schub an Nikotin in der ersten Phase der Entwöhnung primär noch durch die Nikotinrezeptoren verursacht, so ist im späteren Verlauf vor allem die eigene Routine dafür verantwortlich. Ob in Stresssituationen, bei Niedergeschlagenheit oder einfach zum Zeitvertreib, der Griff zur Zigarette ist bei Rauchern meist ein fest verankertes und über Jahre hinweg gefestigtes Ritual im eigenen Tagesablauf. Bleibt selbes Ritual aus, so schmachten Betroffene oft derart intensiv nach dem Nikotin, dass sie an nichts anderes mehr denken können.

Störungen des Körperhaushalts: Fällt die Nikotinzufuhr und die Verarbeitung durch entsprechende Rezeptoren erst einmal aus, lassen Hormon- und Stoffwechselstörungen nicht lange auf sich warten. Zu den Folgen dieser Störung gehören mitunter zittrige Hände, Schweißausbrüche, Schwindelgefühle, Herzrasen oder ähnliches.

Müdigkeit und Schlafstörungen: Während viele Raucher sich während der Entwöhnung tagsüber müde und abgeschlagen fühlen, plagt sie des Nachts die Schlaflosigkeit. Begründen lässt sich dies unter anderem durch die anhaltende Unruhe, sowie die Störungen des Stoffwechselhaushalts, welche durch den Nikotinentzug begünstigt werden.

Reizbarkeit: Aufgrund der nicht befriedigten Sucht, eventuell aber auch durch den dauerhaften Schlafmangel werden viele Personen auf Nikotinentzug äußerst reizbar. Stimmungsschwankungen oder Aggressivität sind hier keine Seltenheit und machen den Entzug nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für Angehörige und Lebenspartner zur Zerreißprobe. Der damit verbundene, emotionale Stress begünstigt zudem auch die Sehnsucht nach einer Zigarette – ein Teufelskreis also, den es zu durchbrechen gilt.

Depressionen: Die dauerhafte, emotionale Instabilität kann bei manchen sogar zu depressiven Neigungen führen. Es sei an dieser Stelle aber darauf hingewiesen, dass Nikotinsüchtige nach einer erfolgreichen Entwöhnung weitaus seltener an einer Depression leiden, als vor ihrem Nikotinentzug.

Gewichtszunahme: Um den Mangel an Nikotin zu kompensieren, greifen einige Betroffene gerne auf die wohl beliebteste ‚Ersatzdroge‘ zurück: Essen. Insbesondere Süßigkeiten kommen hier gerne zum Einsatz und sorgen folglich recht schnell für das ein oder andere Fettpölsterchen mehr auf den Hüften. Jedoch muss die Gewichtszunahme nicht unbedingt auf ein verändertes Essverhalten zurück zu führen sein. Auch das Ausbleiben von Nikotin als Kalorien verbrennende Substanz kann das Körpergewicht während der Entwöhnung leicht ansteigen lassen.

Mit eisernem Willen gegen die Sucht

Um sich selbst den Ausstieg aus der Nikotinsucht zu erleichtern, gibt es einige Tricks und Kniffe. Im Folgenden geben wir Ihnen diesbezüglich ein paar Hilfestellungen:

  • Lenken Sie sich bewusst von dem Gedanken an die nächste Zigarette ab, in dem Sie sich geeignete Freizeitbeschäftigungen suchen. Sport-, Bastel- oder Musikangebote sind hierfür besonders gut geeignet.
  • Es gibt spezielle Beschäftigungs- und Gesprächstherapien für Raucher, die sogar von der Krankenkasse gefördert werden. Erkundigen Sie sich hierzu bei ihrem behandelnden Hausarzt. Er/Sie kann ihnen in dieser Angelegenheit sicher weiter helfen.
  • Auch Tabletten, die dabei helfen, die Entzugserscheinungen zu lindern, können entweder frei oder verschreibungspflichtig erworben werden. Ein ärztliches Beratungsgespräch oder eine Erkundigung in der Apotheke sind hier ebenfalls ratsam.
  • Vermeiden Sie unnötigen Stress, der das Verlangen nach einer Zigarette zusätzlich steigern könnte. Um sich mehr Gelassenheit anzutrainieren, können Entspannungsmechanismen erlernt werden.
  • Immer wieder ist in den Medien von speziellen ‚Helferlein‘ die Rede, die es vermögen, eine gesundheitlich unbedenkliche Alternative zum Rauchen zu bieten. Jedoch sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass ein Nikotinersatz (z.B. Nikotinpflaster oder Kaugummis) in keiner Form die Willensstärke ersetzt, die für eine dauerhafte Entwöhnung notwendig ist. Die Hilfsmittel dienen lediglich dazu, den Ausstieg zu erleichtern.

Fazit

Ein Nikotinentzug kann sehr langwierig und schwierig warden. Auch wenn die körperliche Abhängigkeit bereits nach einigen Wochen verschwunden ist, können die Entzugserscheinugen noch über Jahre hinweg auftreten. Wenn Sie also mit dem Rauchen aufhören möchten, müssen Sie vor allem viel Willenskraft beweisen. Hilfsmittel wie Nikotinpflaster, Nikotinsprays, Medikamente oder Gesprächstherapie können Sie beim Nikotinentzug unterstützen, aber letztlich liegt es vor allem an Ihrem Willen.

 

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