Wenn der Stress zuschlägt – woran wir Stress erkennen

Stress hat sich zu einem Volksleiden in Deutschland entwickelt. Im Rahmen der „Stressstudie 2016“ der Techniker Krankenkasse gaben 23 Prozent der Befragten an, sich häufig gestresst zu fühlen – 3 Prozent mehr als bei der Vorgängerstudie 2013. Ganze 60 Prozent sagten aus, dass ihr Leben ihrer Meinung nach in den letzten 3 Jahren stressiger geworden sei.

Dabei gibt es eine Vielzahl möglicher Gründe für einen hohen Stresslevel. Private Umstände spielen dabei genauso eine Rolle wie die eigene berufliche Situation. Viele Arbeitnehmer in Deutschland fühlen sich chronisch unter Druck gesetzt – von hohen Leistungsanforderungen, unrealistischen Arbeitszielen und einer Doppelbelastung durch Job und Familie. Langfristige Folgen sind häufig ernsthafte physische und psychische Erkrankungen. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig zu reagieren und aus dem Hamsterrad auszusteigen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, sich selbst zu beobachten und Anzeichen für ungesunden Stress frühzeitig zu erkennen. Doch wie sehen diese aus und was lässt sich dagegen tun?

Anzeichen für Stress

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Stress ist nicht grundsätzlich etwas Negatives. Im Gegenteil: Kurzfristig hat eine körperliche Stressreaktion den Sinn, die eigene Leistungsfähigkeit zu erhöhen und auf diese Art besondere Herausforderungen zu bewältigen. Sie läuft nach folgendem Schema ab:

  1. Vorphase: Alle Stoffwechselvorgänge werden heruntergefahren.
  2. Alarmphase: Der Körper mobilisiert mithilfe von Stresshormonen sämtliche Energien und sorgt für eine bessere Durchblutung. Dies macht sich zum Beispiel durch einen beschleunigten Herzschlag bemerkbar.
  3. Handlungsphase: In dieser Phase erfolgt eine entsprechende Handlung oder Reaktion. In früheren Zeiten handelte es sich dabei oft um die Flucht vor einem gefährlichen Tier oder eine Kampfhandlung. Heute ist die Handlung meist deutlich weniger körperlich geprägt.
  4. Erholungsphase: Der Körper erholt sich und füllt Energiereserven wieder auf. Ruhe ist in diesem Stadium besonders wichtig.

Eine solche Stressreaktion wie aus dem Bilderbuch kennen die meisten Menschen. Dabei handelt es sich um einen vorübergehenden Zustand, der in aller Regel keinerlei negative Konsequenzen hat.

Anders sieht es aus, wenn die notwendige Erholungsphase ausbleibt und Stress zum Dauerzustand wird. Dies bedeutet auf Dauer eine schwere Belastung für den menschlichen Organismus, die ernsthafte Erkrankungen auslösen kann, von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Depressionen.

Zu den Symptomen, die auf einen solchen chronischen Stresszustand hindeuten gehören die folgenden:

Körperliche SymptomePsychische Symptome

  • Kopfschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Lidzucken
  • Bauchschmerzen
  • Sodbrennen
  • Müdigkeit
  • erhöhter Blutdruck
  • Schmerzzustände
  • geschwächtes Immunsystem

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Motivationsprobleme
  • Ängste
  • Gereiztheit
  • Schlafprobleme
  • Antriebsschwäche
  • depressive Verstimmungen

Da viele dieser Symptome wie das Zucken des Augenlids recht unspezifisch sind, werden sie oftmals nicht mit einer hohen Stressbelastung in Verbindung gebracht. Das führt dazu, dass es viele Betroffene versäumen, rechtzeitig auf die richtige Art zu reagieren. Eine mögliche Folge davon ist ein Burnout.

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Vom Stress zum Burnout – ein schmaler Grat

Der Begriff Burnout ist seit einigen Jahren in aller Munde. Er beschreibt einen chronischen körperlichen und emotionalen Erschöpfungszustand. Verbunden ist dieser häufig mit einem Gefühl des „Ausgebranntseins“. Dabei lässt sich ein Burnout beziehungsweise Burnout-Syndrom schwer als eigenständige Krankheit definieren. Allein die Abgrenzung zur Depression ist schwierig. Dass gerade in unserer Zeit viele Menschen an den Beschwerden leiden, die der Begriff beschreibt, lässt sich jedoch kaum leugnen.

Als eine wichtige Ursache für ein Burnout-Syndrom gilt Stress in der Arbeit. Zusätzlich spielen jedoch noch eine Reihe anderer Faktoren eine wichtige Rolle. Sie tragen dazu bei, dass auch Menschen von einem Burnout betroffen sind, deren Arbeitsumfeld auf den ersten Blick nicht durch übermäßigen Stress gekennzeichnet ist.

Als wichtige Faktoren in der Entstehung von Burnout gelten unter anderem:

  • hoher Zeitdruck in der Arbeit verbunden mit einer großen Verantwortung
  • schwer erfüllbare Zielvorgaben
  • Schichtdienste beziehungsweise häufig wechselnde Arbeitszeiten
  • schlechtes Betriebsklima und fehlender Austausch mit Arbeitskollegen

Dazu kommen persönliche Faktoren wie:

  • übertriebener Perfektionismus
  • geringes Selbstwertgefühl
  • starkes Bedürfnis nach Harmonie
  • Unfähigkeit, „Nein“ zu sagen
  • Schwierigkeiten, mit Misserfolgen umzugehen

Die Symptome eines beginnenden Burnouts können weitgehend deckungsgleich mit den oben aufgeführten sein. Hinzu kommt oft schon früh ein Gefühl von Ausgebranntsein. Betroffene fühlen sich überfordert und ihre Leistungsfähigkeit nimmt ab. Die Folge davon sind Fehler in der Arbeit, die wiederum das eigene Unwohlsein verstärken und für einen höheren Stresslevel sorgen. Verbreitet ist außerdem, dass sich Burnout-Patienten von ihrem sozialen Umfeld zurückziehen und Freundschaften sowie Beziehungen vernachlässigen.

Da der Grat zwischen „normalem“ Stress und Burnout schmal ist, sollten Menschen, die bei sich Symptome wie ständige Erschöpfung, depressive Verstimmungen und nachlassende Leistungen bemerken, unter Umständen kombiniert mit körperlichen Symptomen wie Schmerzen und Verspannungen, frühzeitig zum Hausarzt gehen. Dieser kann körperliche Ursachen für die Beschwerden gezielt ausschließen und den Betroffenen zu einem Psychologen beziehungsweise Psychotherapeuten überweisen.

Durch eine Psychotherapie, vorzugsweise eine Verhaltenstherapie, lässt sich ein Burnout in der Regel gut in den Griff bekommen. Bei schwereren depressiven Verstimmungen können zusätzlich Medikamente eingesetzt werden.

Optionen zur Stressbewältigung

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Wer einem Burnout effektiv vorbeugen und negative gesundheitliche Folgen von Dauerstress vermeiden will, braucht vor allem wirksame Methoden zur Stressbewältigung. Denn ganz vermeiden lässt sich Stress selten, privat wie beruflich. Ein effektives Mittel in diesem Zusammenhang ist regelmäßiger Sport. Er führt dazu, dass der Körper besser durchblutet ist und sich das vegetative Nervensystem entspannt. Auf Dauer wirkt er sich positiv auf die Regenerationsfähigkeit aus. Gezielt helfen außerdem Entspannungstechniken. Hier stehen eine ganze Reihe wirksamer Methoden zur Verfügung, von Meditation bis hin zu progressiver Muskelentspannung. Wer sich dann noch gesund ernährt, tut schon eine ganze Menge, um ungesundem Stress den Riegel vorzuschieben.

Schließlich spielen eigene Denk- und Bewertungsmuster eine zentrale Rolle. In diesem Zusammenhang ist es zum Beispiel wichtig, sich mit übertriebenen Erwartungen an sich selbst auseinanderzusetzen und eine positive Einstellung zu Pausen zu entwickeln. Dazu gehört, zu lernen, Arbeiten zu delegieren und öfter einmal „Nein“ zu sagen. In manchen Fällen ist es sogar ratsam, die eigene berufliche und private Situation grundsätzlich zu überdenken. Vielleicht ist der aktuelle Job auf Dauer einfach nicht der richtige, auch wenn er im ersten Moment als karrierefördernd erscheint?

Zusammenfassend bieten sich folgende Methoden zur Stressbewältigung an:

  • regelmäßiger Sport
  • Entspannungstechniken
  • gesunde Ernährung
  • Auseinandersetzung mit schädlichen Denkmustern und übertriebenen Erwartungen
  • regelmäßige Pausen beziehungsweise Auszeiten
  • evtl. Änderung der eigenen Lebenssituation

Wer merkt, dass ihm die Stressbewältigung auf eigene Faust nicht gelingt, der tut gut daran, sich Unterstützung zu holen. Schon Ansprechpartner im eigenen Bekanntenkreis können eine große Hilfe sein. In vielen Fällen lohnt sich auch eine Psychotherapie. Im Gespräch mit einem Spezialisten beziehungsweise einer Spezialistin gelingt es besonders gut, das eigene Verhalten auf dem Prüfstein zu stellen und geeignete Methoden zur Stressbewältigung zu finden. Gute Psychotherapeuten sind geschult darin, potenziell ungesunde Denkmuster zu erkennen.

Fazit

Stress gehört für viele Menschen zum Alltag. Ob und inwiefern das negativ ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wer beruflichen Stress vor allem als Bereicherung und spannende Herausforderung empfindet, muss im Regelfall weniger mit negativen Folgen rechnen. Anders sieht es aus, wenn sich ein chronischer Stresszustand entwickelt, der negativ wahrgenommen wird und den Körper in eine Art permanenten Alarmzustand versetzt. Dann besteht die Gefahr ernsthafter Folgeerkrankungen, Burnout inklusive.

Deshalb ist es zentral, rechtzeitig dagegen zu steuern. Anfangs genügen häufig schon einfache Maßnahmen, um Körper und Psyche die dringend benötigte Erholung zu verschaffen und die eigene Lebensqualität zu verbessern. Wer sich schon tiefer in der Spirale befindet, sucht sich am besten professionelle Hilfe. So lässt sich der Spaß am eigenen Leben und Beruf wiederherstellen.

 

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