Muskelzucken – Ursachen und Gegenmittel

Muskelzuckungen (Faszikulationen) suchen im Laufe des Lebens so gut wie jeden einmal heim. Das Zucken ist im seltensten Fall ein Krankheitsanzeichen und daher meist auch kein Grund zur Sorge. Bedingung ist hierfür natürlich, dass Ihr Muskelzucken nur kurzfristig auftritt. Chronisches Zucken in den Muskeln könnte dagegen durchaus auf einen Mineralstoffmangel oder eine Muskelerkrankung hinweisen. Damit Sie künftig bei der Beurteilung Ihres Muskelzuckens keine Probleme haben und im Ernstfall schnell reagieren können, möchten wir Ihnen mit diesem Beitrag einen Überblick zu möglichen Gründen und Behandlungsoptionen für Faszikulationen geben.

Wie entsteht Muskelzucken?

Faszikulationen äußern sich durch unkontrollierbare Kontraktionen kleiner Muskelgruppen, deren Ursprung oft unter der Haut lokalisierbar ist. Das harmlose Muskelzucken lässt sich durch Klopfen oder Kneifen sogar provozieren, beeinträchtigt die Bewegungs- und Leistungsfähigkeit der Muskulatur allerdings überhaupt nicht. Je nach Intensität, Dauer und Häufigkeit wird in der Medizin zwischen zwei Arten unterschieden:

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  • benigne Faszikulationen – Zuckungen, welchen keine gesundheitsbeeinträchtigenden Ursachen zugrunde liegen, werden benigne Faszikulationen genannt. Sie sind gutartig, ungefährlich und treten häufig im Gesicht oder an Armen und Beinen auf.

  • pathologische Faszikulationen – Diese Zuckungen treten in einer höheren Frequenz auf und werden allgemein als aggressiver und stärker empfunden. Pathologische Faszikulationen beschränken sich nicht auf Arme und Beine, sondern können an der gesamten Muskulatur auftreten.

Das Ursachenfeld ist sowohl bei benignen, wie auch bei pathologischen Muskelzuckungen breit gefächert. Harmlosen Zuckungen liegt möglicherweise schlicht ein Bewegungsmangel zugrunde, pathologische Zuckungen bedürfen allerdings einer ärztlichen Abklärung, da sie unter anderem neurologischen Ursprungs sein könnten. Nachstehend ein kleiner Überblick zu möglichen Gründen für Ihre Zuckungen:

    aufputschende Getränke: Koffeinhaltige Getränke, z.B. Kaffee, Energydrinks, grüner oder schwarzer Tee können im Übermaß genossen zu Zuckungen führen. Auch Rauschmittel wie Kokain lösen mitunter solche Zuckungen aus. Das Muskelzucken, welches durch solche Genuss- oder Rauschmittel entsteht, ist eine Art Impulskurzschluss in den Muskel- und Nervenfasern, verschwindet nach wenigen Stunden aber meist von alleine.

    Antidepressiva: Wirkstoffe, die den Serotoninhaushalt im Gehirn ausgleichen sollen (z.B. Moclobemid, Rasagilin, Safinamid) können bei unsachgemäßer Anwendung zum Serotoninsyndrom führen. Neben starkem Schwitzen, einem allgemeinen, starken Krankheitsgefühl mit Übelkeit, Durchfall und Fieber gehören hier auch neuromuskuläre Symptome wie Faszikulationen bis hin zu Krampfanfällen zum möglichen Erscheinungsbild. Wenn Sie also entsprechende Medikamente nehmen, sollten Sie zum Arzt gehen und eine ursächliche Wirkung auf Zuckungen ausschließen lassen.

    Benzodiazepine: Wirkstoffe wie Clorazepat, Diazepam oder Lorazepam wirken gezielt muskelentspannend und werden medizinisch bei Krämpfen eingesetzt. Ist es Patienten jedoch nicht möglich, sich nach Einnahme entsprechender Medikamente auszuruhen, können Nebenwirkungen wie Muskelzucken eintreten.

    Bewegungsmangel: Führen Sie Ihrem Körper mehr Energie zu, als er verbrauchen kann, kann eine körperliche Unruhe die Folge sein, welche sich in unangenehmen Muskelzuckungen äußert. Daneben führen auch starre Körperhaltungen gelegentlich zu Zucken in den Muskeln.

    Halswirbelsäulenerkrankungen: Halswirbelsäulendegenerationen können die Weiterleitung von Nervenimpulsen beeinträchtigen und somit die Symptome der pathologischen Faszikulation verursachen. Ähnlich sieht es bei Verletzungen aus, die sich im Bereich der Halswirbelsäule ereignen.

    Tollwut: Diese Virusinfektion wird beim Menschen normalerweise durch das Rabiesvirus ausgelöst. Sie befällt zunächst das Gehirn und sorgt dort für gefährliche Entzündungen. Über das zentrale Nervensystem kommt es dann im späteren Verlauf zur Ausbreitung in den gesamten Körper. Neben Lähmungen, stark erhöhtem Speichelfluss und Halluzinationen führen die Viren zu starken Muskelzuckungen bis hin zu Muskelkrämpfen.

    Mangelerscheinungen: Eine zu einseitige Ernährung sorgt auf Dauer für einen Mangel an Kalzium, Natrium oder Magnesium. Die biologischen Elektrolyten sind jedoch für reibungslose Abläufe im Körper notwendig. Störendes Muskelzucken kann Sie also auch auf einen Nährstoffmangel hinweisen, da die Muskulatur mit Faszikulationen auf die Unterversorgung reagiert. Magnesiummangel oder auch Kalziummangel lässt sich durch eine ausgewogene Ernährung jedoch einfach beseitigen.

    neurologische Erkrankungen: Erkrankungen, die die nervliche Reizleitung zwischen Gehirn und Muskeln beeinträchtigen, können ebenfalls als Ursache für Muskelzucken in Frage kommen. Zu besagten Krankheiten gehören beispielsweise Epilepsie, Myopathien oder Muskelatrophien. Ferner können Unfälle im Kopfbereich für ein Zucken in den Muskeln sorgen, sofern bei dem Unfall zur Reizleitung notwendige Gehirnareale beschädigt wurden.

    Stress: Besonders kurz vor dem Einschlafen berichten Stressgeplagte häufig über Muskelzuckungen in Armen und Beinen. Zudem ist ein Zucken in den Augenlidern (Tremor) bei anhaltendem Stress nicht ungewöhnlich. Die Ursachen hierfür liegen, ähnlich wie bei neurologischen Erkrankungen, im Gehirn. Durch den erhöhten Stresspegel kann dieses nicht mehr vollständig entspannen, sodass Gehirnregionen, welche für die Steuerung von Muskeln verantwortlich sind, überlastet werden und somit ein Muskelzucken hervorrufen.

    Vergiftungen: Medikamenten-, Alkohol- und Schadstoffvergiftungen, aber auch Pflanzen- und Tiergifte fallen häufig durch Symptome auf, die einen Kontrollverlust wichtiger Körperfunktionen bedeuten. Neben Erbrechen, Schweißausbrüchen und Fieberschüben sind diesbezüglich auch Lähmungen, Nervenkrämpfe und Muskelzuckungen wichtige Leitsymptome.

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Behandlung bei Muskelzucken

Der wichtigste Schritt zur Diagnose ist bei Muskelzuckungen eine gründliche Anamnese. Ereignisse, wie etwa Unfälle mit Kopfbeteiligung, müssen in diesem Gespräch unbedingt angesprochen werden. Idealerweise erstellen Sie im Vorfeld eine Liste mit bestehenden Grunderkrankungen und Medikationen, sowie einen aktuellen Ernährungsplan.

Bei der nachfolgenden körperlichen Untersuchung werden unter Umständen ihre sensorischen und motorischen Reflexe getestet. Sofern sich bis hier hin noch keine Ursache für die Muskelzuckungen finden ließ, folgt dann als letzter Schritt die klinische Untersuchung. Ist eine Stoffwechselerkrankung der Grund für das Muskelzucken, gibt ein Blutbild Aufschluss darüber. EEG (Elektroenzephalogramm) und EMG (Elektromyografie) wiederum geben Auskunft über die Hirn- und Muskelfunktionalität des Patienten.

Die Therapie Ihres Muskelzuckens wird auf die von Ihrem Arzt diagostizierten Ursachen abgestimmt. In Frage kommen hier unter anderem Medikamente gegen neurologische Ursachen, oder Nahrungsergänzungsmittel zum Ausgleich eines Nährstoffmangels. Insgesamt stehen Ihnen bei Muskelzucken folgende Behandlungsmaßnahmen zur Verfügung:

    bewusste Ernährung: Wenn Sie, gerade in den obst- und gemüsearmen Wintermonaten, ein gehäuftes Auftreten von Muskelzucken bemerken, hilft es, den Fokus Ihrer Ernährung bewusst auf mineralstoffreiche Lebensmittelbestandteile zu legen. Kürbiskerne, Leinsamen und Sonnenblumenkerne wirken diesbezüglich erfolgreich einem Magnesiummangel entgegen. Sollte die Ursache Ihrer Faszikulation in einem Kaliummangel begründet liegen, können Sie zu Avocado, Fenchel und Kartoffeln greifen. Durch die bewusste Beigabe von etwas Salz erhöhen Sie zudem den Natriumgehalt Ihres Körpers.

    Bewegung: Den Faszikulationen kann auch ein Bewegungsmangel zugrunde liegen und ist vor allem in Kombination mit aufputschenden Getränken sehr gefährlich. Ein täglicher Spaziergang von etwa dreißig Minuten Länge kann hier aber bereits helfen.

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    Entspannung: Nehmen Sie sich die letzte halbe bis ganze Stunde vor dem Einschlafen Zeit für sich. Schalten Sie Handy und Fernseher aus und gönnen Sie sich ein Bad, eine heiße Dusche oder einen beruhigenden Tee. Auch eine letzte gemütliche Runde im Freien und ähnliche Abendrituale versprechen bei Muskelzucken häufig Abhilfe und sollten auch mit Blick auf Schlafstörungen zu einem festen Bestandteil in Ihrem Alltag werden.

    Medikamente: Wenn den Muskelzuckungen ernste Ursachen, beispielsweise Epilepsie oder Myopathien zugrunde liegen, kann Ihnen vom Arzt eine medikamentöse Therapie empfohlen werden. Die Medikamente wirken dämpfend auf das zentrale Nervensystem und unterbinden somit auch die Zuckungen.

    Nahrungsergänzungsmittel: Nicht immer ist es möglich, Mangelerscheinungen alleine mit der Ernährung auszugleichen. Dies gilt vor allem für Stoffwechsel- und Autoimmunkrankheiten, bei denen der Nährstoffhaushalt des Körpers nicht selten aus den Fugen gerät. Für diese Situationen sind in der Apotheke rezeptfrei erhältliche Präparate erhältlich, welche Mängeln entgegenwirken und Muskelzuckungen somit unterbinden können. So können Sie beispielsweise einen Magnesiummangel schnell wieder in den Griff bekommen.

    Behandlung bei Vergiftungen: Befürchten Sie, sich vergiftet zu haben, kontaktieren Sie sofort Ihren Haus- oder in dringenden Fällen sogar den Notarzt. Wenn Sie ein Medikament oder Lebensmittel verdächtigen, erwähnen Sie es unbedingt im Gespräch und halten Sie sich an die Anweisungen des Arztes.

Faszikulation – Wann zum Arzt?

Muskelzucken ist für gewöhnlich lästig, aber nicht gefährlich. In der Regel sind die Zuckungen auch nicht schmerzhaft und verschwinden nach wenigen Sekunden bis Minuten von selber wieder. Eine Ausnahme bilden hier jedoch neurologisch motivierte Formen des Muskelzuckens, sowie Zuckungen aufgrund einer Vergiftung. Hier kann die Faszikulation durchaus Schmerzen bereiten und sogar bis zum vollständigen Kontrollverlust der Muskeln führen. Zum Arzt gehen sollten Sie deshalb grundsätzlich, wenn…

    …Ihr Muskelzucken mit Kribbeln in den Extremitäten einher geht.
    …Sie einen Kontrollverlust über bestimmte Muskelgruppen wahrnehmen.
    …Schmerzen Ihr Muskelzucken begleiten.
    …das Muskelzucken länger als eine Stunde anhält.
    …Sie zusätzlich zu Muskelzucken Taubheitsgefühle in den Gliedern verspüren.
    …Müdigkeitsgefühle Ihr Muskelzucken begleiten.
    …der Verdacht auf Muskelzucken durch Vergiftung besteht.

Fazit

Muskelzuckungen können einen Hinweis darauf geben, dass Ihr Körper mehr Ruhe oder Mineralstoffe benötigt. Hier sind die Zuckungen zwar unangenehm, in den meisten Fällen aber harmlos. Liegen den Faszikulationen aber ernste Ursachen wie neurologische Probleme oder eine Vergiftung zugrunde, die zusätzlich mit einschlägigen Symptomen einher gehen, sollten Sie umgehend bei Ihrem Arzt vorstellig werden.

 

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