Medikamente gegen Übelkeit – Übersicht und Wirkung

Übelkeit, wie auch das häufig damit einher gehende Erbrechen, erfordern nicht selten die Einnahme geeigneter Medikamente, um den Magen wieder zu beruhigen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn eine für den Körper belastende Behandlung wie die Chemotherapie für die Beschwerden verantwortlich ist. Doch auch während der Schwangerschaft oder nach einer Narkose kann Übelkeit zu einem lästigen Problem werden, das sich nur durch den Einsatz angemessener Wirkstoffe in den Griff bekommen lässt. Worauf Sie bei der Wahl der Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen achten sollten und welche Nebenwirkungen bei einer Anwendung auftreten können, erfahren Sie nachstehend. Ob Krankheiten, Übelkeit in der Schwangerschaft oder infolge einer Chemotherapie – es gibt häufig passgenaue Medikamente.

Was hilft bei Übelkeit? – Infos zu einzelnen Wirkstoffgruppen

Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen werden in der Medizin als Antiemetika bezeichnet. Diese stammen aus insgesamt neun Wirkstoffgruppen, von denen manche heute jedoch nur noch selten genutzt werden. Ursache hierfür ist unter anderem die breite Palette an Nebenwirkungen, die von Wirkstoffgruppen wie Kortikoiden ausgeht, die früher zwar gerne als ’schnelle Lösung‘ bei Übelkeit galten, inzwischen aber zu den veralteten Antiemetika zählen. Auch besitzen viele, aus der Mode geratene Wirkstoffe gegen Übelkeit und Erbrechen Gegenindikationen, die beispielsweise eine Behandlung während der Schwangerschaft, Chemotherapie oder bei bestehender Grunderkrankung unmöglich machen. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen hier nur jene Wirkstoffgruppen vorstellen, die für ein breites Spektrum an Patienten unbedenklich sind und bei denen sich potentielle Nebenwirkungen in Grenzen halten:

Vitamin B bei Schwangerschaftsübelkeit

© Kristin Gründler - Fotolia.com
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Die wohl unbedenklichsten Wirkstoffe werden bei Übelkeit und Erbrechen während der Schwangerschaft von B Vitaminen gestellt. Sowohl Vitamin B1, als auch Vitamin B6 und B12, können die für Schwangerschaftsübelkeit verantwortlichen Körperprozesse abschwächen, und das ohne Gesundheitsgefahr für Mutter und Kind. Ganz nebenbei werden durch die Wirkungsweise der Vitamine auch andere, für eine Schwangerschaft typische Symptome gelindert.

Forscher vermuten, dass Vitamin B den Hormonhaushalt von Schwangeren, aber auch deren Nerven- und Immunsystem regulieren. Insbesondere das Schwangerschaftshormon HCG, welches während der Schwangerschaft nicht nur Übelkeit und Erbrechen, sondern zudem auch Gemütsverstimmungen und Abgeschlagenheit verursacht, soll dank Vitamin-B-Präparaten positiv beeinflusst werden. Erhältlich sind die Vitaminpräparate oft in Form von Brausetabletten und Trinkpulvern, was Schwangeren eine dosierte Einnahme deutlich erleichtert.

    Gegenanzeigen und Nebenwirkungen: Gegenindikationen, Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen in Kombination mit anderen Arzneimitteln sind für die Einnahme von Vitamin B keine bekannt. Dennoch sollte die vom Präparathersteller empfohlene Maximaldosis aus Sicherheitsgründen nicht eigenmächtig überschritten werden. Ansonsten drohen vor allem folgende Nebenwirkungen:

    • erhöhte Lichtempfindlichkeit
    • Hautreizungen
    • Nervenstörungen

    Grundsätzlich lassen sich Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft mit Vitamin B allerdings sehr gut in den Griff bekommen

H1-Blocker bei akuter Übelkeit

© violet5885 - Fotolia.com
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Besonders gut helfen gegen Verdauungsschmerzen wie Sodbrennen, Übelkeit und Erbrechen sogenannte Antihistaminika. Die Wirkstoffe gehen gezielt gegen die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Histamin vor, welcher für eine Vielzahl an Abwehrreaktionen im Magen-Darm-Trakt verantwortlich ist. Speziell bei Übelkeit wird hier auf H1-Antihistaminika wie Diphenhydramin und Dimenhydrinat zurückgegriffen. Sie befinden sich einzeln oder als kombinierte Wirkstoffe in zahlreichen Präparaten (z.B. Vomex) zur Behandlung von Übelkeit und sind häufig rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

H1-Blocker lindern die Abwehrreaktionen des Verdauungstraktes durch ihre Anbindung an H1-Rezeptoren. Diese sind für die Ausschüttung von Histaminproteinen verantwortlich, welche in Magen und Darm Reizreaktionen provozieren. Normalerweise setzt die Wirkung entsprechender Arzneimittel nach etwa 30 bis 60 Minuten ein, wobei eine einmalige Einnahme bis zu 12 Stunden vorhalten kann.

    Gegenanzeigen und Nebenwirkungen: Antihistaminika nehmen immer Einfluss auf natürliche Stoffwechselvorgänge des Körpers. Bei körperlicher Gesundheit verursacht dies normalerweise keine größeren Probleme. Ist der Körper hingegen vorgeschwächt oder weicht durch besondere Umstände vom normalen Stoffwechselplan ab, könnten Komplikationen auftreten. Aus diesem Grund dürfen H1-Blocker bei Vorliegen einer neurologischen Erkrankung wie Epilepsie, sowie bei Herz- und Tumorerkrankungen nicht ohne ärztliche Absprache eingenommen werden. Auch bei Nährstoffdefiziten im Blut, Leberschwäche und Asthma ist die Anwendung von H1-Antihistaminika nicht auf eigene Faust empfohlen. Bei Schwangerschaftsübelkeit können H1-Blocker dagegen während der ersten sechs Monate bedenkenlos eingenommen werden. Nach dieser Zeit ist jedoch auch für Schwangere Vorsicht geboten. Zu den allgemein bekannten Nebenwirkungen von H1-Blockern zählen:

    • Benommenheit
    • Herzrhythmusprobleme
    • Muskelschwäche
    • Schwindel
    • Schlafstörungen
    • Sehstörungen
    • Unruhezustände

Immunologika bei krankheitsbedingter Übelkeit

Sofern ein geschwächtes Immunsystem oder besondere Magen-Darm-Krankheiten für Ihre Übelkeit verantwortlich sind, können Sie bei der Behandlung auch auf Kombinationspräparate setzen. Diese bestehen aus abgetöteten Bestandteilen des Stäbchenbakteriums Escherichia coli und des Kugelbakteriums Streptococcus faecalis. Der genaue Wirkmechanismus der Immunologika ist noch nicht vollständig geklärt, doch Mediziner gehen davon aus, dass die abgetöteten Bakterien die Ausschüttung des Proteins Cytokin reduzieren, welches ähnlich wie Histamin Abwehrreaktionen des Körpers anregt.

Erkrankungen des Verdauungstrakts, wie etwa das Reizdarmsyndrom und chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung, lassen sich durch Kombinationspräparate aus Escherichia coli und Streptociccus faecalis gut behandeln. Ebenso werden Immunologika neben Übelkeit und Erbrechen auch zur Behandlung von Verstopfung und Durchfall eingesetzt. Erhältlich sind die Medikamente in Tabletten-, Spritzen- oder Salbenform.

    Gegenanzeigen und Nebenwirkungen: Generell lässt sich auch Schwangerschaftsübelkeit mit Immunologika therapieren. Allerdings sollten Sie die Medikamente nur nach eingehender Beratung mit dem behandelnden Gynäkologen einnehmen, denn bei schwachem Immunsystem der werdenden Mutter besteht möglicherweise Gefahr für die Gesundheit des ungeborenen Kindes. Als Nebenwirkungen der Wirkstoffgruppe sind bekannt:

    • allergische Reaktionen
    • Blähungen
    • Schmerzen im Oberbauch

Setrone und Prokinetika bei Übelkeit durch Chemotherapie

© RioPatuca Images - Fotolia.com
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Krebspatienten, die eine Strahlen- oder Chemotherapie durchlaufen, leiden häufig unter den starken Nebenwirkungen ihrer Zytostatika, beziehungsweise den Folgen einer radioaktiven Bestrahlung. Zu den häufigsten Beschwerden zählen hier auch Übelkeit und Erbrechen, sodass der Einsatz von Antiemetika durchaus notwendig werden kann. Um dabei bestmöglich auf die besonderen Bedürfnisse von immungeschwächten und körperlich sensiblen Tumorpatienten einzugehen, verwendet die Medizin 5-HT3-Antagonisten, auch bekannt als Setrone.

Setrone sind Hemmstoffe, die meist aus Wirkstoffen wie Granisetron, Ondanestron oder Tropisetron bestehen und gezielt an 5-HT3-Rezeptoren andocken. Das von besagten Rezeptoren mitproduzierte Serotonin ist speziell für Übelkeit und Brechreiz nach krebstherapeutischen Maßnahmen verantwortlich. Durch Setrone können die Nebenwirkungen einer Strahlen- bzw. Chemotherapie also erfolgreich unterdrückt werden. Des Weiteren existieren neben Serotonin-Antagonisten auch Prokinetika, wie Dopamin- und 5-HT4-Antagonisten (z.B. Metoclopramid, Cisaprid und Domperidon), welche ebenfalls die Ausschüttung von Stoffen blockieren, die Übelkeit und Erbrechen hervorrufen. Anders als Setrone werden Prokinetika jedoch überwiegend zur Vorbeugung gegen postoperative Übelkeit, etwa aufgrund allergischer Reaktionen gegen ein Narkosemittel, angewandt. Darüber hinaus lassen sich mit Prokinetika auch Abwehrreaktionen auf Medikamente behandeln.

    Gegenanzeigen und Nebenwirkungen: Serotoninantagonisten sind in der Stärke ihrer Wirkung mit Opiaten gleichzusetzen und deshalb fast ausschließlich zur Symptombehandlung bei Bestrahlung oder Chemotherapie in Gebrauch. Außerhalb dieses Nutzungsbereiches sind Setrone meist nur selten effektiv. Ähnlich sieht es bei Prokinetika aus, deren Wirkungsweise gleichermaßen spezifisch ist. Grundsätzlich nicht verabreicht werden Medikamente der beiden Wirkstoffgruppen bei bestehenden Verdauungsstörungen, denn zu den bekannten Nebenwirkungen von Setronen und Prokinetika zählen:

    • Bauch- und Kopfschmerzen
    • Durchfall
    • Verstopfung

Übersicht zu den wichtigsten Arzneimitteln gegen Sodbrennen

WirkstoffgruppePräparateAnwendung
Vitamin BAncid, Gastripan, Glysan, Hevert Mag, Hydrotalcit, Magaldrat, Magastron, Magmed, Marax, Megalac, Rennie, Simagel, Simaphil, TalidatSchwangerschaftsübelkeit
H1-BlockerEmesan, Rodavan S, Superpep forte, Vomex, Vomacurakute Übelkeit
ImmunologikaPro-SymbioflorÜbelkeit und Erbrechen durch Magen-Darm-Erkrankungen
SetroneAloxi, Anemet, Axisetron, Cellondan, Kevatril, Kytril, Navoban, Ondansan, Sancuso, Zofran, ZotrixÜbelkeit und Erbrechen durch Chemotherapie oder Bestrahlung
ProkinetikaDomperidon, Gastrosil Retardpräventiv gegen Übelkeit und Erbrechen nach Operationen / zur Behandlung bei Übelkeit und Erbrechen durch Medikamente

Fazit

Um bei Übelkeit und Erbrechen geeignete Medikamente zur Behandlung finden zu können, ist es wichtig, die Ursachen genau zu kennen. So unterscheiden sich Präparate für Schwangerschaftsübelkeit in ihrer Wirkstoffzusammensetzung beispielsweise stark von Arzneimitteln, die gegen Übelkeit als Folge einer Chemotherapie eingesetzt werden. Und auch die Intensität der Wirkstoffe sollte mit Blick auf mögliche Nebenwirkungen fein auf die Schwere der Übelkeit abgestimmt sein. Ungeachtet des medizinischen Nutzungsbereiches lassen sich Medikamente gegen Übelkeit aber meist auch erfolgreich gegen Erbrechen, Sodbrennen und andere Magenbeschwerden anwenden.

 

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