Antidepressiva und Alkohol – Wechselwirkungen und Risiken

Unter dem Begriff Antidepressiva versteht die Medizin Medikamente, welche bei einer Reihe an psychischen und seelischen Erkrankungen eine Rolle spielen. Dazu gehören zum Beispiel Depressionen sowie Zwangs- und auch Angststörungen. Die Eigenschaften antidepressiv wirkender Medikamente sind dabei je nach Präparat stimmungsaufhellend, beruhigend oder antriebssteigernd. Dies veranlasst bei entsprechenden Beschwerden eine Verbesserung des Gemüts- und Gesundheitszustandes. Diese Wirkung der Antidepressiva baut auf eine Beeinflussung der gehirninternen Neurotransmitter. So wird deren Aufnahme von Unruhe befördernden Botenstoffen (z.B. Serotonin, Dopamin oder Noradrenalin) gehemmt. Damit nehmen antidepressiv wirkende Medikamente massiven Einfluss auf den Hormonhaushalt und Stoffwechsel des Körpers.

Die Anwendung antidepressiver Medikamente wie Citalopram, Mirtazapin und Venlafaxin ist weit verbreitet. Jedoch stehen Antidepressiva immer wieder in der Kritik, weil ihnen ein hohes Risiko für Abhängigkeiten nachgesagt wird. Auch rufen antidepressiv wirkende Medikamente häufig starke Nebenwirkungen hervor. So zum Beispiel:

  • Übelkeit
  • Herzrhythmusstörungen
  • Kopfschmerzen.

In Bezug auf Alkohol ist hier sogar ein doppeltes Risiko gegeben. Zum einen sorgt das Rauschmittel in Kombination mit Antidepressiva nur allzu gerne für Wechselwirkungen. Zum anderen neigen viele Patienten mit bestehender Alkoholabhängigkeit auch zum Medikamentenmissbrauch. Dies kann im Falle von Antidepressiva jedoch tödlich enden. In diesem Ratgeber möchten wir Ihnen zeigen, welche Wechselwirkungen zwischen Alkohol und Psychopharmaka bestehen und wann Sie besonders vorsichtig sein sollten.

Darf während der Einnahme von Antidepressiva Alkohol getrunken werden?

© Andy Dean - Fotolia.com

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Die Antwort lautet hier ganz klar: Nein. Immer wieder wird von extremen Wechselwirkungen zwischen Antidepressiva und Alkohol berichtet, wobei es nicht selten zu Todesfällen kommt. Grund für die gefährliche Wechselwirkung ist, dass Alkohol und antidepressive Medikamente im Gehirn auf dieselben Rezeptoren wirken. Hierdurch kann es zu folgenden Wechselwirkungen kommen:

  • Verringerte Wirkung der Medikamente – Der Alkohol schränkt die Wirkung der Antidepressiva ein, indem er deren Rezeptorenaufnahme blockiert.
  • Intensivere Wirkung der Medikamente – Der Alkohol verstärkt die Wirkung der Antidepressiva, da er nach Rezeptorenaufnahme dieselben Prozesse befördert.
  • Verlängerung der medikamentösen Wirkdauer – Durch die Verstärkung der Wirkung wird auch die Wirkdauer der Medikamente verlängert.

Die Art der Wechselwirkung mit Alkohol ist stark abhängig vom Präparat. Nicht jedes Antidepressivum beeinflusst die hirneigenen Neurotransmitter auf dieselbe Weise. So gibt es zum Beispiel Einzelwirkstoffe wie Citalopram, Amineptin und Viloxazin, die Serotonin-, Dopamin- oder Noradrenalinrezeptoren gesondert verändern. Im Gegensatz dazu existieren aber auch Kombiwirkstoffe wie Venlafaxin, die mehrere Arten von Rezeptoren gleichzeitig ansprechen. Je umfangreicher das Wirkspektrum dabei ist, desto wahrscheinlicher sind heftige Wechselwirkungen.

Achtung: Gerade die Funktionalität der Organe kann unter Wechselwirkungen mit Alkohol extrem leiden. Selbst ein Organversagen ist hier nicht ausgeschlossen. Bei einer Kombination antidepressiver Medikamente mit Alkohol lässt sich vor allem der plötzliche Herztod häufig beobachten. Dabei reichen schon geringe Alkoholmengen aus, um entsprechende Probleme hervorzurufen. Sollte darüber hinaus eine Alkoholabhängigkeit vorliegen, sind lebensgefährliche Symptome sehr wahrscheinlich!

© Photographee.eu - Fotolia.com

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Bei welchen Antidepressiva ist mit Alkohol besondere Vorsicht geboten?

Da Antidepressiva neben dem Hormonhaushalt auch Botenstoffe modifizieren, welche für die Immun-, Nerven- und Herz-Kreislauf-Funktion verantwortlich sind, kann es in Kombination mit Alkohol zu folgenden Wechselwirkungen kommen:

  • allgemeine Gesundheitsprobleme
    z.B. Kopfschmerzen, Magenschmerzen oder Übelkeit
  • Beeinträchtigung von Organfunktionen
    z.B. Blasenentleerungsstörungen oder lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen
  • gestörte Regulation von Körperflüssigkeiten
    z.B. Mundtrockenheit oder vermehrter Schweißfluss
  • nervöse und motorische Störungen
    z.B. epileptische Anfälle mit Spasmen, Koordinationsstörungen oder Schlafstörungen
  • kognitive Störungen
    z.B. Bewusstseins- und Persönlichkeitsstörungen, Desorientiertheit oder Verwirrtheit

Geht es um die Intensität der Wechselwirkungen aufgrund von Alkohol, sind vor allem tetrazyklische und trizyklische Antidepressiva (kurz: Tetrazyklika und Trizyklika) aus dem Bereich der kombinierten Wirkstoffe nicht zu unterschätzen. Die Sonderformen antidepressiv wirkender Medikamente beeinflussen die Neurotransmittersysteme des Gehirns in besonders vielfältiger und damit aggressiver Art und Weise. Wird ihre Wirkung durch Alkohol beeinträchtigt, sind deshalb vielfältige gesundheitliche Probleme denkbar. Zumindest schwere Wechselwirkungen lassen sich dabei aber auf antidepressive Medikamente der folgenden Gruppen eingrenzen:

© kronalux - Fotolia.com

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  • MAO-Hemmstoffe und Alpha-Antagonisten: Bei der Einnahme von MAO-Hemmern und tetrazyklischen Alpha-Antagonisten in Kombination mit Alkohol kommt es des Öfteren zu einem verringerten oder vollständig gestoppten Abbau der Aminosäure Tyramin. Diese ist in hohem Maße an der Regulierung von Kreislauf und Blutdruck beteiligt. Im Falle einer Wechselwirkung sind folglich schwere Kreislaufstörungen und auch komplettes Kreislaufversagen denkbar. Ebenso kann es zu Bluthochdruck- oder gar tödlichen Herzrhythmusstörungen kommen. Passende Medikamente werden unter anderem von Mianserin, Mirtazapin, Selegilin und Rasagilin gestellt.
  • Trizyklika mit Kombinationswirkung: Trizyklische Wiederaufnahmehemmer wie Citalopram, Viloxazin und Amineptin hemmen nur jeweils einen hormonellen Botenstoff (also entweder Serotonin, Noradrenalin oder Dopamin). Kombipräparate wie Venlafaxin, Dulocetin und Methylphenidat zielen jedoch darauf ab, mindestens zwei Stoffgruppen zu hemmen. Das Risiko von Wechselwirkungen ist bei selektiven Präparaten mit Kombiwirkung deshalb deutlich höher als bei Monopräparaten. Bekannte Wechselwirkungen sind hier zum Beispiel kognitive, nervöse und motorische Störungen. Diese können von Krämpfen und Zittern bis hin zu Schlaflosigkeit und Ich-Störungen reichen.

Übersicht antidepressiver Medikamente mit starken Wechselwirkungen beim Konsum von Alkohol:

Wirkstoffgruppebekannte WechselwirkungenPräparate (Auswahl)
TetrazyklikaBluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Kreislaufbeschwerden, Mundtrockenheit, Schwindel, Verengung der Bronchien, vermehrtes Schwitzen, verstopfte NaseMaprotilin, Mianserin, Mirtazapin,
TrizyklikaAngstzustände, Benommenheit, Störungen bei der Entleerung der Blase, Durchfall, Empfindungsstörungen, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen, Hyperaktivität, Ich-Störungen, Krämpfe, Mundtrockenheit, Nervosität, Schlaflosigkeit, Schläfrigkeit, Schwindel, Übelkeit, vermehrter Schweißfluss, Verwirrtheit, Wahnvorstellungen, Wahrnehmungsstörungen, ZitternBupropion, Imipramin, Desipramin, Docepin, Dulocetin, Methylphenidat, Notriptylin, Milnacipran, Opipramol, Trimimaprin, Venlafaxin
MAO- HemmerBluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Kreislaufstörungen, Unruhe, Schlafstörungen, Rasagilin, Selegilin, Tranylcypromin

Fazit

Antidepressiv wirkende Medikamente und Alkohol sind zwei Substanzgruppen, die wirklich nicht zusammen passen. Neben Symptomen wie Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden und innerer Unruhe kann es hier auch zu schweren Wahrnehmungsstörungen und tödlichen Herz-Kreislauf-Beschwerden kommen. Verzichten sie deshalb während der Einnahme von Antidepressiva unter allen Umständen auf Alkohol. So verhindern Sie, dass die Medikamente keine lebensgefährlichen Wechselwirkungen hervorrufen. Mit den Nebenwirkungen treten bereits genug Probleme auf.

 

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