Antibiotika und Milch – Risiken und Wechselwirkungen

Antibiotika werden heutzutage zu den unterschiedlichsten Zwecken eingesetzt. Dies schließt sowohl die Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten im Bereich der Humanmedizin, als auch den Einsatz in der Veterinärmedizin und Landwirtschaft zur Infektionsprävention bei tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln mit ein. Ungeachtet ihres Anwendungsbereiches stehen Antibiotika dabei oft in der Kritik.

Durch die häufige Anwendung haben einige Bakterienstämme inzwischen nämlich Multiresistenzen gegen antibiotische Wirkstoffe entwickelt, wodurch es künftig deutlich schwerer wird, Infektionserreger mit Antibiotika zu bekämpfen. Damit nicht genug, sind Antibiotika für ihre zahlreichen Neben- und Wechselwirkungen bekannt. So sollen neben Alkohol insbesondere Milch und Milchprodukte wie Käse oder Joghurt die Wirkung der Medikamente beeinträchtigen. Ob an dieser Behauptung etwas dran ist und was Sie dabei beachten müssen, wollen wir für Sie im nachstehenden Beitrag genauer beleuchten.

Wie wirkt sich Milch auf die Antibiotikatherapie aus?

© tonktiti - Fotolia.com
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Laut medizinischer Definition gilt als Antibiotikum ein Arzneimittel, das aus bakteriellen oder mykotischen Stoffwechselprodukten erzeugt wird und eine hemmende bis tödliche Wirkung auf krankheitsverursachende Mikroorganismen hat. Die Antibiotikatherapie setzt demnach auf die Bekämpfung mikrobiotischer Krankheitserreger (z.B. Bakterien und Pilze) durch Bestandteile gleich gearteter Organismen.

Nun ist Antibiotikum aber nicht gleich Antibiotikum, denn welche Bakterien- und Pilzstämme zur Herstellung der Antibiotika verwendet werden, hängt ganz vom Wirkspektrum des Medikaments ab. In Abhängigkeit davon lassen sich antibiotische Wirkstoffe folgendermaßen einteilen:

    Antibiotika zur Hemmung der Nukleinsäure des Erregers
    z.B. Gyrasehemmer, Folsäureantagonisten oder Ansamycine

    Antibiotika zur Hemmung der Proteinbiosynthese des Erregers
    z.B. Aminoglykoside, Makrolide, Streptogramine oder Tetrazykline

    Antibiotika zur Hemmung der Zellwandsynthese des Erregers
    z.B. ß-Lactam-Antibiotika, ß-Lactamase-Hemmer oder Polypeptide

Geht es um Wechselwirkungen mit Milch, so spielen vor allem Antibiotika zur Protein- und Nukleinsäure-Hemmung eine wichtige Rolle. Ursächlich ist in beiden Fällen die Tatsache, dass die Antibiotikagruppen im Verdauungstrakt sehr leicht an Kalzium-Ionen der Milch binden und in Folge verklumpen. Die Wirkstoffe gelangen somit nicht mehr durch die feine Darmwand in die Blutbahn. Stattdessen werden sie vermehrt ausgeschieden, ohne ihre Wirkung im Körper entfaltet zu haben.

Übrigens: Ähnliches gilt im Übrigen für Milch und Milchprodukte in Kombination mit Medikamenten gegen Osteoporose. Auch hier geht der hohe Kalziumgehalt der Milch häufig schwerlösliche Verbindungen mit den Inhaltsstoffen der Präparate ein, sodass diese nicht mehr richtig wirken.

Antibiotika mit erwiesener Wechselwirkung bei Milchverzehr

Gemäß einer 2007 erschienenen Kolumne namens Milch macht meist nix von Christoph Drösser aus dem Online-Magazin DIE ZEIT beläuft sich der Anteil an Antibiotika, bei denen Milch und Milchprodukte zu Wirkungsminderungen führen können, auf etwa 15 Prozent. Im Detail handle es sich um Proteinhemmer aus der Gruppe der Tetrazykline, sowie um Gyrasehemmer, welche die bakterielle Synthese von Nukleinsäure unterdrücken.

Drösser bezieht sich auf Aussagen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte. Das Institut kam zu dem Ergebnis, dass Milch in Kombination mit Gyrasehemmern und Tetrazyklinen zwar keine schwerwiegenden Nebenwirkungen hervorruft, zwischen Milch- und Medikamenteneinnahme jedoch mindestens zwei Stunden liegen sollten, um den Behandlungserfolg zu gewährleisten. Während der Antibiotikatherapie Milchprodukte im Übermaß zu verzehren, ist mit Blick auf diese Empfehlung also nicht ratsam. Damit Sie künftig wissen, bei welchem Antibiotikum Sie Milch und Milchprodukte mit Vorsicht genießen sollten, abschließend ein kleiner Überblick:

    Gyrasehemmer

    Zu den Gyrasehemmern mit nachgewiesener Wechselwirkungsgefahr bei Milchverzehr zählen überwiegend sogenannte Breitband-Antibiotika aus der Stoffgruppe der Fluorchinolone (z.B. Ciprofloxacin und Norfloxacin). Dank ihres breiten Wirkspektrums lassen sich Antibiotika dieser Art oft bei den unterschiedlichsten Erkrankungen einnehmen. Vordergründig ist eine Fluorchinolontherapie zum Beispiel bei Harnwegsinfektionen. Darüber hinaus zeigen die Gyrasehemmer gute Wirkung gegen Infektionserreger, die sich über den Luftweg verbreiten, was Fluorchinolone für die Behandlung diverser Atemwegsinfektionen prädestiniert.

    Wechsel- und Nebenwirkungen: Kritikwürdig an Breitband-Antibiotika ist, dass sie ein hohes Risiko bergen, Multiresistenzen bei Krankheitserregern hervorzurufen. Darüber hinaus weist so manches Präparat mit breitem Wirkungsspektrum ein nicht weniger breites Spektrum an Neben- und Wechselwirkungen auf. Eine Wirkungsminderung durch den Verzehr von Milch bildet hierbei noch das geringste Übel, wenn man bedenkt, dass Fluorchinolone erhebliche Störungen des Verdauungstraktes, Zentralnervensystems und der Lungenfunktion bewirken können. Auch Haut- und Weichteilinfektionen sind im Zuge einer Behandlung nicht auszuschließen.

    Tetrazykline

    Antibiotika wie Doxycyclin und Minocylin zählen zu den Tetrazyklinen und werden unter anderem zur Behandlung bakterieller Infektionen durch Staphylokokken, Streptokokken, Spirochäten oder zellwandlose Problemkeime eingesetzt. Behandelbare Krankheiten sind diesbezüglich zum Beispiel Akne, Borreliose, Chlamydien, schwere Entzündungen der Harnröhre und des Magendarmtrakts, Lepra, Malaria und Tuberkolose.

    Wechsel- und Nebenwirkungen: Aufgrund des Wirkspektrums von Tetrazyklinen sind diese immer wieder an der Entstehung resistenter Krankenhauskeime beteiligt. Auch Nebenwirkungen aufgrund ihrer kalziumbindenden Eigenschaften sind bei Antibiotika wie Doxycyclin bekannt und umfassen sowohl Schwächungen der Darmflora, Knochen- und Zahnsubstanz, als auch posttherapeutische Pilzinfektionen und Verunreinigungen der Muttermilch. Schwangere, Stillende, heranwachsende Kinder und Osteoporosepatienten sollten deshalb auf die Einnahme von Tetrazyklinen verzichten. Gerade die Kalziumbindung sorgt auch für die Wirkungsprobleme beim gleichzeitigen Verzehr von Milch und Milchprodukten.

© Syda Productions - Fotolia.com
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Übersicht zu Antibiotika mit Wechselwirkungen beim Verzehr von Milch

AntibiotikumWirkstoffgruppenPräparate
Gyrasehemmer / FluorchinoloneCiprofloxacin, Enoxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin, Ofloxacin Avalox, Bactracid, Barazan, Chibroxin, Ciloxan, Ciprobay, Firin, Floxal Augentropfen, Gyroflox, InfectoCipro, Keciflox, Nadixa, Norfluxx, Noroxin, Oftaquix, Okacin, Panotile Cipro, Tarivid, Tavanic, Uro-Tarivid, Vigamox
TetrazyklineDoxycyclin, Minocyclin, Tetracyclin, Tigecyclin, OxytetracyclinAknefug, Aknosan, Ambrodoxy, Ambroxol comp., Antodox, Aureomycin, Corti Biciron, Doxakne, Doxyderma, DoxyHexal, Doxymono, Doxysol, Imex, Minakne, Mysteclin, Oraycea, Oxytetracyclin-Prednisolon Augensalbe, Skid, Skinocyclin, Tefilin, Tetra-Gelomyrtol, Udima, Unguentum Oxytetracyclini SR

Fazit

Nicht jedes Antibiotikum zeigt automatisch Wechselwirkungen bei Milchverzehr. Mögliche Komplikationen beschränken sich dahingehend auf Wirkminderungen von Antibiotika, die am Erreger zur Protein- und Nukleinsäurehemmung eingesetzt werden. Ursächlich für deren Milchunverträglichkeit ist ihre Affinität zur Anbindung an milcheigene Kalziumionen, wodurch die Aufnahme der Wirkstoffe in die Blutbahn erheblich erschwert wird. Solange Sie die Antibiotika aber stets zwei Stunden vor bzw. nach dem Milchgenuss einnehmen, sind gemeinhin keine Wechselwirkungen zu erwarten. Allerdings sind die Nebenwirkungen besagter Antibiotika nicht zu unterschätzen. Entsprechende Präparate nicht einnehmen sollten darum Kinder, werdende und stillende Mütter, sowie Patienten mit Osteoporose, Verdauungsschwächen oder sensibler Haut.

 

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