Lungeninfarkt – Ursachen, Symptome und Therapie

Ein Lungeninfarkt ist die gefürchtete Folge einer Lungenembolie, bei der es zu einer Verstopfung von blutführenden Lungengefäßen kommt. Die Blutversorgung der Lunge wird durch diese Gefäßverstopfung erheblich beeinträchtigt. Dabei ist der Infarkt meist auf ein Blutgerinnsel (Thrombus) zurückzuführen, das sich zuvor in einem Lungengefäß festgesetzt hat. Da sich durch die Gefäßverstopfung eine akute Lebensgefahr für den Patienten ergibt, ist ein Lungeninfarkt grundsätzlich als Notfall zu betrachten. Lesen Sie in diesem Ratgeber, wie der Infarkt im Detail entsteht und welche Notmaßnahmen zur Behandlung zu ergreifen sind.

Wie entsteht ein Lungeninfarkt?

Die Lunge (Pulmo) ist zur Sauerstoffversorgung der Organe und des Blutes unerlässlich. Sie besteht beim Menschen aus zwei Lungenflügeln, die sich links in zwei, und rechts in drei Lungenlappen aufteilen. Da die Lunge selbst kein Muskelgewebe besitzt, ist es ihr nicht möglich, die für die Atmung notwendige Bewegung selbstständig vorzunehmen. Stattdessen wird sie durch äußerlich auf sie einwirkende Kräfte bewegt, die vom Zwerchfell und der Rippenmuskulatur ausgehen. Des Weiteren benötigt die Lunge eine ausreichende Durchblutung, um voll funktionsfähig zu sein. Zu diesem Zweck besitzt die Lunge neben den Lungenvenen (Venae pulmonales) auch zwei Lungenarterien (Arteria pulmonalis), besser bekannt als Pulmonalarterien.

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Zum Lungeninfarkt kommt es nun, wenn sich im Verlauf einer Lungenembolie ein Thrombus in den arteriellen Blutgefäßen der Lunge, also den Pulmonalarterien festsetzt. Meist entsteht ein derartiges Gerinnsel zuvor in den Bein- oder Beckenvenen. Aus diesen löst es sich im späteren Verlauf und gelangt über den Blutkreislauf in die Lungenarterien. Gerät der Thrombus dabei in einen Gefäßengpass der Lunge, kann er das betroffene Gefäß vollständig verschließen. Durch die Gefäßverstopfung wird in Folge die Durchblutung der Lunge gestört. Zusätzlich entsteht ein Blutstau in der betroffenen Arterie, wodurch Gewebeteile der Lunge absterben können. Ist dies der Fall, spricht man von einem Lungeninfarkt.

Ursachen für einen Lungeninfarkt

Da ein Lungeninfarkt durch eine Gefäßverstopfung hervorgerufen wird, sind die Ursachen in der Entstehung eines Thrombus oder einer Lungenembolie zu suchen. Wie bereits angedeutet, nimmt ein solcher Thrombus meist in anderen Körperregionen seinen Anfang. Von dort aus wird er später über den Blutkreislauf in die Lunge geschwemmt. Neben diesem sehr häufigen Entstehungsweg eines Lungeninfarktes gibt es allerdings noch einige weitere Ursachen, die zum Infarkt führen können. Hier ein kleiner Überblick:

  • Gefäß-, Herz- und Lungenerkrankungen: Die wohl häufigsten Ursachen für einen Thrombus sind Herz- und Gefäßkrankheiten. Hierzu zählen neben Gerinnungsstörungen (z.B. Sichelzellenanämie) vor allem Krampfadern, Herzinsuffizienz und Arteriosklerose. Ferner können bestehende Lungenerkrankungen wie eine Lungenentzündung oder COPD eine Lungenembolie mit daraus resultierendem Lungeninfarkt begünstigen.
  • eindringende Fremdstoffe: Neben Ablagerungen an den Gefäßwänden können Lungenembolien auch durch Fremdstoffe im Blutkreislauf entstehen. Hierzu zählen zum Beispiel aus Knochenbrüchen resultierende Fettpartikel und Gase wie CO². Diese dringen während einer ärztlichen Behandlung (z.B. Laparoskopie, Infusionen) oder bei Tauchunfällen mit starker Druckbelastung in die Blutgefäße ein. Drüber hinaus sind auch Tumorzellen oder verirrtes Fruchtwasser nach der Geburt nicht als Ursache einer Lungenembolie mit anschließendem Lungeninfarkt auszuschließen. Ebenfalls erwähnt seien medikamentöse Wirkstoffe wie Kortikoide und Hormonpräparate. Bei diesen werden ein Thrombus sowie damit verbundene Lungenembolien und Lungeninfarkte oftmals als Nebenwirkungen angeführt.
  • weitere Risikofaktoren: Neben Fremdstoffen und Vorerkrankungen können auch Bettlägerigkeit und Blutstauungen (z.B. durch langes Sitzen) einen Lungeninfarkt begünstigen. Ebenso gelten ein fortgeschrittenes Alter und Verstauchungen als mögliche Risikofaktoren.

Symptome bei Lungeninfarkt

Ein Lungeninfarkt führt bei Betroffen meist zu unmittelbarer Atemnot, die mit Schmerzen bei der Atmung einhergeht. Ebenso treten Brustschmerzen, Herzrasen und Beklemmungen auf. Bei ausbleibender Behandlung können Lungeninfarkte zudem zu blutigem Husten, Bewusstlosigkeit oder einem stark gesenkten Blutdruck bis hin zum Schock führen. Insgesamt ist mit folgenden Symptomen zu rechnen:

  • Atemnot
  • Schmerzen beim Atmen
  • Brustschmerzen
  • einseitige Beinschwellung
  • Beklemmungs- und Druckgefühle
  • Herzrhythmusstörungen
  • Schweißausbrüche
  • blutiger Husten
  • Hypotonie
  • Tachykardie
  • Kranzzyanose (dunkel marmorierter Hals und Brustbereich)
  • Bewusstlosigkeit
  • Schock
Vorsicht! Lungenembolien und Lungeninfarkte sind besonders ernsthafte medizinische Notfälle, die umgehend ärztliche Behandlung erfordern! Ansonsten können Sie tödlich enden!

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Diagnose und Therapie bei Lungeninfarkt

Lungeninfarkte werden im Normalfall von einem Pneumologen festgestellt. Dieser hört im Zuge einer Notfalldiagnose zunächst die Lunge mittels eines Stethoskops auf Störgeräusche ab. Anschließend werden Blutdruck und Herzfrequenz gemessen, bevor die Blutgefäße der Lunge innerhalb einer CT mit Kontrastmittel ausgeleuchtet werden. Ein etwaiger Thrombus lässt sich so am besten erkennen. Besteht beim Patienten eine Kontrastmittelallergie, lässt sich stattdessen eine Inhalations- oder Lungenszintigraphie vornehmen. Zusätzlich führt der Arzt ein EKG durch, um eine Rechtsherzbelastung nachzuweisen. Die Analyse der Blutgaswerte, ein Ultraschall des Herzens sowie die Klassifizierung des Patienten nach dem sog. Wells-Score können die Diagnose in Folge bestätigen. Auch eventuelle Folgeschäden lassen sich so erkennbar machen.

Bewahrheitet sich der Verdacht eines Lungeninfarktes, so muss dieser umgehend ärztlich behandelt werden, um schwere Folgeschäden oder gar den Tod des Patienten zu verhindern. Je nach Schweregrad des Lungeninfarktes kommen folgende Maßnahmen zur Therapie in Betracht:

  • Medikamente: Zur Aufrechterhaltung des Blutflusses verabreichen Ärzte bei Lungenembolie oder Lungeninfarkt Gerinnungshemmer wie Heparin, die durch eine Infusion in den Blutkreislauf eingebracht werden. Haben sich die Lungenwerte ausreichend stabilisiert, gehen Ärzte zur oralen Gabe von Medikamenten wie Warfarin oder Phenprocoumon über. Diese müssen im Anschluss für mehrere Monate eingenommen werden. In besonders schweren Fällen, bei denen der Lungeninfarkt mit Kreislaufversagen einhergeht, sind fibrinolytische Medikamente (z.B. Streptokinase) zur Gerinnungshemmung notwendig.
  • künstliche Beatmung und Auflösung der Gefäßverstopfung: Um den Zustand des Patienten zu stabilisieren, muss dieser neben der Behandlung mit Medikamenten durch ein Beatmungsgerät mit Sauerstoff versorgt werden. Mitunter ist es auch notwendig, die Gefäßverstopfung chirurgisch aufzulösen. Hierzu wird der Thrombus innerhalb einer operativen Embolektomie entfernt oder durch den Einsatz eines Katheters zertrümmert.
  • Schonung: Ungeachtet ihrer Schwere müssen sich Patienten nach der Behandlung aber für bestimmte Zeit schonen. Unbedingt zu verzichten ist hier auf Nikotin und Alkohol, denn beides kann die Gefäße zusätzlich verengen. Dies führt bei Lungenembolie bzw. Lungeninfarkt häufig zu lebensbedrohliche Komplikationen!

Lungeninfarkt – Verlauf, Komplikationen und Prävention

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  • Bei umgehend einsetzender Behandlung kann ein Lungeninfarkt meist ohne schwere Folgeschäden kuriert werden. Bleibt die Durchblutungsstörung allerdings unbehandelt, so kann dies neben einer Lungenentzündung auch zum Absterben einzelner Geweberegionen führen. Diese kann wiederum ein potenziell tödliches Kreislaufversagen auslösen.
  • Um einem Lungeninfarkt vorzubeugen, empfiehlt es sich, vor allem Risikofaktoren zu vermeiden, die die Bildung von Blutgerinnseln begünstigen. Hierzu gehört neben Nikotinkonsum, Übergewicht und der Einnahme von Hormonpräparaten vor allem Bewegungsmangel. Um einen solchen zu vermeiden, sollten vor allem bei sitzgebundenen Tätigkeiten regelmäßige Bewegungspausen eingelegt werden, die den Kreislauf in Schwung bringen. Zusätzlich ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 2 Liter täglich) zu achten, um übermäßige Blutgerinnung zu verhindern.
  • Bei Patienten, die bereits einen Thrombus aufweisen, können das Tragen von Thrombosestrümpfen und die vorsichtige Mobilisation durch gezieltes Bewegungstraining verhindern, dass sich ein Gerinnsel löst und eine Lungenembolie herbeiführt. Nehmen Sie hier ggf. auch spezielle Kursangebote in Anspruch. Ihr behandelnder Arzt hilft Ihnen bei der Kurssuche sicher weiter.

Fazit

Ein Lungeninfarkt ist eine lebensgefährliche Komplikation, die im Zuge einer Lungenembolie entstehen kann. Dabei verstopft ein Gerinnsel eine Lungenarterie, was die Durchblutung der Lunge zutiefst beeinträchtigt. Die Ursachen für einen Lungeninfarkt reichen von Vorerkrankungen der Gefäße über Fremdstoffe bis hin zu einer Reihe ungesunder Gewohnheiten. Da Lungeninfarkte unbehandelt zum Tod des Betroffenen führen können, ist eine sofortige Behandlung sehr wichtig. Zögern sie bei etwaigen Anzeichen also nicht, sondern rufen Sie umgehend einen Notarzt. Erfolgt die Therapie rechtzeitig, so lassen sich Lungeninfarkte meist problemlos beheben.

 

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