Magenentzündung (Gastritis) – Ursachen, Symptome und Therapie

Die Magenentzündung (Gastritis) wird häufig mit einer Infektion durch das Bakterium Helicobacter pylori in Verbindung gebracht. Es gibt allerdings noch zahlreiche andere Ursachen für Gastritis, darunter Autoimmunkrankheiten und Vergiftungen. Für Patienten ist die Erkrankung meist sehr schmerzvoll. Darüber hinaus entstehen durch eine Magenschleimhautentzündung in der Regel zahlreiche Einschränkungen der Ernährung. Lesen Sie im Folgenden, wie eine Magenentzündung im Detail entsteht und was sich zur Behandlung der Krankheit unternehmen lässt.

Was ist eine Magenentzündung?

Im medizinischen Fachvokabular bezeichnen Ärzte eine Entzündung des Magens als Gastritis – dieser Begriff bildet sich aus dem griechischen Wort gaster für „Magen“ und der Endsilbe „-itis“, welche Entzündungskrankheiten kennzeichnet. Im Volksmund ist die Erkrankung eher als Magenschleimhautentzündung bekannt und benennt damit präzise den Sachverhalt: Bei einer Gastritis entzündet sich die Schleimhaut der Magenwand bzw. kommt es zur Zerstörung der aufgelagerten Schleimschicht und der Reizung des darunterliegenden Gewebes.

Wie entsteht eine Gastritis?

85 Prozent der Gastritis-Erkrankungen gehen auf bakterielle Infektionen zurück; zumeist mit Helicobacter Pylori, Quelle: © Tatiana Shepeleva

Die Aufgabe des Magens ist, den Nahrungsbrei nach Passieren der Speiseröhre vorzuverdauen, bevor er in den Dünndarm gelangt. Zu diesem Zweck bilden die Belegzellen der Magenschleimhaut die auch als Magensaft bekannte Magensäure. Diese besteht neben dem eiweißspaltenden Enzym Pepsin vor allem aus Salzsäure, ohne die der Magen verzehrte Nahrung nicht aufspalten könnte. Auch Glykoproteine wie Glykoprotein IF sind im Magensaft enthalten. Das Protein fördert die Aufnahme von Vitamin B12, das für unseren Stoffwechsel, wie auch für die Blutbildung und die Funktion des Nervensystems entscheidend ist.

So hilfreich die Magensäure bei der Verdauung auch ist, wirkt sie auf Körpergewebe doch stark ätzend. Eine gesunde Magenschleimhaut ist deshalb nicht nur zur Magensäureproduktion, sondern auch zum Schutz der Magenwände vor der Säure wichtig. Bei Gastritis kommt es nun aber zu einer gefährlichen Entzündung der Magenschleimhaut. Sie entsteht, wenn die Schleimhäute des Magens durch bestimmte Faktoren (z.B. bakterielle Infektionen) gereizt werden. Der scharfe Magensaft kann bei bestehender Magenschleimhautentzündung ungehindert die Magenwände angreifen. Dies führt nicht nur zu starken Schmerzen, sondern auch zu Schäden am Magenwandgewebe. Langfristig kann so ein Magengeschwür oder gar Magenkrebs entstehen. Zu unterschieden ist hierbei zwischen verschiedenen Formen von Gastritis:

  • Typ-A-Gastritis – diese chronische Magenschleimhautentzündung wird durch eine Autoimmunkrankheit ausgelöst.
  • Typ-B-Gastritis – die Entzündung der Magenschleimhäute beruht auf einer bakteriellen Infektion (z.B. durch Helicobacter pylori).
  • Typ-C-Gastritis – chemische Substanzen sind für die Magenschleimhautentzündung verantwortlich
  • Typ-D-Gastritis – es liegt eine der diversen Sonderformen von Gastritis vor, etwa die Kollagen- oder Morbus-Crohn-Gastritis
  • Typ-R-Gastritis – Ursache für die Gastritis ist die sogenannte Refluxkrankheit (chronisches Sodbrennen), bei der häufiges Aufstoßen von Magensäure die Entzündungen provoziert

Ursachen für Magenschleimhautentzündung

Wie bereits aufgezeigt, sind die Ursachen einer Magenschleimhautentzündung sehr vielseitig. Zwar ist Gastritis aufgrund einer Vorinfektion durch das Bakterium Helicobacter pylori mit einem Anteil von 80 bis 85 Prozent am häufigsten, doch der bakterielle Erreger muss nicht in jedem Fall an der Krankheitsentstehung beteiligt sein. Einzelheiten zu verschiedenen Ursachen entnehmen Sie bitte der folgenden Übersicht:

  • Infektionserkrankungen: Neben dem Bakterium Helicobacter pylori kommen auch andere Infektionserreger (z.B. Mycobacterium avium oder Aspergillus flavus) als Urheber der Entzündung in Betracht. HP-Bakterien sind jedoch recht oft anzutreffen, da sie ein Proteinenzym besitzen, das dazu imstande ist, Magensäure zu neutralisieren. So siedelt der Erreger dank seines Selbstschutzes oft jahrelang unbemerkt in der Magenschleimhaut, bis diese durch die unauffällige Infektion spürbar instabil wird. Häufig gelangt Helicobacter pylori dabei schon im Kindesalter in den Magen. Etwa wenn Kinder ihre ungewaschenen Hände in den Mund stecken oder anderweitig oralen Kontakt mit dem Bakterium haben. Besonders gefährlich sind HP-Bakterien, weil sie neben Gastritis auch weitere Krankheiten wie Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre und sogar Magenkarzinome auslösen können.
  • bestehende Vorerkrankung des Magens: Die Magenerkrankung Morbus Ménétrier zeichnet sich dadurch aus, dass sie zu ungewöhnlich großen Falten in der Magenschleimhaut führt. In denen bilden sich die magensäurebildenden Belegzellen zurück. Ist nicht genug Magensäuresubstanz vorhanden, haben Bakterien wie Helicobacter pylori im Magen natürlich leichtes Spiel. Bei der Refluxkrankheit hingegen kommt es entweder zu einem vermehrten Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre oder von Gallensäure in den Magen. Die erhöhte Säurebelastung führt bei chronischem Verlauf zu entzündlichen Prozessen im Bereich der Speiseröhre oder des Magenausgangs. Auf diesem Wege wird oft eine Entzündung der Magenschleimhaut hervorgerufen.
  • bestehende Darmentzündungen: In manchen Fällen steigt eine Entzündung auch von unten, also aus dem Darm in den Magen auf. Vor allem eine bestehende Morbus-Crohn-Erkrankung zeichnet sich dadurch aus, im späteren Verlauf auch auf die Schleimhäute des Magens überzugreifen. Chronische Krankheiten der Darmschleimhaut verursachen von sich aus bereits enorme Schmerzen und Probleme bei der Ernährung für Patienten. In Kombination mit Gastritis lösen dann oft schon die harmlosesten Nahrungsmittel eine schmerzvolle Kettenreaktion aus. Hier sind die Schleimhäute von Magen und Darm nämlich gleichermaßen durch eine Entzündung vorgeschwächt und gereizt.
  • Autoimmunkrankheiten: Als Autoimmunkrankheit ist die Gastritis auf fehlerhafte Autoantikörper zurückzuführen. Diese stufen die körpereigene Magensäuresubstanz irrtümlicherweise als feindlich ein. Sie gehen deshalb radikal gegen die Säure vor und müssen hierzu natürlich die säureproduzierende Magenschleimhaut angreifen. Die genauen Auslöser für diese Form der Gastritis sind bislang leider noch nicht geklärt. Einige Mediziner vermuten jedoch die Enzym- oder Proteinbestandteile im Magensaft hinter dem Problem.
  • Einfluss chemischer Substanzen: Zu den chemischen Stoffen, die eine Magenschleimhautentzündung auslösen können, gehören neben giftigen Chemikalien, Nikotin und Alkohol auch einige Arzneimittel. Vor allem Antibiotika, Schmerzmittel und Antirheumatika (z.B. Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac) sind dafür bekannt, bei Überdosierung die Magenschleimhaut anzugreifen. Im Übrigen zählen auch Pilzgifte sowie ein Rückfluss von Gallenflüssigkeit zu den chemisch induzierten Formen von Gastritis.

Symptome bei Magenentzündung

Das wohl charakteristischste Symptom bei Gastritis sind Schmerzen im Oberbauch sowie schmerzende Druckgefühle im Magen. Häufig treten diese gezielt nach dem Verzehr von Lebensmittel auf, welche die Magensäureproduktion der Magenschleimhaut erhöhen (z.B. sehr fettige Lebensmittel). Auch säurehaltige Getränke rufen bei Gastritis Magenschmerzen auf den Plan, denn ihr Säuregehalt wirkt auf die geschwächte und entzündete Magenschleimhaut ähnlich aggressiv, wie die Magensäure selbst. Generell muss bei Gastritis mit folgenden Symptomen gerechnet werden:

  • Bauch- und Magenschmerzen
  • gezielte Schmerzen nach Verzehr schwerverdaulicher Lebensmittel
  • Sodbrennen und Völlegefühl
  • Teerstuhl
  • Blut im Stuhl (Teerstuhl)
  • dunkel-wässriger Durchfall
  • Magenblutungen
  • blutiges Erbrechen
  • Anämien
  • Appetitlosigkeit
Achtung! Gehen Sie bei Anzeichen einer Anämie sowie wie blutigem Erbrechen bitte umgehend zu einem Arzt! Die Symptome sind lebensgefährlich und müssen zeitnah behandelt werden!

Eine Gastritis geht oft mit heftigen Schmerzen im Oberbauch einher, die sich nach dem Essen intensivieren, Quelle: © Picture-Factory – Fotolia.com

Behandlung und Therapie bei Gastritis

Bei der Feststellung einer Magenschleimhautentzündung ist die Anamnese des Patienten von großer Wichtigkeit. Durch Nennung einschlägiger Symptome und Schilderung der Krankheitsgeschichte lassen sich mögliche Ursachen für Gastritis oft schon im Vorfeld finden. Zur Absicherung erfolgt eine Magenspiegelung, bei der Ausmaß und Fortschritt der Entzündung ermittelt werden. Vor allem mögliche Geschwüre und Karzinombildungen, die im Zuge der Magenentzündung entstanden sind, müssen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Zusätzlich können Biopsien, Blut- und Stuhluntersuchungen mögliche Hinweise auf einen Erreger oder bestehende Krankheiten geben. Die Behandlung der Entzündung richtet sich dann nach dem jeweiligen Krankheitstypus:

Natürliche Therapie und Hausmittel

  • Verzicht auf schädliche Substanzen: Rauchern mit Typ-C-Gastritis wird dringend empfohlen, ihren Nikotinkonsum einzustellen. Auch Alkohol ist bei Magenschleimhautentzündungen strikt zu meiden. Sollten bestimmte Medikamente die Gastritis ausgelöst haben, die nicht ausgesetzt werden können, ist über einen Präparatwechsel nachzudenken oder eine präventive Schutztherapie des Magens mit Antazida und Protonenpumenhemmern durchzuführen.
  • Ernährungsumstellung: In Sachen Ernährung sollten Patienten mit Gastritis unbedingt auf fettige, stark gewürzte sowie stark zucker- oder säurehaltige Lebensmittel verzichten. Diese sind äußerst schwer verdaulich und führen deshalb zu einer gesteigerten Magensäureproduktion, was die Symptome einer Gastritis wiederum verschlimmern kann. Auch Backwaren und blähende Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Kohl oder Zwiebeln können die Symptomatik einer Magenschleimhautentzündung intensivieren. Einzelheiten zum richtigen Ernährungsverhalten erfahren Sie in unserem Spezial Ernährung bei Gastritis.
Zur Verbesserung ihrer Beschwerden können Gastritis-Betroffene abseits von Medikamenten einiges tun: Neben dem Verzicht auf Alkohol und Nikotin ist auch eine Reduktion von Stress hilfreich., Quelle: © gesundheits-fakten.de

Schulmedizinische Therapie und Arzneimittel

  • medikamentöse Behandlung: Medikamente sind bei Gastritis grundsätzlich optionslos. Standardmäßig wird hier mit Protonenpumpenhemmern (z.B. Omeprazol) und Antazida zur Magensäureneutralisierung (z.B. Riopan oder Talcid) behandelt. Bei Typ-B-Gastritis werden die genannten Wirkstoffe mit Antibiotika gemeinsam verabreicht. Die Kombination dreier Medikamente (Protonenpumpenhemmer+ Metronidazol + Clarithromycin) bezeichnen Mediziner dabei als „italienisches Triple“. Dieses Verfahren gilt als Standardtherapie gegen Infektionen mit Helicobacter Pylori. Im Falle von Typ-A- und Typ-R-Gastritis stellen H2-Antihistaminika wie Rantindin die dritte medikamentöse Komponente. Da es sich hier meist um chronische Magenschleimhautentzündungen handelt, ist zudem die Aufnahme des Körpers von Vitamin B12 anhaltend reduziert, weshalb ggf. entsprechende Nährstoffpräparate zum Einsatz kommen müssen.
  • Operationen: Ein operativer Eingriff ist nur dann vonnöten, wenn im Rahmen einer Gastritis schwere Komplikationen wie eine Magenblutung oder ein blutendes Magengeschwür auftreten. Mögliche Symptome dafür sind das sogenannte „Kaffeesatzerbrechen“ sowie Blut im Stuhl. Verletzte Gefäße in der Magenwand können in vielen Fällen endoskopisch verschlossen werden.

Magenentzündungen – Verlauf, Komplikationen und Prävention

  • Der Verlauf einer Gastritis kann sehr unterschiedlich sein. Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt, professionell behandelt und die Magenschleimhaut im Zuge der Therapie nachhaltig gestärkt, so kann sich ein Patient binnen 2 bis 6 Wochen wieder vollständig erholen. Insbesondere bei einer Typ-B-Gastritis durch das Bakterium Helicobacter pylori sind die Chancen einer vollständigen Heilung mit etwa 90 % sehr vielversprechend. Anders sieht es dagegen bei einer Typ-A- oder Typ-R-Gastritis aus. Hier besteht eine Magenschleimhautentzündung für gewöhnlich ein Leben lang und kann daher nur palliativ therapiert werden.
  • Komplikationen entstehen bei Magenschleimhautentzündungen vor allem durch ein erhöhtes Risiko, an Magengeschwüren und Magenkarzinomen zu erkranken. Typ-A-Gastritis ist ferner für ein erhöhtes Risiko auf perniziöse Anämie und eine Atrophie der Magenschleimhaut bekannt. Typ-C-Gastritis ist wiederum mit einem erhöhten Magenblutungsrisiko verbunden. Für Typ-B-Gastritis ist ferner eine idiopathische Nesselsucht oder Immunthrombozytopenie typisch.
  • Vorbeugen lässt sich Gastritis nicht in jedem Fall. Ist die Magenschleimhautentzündung beispielsweise einer Immunkrankheit geschuldet, gibt es keine geeigneten Präventivmaßnahmen. Ähnlich sieht es bei einigen Mischformen wie Morbus-Crohn-Gastritis aus. Magenentzündungen durch chemische Substanzen, ebenso wie einer Magenschleimhautentzündung durch Bakterien, kann man allerdings durch eine Meidung reizender Substanzen wie Alkohol oder Nikotin bzw. durch ausreichende Hygienemaßnahmen entgegenwirken.

Fazit

Bei Gastritis handelt es sich um eine schmerzhafte Magenschleimhautentzündung, die sowohl durch Infektionen, als auch durch chemische Reize und Autoimmunkrankheiten entstehen kann. Das Risiko, im späteren Verlauf ein Magengeschwür oder Magenkarzinom zu erleiden, ist bei dieser Schleimhautentzündung sehr hoch, weshalb rechtzeitig medikamentös behandelt werden muss. Ergänzend müssen Lebensmittel und Substanzen gemieden werden, welche die Magenschleimhaut zusätzlich reizen. Hierzu zählen neben Nikotin und Alkohol auch einige Medikamente, sowie fettige, zu scharfe, zucker- und säurehaltige Lebensmittel. Wer Reizfaktoren meidet, kann Schmerzsymptome und eine Ausbreitung der Entzündung oftmals zuverlässig stoppen. Eine vollständige Heilung ist bei Gastritis möglich, vorausgesetzt, es handelt sich bei den Ursachen um keine angeborene Autoimmunerkrankung.

 

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