Gesundheitliche Probleme erkennen und handeln – worauf kommt es an?

Manchmal ist Zeit mehr als Geld. Das gilt vor allem dann, wenn es um die eigene Gesundheit geht. Wer jeden Arztbesuch so lange wie möglich hinauszögert und lieber darauf wartet, dass es von selber besser wird, der geht unter Umständen ein erhebliches Risiko ein. Denn gerade bei Krebs und ähnlichen Erkrankungen gilt: Je früher man reagiert und eine Therapie einleitet, desto besser stehen die Chancen auf eine vollständige Heilung.

Auf der anderen Seite macht es wenig Sinn, bei jedem Schnupfen eine Arztpraxis aufzusuchen. In diesem Fall ist eine gut bestückte Hausapotheke ausreichend. Doch bei welchen Symptomen ist dies der Fall und wann sollte man besser schnell einen Fachmann aufsuchen? Und was gehört in eine Hausapotheke, um Erkältungen und Co. schnell loszukriegen?

Anzeichen erkennen – worauf ist zu achten?

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Ernste Symptome von harmlosen zu unterscheiden, ist nicht immer einfach. Dabei spielen Erfahrungswerte eine gewisse Rolle. Bei Kratzen im Hals, Schnupfen und Abgeschlagenheit fühlen die meisten Menschen, dass eine Erkältung im Anmarsch ist. In diesem Fall ist es sinnvoll, sich etwas Ruhe zu gönnen und viel zu trinken. Oft sind die Beschwerden dann schnell vorbei.

Anders sieht es aus, wenn zu den genannten Symptomen hohes Fieber und/oder starke Übelkeit hinzukommt. Dann macht es Sinn, einen Arzt zu konsultieren und sich auf eine Viruserkrankung testen zu lassen. Gerade für Kinder kann hohes Fieber gefährlich sein.

Es gibt eine ganze Reihe von Symptomen, auf die man schnell reagieren sollte, um ernsten Konsequenzen vorzubeugen. Einige davon zeigt die folgende Tabelle:

KrankheitsanzeichenMögliche (schwerwiegende) Gründe
Hautveränderungen, zum Beispiel Leberflecken oder andere VerfärbungenHautkrebs
Plötzliche starke Gewichtszu- oder -abnahmeSchilddrüsenstörungen, Herz- oder Nierenbeschwerden, Krebserkrankung
Kalter Schweiß, Kurzatmigkeit, Angstgefühle und ÜbelkeitHerzinfarkt (sogenannter „stummer Herzinfarkt“)
Kribbeln, Taubheit und Lähmungserscheinungen in Armen oder BeinenSchlaganfall
Blut im UrinKrebs in Harnwegen, Niere oder Blase
Andauernde Niedergeschlagenheit und Lustlosigkeit, Schlafstörungen und AppetitlosigkeitDepression
Plötzliche Schwerhörigkeit oder Taubheit auf einem oder sogar zwei Ohren, verbunden mit einem dumpfen GefühlHörsturz
Plötzlich eintretendes hohes Fieber und AbgeschlagenheitSchwere Grippe

Viele dieser Symptome können auch von einer harmlosen Erkrankung herrühren. So kann eine Gewichtszu- oder -abnahme ernährungsbedingt sein oder auf eine – bis dahin nicht erkannte – Schwangerschaft hindeuten. Blut im Urin tritt auch bei vergleichsweise harmlosen Nierenerkrankungen auf, die allerdings auch behandelt werden sollten und wer am Abend zuvor ein lautes Konzert besucht hat, dessen Gehör fühlt sich am nächsten Tag oft gestresst an. Doch Klarheit schafft erst eine ärztliche Untersuchung.

Diese sollte manchmal so schnell wie möglich erfolgen. Bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zählt jede Sekunde und auch bei Krebs sinken die Heilungschancen, je später man einen Fachmann aufsucht.

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Die Hausapotheke – der Helfer in der Not

Glücklicherweise handelt es sich bei den meisten Krankheiten, von denen Menschen im Laufe Ihres Lebens betroffen sind, um harmlose Zwischenfälle. Ärztliche Hilfe ist dann oft gar nicht notwendig, um die Beschwerden zu lindern. Hilfreich ist allerdings eine gut ausgestattete Hausapotheke. So lassen sich Erkältungen besser bekämpfen oder gleich im Keim ersticken.

Außerdem ist eine Hausapotheke wertvoll, wenn kleinere Verletzungen wie Schrammen oder Kratzer auftreten oder eine Blutung gestillt werden muss, bevor der Arzt eintritt.

Wie üppig der eigene Medizinschrank ausgestattet ist, unterscheidet sich von Fall zu Fall. Die folgenden Dinge gehören zur Grundausstattung und sollten nicht fehlen:

  • Schmerzmittel
  • Mittel gegen Erkältungen
  • Medikamente gegen Verdauungsbeschwerden, Verstopfung, Durchfall, Blähungen und Ähnliches
  • Mittel gegen Sonnenbrand und Insektenstiche
  • Persönlich vom Arzt verschriebene Medikamente
  • Pflaster
  • Verbandschere
  • Mullbinden und sterile Kompressen
  • Heilsalbe und Wunddesinfektionsmittel
  • Dreieckstuch

Ergänzen lässt sich diese Basis durch:

  • Fieberthermometer
  • Einmalhandschuhe
  • Verbandwatte
  • Splitterpinzette
  • Mittel gegen Sonnenbrand und Mückenstiche
  • Sprühpflaster
  • Sicherheitsnadeln und Verbandklammern

Einige zusätzliche Tipps tragen dazu bei, dass die Hausapotheke im Ernstfall auch ihren Dienst erfüllt:

  • Medikamente müssen rechtzeitig entsorgt werden, spätestens bei Ablauf des Haltbarkeitsdatums oder wenn sie länger als ein halbes Jahr angebrochen sind.
  • Der Aufbewahrungsort sollte trocken und kühl sein. Besonders gut eignet sich ein stabiles Medizinschränkchen.
  • Es ist hilfreich, Medikamente in der Originalverpackung und mit Beipackzettel aufzuheben. So kommt es nicht zu folgenschweren Verwechslungen.

Wer sich unsicher ist, ob seine Hausapotheke in einer guten Form ist, der kann sich von einem Apotheker beraten lassen.

Übrigens: Viele leichte Erkrankungen lassen sich gut mit Hausmitteln bekämpfen. Dazu gehören diverse Tees.

Bei welchen Verletzungen zum Arzt?

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Auch bei Verletzungen stellt sich die Frage, ob es genügt, zu warten, bis die Heilung von alleine eintritt, oder ob ein Arztbesuch notwendig ist. Dabei fällt die Unterscheidung auch hier nicht immer leicht. Oft ist es in diesem Fall ratsam, kurze Zeit zu warten. Bessern sich die Symptome dann nicht, ist ein Gang zum Fachmann empfehlenswert. Bei bestimmten Verletzungen dagegen, sollte man so schnell wie möglich reagieren.

Die folgenden Symptome sind Zeichen dafür, dass ein Arztbesuch Sinn macht:

  • Nach einem Schlag oder Sturz auf den Kopf: Kurze Ohnmacht, anschließende Übelkeit mit Erbrechen, Kopfschmerzen und Verwirrtheit sind Anzeichen einer schwereren Gehirnerschütterung, die unbedingt ärztlich abgeklärt werden muss.
  • Bei einer Hautverletzung: Will die Heilung auch nach zwei Tagen nicht vorangehen, kommt es zu Eiter oder sich ausbreitenden Rötungen, sollte man sich nicht allein auf die Hausapotheke verlassen.
  • Nach einem umgeknickten Knöchel: Ist das Auftreten mit unerträglichen Schmerzen verbunden und/oder zieht der Schmerz nach oben in Richtung Knie, kann es sich um einen Bruch handeln. Sicherheit gibt erst ein Röntgenbild.
  • Bei einer Platzwunde, zum Beispiel am Kopf: Hier ist es notwendig, innerhalb der ersten sechs Stunden einen Chirurgen aufzusuchen. Denn nur innerhalb dieser Zeitspanne lassen sich Platzwunden problemlos nähen. Andernfalls können auffällige Narben zurückbleiben.
  • Prellungen am Bauchraum und Oberkörper: Nur der Arzt kann ausschließen, dass Organe wie Leber, Lunge oder Milz in Mitleidenschaft gezogen sind.
Wichtig: Häufig, aber nicht immer, sind Schmerzen ein wichtiges Indiz für die Unterscheidung zwischen harmlosen Verletzungen und solchen, die einen Arztbesuch notwendig machen. Manche Schnittwunden machen sich kaum bemerkbar, gehen aber trotzdem mit einer Verletzung tieferer Strukturen einher. Allein wegen der Infektionsgefahr immer zum Arzt gehen sollte man nach einem Biss. Das gilt auch für die gerne unterschätzten Katzenbisse.

Fazit

Die Meinungen darüber, ob die Deutschen oft zum Arzt gehen, gehen auseinander. Während die Kassenärztliche Bundesvereinigung laut der Deutschen Apotheker Zeitung von einer großen Zahl unnötiger Kontakte spricht, relativiert der Spiegel die angesprochenen durchschnittlich mehr als 17 Arztkontakte pro Jahr durch den Hinweis auf die Befragungsmethode. Das Robert-Koch-Institut geht demnach nur von 9,2 Arztbesuchen pro Jahr aus.

Tatsache ist, dass Menschen sehr unterschiedlich auf Krankheitssymptome reagieren. Die einen deuten jeden Schmerz als Anzeichen einer schlimmen Erkrankung, die anderen gehen am liebsten gar nicht zum Arzt und vertrauen auf die Selbstheilungskräfte ihres Körpers. Ratsam ist hier wie so oft die Goldene Mitte. Mit etwas Hintergrundwissen lässt sich ein Gefühl dafür entwickeln, wann die eigene Hausapotheke ausreicht und wann es angesagt ist, einen Arzt zu konsultieren.

 

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