Fettstuhl (Steatorrhö) – wenn der Toilettengang zur Qual wird!

Patienten mit schweren Erkrankungen des Verdauungstraktes kennen die unangenehmen Begleiterscheinungen von Fettstuhl (Steatorrhö) nur allzu gut. Durchfall, Blähungen und ein äußerst voluminöser, fettiger und schaumiger Stuhlgang, der einen mehr als üblen Geruch verbreitet. Es gibt jedoch Möglichkeiten, um der lästigen Steatorrhö beizukommen. Voraussetzung hierfür ist aber, die genaue Ursache für den fettigen Stuhl zu ergründen. Aus diesem Grund hier ein paar wichtige Einzelheiten zur Entstehung und Behandlung von Fettstuhl.

Wie entsteht Steatorrhö? – die Ursachena

Fettstuhl ist das Resultat einer gestörten Fettverdauung im Dünndarm. Dabei kann es entweder zu Störungen bei der Spaltung von Fettmolekülen (Maldigestion) oder bei der Aufnahme und dem Abtransport der gespalteten Moleküle (Malabsorption) kommen. Für die Spaltung und Resorption der Nahrungsfette verantwortlich sind diesbezüglich die Lipasen des Dünndarms. Hierbei handelt es sich um spezielle Enzyme, die freie Fettsäuren von Nahrungslipiden abspalten.

Gesprochen wird von Steatorrhö, wenn die Fettausscheidung im Stuhl bei einer täglichen Normalzufuhr von 60 bis 80 g Fett über 7 g liegt. Der Stuhlgang erscheint bei diesem Wert lehmartig hell verfärbt, voluminös, klebrig und schaumig. Auch besitzt Fettstuhl einen penetranten Geruch und schmiert extrem in der Toilettenschüssel. Darüber hinaus sind bei Steatorrhö Begleitsymptome wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Verdauungsstörungen und Völlegefühl üblich. Als Grund für den fettigen Stuhlgang lässt sich meist eine der folgenden Ursachen ausmachen:

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  • Erkrankungen des Darms: Im Bereich des Dünn- und Dickdarms sorgen vor allem chronische Entzündungskrankheiten wie Morbus Crohn und Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) für Fettstuhl. Ebenso sind Funktionsstörungen im Dünndarmbereich als Ursache für fettigen Stuhl denkbar, wie sie beispielsweise nach einer Teilresektion von Dünndarmanteilen entstehen.
  • Erkrankungen der Galle: Wenn Gallensteine den Gallengang blockieren, behindern sie den Transport von Gallensaft in den Zwölffingerdarm. Da der Gallensaft wie Lipide zur Fettverdauung unerlässlich ist, führt die Gallengangsobstruktion durch Gallensteine zu erhöhten Fettvorkommen im Darm, die sich dann natürlich auch im Stuhlgang zeigen. Zudem begünstigen Gallensteine auch Entzündungen der Gallenwege, welche ebenfalls zu Fettstühlen führen können.
  • Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse: Die auch als Pankreas bekannte Bauchspeicheldrüse ist für die Produktion von Verdauungsenzymen, darunter auch Lipasen, verantwortlich. Erkrankungen wie die Bauchspeicheldrüsenentzündung, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Bauchspeicheldrüseninsuffizienz (z.B. bei Diabetes Typ 1) beeinträchtigen die Enzymbildung daher enorm. Nahrungsfette können hier aufgrund des Lipasemangels nicht mehr ausreichend im Dünndarm gespalten werden und gehen vermehrt in den Stuhl über.
  • Medikamente: Geht es um medikamentöse Ursachen für Fettstuhl, so fallen vor allem Diätpillen mit dem Wirkstoff Orlistat sowie verschiedene Antibiotika auf. Die Arzneimittel hemmen zumeist die Lipaseproduktion der Bauchspeicheldrüse und führen deshalb ähnlich wie Bauchspeicheldrüsenerkrankungen zur verringerten Spaltung von Nahrungsfetten im Dünndarm.
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Behandlung von Fettstühlen

Zur Diagnose ist bei Fettstuhl zunächst eine Patientenbefragung notwendig. Etwaige Vorerkrankungen des Darms, der Bauchspeicheldrüse oder der Galle müssen hier unbedingt genannt werden. Auch geben bestehende Symptome und Angaben zur Stuhlkonsistenz weiterführende Hinweise. Als nächstes führt der Arzt verschiedene Laboruntersuchungen durch. Insbesondere Bluttests und Stuhl- und Gewebeproben des Dünndarms sind dabei wichtig. Um krankhafte Veränderungen des Verdauungstrakts zu entdecken, sind darüber hinaus bildgebende Verfahren wie Ultraschall, CT, MRT, bei konkretem Verdaucht auch Cholangiopankreatikographien (ERCP) sinnvoll. Die Therapie des Fettstuhls orientiert sich dann an der zugrundeliegenden Ursache:

  • Medikamente – Die meisten Erkrankungen, die zu Steatorrhö führen, bedürfen einer medikamentösen Behandlung. Maßgeblich sind hier Antibiotika und Antirheumatika von besonderer Bedeutung. Bei Gallensteinleiden kommen zudem Ursodeoxychol- und Chenodeoxycholsäure zur Auflösen der Steine in Frage. Tumorerkrankungen bedürfen dagegen eventuell einer Anwendung von Zytostatika zur Chemotherapie.
  • Naturheilkunde – Es gibt zahlreiche Heilkräuter, die bei der Behandlung von Fettstuhl gute Begleittherapien versprechen. So fördern Anis, Basilikum, Nelke, Ingwer, Kardamom, Majoran, Oregano, Rosmarin, Thymian und Wacholder beispielsweise die Verdauung, was der Spaltung, Aufnahme und dem Abtransport von Nahrungsfetten zu Gute kommt. Ähnlich gute Wirkung zeigen Pflanzen, die besonders viele Bitterstoffe enthalten (z.B. Enzian, Rhabarberwurz oder Wermut) verdauungsfördernde Wirkung. Am besten setzen Sie hier auf Schweden- bzw. Magenbitter, der nach jeder Mahlzeit nach jeder Mahlzeit eingenommen werden sollte.
  • richtige Ernährung – Je nach Krankheitsursache empfehlen sich bei Fettstuhl verschiedene Ernährungsumstellungen. Menschen mit Glutenunverträglichkeit sollten vor allem auf gultenhaltige Getreidesorten wie Weizen, Gerste, Roggen oder Dinkel verzichten. Bei Morbus Crohn ist die Lebensmittelunverträglichkeit sehr individuell, weshalb häufig ausprobiert werden muss, welche Nahrung die bestehenden Symptome verstärkt. Generell ist allerdings der Verzehr von fettarmer Nahrung zu empfehlen. Ergänzend helfen Nahrungsmittel wie Gerstengrassaft. Er unterstützt die Magen-Darm-Flora positiv und wird von Morbus-Crohn-Patienten gemeinhin sehr gut vertragen. Während der Nahrungsaufnahme ist ferner besonders langes Kauen wichtig. Auf diese Weise unterstützen Sie die Vorverdauung der Nahrung, wodurch die Fettspaltung im Darm deutlich erleichtert wird.
  • Operation – Operative Eingriffe sind im Falle von Fettstuhl vor allem bei Gallenstein- und Tumorleiden notwendig. Sobald das erkrankte Gewebe chirurgisch behandelt wurde (bspw. durch Gallensteinentfernung oder Teilresektion), sollte sich die Steatorrhö schnell reduzieren.

Fettstuhl – wann zum Arzt?

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Steatorrhö ist in den meisten Fällen ein Anzeichen für ernstzunehmende Erkrankungen des Verdauungstraktes. Allenfalls medikamentöse Nebenwirkungen können als harmlose Ursache bezeichnet werden. Eine Abklärung ist jedoch auch hier wichtig, weshalb wir bei Fettstuhl grundsätzlich zu einem Arztbesuch raten.

Fazit

Fettstuhl ist die Konsequenz einer gestörten Fettverdauung, die im Großteil aller Fälle auf Grunderkrankungen zurück zu führen ist, die einer ärztlichen Behandlung bedürfen. Auch gehen Fettstühle mit sehr unbehaglichen Begleiterscheinungen einher, die ohne geeignete Behandlung die Lebensqualität der Patienten stark beeinträchtigen können. Begeben Sie sich darum unbedingt in Behandlung, wenn sie fettigen Stuhlgang an sich beobachten. Die richtige Therapie kann dann für rasche Besserung der Beschwerde sorgen.

 

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