Bronchoskopie – Ablauf, Zweck und Aussagekraft einer Lungenspiegelung

Das Wort „Bronchoskopie“ ist die medizinische Bezeichnung für eine Lungenspiegelung. Der Begriff setzt sich aus den lateinischen Wörtern bronchus für „Luftröhre“ und skopei für „betrachten“ zusammen. Bronchoskopien erlauben jedoch neben der bloßen Betrachtung der Lunge auch operative Eingriffe. Wie die Bronchoskopie im Detail von statten geht und wie zuverlässig die so gewonnenen Ergebnisse sind, wollen wir in diesem Ratgeber etwas genauer für Sie beleuchten.

Was ist eine Bronchoskopie?

In der Thoraxchirurgie, ebenso wie in der allgemeinen HNO-Medizin sind Bronchoskopien ein wichtiges Verfahren zur Untersuchung und operativen Behandlung erkrankter Atemwege. Für die Untersuchung wird von behandelnden Ärzten das sogenannte Bronchoskop verwendet. Dabei handelt es sich um ein endoskopisches Hilfsmittel, das während der bronchoskopischen Maßnahmen in die Atemwege eingeführt wird. Durch die am Bronchoskop befestigte Kamera lassen sich detaillierte Aufnahmen von den Bronchien erzeugen. Diese lassen dann die Entdeckung und Beurteilung krankhafter Veränderungen im Bereich der Lunge zu. Unterschieden wird dabei zwischen zwei Formen von Bronchoskopien:

© Stephan Morrosch - Fotolia.com

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  • starre Bronchoskopie – Die Lungenspiegelung wird mit einem starren Bronchoskoparm aus Metall durchgeführt. Sie erlaubt neben der Untersuchung der Bronchien auch das Entfernen von Fremdkörpern, Gewebewucherungen, sowie die Einbringung von Atmungshilfen im Bereich der Atemwege. Früher wurden starre Bronchoskopien standardmäßig zur Diagnose genutzt. Heutzutage findet sie vor allem bei bestehenden Lungenblutungen, der Diagnose und Entfernung von Lungentumoren oder dem Setzen von Stents Anwendung. Eine Vollnarkose ist bei dieser Form der Bronchoskopie zwingend erforderlich. Die Verletzungsgefahr beim Einsatz eines starren Bronchoskops ist deutlich höher als bei der flexiblen Alternative.
  • flexible Bronchoskopie – Die flexible hat die starre Bronchoskopie mittlerweile fast vollständig als Routinemaßnahme ersetzt. Grund hierfür ist vor allem die geringere Verletzungsgefahr beim Einsatz flexibler Bronchoskopschläuche aus Kunststoff. Darüber hinaus wird für die Untersuchung keine Vollnarkose, sondern lediglich eine örtliche Betäubung benötigt. Besonders gut geeignet sind flexible Bronchoskope zur Entnahme von Gewebeproben und bei der Suche nach Gewebeveränderungen innerhalb der Bronchien. Zudem können auch kleinere Eingriffe wie das Legen eines Beatmungsschlauches oder eine Bronchiallavage durchgeführt werden.

Wie bereits aufgezeigt, dienen bronchoskopische Maßnahmen nicht allein zur Untersuchung der Bronchien. Gerade in der Thoraxchirurgie dient sie darüber hinaus auch der Behandlung von Lungenerkrankungen. Insgesamt kann die Bronchoskopie zu folgenden Zwecken eingesetzt werden:

  • Diagnose von Lungenerkrankungen
    z.B. bei Asthma, Lungenkrebs, Lungenentzündung oder Lungenabszesse

  • Beseitigung krankhafter Verengungen der Atemwege
    z.B. durch Tumorbildung, Fehlbildungen oder allergischen Reaktionen

  • Sicherung der Atmung
    z.B. durch das Legen von Beatmungsschläuchen oder der Entfernung von Fremdkörpern

  • Verbesserung der Atemfunktionen
    z.B. durch das Setzen von Stents oder das Absaugen von Sekreten aus den Bronchien

© W. Heiber Fotostudio - Fotolia.com

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Ablauf einer Bronchoskopie

Die vorbereitenden Maßnahmen im Rahmen einer Bronchoskopie beinhalten eine ausführliche Anamnese des Patienten, Zusätzlich erfolgt eine Voruntersuchung mittels bildgebender Verfahren (z.B. Röntgen). Ergänzend werden Blut- und Lungenfunktionstests durchgeführt. Sollte sich während der Untersuchung ergeben, dass eine Bronchoskopie von Nöten ist, muss der Patient zum Zeitpunkt der Lungenspiegelung unbedingt nüchtern sein. Nicht selten verursachen Bronchoskope während der Einführung in die Atemwege nämlich Brechreiz beim Patienten. Dies kann bei vollem Magen leicht zum Übergeben und damit zu einer erhöhten Erstickungsgefahr führen. Wurden die Voraussetzungen für die Untersuchung geschaffen, gestaltet sich der Ablauf wie folgt:

  1. Schritt – Verabreichung von Narkosemitteln: Bei der starren Bronchoskopie wird dem Patienten vor der Einführung des Bronchoskops eine Vollnarkose verabreicht. Flexible Bronchoskopien beschränken sich hingegen auf eine Lokalanästhesie, die zum Beispiel durch das Verabreichen von Lidocain via Inhalationsmaske erfolgen kann. Unabhängig von der Art der Lungenspiegelung muss sich der Patient aber schon während der Gabe von Narkosemitteln auf den Rücken legen. So lässt sich das Bronchoskop problemlos einführen.
  2. Schritt – Einführung des Bronchoskops: Der wichtigste Schritt vor der eigentlichen Untersuchung ist die Einbrigung eines Beatmungsschlauches. Bei Atmungsproblemen bleibt dieser auch nach der Bioskopie noch in den Atemwegen. Erst wenn die Beatmung gesichert ist, wird das eigentliche Bronchoskop eingeführt. Je nach Verfahren schieben Ärzte das Bronchoskop über den Mund oder die Nase ein. Ein starrer Bronchoskoparm muss aufgrund seiner mangelnden Flexibilität natürlich durch den Mund in die Lunge geschoben werden. Bronchoskopschläuche lassen sich dank ihrer Beweglichkeit und ihres geringen Durchmessers von gerade einmal 2 bis 3 mm dagegen problemlos durch die Nase in die Bronchien schieben. Vorsicht ist jedoch in beiden Fällen geboten, damit durch den medizinischen Fremdkörper keine Verletzungen am Gewebe entstehen.
  3. Schritt – bronchoskopische Untersuchung: Die Kamera am vorderen Ende des Instruments erlaubt es, die Lunge Schritt für Schritt abzufahren und so die Gewebebeschaffenheit zu beurteilen. Für eine bessere Ausleuchtung der Lungenflügel besitzen Bronchoskope außerdem eine kleine Lichtquelle, welche an der Kamera sitzt. Tumore, Verletzungen und andere Veränderungen am Gewebe lassen sich so recht schnell entdecken. Bei der flexiblen Bronchoskopie ist zusätzlich eine Bioskopie, also die Entnehme von Gewebeproben während der Untersuchung denkbar. Sie wird durch die Zugangsschläuche ermöglicht, durch welche der Arzt weitere Instrumente in die Atemwege einführen kann.
  4. Schritt – operative Maßnahmen: Die Zugangsröhren des Bronchoskops spielen auch bei weiteren OP-Maßnahmen während der Bronchoskopie eine wichtige Rolle. Nur durch Sie wird der Einsatz von Operationsbesteck überhaupt möglich. Je nach Erkrankung können im Anschluss an die bronchoskopische Untersuchung weitere Aktionen folgen. Dazu gehören zum Beispiel eine Resektion erkrankten Gewebes mittels Laserskalpell, das Verlegen dauerhafter Beatmungsschläuche oder die Ableitung von Schleim bzw. Blut.
  5. Schritt – Nachbehandlung: Wie lange die Bronchoskopie dauert, ist von den vorgenommenen Maßnahmen zur Behandlung abhängig. Die reine Untersuchung nimmt jedoch meist nicht mehr als 20 bis 30 Minuten in Anspruch. Danach muss der Patient dann für etwa 24 Stunden weiter unter Beobachtung bleiben. Die Nahrungsaufnahme ist in der ersten Stunde noch untersagt.

Chancen und Risiken einer Bronchoskopie

© bmf-foto.de - Fotolia.com

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Wie alle Formen der Endoskopie zählt auch die Bronchoskopie zu den modernsten, minimalinvasiven Maßnahmen zur Untersuchung und Behandlung. Dank der Möglichkeit einer Kombination mit einer Bioskopie bietet das Verfahren nicht nur aufschlussreiche Bildbefunde. Es lässt auch Laboruntersuchungen entnommener Gewebeproben zu, was eine verlässliche Diagnose erlaubt. Darüber hinaus ist die Bronchoskopie auch mit Operationsverfahren kombinierbar, was im Ernstfall eine schnelle Behandlung ohne Zeitverlust garantiert.

Komplikationen können bei Bronchoskopien durch Verletzungen der Atemwege entstehen, wenn Instrumente nicht vorsichtig genug in die Bronchien eingeführt werden. Eine daraus resultierende Blutung oder Luftansammlungen im Brustfellbereich könnten dann zu einem Lungenkollaps führen. Auch Kehlkopfkrämpfe und Bronchospasmen wurden im Rahmen einer Bronchoskopie schon beobachtet. Allerdings treten derartige Komplikationen eher selten auf. Wesentlich gefährlicher ist es, bronchoskopische Maßnahmen an Risikopatienten durchzuführen. Hierzu zählen in erster Linie Personen mit Herz-Kreislauf-Problemen, Durchblutungsstörungen und Betäubungsmittelallergien.

Fazit

Die Bronchoskopie ist heute die modernste Art und Weise, Lungenerkrankungen zu diagnostizieren und operativ zu behandeln. Zur Auswahl stehen je nach Problem die starre oder flexible Bronchoskopie, wobei letztere inzwischen das offizielle Standardverfahren stellt. Komplikationen wie Verletzungen durch eingeführte Instrumente oder reflexartige Abwehrmechanismen der Atemwege sind zwar grundsätzlich möglich, treten aber nur sehr selten auf. Von einer Lungenspiegelung absehen sollten jedoch Patienten mit bestehenden Herz- und Gefäßerkrankungen, sowie Personen, die nachweislich allergisch auf Narkosemittel reagieren. Hier könnten dann doch lebensgefährliche Komplikationen entstehen.

 

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