Brokkolisprossen als wahres Super-Food – stimmt das wirklich?

Brokkolisprossen klingen im ersten Moment weniger spannend als Avocados oder Goji-Beeren. Dennoch gelten sie bei vielen inzwischen als wahres „Superfood“. Neben einer Wirkkraft gegen Krebs spricht man ihnen auch eine positive Wirkung bei der Vorbeugung von Alterserkrankungen zu. Und selbst die Haut soll davon profitieren.

Gute Gründe, warum immer mehr Menschen das Gemüse auf die Einkaufsliste setzen. Doch ist die heilsame Wirkung von Brokkoli wirklich bewiesen und wie profitiert man am besten von ihr? Und warum sollte man häufiger zu Sprossen als zu den ausgewachsenen Pflanzen greifen. Ein Blick auf die aktuelle medizinische Forschung gibt Aufschluss.

Was sind Brokkolisprossen genau?

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Brokkoli beziehungsweise Broccoli stammt ursprünglich aus Kleinasien. Im Laufe der Zeit setzte er sich auch in Europa und Amerika durch. Wie der Blumenkohl gehört Brokkoli zu den Kreuzblumengewächsen. Angebaut wird er vor allem in Italien. Das mediterrane Klima, das dort herrscht, verhindert, dass die sensible Pflanze erfriert.

Brokkoli lässt sich auf verschiedene Art verwenden:

  • die ganzen Blumen oder nur die Stiele
  • als Rohkost
  • im Salat
  • erhitzt als Gemüsebeilage

Bei Brokkolisprossen handelt es sich um die Samen der Pflanze. Diese sind in normalen Lebensmittelläden nur schwer zu bekommen, weshalb sie in den meisten Fällen selbst gezogen oder in Form von Kapseln zu sich genommen werden. Ein Grund für die Beliebtheit von Brokkolisprossen ist, dass diese deutlich mehr gesunde Inhaltsstoffe enthalten als die ausgewachsenen Pflanzen. Außerdem sind sie eine Alternative für Menschen, denen Brokkoli eigentlich nicht schmeckt. Die Sprossen können gut auf einem Butterbrot verzehrt oder einfach pur zu sich genommen werden. Und natürlich lassen sich damit auch verschiedene Gerichte verfeinern.

Welche Inhaltsstoffe weisen sie auf?

Tatsächlich enthalten Brokkolisprossen eine Reihe gesunder Inhaltsstoffe. Besonders sticht der hohe Gehalt an Sulforaphan heraus. Dabei handelt es sich um einen sekundären Pflanzenstoff, der neben Brokkoli vor allem in Rosenkohl vorkommt sowie unter anderem in Kresse, Rucola, Rettich und Senf. Sulforaphan besitzt, so vermuten Forscher, eine starke antioxidative Wirkung. In diesem Zusammenhang werden dem Stoff vielfältige Wirkungen bescheinigt, unter anderem:

  • Verlangsamung des Altersprozesses
  • Positive Auswirkung auf den Darm
  • Vorbeugung von Krebserkrankungen
  • Stärkung des Immunsystems
  • Positive Auswirkungen auf das Hautbild
  • Unterstützung beim Abnehmen

Sulforaphan ist etwa 10 bis 100 Mal mehr in Brokkolisprossen vorhanden als in den ausgewachsenen Pflanzen und zentral für die Bedeutung der Samen als Superfood. Davon abgesehen enthalten Brokkolisprossen noch eine Reihe anderer gesunder Inhaltsstoffe:

  • Spurenelemente (u.a. Kalium, Calzium, Phosphor, Eisen und Zink
  • Vitamine (B1, B2, B6, E sowie Provitamin A)
  • Sekundäre Pflanzenstoffe
  • Wachstumshormone
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Wie wirken sie auf unsere Gesundheit?

Lückenlos erforscht ist die Wirkung von Brokkolisprossen noch nicht. Das gilt gerade für Einsatzmöglichkeiten im klinischen Bereich. Doch existieren mittlerweile einige Studien, die nahelegen, dass die Samen ihrem Ruf als „Superfood“ tatsächlich gerecht werden. Das verdeutlicht die folgende Auswahl:

  • Prostatakrebs: Eine Studie am OHSU Knight Cancer Institut in Portland, Oregan, untersuchte den Effekt von Sulforaphan aus Brokkolisprossen bei Personen, die an einem rezidiven Prostatakarzinom litten. Vorläufige Ergebnisse zeigen bei einem Viertel der Patienten deutliche Besserungen. Schwere Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.
  • Blasenkrebs: Die Welt berichtet von einem Tierversuch mit Ratten, bei dem sich das Blasenkrebsrisiko durch den Verzehr von Brokkolisprossen um beinahe ein Drittel verringerte.
  • Magenkarzinom: Auch die bakterielle Besiedlung der Magenschleimhaut und die Entstehung eines Magenkarzinoms könnten sich durch den Verzehr von Brokkolisprossen günstig beeinflussen lassen. Zu diesem Ergebnis kommen Experimente japanischer Forscher mit Mäusen, von denen das Ärzteblatt berichtet. Damit eine solche Maßnahme langfristig Wirkung zeigt, ist aber wohl eine dauerhafte Umstellung der Ernährungsgewohnheiten erforderlich.
  • Brustkrebs: Sulforaphan, so fanden Forscher an der Universität Michigan heraus, hemmt das Wachstum von Brustkrebs-Stammzellen.
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs. Erste Versuche mit Patienten, die an Bauchspeicheldrüsenkrebs leiden, laufen derzeit am Klinikum Heidelberg. Laborversuche mit Mäusen führten auch in diesem Bereich zu vielversprechenden Ergebnissen.

Neben diesen gibt es noch eine Reihe weiterer Studien, die die Wirksamkeit von Brokkolisprossen bei der Vorbeugung von Krebserkrankungen belegen. Davon abgesehen konnten Forscher weitere positive Auswirkungen auf die Gesundheit nachweisen, zum Beispiel:

  • Asthma und Heuschnupfen: Sulforaphan kann laut kalifornischen Forschern die Atemwege vor Entzündungen schützen. Damit lässt es sich bei der Behandlung von Asthma oder auch Allergien einsetzen.
  • Abnehmen: Sogar zu einer schlanken Figur tragen Brokkolisprossen bei. Das zumindest deutet ein Versuch japanischer Forscher an. Dieser ergab, dass Mäuse durch den Verzehr von Brokkoli weniger Fett an Taille und Brust anlegten.

Es scheint also so, als würde sich der regelmäßige Verzicht von Brokkolisprossen tatsächlich in vielerlei Hinsicht lohnen. Dass das vor allem der Fall ist, wenn man ihn durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit vitaminreichem Obst und Gemüse ergänzt, versteht sich von selbst.

Welche Verzehrmengen sind empfehlenswert?

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Wie bereits angedeutet, ist es gar nicht so einfach, Brokkolisprossen auf herkömmlichen Wegen zu erhalten – anders als ausgewachsenen Brokkoli. Neben einem Einkauf in gut sortierten Bioläden bietet es sich an, Brokkolisamen zu erstehen und selbst zu ziehen. Dabei ist zu beachten:

  • Am gesündesten sind biologische Samen, die nicht mit Fungiziden oder Insektiziden behandelt wurden.
  • Für das Ziehen können die Samen in Erde oder in Behälter gegeben werden.
  • Die Sprossen werden am besten unmittelbar nach dem Ernten gegessen. Denn dann sind sie am gesündesten.

Wer keine Lust auf diesen Aufwand hat, kann auch zu Kapseln zurückgreifen. Diese enthalten bereits die empfohlene Tagesdosis an Sulforaphan, in der Regel auf zwei Kapseln verteilt. Bei frischen Brokkolisprossen genügt es, diese drei bis vier Mal in der Woche zu sich zu nehmen.

Mediziner empfehlen eine Dosis von 5 bis 15 Gramm Sulphoraphan täglich, eine Menge, die bereits in ein oder zwei Esslöffeln der Sprossen enthalten ist. Am besten verzehrt man die Sprossen frisch und achtet dabei auf langsames und gründliches Kauen, damit das Sulforaphan auch freigesetzt wird.

Zu beachten ist generell: Ein übermäßiger Verzehr von Brokkolisprossen über einen längeren Zeitraum hinweg kann zu Nebenwirkungen führen. Das ist allerdings nur sehr selten der Fall. Bei Unsicherheit ist es trotzdem empfehlenswert, vorher einen Arzt aufzusuchen.

Fazit

Sind Brokkolisprossen also wirklich ein Superfood? Bisherige Forschungsergebnisse lassen eigentlich nur ein „Ja“ als Antwort zu. Sie bestätigen nicht nur lange gehegte Hoffnungen, sondern deuten sogar darauf hin, dass die unscheinbaren Sprossen noch viel mächtiger sein könnten, als bisher vermutet.

Das Gute daran: Im Gegensatz zu anderem Superfood sind Brokkolisprossen verhältnismäßig günstig, zumindest wenn man sie selber zieht. Und auch der Verzehr lässt sich einfach gestalten. Wer keine Lust auf langes Kochen hat, legt die Sprossen auf ein Stück Brot oder nimmt sie pur zu sich. Hinzu kommt, dass Brokkolisprossen weniger „individuell“ schmecken als Brokkoli selbst. Das steigert ihre Beliebtheit zusätzlich.

 

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