Herzrasen (Tachykardie) – Ursachen und Gegenmittel

Als Herzrasen (Tachykardie) entsteht immer dann, wenn das Herz aufgrund bestimmter Einflüsse einen zu schnellen Rhythmus annimmt. Typische weitere Symptome des Herzrasens sind dabei ein erhöhter Blutdruck sowie starkes Herzklopfen, das Betroffene oft bis in den Hals hinein spüren. Die Ursachen für eine Tachykardie können sehr vielseitig sein und von innerer Unruhe über extreme Körperbelastung bis hin zu ernsten Krankheiten reichen. Lesen Sie in diesem Ratgeber wichtige Fakten zur Entstehung und den Ursachen von Herzrasen sowie zu geeigneten Methoden zur Behandlung.

Wie entsteht Herzrasen?

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Unser Herz (Cardia) erhält seinen Herzschlag durch das herzeigene Erregungsleitungssystem. Dieses entsendet über den im rechten Herzvorhof lokalisierten Sinusknoten (Nodis sinuatrialis) in regelmäßigen Intervallen elektrische Impulse aus. Durch den sogenannten Atrioventrikularknoten (Nodis atrioventricularis), ein aus Herzmuskelzellen bestehendes Gewebe, das sich in den Außenwänden des Herzvorhofes befindet, werden die Impulse anschließend an die Herzkammer weitergeleitet. Auf diese Weise entsteht die typische Pumpfunktion des Herzens, welche im Normalfall zwischen 60 und 90 Herzschläge pro Minute produziert. Das Herzklopfen wird dabei für gewöhnlich kaum wahrgenommen, weil es sehr ruhig und gleichmäßig von statten geht.

Bei Herzrasen ist das Herzklopfen jedoch ungewöhnlich intensiv und auch die Herzfrequenz liegt hier deutlich höher, bei 100 bis 220 Schlägen pro Minute. Der beschleunigte Herzrhythmus geht neben spürbarem Herzklopfen noch mit anderen Begleitsymptomen einher, wie zum Beispiel erhöhtem Blutdruck oder Vorhofflimmern. Zudem kann eine Tachykardie auch Atmung und Kreislauf durcheinanderbringen, weshalb Herzrasen nicht selten auch mit Atemnot, Schwindel und Bewusstseinsstörungen herzvorruft.

Welche Ursachen sorgen für Herzrasen?

Die Ursachen für eine solche Herzrhythmusstörung können sehr vielfältig sein. Je nach Ursache lassen sich dabei folgende Formen von Tachykardien unterscheiden:

  1. Sinusknotentachykardie

    Die Sinusknotentachykardie ist mitunter die häufigste Tachykardie-Form und entsteht durch eine gesteigerte Erregung des Sinusknotens. Die denkbaren Ursachen sind bei dieser Variante des Herzrasens besonders vielfältig und umfassen unter anderem

    • körperliche Belastung
      z.B. Sport oder körperlich anstrengende Arbeiten
    • emotionale und psychische Einflussfaktoren
      z.B. Stress, Angst, Aufregung oder große Freude
    • Blut-, Herz- und Gefäßkrankheiten
      z.B. Arteriosklerose, Anämien oder Herzinsuffizienz
    • Lungenerkrankungen
      z.B. Asthma, Atemwegsinfekte oder Lungenembolie
    • hormonelle Störungen
      z.B. Schilddrüsenüberfunktion
    • erregungssteigernde Substanzen
      z.B. Koffein, Nikotin, Drogen oder bestimmte Medikamente

    Die Herzfrequenz beträgt bei dieser Tachykardieform meist zwischen 100 und 160 Schlägen pro Minute. In vielen Fällen gilt die Sinusknotentachykardie als harmlos. Gerade bei Kindern wird sie meist nur durch besonders intensives emotionales Erleben ausgelöst. Ein ernster Verlauf ist jedoch nicht vollständig auszuschließen. Begleitsymptome wie Vorhofflimmern oder Schwindel können auftreten.

  2. AV-Reentry-Tachykardie

    Bei dieser Form von Herzrasen kommt es zu einer kreisenden Erregung zwischen Herzvorhof und Herzkammer. AVRT ist angeboren und beruht auf einer Anomalie des AV-Knotens, welcher krankheitsbedingt in zwei nebeneinanderliegende Muskelbahnen aufgespalten ist. Es handelt sich bei AV-Reentry-Tachykardie um eine gutartige Herzrhythmusstörung, die recht unvermittelt auftritt und anfallsartig eine stark erhöhte Herzfrequenz von 140 bis 250 Schlägen pro Minute auslöset.

    Meist hält das Herzrasen bei AV-Reentry-Tachykardie nur kurz an und ist nicht bedrohlich. In extremen Fällen kann AVRT aber auch gefährlich werden und neben erhöhtem Blutdruck, Vorhofflimmern und starkem Herzklopfen auch zu gesteigertem Harndrang, Atemnot, Kreislaufbeschwerden bis hin zu Herzstillstand führen. Eine typische Erkrankung, die derartige Tachykardien auslöst, ist das Wolff-Parkinson-White-Syndrom.

  3. Ventrikuläre Tachykardie

    Sollte eine AVRT extreme Ausmaße annehmen, entwickelt sie sich oftmals zu einer ventrikulären bzw. Kammertachykardie. Diese beschreibt ein von der Herzkammer ausgehendes Herzrasen und ist nicht selten lebensgefährlich. Zu den üblichen Begleitsymptomen einer Tachykardie kommen hier unter Umständen schwere Atemnot, Herzschmerzen, Lungenödeme oder ein tödlicher Herzschock. Ventrikuläre Tachykardien stellen demzufolge einen medizinischen Notfall dar und müssen umgehend ärztlich versorgt werden.

  4. Tachykardie durch Vorhofflimmern

    Gemäß der Beschreibung ist bei diesem Herzrasen ein Vorhofflimmern für den beschleunigten Herzschlag verantwortlich. Am häufigsten lassen sich bestehende Gefäß- und Herzkrankheiten als Ursache für das Vorhofflimmern feststellen. Hierzu zählen vor allem:

    • chronischer Bluthochdruck
    • koronare Herzkrankheit
    • Herzklappenfehler
    • Herzmuskelerkrankung

    Je nachdem, wie schwer die zugrundeliegende Vorerkrankung ausgeprägt ist, kann eine Tachykardie bei Vorhofflimmern lebensbedrohlich sein.

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Diagnose und Behandlung bei Herzrasen

Sollte ein Herzrasen Grund zur Sorge geben, ist ein Besuch beim Kardiologen ratsam. Dieser führt zunächst ein standardmäßiges Patientengespräch, um etwaige Vorerkrankungen sowie bestehende Beschwerden in Erfahrung zu bringen. Anschließend ist ein Abhören des Herzens via Stethoskop und ein Elektrokardiogramm (EKG) üblich, bei dem der Herzrhythmus sorgfältig aufgezeichnet und überprüft wird.

Ein EKG beinhaltet in der Regel verschiedene Testmethoden, wie zum Beispiel das Langzeit- oder Belastungs-EKG. Sie geben wichtige Hinweise darauf, welche Einflussfaktoren das Herzrasen begünstigen und in welchen Intervallen die Tachykardie auftritt. Ergänzend werden meist Blutuntersuchungen, Blutdruck- und Pulsmessungen, Röntgenaufnahmen und Ultraschalluntersuchungen durchgeführt, um mögliche Ursachen für das Herzrasen zu erkennen. Neben der Behandlung der Grunderkrankung stehen dann folgende Behandlungsmaßnahmen für das Herzrasen zur Verfügung:

  • Stressvermeidung – Ist bei Ihnen körperlicher oder seelischer Stress für Tachykardie und starkes Herzklopfen verantwortlich, ist es wichtig, für das Herz belastende Situationen künftig zu vermeiden. Versuchen Sie, einen stressfreien Alltag zu gestalten und seelische sowie psychische Belastung zu vermeiden. Auch Entspannungstherapien wie Yoga oder Meditation hilfreich sein.
  • Verzicht auf herzbelastende Substanzen – Unabhängig davon, woher Ihr Herzrasen stammt, sollten Sie im Falle einer Tachykardie möglichst auf Koffein, Nikotin, Alkohol sowie andere Rausch- und Genussmittel verzichten. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente, die Herzrasen als häufige Nebenwirkungen aufführen, sind zu vermeiden.
  • Medikamente und Hausmittel – Zu den Medikamenten gegen Herzrasen gehören unter anderem HerzASS Rathiopharm, Tromcardin Complex und Korodin. Es sei jedoch erwähnt, dass entsprechende Präparate nur nach Absprache mit dem Arzt eingenommen werden sollten. Als Hausmittel gegen Tachykardie soll zudem das Trinken von kaltem Mineralwasser helfen. Die Kühlung senkt vor allem den erhöhten Puls und kann das Erregungsleitungssystem wieder in einen gesunden Impulsrhythmus überführen.

Herzrasen – Wann zum Arzt?

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Sofern Ihre Tachykardie einmalig nach körperlicher Belastung auftritt, besteht meist kein Grund zur Sorge. Gönnen Sie ihrem Herz hier einfach etwas Ruhe und trinken Sie ein Glas kaltes Wasser. Einen Arzt ist bei Herzrasen hingegen aufzusuchen, wenn…

    …das Herzrasen plötzlich und unerwartet auftritt.
    …Herzrasen sowie starkes Herzklopfen oder hoher Blutdruck sehr lange anhalten.
    …weitere ernste Symptome, wie Atemnot oder Kreislaufbeschwerden hinzukommen.
    …Sie wiederholt an Tachykardien leiden.
    …Sie eine Herzerkrankung hinter der Tachykardie vermuten.

Fazit

Herzrasen kann entweder nach extremer Herzbelastung oder im Zuge einer Herz- bzw. Gefäßerkrankung auftreten. Solange die Herzfrequenz nur kurzfristig und relativ leicht erhöht ist (ca. 100 bis 160 Schläge pro Minute), besteht meist kein Grund zur Sorge. Bei wiederholten und sehr starken Tachykardien mit einer Herzfrequenz über 160 Schlägen pro Minute ist ein Arztbesuch ratsam, um lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen zu vermeiden. Als Gegenmaßnahmen kommen dann neben herzberuhigenden Entspannungsmaßnahmen auch Medikamente und Hausmittel wie das Trinken von kaltem Wasser in Frage. Auf herzbelastende Aktivitäten und Substanzen wie Koffein oder Nikotin sollten Sie bei Tachykardie besser verzichten.

 

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