Sind Antibiotika am Limit? Ein kleiner Ausblick

Sogenannte Antibiotikaresistenzen gehören nach Meinung vieler Wissenschaftler und Gesundheitsexperten zu den größten Gefahren für die Menschheit in den kommenden Jahren und Jahrzehnten. Schon jetzt sterben nach Aussagen der Welt 700.000 Menschen jährlich an multiresistenten Keimen. Diese Zahl könnte in Zukunft beträchtlich ansteigen. Da ist es wenig verwunderlich, dass sich mittlerweile auch hochrangige Politiker in vielen Ländern mit dem Thema beschäftigen.

Verantwortlich für die brisante Entwicklung ist vor allem der zu häufige Einsatz von Antibiotika, sowohl in der Humanmedizin als auch in der Mast. Beides führt dazu, dass sich vermehrt resistente Keime bilden und ausbreiten. Treffen sie zusätzlich auf ein geschwächtes Immunsystem, kann dies für den Betroffenen tödlich enden. Dabei gibt es verschiedene Ansätze, diesem Problem zu begegnen und einen Rückfall in Zeiten zu verhindern, in denen schon vergleichsweise „harmlose“ Erkrankungen ein lebensgefährliches Potenzial entwickelten.

Welche gängigen Antibiotika gibt es?

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Bei Antibiotika handelt es sich um Wirkstoffe, die die Stoffwechselvorgänge bestimmter lebender Zellen oder ihre Vermehrung blockieren. Meistens sind dies die Zellen von Krankheitserregern wie Bakterien. Außerdem gibt es Antibiotika, die zur Behandlung von Tumoren eingesetzt werden.

Insgesamt existiert eine große Vielfalt von Antibiotika. Diese werden in verschiedene Wirkgruppen eingeteilt, Dazu gehören die Gyrasehemmer, Penicilline oder auch Tuberkulosemittel.

Einige der Antibiotika, die besonders oft Anwendung finden, sind die folgenden:

  • Amoxicillin: Das Breitbandantibiotikum, das zu den Penicillinen zählt, wird derzeit am häufigsten verordnet, vor allem bei Atemwegsinfektionen und Entzündungen im Bereich von Hals, Nasen und Ohren. Auch bei Blutvergiftungen und Entzündungen kommt es zum Einsatz. Amoxicillin gilt als vergleichsweise gut verträglich.
  • Cefuroxim: Die Nummer zwei auf der Liste der am häufigsten verschriebenen Antibiotika ist effektiv bei Atemwegsinfektionen, und Hals-Nasen-Ohreninfektionen wie Mittelohr- oder Mandelentzündungen. Außerdem wird sie bei Nieren- und Harnwegsinfektionen verschrieben.
  • Ciprofloxacin: Ciprofloxacin wird ebenfalls bei Harnwegsinfektionen und diversen Atemwegs- sowie HNO-Erkrankungen eingesetzt. Darüber hinaus hilft das Antibiotikum bei Erkrankungen der Augen, Entzündungen von Knochen und Gelenken oder Blutvergiftungen.
  • Doxycyclin: Dieses Antibiotikum kennen viele Menschen, die planen, in Malariagebiete zu reisen. Denn in einem solchen Fall kommt es zur Prävention zum Einsatz. Außerdem verschrieben wird Doxycyclin bei Infektionen der Lunge, des Mittelohrs oder der Harnwege sowie bei Borreliose oder diversen Hauterkrankungen.
  • Azithromycin: Das Breitbandantibotikum Azithromycin ist essenziell bei der Bekämpfung von Atemwegs- und Hauterkrankungen, die durch Bakterien ausgelöst sind. Es bringt den Vorteil für Patienten mit, dass es nur für einen sehr kurzen Zeitraum eingesetzt wird. Allerdings ist Azithromycin für Wechselwirkungen mit einer Reihe anderer Medikamente bekannt. Deshalb ist bei der Behandlung mit diesem Antibiotikum besondere Vorsicht angebracht.

Neben den genannten gibt es noch viele weitere Antibiotika und es kommen regelmäßig neue dazu. Denn die Entwicklung neuer Wirkstoffe ist eine Möglichkeit, Antibiotikaresistenz und ihren Folgen effektiv zu begegnen.

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Wie bilden sich Resistenzen?

Antibiotikaresistenzen sind nichts Neues und im Grunde genommen lässt sich ihr Entstehen kaum vermeiden. Verantwortlich dafür sind die folgenden Tatsachen:

  • Bakterien vermehren sich fortwährend durch Teilung, und das teilweise in rasanter Geschwindigkeit (manche alle 20 Minuten).
  • Dabei kommt es regelmäßig zu Fehlern im Erbgut, sogenannten „Mutationen“.
  • Manchmal führt eine bestimmte Mutation dazu, dass das betreffende Bakterium gegenüber ein Antibiotikum resistent ist. Dieses Bakterium gibt die Resistenz an andere Bakterien weiter und vermehrt sich zudem – weitgehend ungestört, denn das verabreichte Antibiotikum tötet nur seine nichtresistenten Verwandten ab.

Als verantwortlich dafür, dass sich Antibiotikaresistenzen immer weiter und schneller als in früheren Jahrzehnten ausbreiten, werden vor allem die folgenden Gründe angesehen:

  • Ärzte verschreiben zu häufig Antibiotika, teilweise sogar bei Krankheiten, bei denen diese gar nichts ausrichten können. Damit erhöht sich laut Gesundheitsseiten24.de das Risiko, dass sich Resistenzen entwickeln und ausbreiten.
  • Viele Patienten halten sich nicht ausreichend an die Vorgaben zur Einnahme von Medikamenten und beenden diese vorzeitig, wenn sie sich besser fühlen.
  • Häufig geben Bauern dem Futter für ihr Vieh Antibiotika hinzu. Dies soll verhindern, dass die Tiere krank werden. Das Problem daran: Die Medikamente reichern sich in dem Körper des betreffenden Tieres an und sind auch dann noch vorhanden, wenn dieses als Stück Fleisch auf dem Teller liegt. Auf diese Art trägt der Fleischgenuss zur Förderung von Antibiotikaresistenzen bei.

Aus diesen Aspekten wird deutlich, dass es zentral bei der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen ist, einen sparsamen Umgang mit den betreffenden Wirkstoffen zu pflegen. Das betrifft Mediziner genauso wie Landwirte und Tierärzte und letztendlich auch die Patienten beziehungsweise Konsumenten. Doch selbst, wenn es gelingt, eine solche Sparsamkeit langfristig durchzusetzen, wird dies schwerlich genügen, der Bedrohung durch Resistenzen Herr zu werden.

Besonders gefährlich sind diese, wenn sie in Form von multiresistenten Keimen und in Umgebungen wie Kliniken auftauchen. Denn ist das Immunsystem von Betroffenen ohnehin schon stark geschwächt, können Keime, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind, unter Umständen ein Todesurteil für den Patienten bedeuten.

Was tut die Forschung dagegen?

Der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen läuft auf Hochtouren. Dabei verfolgen Forscher und staatliche Organisationen weltweit unterschiedliche Ansätze, um dem Problem Herr zu werden. Die folgenden nehmen eine zentrale Rolle ein.

AnsatzAkteureInformationen
Entwicklung neuer Antibiotika speziell gegen Problemkeime (zum Beispiel resistente Keime)Forscher und Pharmaunternehmen rund um den GlobusNeueinführungen in den letzten Jahren und Antibiotika in der Entwicklung
Bessere Aufklärung über die Entstehung und Verbreitung von Antibiotikaresistenz und ihre VermeidungUnter anderem Forschungsprojekte im Rahmen der von der Bundesregierung initiierten Antibiotika-Resistenzstrategie DART 2020DART 202o:
Adäquater Einsatz von Antibiotika bei bestimmten Erkrankungen – vor allem auch im ambulanten Bereich.Unter anderem Kassenärztliche Bundesvereinigung, Kassenärztliche Vereinigungen und Verband der Ersatzkassen„RESISTenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen“

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Experten sind sich weitgehend einig, dass nur eine Kombination von Aufklärung, Überwachung und Entwicklung neuer Medikamente für nachhaltige Erfolge in der Bekämpfung von Antibotikaresistenzen und ihren Folgen sorgen kann. Allerdings ergeben sich dabei manche Probleme. Das gilt besonders für die Entwicklung neuer Antibiotika, denn:

  • Forschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe sind teuer und langwierig.
  • Gleichzeitig sollen die betreffenden Mittel möglichst selten und nur für kurze Zeiträume zum Einsatz kommen, was aus ökonomischer Sicht einen Nachteil für die betreffenden Unternehmen darstellt

Damit gibt es deutlich lukrativere Einsatzgebiete für Pharmaunternehmen als die Entwicklung neuer Antibiotika – ein Grund dafür, dass der Staat zusehends versucht, mit finanziellen Unterstützungen Anreize zu schaffen und neue Forschungsprojekte zu fördern. Doch selbst dann vergehen oft viele Jahre, bis ein neues Antibiotikum auf dem Markt zugelassen ist. Dies jedoch ist unter Umständen zu lange.

Der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen ist eine wichtige Aufgabe für die Zukunft

Mittlerweile wächst das Bewusstsein für die Gefahren, die sich durch die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen ergeben. Dennoch malen manche Experten ein düsteres Bild von der Zukunft. Demnach könnte ein Rückfall in Vor-Penicillin-Zeiten drohen. Das wiederum könnte zu einem rasanten Anstieg von Todesfällen führen – auch in hoch entwickelten westlichen Gesellschaften wie der Bundesrepublik.

Ob es gelingt, einen solchen Zustand zu verhindern, hängt von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt von finanziellen. Denn bleibt die Forschung im Bereich Antibiotikaresistenzen weiterhin wenig lukrativ für Beteiligte, wird sie mit der Ausbreitung von Resistenzen kaum Schritt halten können.

 

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