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Schienbeinkopfbruch (Tibiakopffraktur) – Ursachen, Symptome, Therapie

Ärzten der Sportmedizin ist der Schienbeinkopfbruch als Folge eines Sportunfalls bestens bekannt. Doch auch in der allgemeinen Unfallmedizin ist man mit der Problematik von Frakturen des Schienbeinkopfes vertraut. Zwar lassen sich derartige Frakturen dank moderner Behandlungsverfahren gut ausheilen, doch das Risiko von Verschleißerkrankungen im Bereich der Knie bzw. des Kniegelenks steigt nach einem Schienbeinkopfbruch drastisch. Gleichwohl ist bei der Heilung der Fraktur mit möglichen Komplikationen zu rechnen, weshalb wir Sie nachstehend etwas genauer über die Verletzung informieren möchten.

Was ist ein Schienbeinkopfbruch? – Einzelheiten zur Tibiakopffraktur

Unser Schienbein (Tibia) formt einen essenziellen Bestandteil des Kniegelenks. Gemeinsam mit dem parallel verlaufenden Wadenbein (Fibula) stellt es den Knochenbau des Unterschenkels und besteht dabei aus

  • dem Schienbeinschaft (Corpus tibiae),
  • der Gelenkfläche des unteren Schienbeinendes (Facies articularis malleoli),
  • sowie dem Schienbeinkopf (Caput tibiae).
© underdogstudios - Fotolia.com

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Letzterer setzt sich aus zwei Kondylen (Condylus medialis und Confylus lateralis) zusammen, welche auch Gelenkknorren genannt werden und nach oben hin das Schienbeinplateau bilden. Sie sind über Kreuzbänder und Menisken mit dem Kopf des Oberschenkelknochens (Femur) verbunden, der ebenfalls ein wichtiger Teil der Kniegelenke ist.

Während Brüche am Schienbeinschaft zu den Knochenbrüchen gehören, gilt ein Bruch am Schienbeinkopf (Schienbeinkopffraktur) als schwerwiegende Knieverletzung. Aus gutem Grund, denn Brüche im Kopfbereich der Tibia destabilisieren das Kniegelenk erheblich. Zu unterscheiden ist dabei zwischen folgenden Frakturen des Schienbeinkopfes:

  • Plateufraktur – Die Fraktur am Tibiakopf verläuft in Bruchlinien innerhalb der Tibiagelenkfläche. Verschiebungen oder Verdrehungen einzelner Bruchsegmente sind dabei aber nicht vorhanden.

  • Depressionsfraktur – Der Bruch weist eine nach innen gerichtete Fraktur der Gelenkfläche auf, wobei sich einzelne Bruchsegmente verschoben haben und nicht mehr kongruent sind.

  • Impressionsfraktur – Der Schienbeinkopfbruch weist eine nach innen gerichtete Fraktur der Gelenkfläche auf, wobei einzelne Bruchsegmente zur Eindrückung einzelner Bruchsegmente führen.

  • Impressions-Depressions-Fraktur – Die Tibiakopffraktur weist eine nach innen gerichtete Fraktur der Gelenkfläche auf. Einzelne Bruchsegmente sind verschoben und drücken gleichzeitig ein Bruchsegment ein.

  • bikondyläre Tibiakopffraktur – Die Fraktur am Tibiakopf geht eventuell mit einem Bruch des Wadenbeinkopfes einher und weist eine Fraktur beider Kondylen des Schienbeinkopfes auf.

  • Luxationsfraktur – Der Schienbeinkopfbruch hat sich wahrscheinlich bei gebeugter Haltung des Kniegelenks ereignet und hat eine Verrenkung bzw. Verdrehung des Schienbeinkopfes zur Folge. Dadurch kommt es zu einem teilweisen oder vollständigen Kontaktverlust des Tibiakopfes mit dem Oberschenkelknochen. Die Integrität des Knies ist hier meist tiefgreifend beschädigt. Des Weiteren können an den Kniegelenken verlaufende Bänder, Sehnen, Nerven und Blutgefäße durch die Luxationsfraktur verletzt sein.
Achtung: Da Fortbewegungs- und Sprungabläufe stets mit einer Kraftübertragung vom Kniegelenk auf das Waden- und Sprungbein verbunden sind, wird durch einen Schienbeinkopfbruch meist nicht nur die Funktionalität des Knies, sondern des gesamten Unterschenkels beeinträchtigt.

Ursachen für einen Schienbeinkopfbruch

© pankajstock123 - Fotolia.com

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Normalerweise dienen die Kniegelenke dazu, auf die Beine einwirkende Druckkräfte abzufedern. Der Schienbeinkopf ist daran als Kraftmittler zwischen Ober- und Unterschenkel maßgeblich beteiligt. Es gibt jedoch Situationen, in denen die Krafteinwirkung selbst für den robusten Tibiakopf zu viel werden kann, wodurch sich folglich Frakturen an oder unter der Gelenkfläche des Schienbeinkopfes ergeben. Zu besagten Situationen zählen:

    Gelenk- und Knochenerkrankungen: Krankheiten wie Osteoporose oder Arthrose belasten Substanz und Stabilität des Knies enorm. Zum einen zerstören die genannten Verschleißerkrankungen nach und nach die schützende Knorpelmasse am Schienbeinplateau. Zum anderen reduziert sich auch die Knochenmasse, weshalb an einzelnen Kniebestandteilen vermehrt Reibungspunkte und besondere Sensibilitäten gegenüber Erschütterungen entstehen. Brüche wie die Tibiakopffraktur entstehen bei Gelenk- und Knochenerkrankungen deshalb wesentlich leichter. Gleiches gilt im Übrigen für Tumore am Kniegelenk.

    Übergewicht: Schienbeinkopfbrüche aufgrund von Adipositas sind zwar eher selten, gänzlich auszuschließen ist Übergewicht als Ursache für Schäden am Knie jedoch nicht. Da das Kniegelenk durch die anhaltende Mehrbelastung dauerhaft geschwächt wird, kann ein Ermüdungsbruch nach langjähriger, extremer Adipositas durchaus eintreten. Wie bei Gelenk- und Knochenkrankheiten ist dabei ein anhaltender Gelenkverschleiß für die erhöhte Bruchgefahr verantwortlich.

    Sportunfälle: Unfälle beim Sport sind immer wieder für Brüche im Bereich der Knie und Beine verantwortlich. Auch in Sachen Schienbeinkopfbruch gelten Sportunfälle als häufigste Ursache. Zustande kommt die Tibiakopffraktur diesbezüglich in der Regel durch starke Erschütterungen, die auf Stürze bei gestrecktem oder gebeugtem Bein zurück zu führen sind. Zudem sind unglückliche Sprunglandungen als Grund für sportbedingte Schienbeinkopfbrüche denkbar. Besonders gefährliche Sportarten sind dabei Fußball, Parcour, Skateboarden, Skifahren, Kickboxen und andere Lauf- bzw. Kampfsportarten.

    Verkehrsunfälle: Auch ein Unfall beim Fahrrad- oder Autofahren ist als Ursache für einen Schienbeinkopfbruch durchaus denkbar. Insbesondere, wenn Kniescheiben oder Kniegelenke während eines Autounfalls ans Armaturenbrett prallen, sind Frakturen am Schienbeinkopf nicht selten. Ebenso kann ein unglücklicher Knieaufprall beim Fahrradfahren Tibiafrakturen hervorrufen.

    sonstige Unfälle: Zu Gewalteinwirkungen am Knie, die dem Tibiakopf gefährlich werden können, gehören auch tätliche Auseinandersetzungen (z.B. Knietritte), Treppenstürze und Arbeitsunfälle. Je nachdem, wie schwer das Trauma am Kniegelenk dabei ist, desto komplizierter verlaufen etwaige Brüche. Bei Stürzen im Speziellen ist in diesem Zusammenhang die Sturzhöhe mitentscheidend.

Welche Symptome verursachen Frakturen am Tibiakopf?

Die Symptome einer Tibiakopffraktur decken sich weitestgehend mit denen anderer Brüche. Somit kommen in erster Linie folgende Beschwerden in Frage:

  • Bänder-, Muskelfaser- und Sehnenrisse
  • Bewegungseinschränkungen
  • Blutergüsse
  • Instabilitäten an der Bruchstelle
  • Nervenschädigungen
  • offene Bruchwunden
  • Schwellungen
  • starke Schmerzen

Zusätzlich begünstigen Schienbeinkopfbrüche Knirschgeräusche im Knie, sowie Fehlstellungen der Beine. Ebenso sind besondere Nervensensibilitäten und damit verbundene, vorübergehende Lähmungserscheinungen möglich. Im schlimmsten Fall ist hier der Schienbeinnerv (Nervus tibialis) betroffen, was das Risiko eines Tibialis-anterior-Syndroms erhöht. Der Begriff bezeichnet eine besondere Beschwerde, die nicht nur Nervenlähmungen, Schmerzen, Bewegungs- und Durchblutungsstörungen hervorruft, sondern ohne rechtzeitige Behandlung auch bleibende Schäden, ja sogar Deformationen im Bereich der Knie, Beine und Zehen verursachen kann.

Wichtig: Schienbeinkopfbrüche haben immer eine Schwächung der Knochen-, Knorpel- und Gelenksubstanz zur Folge. Da sich besagte Substanzmassen nur bedingt wiederherstellen lassen, muss Sie mit einem erhöhten Osteoporoserisiko rechnen.

Diagnose und Therapie bei Schienbeinkopfbruch

© decade3d - Fotolia.com

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Abtast- und Blickdiagnosen, in deren Verlauf sich Blutergüsse, Prellungen, Schwellungen und Wunden im Bereich der Kniegelenke feststellen lassen, können bei Brüchen am Tibiakopf erste Hinweise geben. Für eine zuverlässige Diagnose ist jedoch eine Röntgenaufnahme des kompletten Unterschenkels, einschließlich des Kniegelenks erforderlich. Gegebenenfalls kommt hier ein Kontrastmittel zum Einsatz, um die Beschaffenheit des Schienbeinkopfes auf dem Röntgenbild besser sichtbar zu machen.

Ergänzend sind bei Brüchen am Schienbein CT-Befunde, Ultraschall, Magnetresonanz- und Kernspintomographie eine Option. Sie werden jedoch nur selten eingesetzt, da Röntgenaufnahmen zur Diagnose meist ausreichen. Anders verhält es sich allerdings mit den möglichen Therapiemethoden. Diese variieren je nach Art und Schwere der Tibiakopffraktur:

    konservative Therapie: Solange Ihr Schienbeinkopfbruch ohne Verschiebungen und Verrenkungen bleibt, genügt eine Stabilisierung der Fraktur mittels Gips oder Schiene. Beides hilft dabei, das Knie bis zur vollständigen Ausheilung des Bruches ruhig zu stellen, wobei normalerweise zunächst ein Liege-, im späteren Heilungsverlauf Gehfixierungen angebracht werden. Letztere erfordern natürlich die Nutzung von Krücken bis zur endgültigen Gips- bzw. Schienenentfernung.

    operative Therapie: Ist Ihr Schienbeinkopfbruch impressiver, depressiver oder bikondylärer Natur, oder geht gar mit einer Luxation einher, kommt meist nur eine operative Behandlung in Frage. Gleiches gilt für Tibiakopffrakturen, die während der Heilung Komplikationen verursachen, beispielsweise, weil die Bruchsegmente nicht mehr richtig zusammenwachsen. Zum Einsatz kommen bei einer derartigen Operation für gewöhnlich Fixierungshilfen wie Schrauben, Platten oder interne Fixateure. Sie dienen der Rekonstruktion brüchiger Knochensegmente und können in Kombination mit einer Lymphdrainage in das Knie eingeführt werden, welche bei der Ableitung überschüssigen Wundwassers helfen. Auf diese Weise lassen sich Schwellungen reduzieren und gewebsbasierte Druckbelastungen von den Kniegelenken abwenden.

    Physiotherapie: Ob Gips oder Operation – Zur Nachsorge sind bei Brüchen am Tibiakopf grundsätzlich physiotherapeutische Maßnahmen wichtig. Nur so lässt sich die Bewegungsfähigkeit nach längerer Ruhigstellung wieder aufnehmen. Die Physiotherapie beginnt dabei meist 2 bis 3 Monate nach der eigentlichen Behandlung und basiert auf einer schrittweisen Belastungssteigerung, um das Knie nicht gleich zu Anfang zu überfordern.

    medikamentöse Therapie: Während einer Operation könnte die Verabreichung von Narkosemitteln notwendig werden, um den Schmerz am verletzten Knie zu lindern. Doch selbst bei nicht-operativen Behandlungsmaßnahmen macht ein Schienbeinkopfbruch meist die Einnahme von Schmerzmitteln notwendig. Welche Präparate diesbezüglich geeignet sind, besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt.

Tibiakopffraktur – Infos zu Verlauf, Komplikationen und Prävention

  • Brüche im Bereich des Knies bedeuten zumeist eine langwierige Heilungsphase. Auch wenn die grobe Verheilung der Fraktur oftmals nach 8 bis 12 Wochen abgeschlossen ist, bedarf es bisweilen weiterer 6 Wochen, bis die Bewegungsfähigkeit nach einem Schienbeinkopfbruch wieder vollständig hergestellt ist. Bei Operationen kann es darüber hinaus bis zu anderthalb Jahren dauern, ehe eingesetzte Schrauben, Fixateure und Co. wieder entfernt werden.

  • Sie können den Heilungsprozess ihres Schienbeinkopfbruches deutlich beschleunigen, wenn Sie Ihr Kniegelenk so wenig wie möglich belasten. Die Verwendung von Krücken stellt hier natürlich einen guten Ansatz dar. Jedoch sollten sie sich trotz dieser Gehhilfe nur im Notfall fortbewegen, denn jede Bewegung übt eine Druckbelastung auf die Bruchstelle aus, was die Heilung prinzipiell erschwert.

  • Wie bereits angesprochen, wird die Belastung der Knie während der physiotherapeutischen Nachsorge bis zur vollständigen Wiederherstellung der Bewegungsfreiheit schrittweise angehoben. Als Richtwert gilt dabei eine Erhöhung der Teilbelastung um je 20 kg. Nehmen Sie diesen Wert auch im Alltag als Orientierungshilfe und berücksichtigen Sie dabei das Gewicht Ihres Oberkörpers.

  • Neben dem Tibialis-enterior-Syndrom können während der Verheilung von Schienbeinkopfbrüchen noch weitere Komplikationen auftreten. So besteht beispielsweise die Gefahr, dass ganze Kniegelenksabschnitte nicht mehr richtig zusammenwachsen, Verschiebungen der Bruchsegmente zu dauerhaften Deformationen am Tibiakopf führen, oder allgemeine Fehlstellungen der Knie entstehen, sofern der Bruch nicht ausreichend fixiert wird. Darüber hinaus sind nachhaltige Substanzeinbußen im Bereich der Kniegelenke, sowie Entzündungen und Infektionen der Fraktur bei unzureichender Wunddesinfizierung nicht auszuschließen. Tun Sie deshalb alles, was in Ihrer Macht steht, um Ihr Kniegelenk während der Heilung so gut wie möglich zu schonen, zu pflegen und steril zu halten. Befolgen Sie zu diesem Zweck auch die Anweisungen des behandelnden Arztes bis ins letzte Detail.

  • Um langen Heilungsprozessen und Komplikationen bei einem Schienbeinkopfbruch vorzubeugen, hilft selbstverständlich nur eines, nämlich Frakturen dieser Art zu verhindern. Seien Sie bei unfallträchtigen Alltagssituationen und Sportarten stets vorsichtig und tragen Sie wann immer es geht adäquate Schutzkleidung. Treppensteigen, wie auch Aufenthalte im öffentlichen Verkehr erfordern sorgfältige Koordination und Sprünge aus großer Höhe sollten vor der Durchführung lieber zweimal überdacht werden.

  • Ebenfalls der Prävention von Schienbeinkopfbrüchen dienlich ist eine gesunde Ernährung. Um Ihre Knochen zu stärken, werden kalzium- und vitamin-d-haltige Lebensmittel wie Milchprodukte, Fisch oder Grüngemüse empfohlen. Ein Guter Tipp ist der gelegentliche Verzehr von Tierknorpeln, auch wenn es sich zunächst etwas unappetitlich anhört. Tierische Knorpelmasse ist nämlich nicht nur ein häufiges Abfallprodukt der Fleischindustrie, sondern enthält daneben auch wichtige Stoffe zum Aufbau der eigenen Knorpel- und Gelenkmasse. Helfen Sie deshalb ruhig einmal dabei, Tierabfälle zu verwerten, um Ihr Kniegelenk zu stärken. Auf den übermäßigen Verzehr von Kalziumräubern wie Salz, Koffein oder Schwarzer Tee sollten Sie dagegen verzichten. Ebenso sind Nahrungsmittel, die Übergewicht begünstigen, zu meiden.

Fazit

Brüche im Bereich der Knie sind immer eine komplizierte Angelegenheit. Der Schienbeinkopfbruch bildet hierbei keine Ausnahme, im Gegenteil. Er zählt zu den schwerwiegendsten Knieverletzungen und lässt sich darum auch nur durch aufwändige, nicht selten operative Behandlungsmaßnahmen ausheilen. Am besten ist es daher, Brüchen am Schienbeinkopf durch geeignete Strategien zur Unfallvermeidung vorzubeugen. Denkbar ist zum Beispiel eine entsprechende Ernährung, welche die Knochen- und Gelenksubstanz stärkt. Darüber hinaus sind unfallträchtige Sportarten, die dem Knie gefährlich werden könnten, nur unter korrekter Ausführung und der Verwendung geeigneten Knie- und Schienbeinschutzes anzugehen. Ansonsten könnten Sie Gefahr laufen, für gut ein Jahr an Krücken gehen zu müssen.

 

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