Otoskopie (Ohrenspiegelung) – Durchführung, Ablauf und Risiken

Jeder, der schon einmal starke Ohrenschmerzen beklagte und deshalb zum Arzt musste, kennt die Ohrenspiegelung als Standartverfahren zur Untersuchung von Gehörgang und Trommelfell. Für HNO-Ärzte ist die Spiegelung des Gehörs zur Diagnosestellung unerlässlich, beschäftigt sich ihr Fachgebiet doch überwiegend mit Ohrenerkrankungen und Hörakustik. Wie genau das Otoskop funktioniert und was im Verlauf einer Otoskopie passiert, schildern wir Ihnen im nachfolgenden Beitrag.

Was ist eine Otoskopie? – Einzelheiten zur Ohrenspiegelung

Die Ohrenspiegelung (Otoskopie) beschreibt ein Verfahren zur blickdiagnostischen Untersuchung des Gehörgangs, sowie des Trommelfells. Sie dient in der Hals-Nasen-Ohren-Medizin zum einen zur Feststellung von Erkrankungen im Bereich des Gehörs, beziehungsweise am Trommelfell. Zum anderen lässt sich die Ohrenspiegelung auch in der Anpasspraxis der Hörakustik einsetzen, beispielsweise um Hörgeräte richtig einzustellen.

Zweck der Otoskopie ist es also, krankhafte Veränderungen des Gehörs, Trommelfells oder der Hörfähigkeit zuverlässig aufdecken zu können. Krankheiten, die eine solche Untersuchung notwendig machen und bei denen Sie unbedingt eine Ohrenspiegelung durchführen lassen sollten, sind dabei unter anderem:

© Henrik Dolle - Fotolia.com

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  • Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr (Paukenerguss)
  • Entzündungen des Außenohrs (Otitis externa)
  • Mittelohrentzündungen (Otitis media)
  • Entzündungen des Innenohrs (Otitis interna)
  • Entzündungen des Trommelfells (Myringitis)
  • Verletzungen des Trommelfells (Trommelfellperforation)
  • Verstopfung des Gehörgangs durch Ohrenschmalz (Cerumen obturans)

Im Bereich der Hörakustik spielt die Ohrenspiegelung wie bereits erwähnt vor allem in der Audiometrie eine Rolle. Hinter dem Begriff verbirgt sich ein hörakustisches Verfahren, welches dazu dient, die Hörfunktion mittels bestimmter Hörtests zu untersuchen. Relevant sind die so gewonnenen Eigenschaften und Parameter des Gehörs nicht nur für die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, sondern ebenso für die Neurologie, wenn es darum geht, ungewöhnliche Besonderheiten im Sprach- und Hörverstehen aufzudecken.

Wissenswert: Der Begriff Otoskopie setzt sich aus den griechischen Worten oto für ‚Ohr‘ und skopien für ‚betrachten‘ bzw. ‚untersuchen‘ zusammen. Ein ensprechendes Erstverfahren erfand der französische Mediziner Jean-Pierre Bonnafont zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In den Folgejahrzehnten wurde die Technik zur Schau des Gehörgangs schließlich von dem deutschen Kreisarzt Friedrich Hofmann, sowie dem HNO-Arzt Anton Friedrich von Tröltsch weiterentwickeltet und verbessert.


© tombe2012 - Fotolia.com

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Durchführung und Ablauf einer Otoskopie

Um die Ohrenspiegelung durchzuführen, war bislang das Otoskop, auch Ohrenspiegel genannt, gebräuchlich. Es setzt sich im Wesentlichen aus einem Handgriff, einem kleinen Ohrtrichter und einer daran befestigten, batteriebetriebenen Lichtquelle zusammen. Wird der Ohrtrichter in das Patientenohr eingeführt, beleuchtet das Otoskop demnach Mittel- und Innenohr genauer, wodurch sich der Zustand des Hörapparats genauer beurteilen lässt. Mögliche Bakterienbestände, Ohrenschmazlablagerungen, Verformungen, Verletzungen oder Entzündungen des Gehörs, können somit zuverlässig durch das geschulte Auge des Arztes entdeckt werden.

Mittlerweile existieren auch technologisch fortgeschrittene Videootoskope, in die anstatt eines Ohrtrichters eine CCD-Kamera, und anstelle einer normalen Lichtquelle eine Kaltlichtquelle integriert ist. Dieses fortschrittliche Otoskop sendet die aufgenommenen Bilder von Gehörgang und Trommelfell direkt an ein Aufnahme- und Wiedergabegerät weiter, was die Dokumentation der Ohrenspiegelung deutlich vereinfacht. Darüber hinaus kann das Videootoskop für die Untersuchung relevante Bestandteile des Gehörs um das bis zu 4-fache vergrößern, was die Diagnose ebenfalls erleichtert und zudem genauere Befunde zulässt. Ähnliche Vorteile bietet auch das Ohrenmikroskop, dessen Vergrößerungsmöglichkeiten noch weitaus vielfältiger sind. Behandelnde Ärzte greifen immer öfter auf diese Alternative zum Otoskop zurück, da es eine flexiblere Beschau des Gehörhangs erlaubt.

Gehörtests im Rahmen einer Ohrenspiegelung:

Sollte die Ohrenspiegelung im Rahmen einer Audiometrie zum Einsatz kommen, sind mit ihr höchstwahrscheinlich weitere Verfahren zur Bestimmung der Hörfähigkeit verbunden. Unterschieden wird zwischen objektiven und subjektiven Verfahren, mit deren Hilfe sich entweder die allgemeine Funktionalität einzelner Gehörabschnitte, oder das kognitive Zusammenspiel von Sprach-, Hör- und Gedächtnisapparat überprüfen lässt. Die wichtigsten Tests der Hörakustik stellen dabei:

© topshots - Fotolia.com

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    Tubenfunktionstest: Ergänzend zur Ohrenspiegelung greifen HNO-Ärzte manchmal zum sogenannten Tubenfunktionstest, bei dem der Arzt Sie bitten wird, Mund und Nase zuzuhalten. Das objektive Verfahren provoziert einen verstärkten Druck in der Mundhöhle, wodurch sich die Ohrtrompete öffnet und mögliche Funktionsprobleme preisgibt. Standardverfahren aus dem Bereich der Hörakustik stellen in diesem Zusammenhang der Vasalva-Versuch, der Toynbee-Versuch, sowie das Politzer-Verfahren.


    Tympanometrie: Für die Funktionsprüfung des Trommelfells existiert die Tympanometrie. Hier werden Schallwellen an das Trommelfell übertragen, um die Druckverhältnisse im Innen- und Mittelohr zu ermitteln. Zur Messung und Tongenerierung dient diesbezüglich das Tympanometer. Dieses verfügt über eine Messsonde mit drei Bohrungen, von denen eine mit einer Luftpumpe zum Druckaufbau im Gehör verbunden ist. Eine weitere Bohrung entsendet den sogenannten Sondenton – ein vordefinierter Dauerton von etwa 226 Hertz, der eine Vibration des Trommelfells hervorruft. Die dritte Bohrung des Tympanometers schließlich ist an ein Mikrophon gekoppelt, über welches die akustische Messung erfolgt.


    Stimmgabeltest: Ein weiteres Verfahren der Audiometrie, welches bei einer Ohrenspiegelung häufig zum Einsatz kommt, ist der Stimmgabeltest, in dessen Verlauf die Schwingungen einer Stimmgabel zur Beurteilung des Hörempfindens verwendet wird. Zu den Standardtests gehören hier der Gellé-Versuch, der Weber-Test und der Rinne-Test.


    Tests zum Hör-Sprach-Verständnis: Verfahren wie die Hörweitenmessung, der Lombard-Versuch, der Lee- oder Stenger-Test dienen der Hörakustik zur Feststellung von Problemen im Hörverständnis gesprochener Laute. Sie kommen meist bei Verdacht auf Schwerhörigkeit, Taubheit oder bei Stottern zum Einsatz und gelten wie der Stimmgabeltest als Methoden erster Wahl innerhalb der Audiometrie.

Risiken und Vorbereitung auf eine Ohrenspiegelung

Wird die Ohrenspiegelung unter sterilen und fachärztlichen Umständen durchgeführt, birgt sie für Patienten keine Gefahren. Allenfalls könnten sich bestehende Schmerzen aufgrund einer Erkrankung des Gehörs kurzweilig verschlimmern, wenn das Otoskop in das Gehör eingeführt wird. Kinder sollten Sie diesbezüglich auf einen plötzlichen Anstieg der Schmerzintensität vorbereiten.

Fazit

Die Otoskopie gehört seit fast 200 Jahren zu den Standardverfahren der HNO-Medizin und Hörakustik. Sie hilft behandelnden Ärzten, Krankheiten des Gehörs oder Trommelfells zu untersuchen, unterstützt Verfahren der Audiometrie zur Überprüfung der Gehörfunktion, und hilft Akustikern in der Anpasspraxis von Hörhilfen. In Bezug auf mögliche Untersuchungsrisiken müssen Sie dabei keine Bedenken haben. Lassen Sie die Ohrenspiegelung aber nur von geschulten Fachärzten durchführen, welche sterile Diagnosewerkzeuge verwenden. Private Ohrenschau ohne adäquate Instrumentarien ist gerade bei Kindern nicht zu empfehlen.

 

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