Trommelfellentzündung (Myringitis) – Ursachen, Symptome und Therapie

Die Trommelfellentzündung (Myringitis) gilt als ernst zu nehmende Folgeerkrankung der Mittelohrentzündung. Sie betrifft mit dem Trommelfell einen Ohrabschnitt, der maßgeblich an unserem Hörvermögen beteiligt ist. Sollte der Schallmittler des Ohrs an Myringitis erkrankt sein, drohen neben Entzündungsbläschen und heftigen Ohrenschmerzen auch Vernarbungen und Schäden an der Trommelfellmembran. In besonders schweren Fällen sind Betroffene hier oft lebenslang auf Hörgerate angewiesen. Darüber hinaus kann die Trommelfellentzündung auch gefährliche Hirnhautentzündungen begünstigen. Im nachstehenden Ratgeber haben wir deshalb wichtige Informationen zur Trommelfellentzündung sowie zu geeigneten Maßnahmen der Behandlung und Prävention für Sie zusammengefasst.

Wie entsteht eine Myringitis?

Das Trommelfell (Myrinx) ist ein essenzieller Bestandteil des Gehörs zur Übertragung von Schallwellen ins Gehirn. Es liegt im Mittelohr (Auris media), wo es den äußeren Gehörgang von der Paukenhöhle (Cavum tympani), den darin befindlichen Gehörknöchelchen (Ossicula auditūs) sowie dem dahinterliegenden Innenohr (Auris interna) abgrenzt. Funktionell kommt dem Trommelfell im Ohr die Aufgabe zu, den Schall von Umgebungsgeräuschen an die Gehörknöchelchen weiter zu leiten. Dies erfolgt wie bei einer Trommel durch den Transport von Schallvibrationen.

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Direkt verbunden ist das Trommelfell mit dem ersten Gehörknöchelchen, dem Hammer (Malleus). In ihn mündet die trichterförmig zulaufende, von Schleimhäuten besetzte Trommelfellmembran (Pars tena), welche für die Schallübertragung zuständig ist. Wird sie durch eine Entzündung in Mitleidenschaft gezogen, ist das Hörvermögen meist nur noch eingeschränkt möglich. Beschwerden wie starke Ohrenschmerzen oder Fieber sind ebenfalls üblich. Ihren Anfang nimmt eine Myringitis dabei meist durch Vorentzündungen des Mittelohrs. Die Krankheit lässt sich damit fast immer als Folgeerkrankung einer Mittelohrentzündung beschreiben.

Ursachen von Trommelfellentzündungen

Wie die Mittelohrentzündung hat auch Myringitis ihren Ursprung häufig in bakteriellen oder viralen Infektionen. Einzeller- und Pilzinfektionen kommen als Auslöser ebenfalls infrage. Dabei unterscheiden sich die Auslöser je nach Erreger. Zuvor verursachen die Bakterien bzw. Viren in der Regel eine Mittelohrentzündung, die im Anschluss auf das Trommelfell übergreift. Nachstehend die wichtigsten Infektionserreger im Überblick:

  • Haemophilus influenze: In den Schleimhäuten der Trommelfellmembran machen sich unter anderem Pfeiffer-Influenzabakterien gerne breit. Der auch Haemophilus influenzae genannte Erreger kann diverse HNO-Krankheiten, so zum Beispiel entzündete Bronchien (Bronchitis), Lungenentzündung (Pneumonie) oder Mittelohrentzündung (Otitis media) auslösen. Gelangen die Bakterien über eine Myringitis ins Gehirn, droht zudem eine Hirnhautentzündung.
  • Mycoplasmen: Bakterielle Erreger aus der Gattung der Mycoplasmen gehören ebenfalls zu den häufigen Ursachen für eine entzündliche HNO-Infektion. So sind zum Beispiel Pneumonien, Bronchitis, Mittelohrentzündung und sogar die Rachenentzündung (Pharyngitis) immer wieder auf eine Infektion durch Mycoplasmen zurück zu führen. Der Weg zum Trommelfell ist damit schon umschrieben und liegt wie so oft zwischen Lunge und Rachenraum.
  • Kokken: Neben Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae), die als Haupterreger zahlreicher Entzündungen gelten, sind auch Moraxella-Kokken nicht als Auslöser einer Trommelfellentzündung auszuschließen. Genauer gesagt, handelt es sich um Moraxella catarrhalis. Ein Bakterium, das zwar maßgeblich für die sogenannte Raucherlunge (auch: COPD) verantwortlich ist, über Umwege aber auch bis zum Mittelohr und Trommelfell vordringen kann. Komplikationen entstehen bei Kokken-Infektionen vor allem dadurch, dass einige ihrer Stämme inzwischen bedenkliche Resistenzen gegen herkömmliche Antibiotika wie Penicillin entwickelt haben.

Welche Symptome weist eine Myringitis auf?

Die Trommelfellmembran ist von zahlreichen Nervenästen durchzogen. Sie haben ihren Ursprung entweder im 5. Hirnnerv (Nervus trigeminus) oder dem 10. Hirnnerv (Nervus vagus). Eine Trommelfellentzündung kann folglich extreme Schmerzen durch Nervenreizungen hervorrufen. Die pochenden Ohrenschmerzen treten unvermittelt innerhalb der ersten 2 Tage nach einer Infektion auf und halten oft bis zu zwei Tage an. Zusätzlich fällt Myringitis durch die Bildung von Entzündungsbläschen am Trommelfell auf. Insgesamt können sich Symptome bei Myringitis wie folgt gestalten:

  • Bläschenbildung an der Trommelfellmembran
  • eitriger Ausfluss und Paukenerguss
  • Fieber
  • pochende Ohrenschmerzen und Ohrgeräusche
  • Konzentrations- und Koordinationsprobleme
  • Schwerhörigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
Achtung: Eine unbehandelte Myringitis kann zu Vernarbungen an der Trommelfellmembran, sowie zu Hirnhautentzündungen und bleibenden Gehörschäden führen!

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Diagnose und Therapie bei Trommelfellentzündung

Eine Otoskopie liefert bei Myringitis bereits sehr zuverlässige Ergebnisse. Im Krankheitsfall lassen sich durch diese Untersuchung Rötungen, Bläschen und ggf. eitriger Ausfluss feststellen. Zusätzlich kann ein Ohr- oder Trommelfellabstrich bei der Bestimmung der Erreger helfen. Zur Behandlung der Trommelfellentzündung sind dann folgende Maßnahmen vorgesehen:

  • Behandlung durch Medikamente: Die Gabe von Antibiotika wie ist bei Myringitis grundsätzlich notwendig. Welches Medikament hier richtig ist, entscheidet nicht zuletzt die Art der Erreger. Haben diese bereits eine Wirkstoffresistenz ausgebildet, so sind Penicilline häufig nicht effizient. Alternativen bei bakteriellen Penicillinresistenzen, wie auch bei Penicillinallergien seitens des Patienten, bieten dann Makrolid-Antibiotika wie Azithromycin und Clarithromycin. Ohrenschmerzen lassen sich durch Nasensprays und Schmerzmittel wie Ibuprofen lindern.
  • heilpflanzliche Behandlung: Wichtige Heilpflanzen bei Trommelfellentzündung sind:
    • Anis
    • Bohnenkraut
    • Hauswurz
    • Huflattich
    • Kamille
    • Kapuzinerkresse
    • Knoblauch
    • Lavendel
    • Propilis
    • Schafgarbe
    • Spitzwegerich
    • Ysop.

    Als Tee zubereitet spenden die Kräuter den Ohren Wärme. Zudem stärken sie es auch durch heilsame Wirkstoffe, die denen von künstlichen Antibiotika sehr ähneln. Ebenfalls zu empfehlen sind Zwiebelsäckchen auf dem Ohr, Schwedenbitter und heilsame Kräuterbäder, um den HNO-Bereich etwas zu befreien.

  • chirurgische Behandlung: Sollten die Bläschen an der Trommelfellmembran zu besonders starken Ohrenschmerzen führen, ist es möglich, die Blasen aufzustechen. Lassen Sie derartige Therapien aber nur von einem professionellen HNO-Arzt durchführen! Private Experimente an der Membran des Trommelfells, womöglich noch mit spitzen Gegenständen sind immer eine unkluge Idee und könnten im schlimmsten Fall mit lebenslangem Hörverlust enden.

Myringitis – Verlauf, Komplikationen und Prophylaxe

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  • Die Heilungsdauer kann bei Trommelfellentzündungen zwischen 2 und 6 Wochen in Anspruch nehmen. Je länger die Entzündung dabei besteht, desto größer ist das Risiko dauerhafter Hörschäden durch Vernarbungen und Verletzungen am Trommelfell. Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt, stehen die Chancen einer vollständigen Heilung ohne bleibende Hörschäden aber gut.
  • Komplikationen treten bei Myringitis vor allem durch weitere Entzündungen am Innenohr, der Hirnhaut oder dem knöchernen Warzenfortsatz des Schläfenbeins (Mastoiditis) auf. Ebenso können Trommelfellnerven durch die Entzündung geschädigt werden, was zu einer Hirn- bzw. Gesichtsnervlähmung führen kann. Weitere Gefahren sind Tinnitus, Sepsis, Abszesse, Thrombosen bis hin zum vollständigen Hörverlust durch Trommelfellschäden.
  • Vorbeugend können Sie im Falle von Trommelfellentzündungen eine Schutzimpfung gegen Pneumokokken in Erwägung ziehen. Auch Haemophilus influenzae ist durch entsprechende Impfungen zu entschärfen. Des Weiteren seien Hygienemaßnahmen angesprochen, die eine Infektion durch klassische Myringitis-Erreger verhindern. So sollte in öffentlichen Bädern immer eine Badehaube aufgesetzt werden, um kontaminiertes Beckenwasser am Eindringen ins Ohr zu hindern. Ähnlich sauber sind die Hände zu halten. Bei bestehender HNO-Erkrankung sollten Sie zudem eine schnelle Ausheilung anstreben, um keine Mittelohrentzündung zu riskieren.

Fazit

Mit einer Trommelfellentzündung ist nicht zu Spaßen. Da das Trommelfell für das Hörvermögen unerlässlich ist, könnte eine Entzündung hier nicht nur für starke Ohrenschmerzen, sondern auch für bleibende Schwerhörigkeit sorgen. Zusätzlich ist eine erhöhte Gefahr gegeben, in Folge einer Myringitis auch an Hirnhautentzündung zu erkranken. Da Trommelfellentzündungen hauptsächlich durch vorherige Mittelohrentzündungen entstehen, ist es wichtig, diese sorgfältig auszuheilen. Ansonsten gelangen die verantwortlichen Erreger ungehindert an die Trommelfellmembran, wo sich die Entzündungen dann fortsetzen.

 

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