Kreuzbeinschmerzen – Ursachen und Gegenmittel

Wenn das Gesäß unablässig schmerzt, rühren die Schmerzen häufig vom Kreuzbein selbst oder dem angrenzenden Iliosakralgelenk her. Daneben gibt es aber noch eine Vielzahl anderer Gründe für die Schmerzsymptome im Gesäßbereich. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles zu Ursachen und Behandlung der Beschwerden.

Wie entsteht Kreuzbeinschmerz?

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Das Kreuzbein (Os sacrum) befindet sich zwischen dem Steißbein (Os coccygis) und der Lendenwirbelsäule und markiert somit den vorletzten, unteren Teil der Wirbelsäule. Über das Iliosakralgelenk (Articulatio sacroiliaca) ist es zudem mit dem Darmbein (Os ilium) verbunden, das die Knochenplatte des Beckens stellt. Der wichtigste Nerv, der im Bereich des Kreuz- und Darmbeins verläuft, ist der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus), der bekanntlich der mächtigste Nerv im ganzen Körper ist und auf Höhe der Lenden aus dem Rückenmark entspringt.

Es fällt auf, dass um das Kreuzbein herum sehr viele, für den Haltungs- und Bewegungsapparat essenzielle anatomische Elemente befindlich sind. Dementsprechend vielfältig können auch die möglichen Ursachen für Gesäß- bzw. Kreuzbeinschmerzen sein. Hier ein kleiner Überblick:

  • Knochen- und Gelenkprobleme: Die naheliegendste, wenn auch nicht die häufigste Ursache für Schmerzen im Kreuzbein sind natürlich Schäden an den Wirbelknochen. Dies kann zum Beispiel nach einem heftigen Sturz auf das Gesäß der Fall sein, bei dem es mitunter auch zu Wirbelfrakturen kommt. Des Weiteren lassen sich Erkrankungen der Knochen und Gelenke, wie zum Beispiel Osteoporose, Hüftgelenksarthrose, Arthrose oder Verrenkungen am Iliosakralgelenk oder ein Bandscheibenvorfall nicht als Urheber des Kreuzbeinschmerzes ausschließen.
  • Entzündungen: Mit Blick auf das Iliosakralgelenk seien auch Entzündungen wie Morbus Bechterew erwähnt. Die entzündliche Rheumaerkrankung manifestiert sich mit Vorliebe im Bereich der Lenden- und Brustwirbelsäule, kann jedoch auch auf das Iliosakralgelenk übergreifen und so starke Schmerzen im Gesäß- und Kreuzbeinbereich auslösen. Darüber hinaus können auch Nervenentzündungen die Beschwerden im unteren Rücken provozieren. Gerade Entzündungen des Ischiasnervs (Ischiassyndrom) sowie eine Nervenwurzelentzündung strahlen nur allzu gerne bis ins Kreuzbein und Gesäß aus.
  • Fehlbelastung des Kreuzbeins: Besonders oft tritt der Schmerz nach zu langem Sitzen, bei längeren Arbeiten in gebeugter oder gebückter Körperhaltung sowie im Zuge zu schweren Hebens auf. In allen genannten Fällen liegt eine Fehlbelastung vor, die nicht nur das Kreuzbein, sondern auch das Iliosakralgelenk betreffen kann. Schmerzen treten in solchen Fällen vor allem dann auf, wenn der Kreuzbein- und Beckenbereich nach Belastung wieder entlastet werden.
  • äußere Endometriose: Äußere Endometriose verursacht ebenfalls Schmerzen im Unterleib, die sich wie Rückenschmerzen im unteren Bereich anfühlen. Diese sind zyklisch und werden kurz vor der Menstruation im Normalfall stärker. Da Endometriose den Kinderwunsch stark beeinträchtigt, ist eine ärztliche Abklärung für Frauen oft sehr wichtig.
  • sonstige Ursachen: Zu den körperlichen Beschwerden und Erkrankungen, die als Auslöser für das Schmerzsyndrom in Frage kommen, zählen auch Muskelzerrungen, Gefäß- und Organerkrankungen. Es muss nicht erwähnt werden, dass die Schmerzen hier entstehen, wenn entsprechende Muskeln, Gefäße und Organe im Gesäß- und Beckenbereich betroffen sind. Bei Organen im Speziellen wären hier neben dem Magen-Darm-Trakt vor allem die Nieren zu nennen.
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Behandlung bei Kreuzbeinschmerzen

Zur ärztlichen Feststellung von Schmerzen im Kreuzbein wird der Arzt zunächst eine Anamnese durchführen, in der Art und Intensität des Schmerzes abgeklärt werden. Wichtig ist es zum Beispiel zu erörtern, ob die Schmerzen nur bei Bewegung auftreten und ob sie Bewegungsbeeinträchtigungen zur Folge haben. Auch die genaue Lage des Schmerzes im Gesäß- und Beckenbereich ist wichtig. Liegt zum Beispiel eine Entzündung am rechten Ischiasnerv vor, so liegt womöglich auch das Schmerzzentrum auf der rechten Gesäß- bzw. Beckenseite. Bei Wirbelschäden hingegen manifestiert sich der Schmerz eher zentral am Kreuzbein.

Als nächstes wird der Arzt eine körperliche Untersuchung durchführen, bei der Gesäß, Iliosakralgelenk und Kreuzbein sorgfältig abgetastet und verschiedenen Bewegungstests unterzogen werden. Auch die ordnungsgemäße Becken- und Hüftstellung sowie die Funktionalität der dort befindlichen Muskeln werden in der Untersuchung in Augenschein genommen. Sollte ein Arzt hier noch zu keinem eindeutigen Befund kommen, sind unter Umständen auch bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder MRT notwendig. Zur Behandlung des Kreuzbeinschmerzes stehen dann folgende Maßnahmen zur Verfügung:

  • Schonung und Wärme – Längere Sitzeinheiten und andere, für Gesäß, Iliosakralgelenk und Kreuzbein anstrengende Belastungen sollten bei Kreuzbeinschmerz vorübergehend vermieden werden. Gleichzeitig hilft eine gezielte Wärmebehandlung (z.B. mit einem Wärmekissen oder einer Wärmflasche) meist sehr gut gegen die Schmerzen.
  • Physiotherapie und Massage – Auch Massagen bieten bei Schmerzen im Kreuzbeinbereich wärmende Linderung. Zudem können professionelle Massagetechniken auch Muskelverspannungen lösen. Ergänzend kann eine gezielte physiotherapeutische Behandlung sinnvoll sein, vor allem dann, wenn den Schmerzen Gelenkerkrankungen oder Verrenkungen am Iliosakralgelenk zugrunde liegen.
  • Medikamente – Bei vorliegenden Entzündungen der Nerven, Gelenke, Gefäße oder Organe verschreiben Ärzte entzündungshemmende Medikamente. Zusätzlich sind ggf. Schmerzmittel von Nöten, wenn sich die Schmerzen sehr intensiv gestalten.

Kreuzbeinschmerz – Wann zum Arzt?

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Treten die Schmerzen am Kreuzbein nur vorübergehend auf (z.B. nach langem Sitzen), ist ein Arztbesuch meist nicht notwendig. Etwas Schonung reicht in solchen Fällen für gewöhnlich aus, um den Schmerzen beizukommen. Halten die Beschwerden hingegen über mehrere Tage an, sollten Sie hellhörig werden. Gehen Sie hier auf jeden Fall zum Arzt, wenn…

    …Schonungsmaßnahmen keine Wirkung zeigen.
    …durch die Schmerzen extreme Bewegungseinschränkungen entstehen.
    …sie durch die Ausstrahlung der Symptome auch Rückenschmerzen spüren.
    …Sie bereits unter einer Gelenk- oder Gefäßerkrankung leiden.
    …neben dem Schmerz auch Missempfindungen auftreten.

Fazit

Ein Schmerz im Kreuzbein kann die Folge einer einmaligen Fehlbelastung oder Muskelverspannung sein. Ebenso sind aber ernste Grunderkrankungen der Gelenke, Nerven und Organe als Ursache denkbar. Grund zur Sorge geben sollten Ihnen die Schmerzen, wenn sie auffällig lange anhalten und / oder mit Begleitbeschwerden wie Gefühlsstörungen oder Bewegungseinschränkungen einhergehen. In den meisten Fällen hilft aber auch hier gezielte Schonungs- und Versorgungstherapie, die Probleme schnell wieder in den Griff zu bekommen.

Für das Kreuzbein belastende Tätigkeiten sollten dann künftig vermieden werden, um zu verhindern, dass die Schmerzen chronisch werden. Bietet Schonung jedoch keine Hilfe, ist ein Arztbesuch unumgänglich. Hier erfolgt eine genaue Untersuchung Ihres Körpers und es werden ursächliche Erkrankungen diagnostiziert. Im Hinblick auf den Kinderwunsch ist dabei vor allem äußere Endometriose zu nennen.

 

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