Gallenkolik – Ursachen, Symptome, Therapie

In den meisten Fällen ist die Gallenkolik das lebensgefährliche Endstadium eines Gallensteinleidens. Jüngste Statistiken zeigen, dass Frauen gerade in den letzten Jahren wesentlich häufiger von dieser Beschwerde betroffen waren als Männer. Dabei tritt die Gallenkolik oft plötzlich nach dem Verzehr üppiger Mahlzeiten auf und verursacht heftige Schmerzen im Oberbauch. Die Schmerzattacken können wenige Minuten bis mehrere Stunden anhalten und bis in den Schulter- und Rückenbereich ausstrahlen. Erfahren Sie in diesem Ratgeber Genaueres über die Gallenkolik, sowie geeignete Maßnahmen zur Behandlung und Vorsorge.

Entstehung einer Gallenkolik

Die Gallenblase (Vesica billiaris) ist ein birnenförmiges Hohlorgan unterhalb der Leber (Hepar). Ihre Hauptaufgabe ist es, die Verdauung durch Zersetzung von Fetten im Nahrungsbrei zu unterstützen. Zu diesem Zweck produziert unsere Leber die auch als Galle bekannte Gallenflüssigkeit (Bilis). Sie besteht zu 82 % aus Wasser und zu 12 % aus Gallensalzen, wobei auch Spuren von phosphorhaltign Lipiden und Cholesterin im Gallensekret zu finden sind. Ergänzend verleihen die Gallenfarbstoffe Bilirubin und Biliverdin der Gallenflüssigkeit ihre gelblich-grünliche Farbe. Insgesamt produziert die Leber täglich etwa 700 ml dieser Flüssigkeit.

Gallensteine (sog. Cholelithen) entstehen nun, wenn der Anteil an Cholesterin oder Phospholipiden innerhalb der Gallenflüssigkeit überhandnimmt. Die Steine können zwischen 1 und 10 cm groß werden, wobei vor allem größere Gallensteine zu einer Gallenkolik führen. Sollten diese durch Verdauungssäfte in den Gallengang (Ductus choledochus) geschwemmt werden, lösen sie dort eine Stenose aus. Besagte Verstopfung kann an sich bereits eine Gallenkolik auslösen. Noch wahrscheinlicher ist eine Kolik jedoch, wenn sich im Gallengang daraufhin bestimmte Erkrankungen wie die Gallenblasenentzündung einstellen.

Ursachen für eine Gallenkolik

© Adam Gregor - Fotolia.com

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Wie zuvor aufgezeigt, können schon bloße Verstopfungen im Gallengang, die durch ein Steinleiden entstanden sind, eine Gallenkolik begünstigen. Darüber hinaus provozieren die Steinblockaden häufig auch weitere Gallenerkrankungen, die das Risiko einer Kolik weiter in die Höhe treiben. Zu ihnen zählen:

  • Gallenblasenhydrops: Wird der Gallengang durch einen Gallenstein verstopft, so stellen sich zunächst Abflussstörungen des Gallensekrets ein. Der Sekretstau sorgt in erster Instanz für eine von außen ertastbare Vergrößerung der Gallenblase. Später kann Gallenblasenhydrops dann auch eine Gallenblasenentzündung und weitere Erkrankungen der Gallenblase nach sich ziehen.
  • Gallenblasenentzündung: Eine Gallenblase ist häufig der steten Reibung zwischen zwei Gallensteinen geschuldet. Dabei kann die Gallenblasenentzündung mitunter sogar eitrige Formen annehmen. Weitere Symptome sind hier meist Fieber, kolikartige Schmerzen und Entzündungskeime im Blutbild des Betroffenen. Eitrige Entzündungen verursachen ferner auch häufig Gelbsucht.
  • Gallenblasenperforation: Reibt ein Gallenstein an der Organwand oder dehnt Gallengang und Gallenblase in gefährlichem Maße aus, kann es vorkommen, dass die Gallenwände Schäden davontragen. Die Gallenblasenperforation ist dann die logische Konsequenz. Sie bedeutet für Patienten eine lebensbedrohliche Situation und muss umgehend in einer Notoperation behandelt werden. Die Symptome einer Gallenblasenperforation sind vor allem Gallenkoliken in Kombination mit Übelkeit und Erbrechen.
  • Gallenblasenkarzinom: Die gefährlichste Komplikation eines Gallensteinleidens ist die Entstehung von Tumoren in der Gallenblase. Die Karzimome kommen oft im Zuge einer Entzündung zustande und machen sich neben kolikartigen Schmerzen auch durch Beschwerden wie Appetitlosigkeit, unerklärlichen Gewichtsverlust, Übelkeit, Erbrechen und Gelbsucht bemerkbar.

Symptome bei einer Gallenkolik

Die Symptome einer Gallenkolik sind stark abhängig von den Schäden und Erkrankungen, die durch die Gallensteine entstanden sind. Grundsätzlich lassen sich bei Betroffenen aber kolikartige Schmerzen und Fieber feststellen, wobei die Schmerzen in der Regel nach üppigen Mahlzeiten einsetzen. Insgesamt sind bei Gallenkoliken folgende Beschwerden möglich:

  • Schmerzen im Oberbauch
  • Strahlungsschmerzen in der Schulter oder im Rücken
  • Fieber
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall
  • Magenkrämpfe
  • Stuhl- und Urinverfärbungen
  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • Appetitlosigkeit
  • Gelbsucht
© jozsitoeroe - Fotolia.com

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Diagnose und Therapie bei Gallenkoliken

Ein Arztbesuch ist bei einer Gallenkolik in jedem Fall notwendig. Zur Diagnose erforderlich sind dabei sowohl die Anamnese des Patienten, als auch Untersuchungen durch Abtasten. Letztere erlauben behandelnden Ärzten, Vergrößerungen der Gallenblase wie auch Gallensteine vorab zu entdecken. Zu diesem Zweck kommen zwei spezielle Methoden beim Abtasten zum Einsatz. Die erste ist die Tastüberprüfung der Murphy Zeichen und wird durch tiefes Einatmen des Patienten in Kombination mit einem Tastversuch unterhalb der rechten Rippenbogen durchgeführt. Treten hier Schmerzen auf, unterbricht der Patient reflexartig das tiefe Luftholen, was auf das Vorliegen von Gallensteine hindeutet. Ergänzend wird durch Abtasten der sogenannten Courtoisie Zeichen festgestellt, ob die Gallenblase zu prall gefüllt ist oder nicht. Diese laufen nach dem ähnlichen Prinzip ab und geben durch das Ertasten der Gallenblase Aufschluss darüber, ob diese gefüllt ist oder nicht.

Natürlich sind auch bildgebende Verfahren bei Anzeichen einer Gallenkolik wichtig. Ärzte greifen hier bevorzugt auf Bluttests und Ultraschall zurück, um mögliche Tumorbildungen, Perforationen und Entzündungen innerhalb der Gallenblase festzustellen. Bei positivem Befund richtet sich die Behandlung der Gallenkoliken dann nach dem jeweiligen Ausmaß der Gallenerkrankung. Für die Gallenkolik selbst kommen ferner folgende Ansätze in der Behandlung in Frage:

  • Medikamente: Die wichtigste Maßnahme bei Gallenkoliken ist es, die Schmerzen möglichst schnell zu lindern und Verkrampfungen der Gallenblase zu lösen. Dabei können unterschiedliche Schmerzmittel verabreicht werden, um die Symptome zu bekämpfen. Oft greifen Mediziner zu krampflösenden Mitteln wie zum Beispiel Spasmolytika, die gleichzeitig Schmerzen beheben.
  • Endoskopie: Mit einer Endoskopie kann der Arzt nicht nur mögliche Gallensteine feststellen, sondern diese auch gleichzeitig entfernen. Dabei wird der Gallengang in Höhe der Einmündung in den Zwölffingerdarm mit Hilfe einer endoskopischen Untersuchung geöffnet, sodass die Gallensteine abfließen können. Das Endoskop wird über den Mund eingeführt und über die Speiseröhre bis in den Zwölffingerdarm geschoben.
  • operativer Eingriff: Sollten Gallensteine und Gallenkoliken immer wieder auftreten, ist eine Option in der Therapie die Entfernung der Gallenblase per OP. Der Eingriff ist in manchen Fällen lebensrettend, zum Beispiel dann, wenn durch chronisches Gallensteinleiden eine gefährliche Entzündung oder Perforation der Galle droht.

Gallenkolik – Verlauf, Komplikationen und Prävention

© Jürgen Fälchle - Fotolia.com

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  • Schon bei erstmaligen Auftreten der Gallenkolik ist eine zeitnahe, ärztliche Abklärung dringend zu empfehlen. Nur so lässt sich eine schnelle Heilung ereichen und ein komplikativer Verlauf weitestgehend in Grenzen halten. Vor allem, wenn die kolikartigen Schmerzen länger als 15 Minuten dauern, liegt der Verdacht einer starken Gallenerkrankung vor, die umgehend einer medizinischen Behandlung bedarf. Um die Zeit bis zum Arztbesuch zu überbrücken, können Sie versuchen, die Schmerzquelle mit einer Wärmflasche oder heißen Wickeln zu beruhigen. Von einer weiteren Nahrungsaufnahme ist bis zum Arztbesuch abzuraten.
  • Im Verlauf der Gallenkolik kann es unter Umständen dazu kommen, dass ein Gallenstein in die Bauchspeicheldrüse gerät und dort lebensbedrohliche Blockadeprozesse in Gang setzt auslöst. Weitere Komplikationen treten in der Regel bei Begleiterkrankungen wie Gallenblasenentzündungen, Stenosen der Gallengänge, sowie fortgeschrittenen Perforationen und Karzinombildungen auf. Ein weiterer Grund, weshalb Gallenkoliken so schnell wie möglich behandelt werden sollten.
  • Gallensteine und damit auch Gallenkoliken werden in hohem Maße von der individuellen Ernährung eines Menschen begünstigt. So entstehen die Steine zum Beispiel vermehrt, wenn Betroffene häufig fettiges Essen zu sich nehmen. Kommen dann noch Bewegungs- und Flüssigkeitsmangel, sowie Vorerkrankungen in Form von Übergewicht oder Diabetes hinzu, ist die Entstehung von Gallensteinen sehr wahrscheinlich. Versuchen sie deshalb, ihre Ernährung dementsprechend gesund zu gestalten und nehmen Sie täglich genügend Flüssigkeit zu sich, um die Zusammensetzung ihrer Gallenflüssigkeit nicht ins Ungleichgewicht zu stürzen.

Fazit

Eine Gallenkolik kann die schmerzhafte Reaktion von Gallensteinen im Endstadium sein. Gleichwohl kann sie aber auch in Folge anderer Gallenerkrankungen auftreten, wobei auch diese häufig durch Gallensteine entstehen. In jedem Fall sollte der Arztbesuch nicht hinausgezögert werden, um schwere Gallenschäden frühzeitig ausschließen zu können. Zur Therapie stehen dann von der medikamentösen bis zur operativen Behandlung diverse Optionen zur Verfügung. Diese richten sich maßgeblich nach dem Ausmaß der Gallenerkrankung, sowie nach der therapeutischen Dringlichkeit.

 

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