Blasenkatheter – Anwendung und Tipps für Betroffene

Die Anwendung von Blasenkathetern, auch Katheterismus genannt, ist in der Medizin heute gängige Praxis bei der Diagnostik und Behandlung von Harnwegserkrankungen. Bekannt ist der Katheter bereits seit der Antike, wobei der Einsatz von Blasenkathetern hier nicht immer von Erfolg gekrönt war. Dies lag vor allem an der teils noch unausgereiften Materialverarbeitung bzw. Anbringung der Katheter. Beides gestaltete sich damals noch sehr provisorisch und barg ein hohes Infektionsrisiko. Heute jedoch sind Kathetersysteme wesentlich ausgereifter und sorgen in den wenigsten Fällen für Komplikationen. In unserem Ratgeber zum Thema wollen wir Ihnen einige wichtige Informationen zum Blasenkatheter geben und dessen Anwendung für Sie erläutern.

Was ist ein Blasenkatheter?

Die ersten Katheter waren schon im alten Ägypten, etwa um 3000 v. Chr. in Gebrauch. Fachkundige Mediziner fertigten diese seiner Zeit noch aus Materialien wie Zinn, Bronze, Schilfrohr oder Strohhalmen. Moderne Katheter bestehen heutzutage hingegen meist aus Kunststoff (z.B. Silikon oder Latex) und setzen sich aus einem harnabführenden Schlauchsystem, sowie einem Auffangbeutel zusammen. Die beiden Katheterelemente werden meist durch eine Verschlussvorrichtung miteinander verbunden. Auch ist bei Blasenkathetern der jüngsten Generation eine sogenannte hydrophile Beschichtung vorhanden. Diese macht den Kunststoffschlauch gleitfähiger und minimiert so Gewebereizungen. Je nach Art der Anbringung wird dabei zwischen zwei Formen von Blasenkathetern unterschieden:

© Lichtmaler - Fotolia.com

© Lichtmaler – Fotolia.com

  • transurethrale Katheter – Diese Katheter wird über die Harnröhre in die Blase eingeführt. Üblich ist hier der Einmalkatheter, welcher vorübergehend angebracht wird und beispielsweise während einer Operation narkosebedingte Ausfälle der Harnfunktion kompensiert. Ebenso lassen sich Einmalkatheter für endoskopische Diagnoseverfahren und Blasenspülungen verwenden. Als Dauerkatheter ist diese Katheterform fast ausschließlich bei starken Harnwegsblutungen oder vorübergehendem Funktionsausfall nach transurethralen Operationen in Gebrauch.
  • suprapubische Katheter – Suprapubische Blasenkatheter werden durch einen Einstich in die Bauchdecke direkt an die Harnblase angeschlossen. Anders als transurethrale Katheter, die überwiegend als Einmalkatheter genutzt werden, finden suprapubische Katheter meist nur als Dauerkatheter Anwendung. Dieser kann zum einen komatösen Patienten die Harnausscheidung erleichtern. Zum anderen sind auch Patienten mit gestörter Harnwegsfunktion oder einem Komplettverlust eben dieser auf einen Dauerkatheter angewiesen.

Neben den Hauptkatheterarten wird bei Blasenkathetern zusätzlich nach Bauform der Kathetersysteme differenziert. Die gängigsten Modelle sind diesbezüglich:

  • Nelaton – für Männer und Frauen geeigneter Blasenkatheter mit geschlossener Hohlspitze
  • Couvelaire – Katheter mit Flötenspitze, den Ärzte gerne zur Blasenspülung verwenden
  • Foley – Katheter mit Nelatonspitze, der durch einen Ballon in der Blase fixiert wird
  • Mercier – für Männer geeigneter Blasenkatheter mit gebogener Hohlspitze
  • Tiemann – meist nur für Männer geeigneter Blasenkatheter mit konisch zulaufender und gebogener Hohlspitze
  • Stöhrer – hochmoderner und für beide Geschlechter geeigneter Katheter mit flexibler, konisch zulaufender Spitze und kugelförmiger Verdickung am Ende, die Reizungen der Harnröhrenschleimhaut erfolgreich minimiert

Anwendungsgebiete und Zweck von Blasenkathetern

Der Katheterismus ist ein Standardverfahren, welches zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken eingesetzt werden kann. Grundsätzlich wird der Katheter immer dann angewendet, wenn das Harnwegssystem von Betroffenen nicht mehr dazu in der Lage ist, die Blase eigenständig zu entleeren. In Sachen Diagnostik kann der Katheter bei der endoskopischen Überprüfung der Nierenfunktion, sowie der Erkennung von Infektionserregern helfen. Insgesamt lassen sich folgende Anwendungsgebiete festhalten:

  • Blasenentleerungsstörungen
  • Blasenspülungen
  • chronische bzw. schwere Blasenentzündung
  • endoskopische Untersuchungen im Bereich der Harnwege
  • endoskopische Resektionen im Bereich der Harnwege
  • generelle, transurethrale Operationen unter Narkose (Einmalkatheter)
  • künstliche Harnentleerung bei Komapatienten oder Bettlägrigkeit (Dauerkatheter)
  • krankhafte Prostatavergrößerung
© Sherry Young - Fotolia.com

© Sherry Young – Fotolia.com

Katheterismus – Ablauf und Nutzung der Katheter

Wird ein Blasenkatheter benötigt, ist es vor der Anbringung zunächst wichtig, eine ausreichend sterile Umgebung sicher zu stellen. Demzufolge muss der Katheter, wie auch die Anbringungsstelle am Körper sorgfältig desinfiziert werden. Ansonsten könnte es nach der Anbringung zu Infektionen oder Entzündungen kommen. Anwendung und Anbringungsablauf richten sich dann nach der jeweiligen Katheterart, sowie dem Patientengeschlecht. Hier ein kleiner Überblick:

  1. Anbringung transurethraler Blasenkatheter bei Frauen:

    Um einen transurethralen Katheterismus bei Frauen durchführen zu können, muss sich die Patientin in Rückenlage befinden und die Beine zur Seite spreizen. Der Arzt reinigt dann im ersten Schritt den Intimbereich und bringt ein Schleimhautantiseptikum zur Desinfektion ein. Anschließend greift er mit einer Pinzette Schlauch des Katheters und bestreicht diesen mit Gleitmittel. Nun wird der Katheter vorsichtig in die Harnröhre eingeführt und bis zur Blase geschoben. Ist der Katheterschlauch richtig gelegt, schießt nach der Anbringung umgehend Urin in den Schlauch. Aus diesem Grund wird umgehend ein Auffangbeutel am freien Schlauchende angebracht. Die meist verwendete Schlauchlänge bei Frauen beträgt 30 cm, bei Mädchen etwa 22 cm.

  2. Anbringung transurethraler Blasenkatheter bei Männern:

    Männer müssen sich zur Einführung des transurethralen Katheters ebenfalls in Rückenlage befinden. Hier wird der Genitalbereich um den Penis abgedeckt, was ein sauberes Arbeiten ermöglicht. Nach der Desinfizierung des zu behandelnden Areals muss die Vorhaut des Patienten zurückgezogen werden. Auch die Einleitung von Gleitmittel mit Hilfe einer Spritze in den Penis gehört zum Standard, damit der Katheter problemlos eingeführt werden kann. Im Anschluss wird der Katheterschlauch langsam über die männliche Harnröhre in Richtung Blase geschoben. Da die Harnröhre des Mannes deutlich länger ist als die der Frau, beträgt die Katheterlänge hier 41 cm. Im Jugend- und Kindesalter liegt der Richtwert bei 22 cm.

  3. Anbringung suprapubischer Blasenkatheter:

    Da suprapubische Katheter keine Einführung über die Harnröhre erfordern, gestaltet sich die Anbringung bei Männern und Frauen gleich. Die Eintrittsstelle des Katheters am Bauch muss auch hier sorgfältig gereinigt und desinfiziert werden. Danach deckt der behandelnde Arzt den Bauch mit einem sterilen Tuch ab, wobei die Einstichstelle im Bereich der Blase ausgespart wird. Nach einer örtlichen Betäubung eröffnet der Arzt das Bauchgewebe etwa 2 bis 3 cm oberhalb des Schambeins. Hierzu verwendet er eine Spritzennadel, die zwei bis fünf cm tief in den Bauchraum eingebracht wird. Bei erfolgreichem Einstich lässt sich so der Urin durch die Spritze hochziehen. Ist dies gelungen, kommt ein Stichskalpell zum Einsatz. Mit diesem lässt sich der Bauchraum so weit öffnen, dass eine Hohlnadel bis zur Blase vordringen kann. Sie dient schließlich als eine Art Führungsschiene für die Einbringung des Katheterschlauchs. Nach der Anbringung wird der Schlauch abschließend fixiert und der Urinbeutel angebracht.

Was ist bei Anwendung des Katheterismus zu beachten?

© petoei - Fotolia.com

© petoei – Fotolia.com

Bei einem gelegten Katheter handelt es sich um einen Fremdkörper, der gelegentlich zu reizbedingten Harnwegsentzündungen führen kann. Dies ist vor allem bei transurethralen Blasenkathetern der Fall. Um weitere Entzündungs- oder auch Infektionsprozesse zu vermeiden, sind Sauberkeit und Hygiene deshalb oberstes Gebot. Die Austrittsstelle des Katheters sollte darum mindestens zweimal täglich gereinigt werden, wenn es sich beim gelegten Blasenkatheter um einen Dauerkatheter handelt. Eventuelle Verkrustungen oder Verunreinigungen werden hierbei mit Einmalkompressen beseitigt. Achten Sie auch darauf, stets von der Harnröhre weg zu wischen. So verhindern Sie, Keime durch falsche Wischtechnik in die Harnwege zu reiben.

Was das Tragen des Katheters anbelangt, so sollte der Katheterschlauch weder geknickt noch anderweitig beschädigt werden. Darüber hinaus darf der Auffangbeutel niemals über dem Blasenniveau liegen, wird hierdurch doch die Ableitung des Harns unterbrochen. Damit der Harn ohne Probleme abfließen kann, ist ferner eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit zu gewährleisten. Trinken Sie also bei Nutzung des Blasenkatheters genug.

Fazit

In der Antike ist der Blasenkatheter noch provisorisch in Notfällen genutzt worden. Heute stellt er hingegen ein gut erprobtes Standardverfahren zur Diagnostik und Behandlung von Harnwegserkrankungen dar. Komplikationen treten dabei nur selten auf. Beim Verlegen der Katheter ist es sehr wichtig, besonders hygienisch und steril zu arbeiten. Nur so lässt sich das Entzündungs- und Infektionsrisiko minimieren. Dies gilt auch für die Reinigung von Dauerkathetern, die mindestens zweimal täglich gesäubert werden müssen. Geht es um die Anbringung, so ist je nach Grund für den Katheterismus sowohl ein transurethrales, als auch suprapubisches Vorgehen denkbar. Handelt es sich um eine transurethrale Maßnahme, erfolgt die Einbringung des Katheters je nach Geschlecht unterschiedlich.

 

Related Posts

Leave a Comment