Bauchdeckenbruch – Ursachen, Symptome und Therapie

Bei einem Bauchdeckenbruch (auch: Eingeweidebruch, Bauchbruch, 2oder Bauchwandhernie) besteht die Gefahr, dass die im Bauch befindlichen Organe durch das bruchbedingte Loch in der Bauchdecke treten. In solch einem Fall fällt der Bruchsack unter der Haut als eine kleine Beule auf, wobei Organfunktionsstörungen, beispielsweise durch eingeklemmte Eingeweide, nicht ausgeschlossen sind. Insgesamt müssen allein in Deutschland jährlich rund 50.000 Bauchwandhernien operativ behandelt werden. Einzelheiten zur Behandlung sowie zu möglichen Ursachen und Beschwerden bei einem Bauchdeckenbruch wollen wir in diesem Ratgeber etwas genauer beleuchten.

Entstehung von Bauchwandhernien

Die Bauchdecke bzw. Bauchwand besitzt einen komplexen Aufbau und besteht nicht allein aus Oberhautschichten (Dermis) und Unterhautgewebe (Subcutis). Unter dem Hautgewebe schließen sich bei der Bauchdecke nämlich auch verschiedene Bindegewebsschichten, die Bauchmuskeln und das Bauchfell (Peritoneum) an. Die so entstehenden Bauchdeckenstrukturen dienen zum einen der aufrechten Körperhaltung und Rumpfbewegung. Zum anderen schützt die Bauchdecke im Bauch (Abdomen) liegende Organe und stabilisiert deren Lage im Bauchraum.

© Robert Kneschke - Fotolia.com

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Zu einem Bauchdeckenbruch kann es nun durch angeborene oder erworbene Schwächen des Bauchdeckengewebes kommen. Denkbar ist zum Beispiel eine vorausgegangene Verletzung im Bereich der Bauchwand oder zu weit auseinander stehende Bauchmuskeln (Rektusdiastase). In Abhängigkeit von der Lage der Bauchwandhernien wird dabei zwischen folgenden Hauptformen unterschieden:

  • Leistenbruch – Wird die Bauchdecke im Bereich der Leiste durchbrochen, spricht man von einem Leistenbruch. Er ist vor allem bei Männern sehr häufig anzutreffen, da ihr Bauchdeckengewebe rund um den Leistengang oft durch die Hodenwanderung vor der Geburt geschwächt wird. Sollten die Bauchorgane durch eine Bruchpforte in den Leistengang treten, droht bei Männern ein Hodenbruch. Dieser bezeichnet das Hinabrutschen von Eingeweide über den Leistengang in den Hodensack. Das Äquivalent bei Frauen ist der Schamlippenbruch.
  • Nabelschnur- oder Nabelbruch – Diese Form des Bauchdeckenbruchs tritt unter anderem bei Kindern auf, wenn das Nabelgewebe bei der embryonalen Entwicklung oder nach dem Entfernen der Nabelschnur nicht solide genug zusammengewachsen ist. Ebenso ist erhöhter Druck auf den Bauchnabel, etwa durch Übergewicht im Kindes- oder Erwachsenenalter als Ursache denkbar. Gekennzeichnet ist der Nabelbruch durch eine auffällige Beule, die sich rund um den Nabel bildet.
  • Narbenbruch – Sollten im Bereich der Bauchdecke Narben vorhanden sein, kann es auch zu einem Narbenbruch kommen. Verantwortlich sind hier ein durch Verletzungen vorgeschwächtes Bauchdeckengewebe, wie es zum Beispiel nach Stichwunden oder bei Operationswunden entsteht.

Ursachen für Bauchdeckenbruch

Die oben genannten Entstehungswege bei Bauchdecken- bzw. Bauchbruch decken schon einen großen Teil der möglichen Ursachen ab. Es gibt jedoch noch weitere Faktoren, die Bauchwandhernien begünstigen. Nachstehend deshalb ein kleiner Überblick:

  • Bindegewebsschwäche: Eine Bindegewebsschwäche kann das Bauchwandgewebe im Bereich der Faszien stark beeinträchtigen. Ein solider Halt der Bauchdeckenstruktur ist dann oftmals nicht mehr gegeben, weshalb das Risiko von Bauchwandhernien bei Bindegewebserkrankungen deutlich steigt.
  • pränatale Entwicklungsprozesse: Eine angeborene Bindegewebsschwäche kann den Bauchbruch schon im Mutterleib vorprogrammieren. Ebenso sind natürliche Entwicklungsprozesse vor der Geburt immer wieder für Bindegewebsschwächen und Bauchwandhernien verantwortlich. Spielt die männliche Hodenwanderung bei der Entstehung von Bauchdecken- oder Bindegewebsschwächen eine Rolle, so kommt es hier meist zum Leistenbruch. Sollten bei der Entwicklung der Bauchorgane Komplikationen auftreten, so ist ferner ein postnataler Nabelbruch denkbar.
  • mechanische Einwirkung: Stichwaffen, aber auch Operationsbesteck können die Bauchdeckenstruktur ebenfalls enorm schwächen. Allein die Durchtrennung der Nabelschnur kann, wenn falsch ausgeführt, Bauchwandhernien durch instabiles Nabelgewebe provozieren. Darüber hinaus sind Narbenbrüche aufgrund operativ eröffneter Bauchdecken oder Gewalteinwirkungen nicht ausgeschlossen.
  • Druckbelastung: Die Redewendung „sich einen Bruch heben“ stammt nicht von ungefähr. Das Heben schwerer Lasten bedeutet für die Bauchdecke eine enorme Druckbelastung, sodass in Folge durchaus ein Bauchbruch stattfinden kann. Ähnlich sieht es bei krankheitsbedingten Organschwellungen (z.B. durch Meteorismus oder chronische Verstopfung) oder Übergewicht aus. Die genannten Einflussfaktoren können das Bauchdeckengewebe schnell überspannen, wobei Gewebeschwächen und Bauchdeckenbruch oftmals binnen weniger Sekunden aufeinander folgen.
© Cara-Foto - Fotolia.com

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Symptome bei Bauchdeckenbruch

Im Anfangsstadium werden Bauchwandhernien von Patienten nur selten erkannt. Dies liegt maßgeblich an den unspezifischen Symptomen wie Bauchschmerzen oder Ziehen in der Bauchregion. Erst im fortgeschrittenen Stadium, wenn ein mit Organteilen gefüllter Bruchsack durch die Bruchpforte tritt, werden die Beschwerden meist eindeutiger. Optisch ist der Bauchbruch dann zum Beispiel durch eine sicht- oder tastbare Beule zu erkennen. Und auch die durch den Bauchdeckenbruch entstehenden Schmerzen um die Bruchpforte werden dann häufig intensiver. Generell müssen Sie bei Bauchwandhernien mit folgenden Symptomen rechnen:

  • Schmerzen oder Ziehen an der Bruchstelle
  • Druckgefühle im Bereich der Bauchorgane
  • Zunehmende Schmerzen bei Belastungen
  • sichtbare Beule durch austretende Bruchsäcke
  • Unwohlsein und Übelkeit durch verlagerte Organe
  • Störungen in der Organfunktion (v.a. bei der Verdauung)
Achtung: Bei Nichtbehandlung von Bauchwandhernien können Bauchorgane in der Bruchpforte eingeklemmt werden. Organschäden und lebensbedrohliches Organversagen sind dann eine reale Gefahr.


Diagnose und Therapie bei Bauchbruch

Um einen Bauchdeckenbruch festzustellen, genügt in manchen Fällen schon das bloße Abtasten des Bauches sowie die Untersuchung sichtbarer Beulen am Bauch. Schwer erkennbare Bauchwandhernien machen dagegen bildgebende Verfahren wie CT oder Ultraschall erforderlich. Auch eine Befragung des Patienten zu möglichen Verletzungen und bestehenden Beschwerden kann weitere Hinweise liefern.

Zur Behandlung sind beim Bauchbruch fast immer chirurgische Maßnahmen nötig. Sei es nun das Vernähen einer bestehenden Bruchpforte oder deren Verschluss durch ein Bruchnetz – eine OP lässt sich hier kaum vermeiden. Vorgegangen wird dabei in Therapie wie folgt:

  • Vernähen des Bruchs unter Nutzung von Körpergewebe: Bei Art von OP nutzen Ärzte die sogenannte Dopplung. Sie beinhaltet die Nutzung eigener Bauchdeckenstrukturen und Muskeln zum Vernähen der Bruchpforte. Dafür werden die benannten Gewebeteile in mehreren Schichten vor der Bruchpforte übereinandergelegt. Der Bruch selbst kann zuvor noch vernäht werden. Im Idealfall kompensiert das körpereigene Gewebe die Schwachstelle in der Bauchdecke. Bruchnetze aus Kunststoff müssen dann nicht mehr eingebracht werden. In Frage kommt diese Methode aber nur, wenn die Bauchdeckenstruktur insgesamt noch eine gute Qualität aufweist und die Bruchpforte nicht zu groß ist.
  • Vernähen des Bruchs unter Nutzung künstlicher Materialien: Anstatt dem eigenen Bauchdeckengewebe kann auch ein Kunststoffnetz oder Bruchband zur Abdichtung und Stabilisierung des Bruchs eingesetzt werden. Vor allem bei größeren Brüchen greifen viele Ärzte auf diese Methode zurück, da sie das Risiko eines erneuten Bruchs deutlich verringert. Dank ihrer Beschaffenheit können Bruchbänder und Bruchnetze das Austreten von Organanteilen aus der Bruchpforte verhindern und die Organe zusätzlich abstützen. Kunststoffnetze sind darüber hinaus so entwickelt, dass sie dauerhaft im Körper verbleiben und damit auch nach dem Verheilen des Bruches noch für erhöhte Bauchdeckenstabilität sorgen.
  • Begleittherapie durch Medikamente und Schonung: Vor und nach der Operation werden bei Bedarf schmerzlindernde und entzündungshemmende Arzneimittel verschrieben. Des Weiteren ist Schonung oberstes Gebot, denn jeder weitere Druck könnte die Bruchstelle vergrößern oder Operationsnähte platzen lassen. Auf körperliche Anstrengung, wie auch auf schwerverdauliche Lebensmittel ist deshalb fürs erste zu verzichten. Auch sollten die Nahrungsportionen in kleinen Mengen verzehrt werden, um Spannungen der Bauchdecke durch einen zu vollen Bauch vorzubeugen.

Bauchdeckenbruch – Verlauf, Komplikationen und Prävention

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  • Bis der Bauch nach einem Bruch wieder voll belastbar ist, können gemeinhin ganze zwei Jahre vergehen. Leider besteht dabei selbst nach einer erfolgreichen OP keine vollständige Sicherheit, dass kein neuer Bauchbruch entsteht. Häufig bedeutet vernarbtes, erkranktes oder von Natur aus schwächeres Bauchdeckengewebe ein lebenslanges Bruchrisiko, weshalb Bauchdeckenhernien nicht selten wiederkehren.
  • Unbehandelt kann ein Bauchbruch zu schweren Komplikationen führen. So neigen austretende Organteile zum Beispiel dazu, sich zu verklemmen. Eine Unterversorgung des Organgewebes mit Blut provoziert anschließend nicht selten Nekrosen. Auch Verletzungen, Entzündungen und Infektionen der Organe sind in solch einem Fall denkbar. Im Rahmen einer Operation verursachen vor allem sehr große Bruchpforten Komplikationen. Hier muss auch bei erfolgreicher Operation mit eventuellen Heilungsverzögerungen oder Entzündungen gerechnet werden.
  • Vorbeugen lässt sich Bauchwandhernien nur durch das Vermeiden von Druckbelastungen. Sich einen Bruch zu heben, ist hier oft schneller passiert als gedacht. Transportieren Sie Schwerstlasten deshalb niemals alleine. Faktoren wie Übergewicht oder Verstopfung sind ebenfalls präventiv vorzubeugen.

Fazit

Ein Bauchdecken- bzw. Bauchbruch ist das Resultat vorgeschwächten Bauchdeckengewebes, das unter zu hoher Druckeinwirkung aufplatzt. Neben angeborenen Gewebeschwächen kommen dabei auch erworbene Schwächen, etwa durch Übergewicht oder Verletzungen, als Ursache in Frage. Besonders bedenklich sind Bauchwandhernien, wenn sie zum Austritt von Organteilen aus der Bruchpforte führen. Hier kommt es häufig zu Entzündungen oder Nekrosen durch eingeklemmtes bzw. unzureichend durchblutetes Organgewebe. Eine OP ist bei Bauchdeckenbruch meist optionslos. Allerdings bieten Kunststoffnetze und Bruchbänder gute Möglichkeiten, um selbst große Bauchwandhernien erfolgreich zu behandeln.

 

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