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Ohrenentzündungen im Winter – welche Fehler Betroffene nicht machen sollten

Quelle: © Klaus Eppele – Fotolia.com

Pulsierende Ohrenschmerzen, Druckgefühle im Ohr sowie pochende und surrende Ohrgeräusche – insbesondere in der kalten Jahreszeit leiden viele Menschen häufiger als im restlichen Verlauf des Jahres unter quälenden Ohrenentzündungen. Kinder trifft es meist besonders hart: Bis zum Alter von drei Jahren erkrankt statistisch gesehen jedes Kleinkind mindestens einmal an einer Mittelohrentzündung, die mit Kopfschmerzen, Erbrechen und Fieber verbunden ist.

Was sind die Gründe dafür, dass Ohrentzündungen bevorzugt in der Kälte entstehen, und welche vorbeugenden Maßnahmen können Personen ergreifen, die im Winter häufig davon betroffen sind?

Mögliche Ursachen im Winter

Mediziner unterscheiden prinzipiell drei Arten der Ohrenentzündung:

  • Otitis externa; die Außenohrentzündung
  • Otitis media; die Mittelohrentzündung
  • Otitis interna oder Labyrinthitis; die Innenohrentzündung

In sämtlichen Fällen werden die Entzündungen der inneren oder äußeren Gehörgänge zumeist durch Viren oder Bakterien verursacht. Eine virale Infektion erfolgt entweder über die Blutbahn oder die oberen Luftwege; für die bakterielle Infektion sind häufig Keime wie Pseudomonas aeruginosa, Staphylokokken oder Pneumokokken verantwortlich. Ist das Trommelfell perforiert, können Mikroorganismen auch von außen in die tieferen Regionen des Ohres eindringen und dort eine Entzündung auslösen.

Insbesondere im Winter erhöhen folgende Faktoren das Risiko für Ohrenentzündungen:

  • Besuche in Schwimmbädern und Wellness-Einrichtungen: Viele Menschen flüchten vor der Winterskälte ins SPA oder ins örtliche Hallenbad. Werden die Gehörgänge dort vermehrt unter Wasser gesetzt, gelangen Mikroorganismen einfach hinein. Im feuchtwarmen Klima des engen Weges von Ohrmuschel zu Trommelfell bestehen besonders günstige Verhältnisse, um Pilze und Bakterien wachsen zu lassen. Die Folgen machen sich bereits wenige Stunden nach dem Badeaufenthalt durch Ohrenschmerzen und Jucken bemerkbar. Bei der sogenannten „Badeotitis“ handelt es sich um eine Entzündung der Ohrmuschel und des äußeren Gehörganges. Durch Keimverschleppung kann sie sich jedoch zur schmerzhaften Mittelohrentzündung auswachsen.
  • Geschwächtes Immunsystem: Der Mensch ist tagtäglich dem Angriff durch Viren und Bakterien ausgesetzt. Gerade in der kalten Jahreszeit entstehen daraus allerdings gehäuft Krankheiten der oberen Atemwege sowie Mittelohrentzündungen, da unser Immunsystem verstärkt belastet ist. Nicht nur die Kälte setzt die Abwehrkräfte des menschlichen Organismus in ihrer Effektivität herab; auch der Lichtmangel übt eine negative Wirkung auf sie aus. Wenn die Haut weniger häufig dem Sonnenlicht ausgesetzt wird, bildet der Körper geringere Dosen an Vitamin D. Forscher der Atatürk-Universität in Erzurum bestätigten, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel mit einem erhöhten Auftreten von Mittelohrentzündungen zusammenhängt; bzw. eine Vitamin-D-Ergänzung das Risiko vermindert.
  • Erkältungskrankheiten: Häufig entsteht eine Mittelohrentzündung aus einem einfachen Schnupfen. Schwillt die Nase zu, wird auch die Belüftung des Mittelohres eingeschränkt, da es über die Eustachi´sche Röhre mit dem Nasen-Rachen-Raum verbunden ist. Infolgedessen erhalten Viren und Bakterien im abgeschlossenen Raum des Mittelohres ein günstigeres Klima, um sich zu vermehren.

Welche Fehler Betroffene häufig machen

Diese Faktoren erhöhen das Risiko einer wiederholt auftretenden Ohrenentzündung:

    Quelle: © digitalefotografien – Fotolia.com

  • Ohren falsch reinigen: Aus abgestorbenem Zellmaterial und Schweiß bildet sich im Gehörgang Ohrenschmalz, den die Flimmerhärchen nach außen zur Ohrmuschel transportieren. Dort können die Absonderungen einfach mit einem Waschlappen und mildem Seifenwasser entfernt werden. Viele Menschen vertrauen allerdings nicht auf die Selbstreinigungskräfte ihrer Ohren, sondern helfen mithilfe von Wattestäbchen nach, um die tieferen Gehörgänge gründlich reinigen. Statt den Ohrenschmalz zu entfernen, schieben die Stäbchen ihn jedoch nur tiefer ins Ohr, was unter Umständen zur Bildung eines festen Pfropfens, Hörstörungen und bakteriellen Infektionen führt. Auch Haarnadeln und Streichhölzer gehören keinesfalls in den Gehörgang, da sie im schlimmsten Fall das Trommelfell durchstoßen können und eine Operation nötig wird. Wer meint, dass seine Ohren einer tiergehenden Reinigung bedürfen, sollte diese durch eine Ohrspülung beim Facharzt durchführen lassen.
  • Behandlung zu früh beenden: Bei schweren Fällen einer Ohrentzündung sowie bei Kindern verschreiben Mediziner häufig Antibiotika. Kaum lässt der Schmerz nach, glauben viele Betroffenen, eine weitere Tabletteneinnahme sei nicht nötig. Wissenschaftler im New England Journal of Medicine berichten jedoch, dass die Verkürzung der Antibiotikatherapie von 10 auf 5 Tage die Zahl der Rückfälle bei Mittelohrentzündungen verdoppelt. Viele Erkrankte glauben, eine kürzere Einnahmezeit belaste den Körper und vor allem die Darmflora weniger. Kürzere Einnahmezeiten bringen jedoch zusätzlich das Risiko von Resistenzbildungen bei den Entzündung verursachenden Keimen mit sich. Wer unter einer antibiotikapflichtigen Ohrenentzündung leidet, sollte diese vollständig austherapieren und seine Darmflora gegebenenfalls im Anschluss daran mit Pro- und Präbiotika unterstützen.

Vorbeugen im Winter

Diese Maßnahmen können Ohrenschmerz-Geplagte ergreifen, um einer ernsthaften Entzündung der Gehörgänge vorzubeugen:

Quelle: © Szakaly – Fotolia.com

  • Abwehrkräfte stärken: Um den Organismus bei der Abwehr von Viren und Bakterien zu unterstützen, ist gerade in der kalten Jahreszeit eine ausgewogene Ernährung wichtig. Frisches Obst und Gemüse enthalten präbiotische Ballaststoffe, welche die Darmflora aufbauen und gleichzeitig das Immunsystem stärken. Als Ergänzung bieten sich Vollkornprodukte, magere Milchprodukte, Seefisch und wenig magere Fleischprodukte an. Bei der Auswahl von Speiseölen sollte der Fokus auf Ölen mit reichlich Omega-3-Fettsäuren (z.B. Leinöl) sowie Gamma-Linolensäure (z.B. Borretschsamenöl) liegen. Dass eine adäquate Omega-3- und Vitaminzufuhr den Verlauf von Mittelohrentzündungen verkürzen kann, bestätigten Wissenschaftler aus New York. Auch ausreichend Bewegung an der frischen Luft sind förderlich, um den Vitamin-D-Haushalt des Körpers und gleichzeitig seine Abwehrkräfte zu verbessern. Schließlich trägt ein maßvolles Training des Herz-Kreislauf-Systems durch Joggen, Nordic Walking oder Schwimmen zur Gesundheit bei.
  • Ölgüsse mit ätherischen Ölen: In der traditionellen indischen Heilkunst des Ayurveda praktiziert man seit Jahrhunderten Ölgüsse mit körperwarmem Sesamöl. Das Füllen der äußeren Gehörgänge mit Öl soll dabei Anspannungen und Ohrgeräusche auflösen. Um Bakterien und Viren abzutöten, bevor sie Beschwerden verursachen, sollten Anhänger der ayurvedischen Methode dem Basisöl einige Tropfen Oreganoöl, Nelkenöl, Lavendelöl oder Geranium-Öl zusetzen. Die ätherischen Komponenten konnten laut einer Studie im Journal of Microbiology, Immunology and Infection bei einer Außenohrentzündung dieselbe Wirksamkeit beweisen wie das Antibiotikum Ciprofloxazin. Ohrgüsse mit Öl dürfen allerdings ausschließlich an gesunden Ohren durchgeführt werden, die nicht akut entzündet sind.
  • Nase frei halten: Damit im Laufe einer Erkältung die Keime nicht ins Mittelohr aufsteigen und sich dort festsetzen, sollten Betroffene ihre Nase frei halten. Dabei helfen sowohl abschwellende Nasensprays als auch das Inhalieren von Salzwasserdampf oder Menthol und Eukalyptus. Letzteres darf jedoch nicht bei Kindern unter 6 Jahren angewendet werden, da bei ihnen das Risiko einer Atemlähmung besteht.
  • Ohren trocken halten: Übertriebene Ohrpflege erhöht eher das Risiko für Ohrenentzündungen – das Trockenhalten der Gehörgänge und der Ohrmuschel ist allerdings ein wichtiger Faktor zur Vermeidung von Infektionen. Nach dem Duschen oder Baden sollten Menschen, die häufig an Ohrenentzündungen leiden, besonderes Augenmerk darauf legen, sämtliche Feuchtigkeit vorsichtig aus der Ohrmuschel zu tupfen. Auch wenn die Ohren im Winter unter Ohrenschützern und Stirnbändern verstärkt schwitzen, ist eine sanfte Reinigung der Ohrmuschel mit einem Waschlappen und einem Handtuch hilfreich, um Bakterienwachstum zu stoppen.

Fazit

Mögen die Strukturen von Ohr, Trommelfell und Gehörgängen im Vergleich zum gesamten Körper des Menschen noch so kleidimensioniert erscheinen – ihre Entzündung schränkt Wohlbefinden und Lebensqualität drastisch ein. Doch die Gesundheit des Ohres kann hier nicht isoliert betrachtet werden. Ob die schmerzhaften Entzündungen wiederholt auftreten, bestimmen maßgeblich das Immunsystem, der allgemeine Gesundheitszustand und die tägliche Hygiene. An diesen Punkten haben Betroffene stets die Möglichkeit, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen.

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