Mythen und Fakten der Krankheits- und Verletzungsvorbeugung

Impfungen schützen vor Infektionskrankheiten, genau wie Flüssigseife mit Desinfektionsmittel – oder doch nicht? Um die Themen der Krankheits- und Verletzungsvorbeugung ranken sich viele Mythen, wie aber sieht es mit den Fakten aus? Wie wirksam sind Impfungen als Schutzmaßnahme wirklich? Sind Verletzungen beim Sport unvermeidbar und was haben multiresistente Erreger mit Antibiotika und Desinfektionsmitteln zu tun? Diese und andere Themen werden in folgendem Ratgeber beleuchtet.

Impfung als Schutzmaßnahme – wie wirksam ist sie wirklich?

Viele Deutsche lassen sich jedes Jahr aufs Neue freiwillig gegen die Grippe impfen, um so gegen den aggressiven Virus gewappnet zu sein. Auch Impfungen gegen Hepatitis, Tetanus oder Typhus sind hierzulande Gang und Gäbe. Doch wie wirksam sind Impfungen wirklich und welchen Schutz bieten sie?

© Kurt Kleemann - Fotolia.com
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  1. Ablauf und Wirkung von Impfstoffen und Impfungen
  2. Eine Impfung ist nichts anderes als eine Aktivierung des Immunsystems gegen bestimmte Stoffe und somit eine vorbeugende Maßnahme im Kampf gegen Infektionskrankheiten. Unterschieden wird zwischen aktiven und passiven Impfungen. Bei der aktiven Impfung handelt es sich um eine aktive Immunisierung, das bedeutet, das Immunsystem wird durch den Impfstoff angeregt, eine erregerspezifische Immunkompetenz zu entwickeln. In diesem Zusammenhang werden sowohl Lebend- als auch Totimpfstoffe verabreicht. Lebendimpfstoffe enthalten den abgeschwächten, aber noch vermehrungsfähigen Erreger, während der Erreger bei Totimpfstoffen bereits abgestorben ist.

    Hat eine Person bereits Kontakt zu einem Erreger, der eine ernsthafte Infektionskrankheit auslösen kann und ist nicht geimpft, wird eine sogenannte passive Impfung vorgenommen. Dem Betroffenen wird ein Immunserum injiziert, welches Antikörper in hoher Dosis gegen den entsprechenden Erreger enthält. Da das Immunsystem bei dieser Vorgehensweise nicht selbst dazu angeregt wird, Antikörper zu produzieren, handelt es sich nicht um eine Impfung im medizinischen Sinne.

    Wie wirksam eine Impfung ist, kann durch Messung der Konzentration der gegen den Erreger gebildeten Antikörper, genannt Antititer, bestimmt werden. Solche Messungen finden regelmäßig in klinischen Studien statt.

  3. Erfolgreiche Bekämpfung weltweiter Erreger
  4. Bestimmte Krankheiten, denen früher viele Menschen zum Opfer fielen, sind heute, dank moderner Impfstoffe, deutlich zurückgegangen. Im Folgenden werden einige typische Infektionskrankheiten betrachtet, gegen die entsprechend entwickelte Impfstoffe heute einen guten Schutz bieten.

    Gelbfieber: Bei Gelbfieber handelt es sich um eine schwere Virusinfektion, die durch eine Stechmückenart übertragen wird und in Afrika sowie Mittel- und Südamerika vorkommt. Zur Impfung werden lebende, aber abgeschwächte Erreger gespritzt, welche nicht zu einer Erkrankung führen. Wie der Seite des Tropeninstitutes zu entnehmen ist, bietet die Impfung eine Schutzrate von nahezu 100 Prozent.

    Hepatitis B + A: Während Hepatitis A durch Schmierinfektion und verseuchte Lebensmittel übertragen wird, findet eine Ansteckung mit Hepatitis B durch Blut, Körperflüssigkeiten und Sexualkontakte statt. Weit verbreitet sind die Viren in Süd- und Osteuropa, Asien, Afrika sowie Süd- und Mittelamerika. Im Fall von Hepatitis A kann mit einer Impfung innerhalb von 14 Tagen ein 95prozentiger Schutz erreicht werden, sodass auch eine Impfung kurz vor Reiseantritt noch sinnvoll ist. Die Impfung gegen Hepatitis B wird in Deutschland bereits im Säuglingsalter empfohlen und sollte alle zehn Jahre aufgefrischt werden.

    Typhus: Typhus, eine schwere bakterielle Infektion, wird durch verseuchtes Trinkwasser sowie Nahrungsmittel übertragen. Südamerika, Afrika und Südostasien sind in besonderem Maße von dieser Erkrankung betroffen. Geimpft werden, kann per Schluckimpfung oder per Injektion. Beide Impfstoffe bieten einen Schutz von 60 bis 80 Prozent.

    Tollwut: Diese schwere Virusinfektion, welche durch den Speichel infizierter Tiere übertragen wird, endet fast immer tödlich. Tollwütige Tiere finden sich in vielen Ländern weltweit. Es gibt sowohl eine Vorsorgeimpfung, als auch eine Impfung, die bei Patienten, die von einem tollwütigen Tier gebissen wurden, angewendet wird.

    Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten: Bei Tetanus handelt es sich um eine bakterielle Infektion, welche das Nervensystem schädigt und schließlich zum Tod führt. Auch Diphtherie und Keuchhusten werden durch Bakterien ausgelöst und mittels Tröpfcheninfektion übertragen. Gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten wird ein Dreifachimpfstoff eingesetzt. So können Zeit und Kosten gespart werden. Die Impfung sollte alle zehn Jahre aufgefrischt werden.

Masernpartys – Gefährlich oder abhärtend?

© Dan Race - Fotolia.com
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In Deutschland besteht keine Impfpflicht gegen Masern und so sind, laut praxisvita.de, nur ungefähr 85 Prozent der Bevölkerung geimpft. Manche Eltern möchten nicht, dass ihr Kind geimpft wird. Auch das Veranstalten sogenannter Masernpartys findet immer wieder statt. Eltern bringen ihre gesunden Kinder mit kranken Kindern zusammen, sodass sie sich mit den Masern anstecken und so eine Immunabwehr entwickeln. Ärzte sehen dieses Vorgehen kritisch, da Masern eine nicht zu unterschätzende Erkrankung sind und die Risiken einer Erkrankung diejenigen einer Impfung deutlich übersteigen.

Hysterie und Realität – Ebola und die Schweinegrippe

Genau wie für die Schweinegrippe im Jahr 2009 wurde auch für Ebola im Jahr 2014 von der WHO ein weltweiter Gesundheitsnotstand ausgerufen. Vor einer globalen Pandemie warnt die Weltgesundheitsorganisation dann, wenn in mindestens zwei unterschiedlichen WHO-Regionen (also zum Beispiel Südostasien und Europa) Virusübertragungen von Mensch zu Mensch stattfinden. Wie dem Focus zu entnehmen ist, war die Warnung der WHO vor der Schweinegrippe durchaus gerechtfertigt, kam es doch insgesamt zu rund 18.400 Toten, allein 258 in Deutschland. Bei den zahlreichen Ebola-Fällen in Westafrika handelt es sich um den bisher größten Ebola-Fieber-Ausbruch. Das Risiko einer Einschleppung des Ebola-Virus in Deutschland und die dortige Ausbreitung wird mittlerweile jedoch als sehr gering eingeschätzt. Detailliertere Informationen sind der Seite des Robert-Koch-Instituts zu entnehmen.

Warum es keine Impfmittel für bestimmte Viren gibt

Einige Viren sind in der Lage, ihr Erscheinungsbild sehr schnell zu verändern, was die Entwicklung eines Impfstoffes deutlich erschwert. So muss zum Beispiel der Impfstoff gegen den Grippevirus jedes Jahr neu entwickelt und an die veränderten Viren angepasst werden. Gegen andere Erkrankungen, wie HIV, gibt es jedoch auch nach Jahren der Forschung noch keinen wirkungsvollen Impfstoff. Dies liegt zum einen an der Vielzahl der verschiedenen Virusstämme, zum anderen weicht der Virus vor der Immunreaktion stets aus. Zwar gibt es bereits einen hypothetisch entwickelten Impfstoff, jedoch birgt dieser die Fehlerquelle der sogenannten viralen Transkriptase. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies, dass Enzyme, welche in den Retrovieren vorhanden sind, keine Korrekturfunktion haben und es den Viren so ermöglichen, immer wieder zu mutieren.

Verletzungen beim Sport – unvermeidbar?

Wer sich sportlich betätigt, nimmt auch immer das Risiko einer Verletzung auf sich. Manche Sportarten sind prädestinierter für Verletzungen als andere. Doch wie hilfreich zur Vorbeugung von Sportverletzungen sind Aufwärmen, Schutzausrüstung und Co. wirklich? Wie sieht die optimale Erste Hilfe bei Sportunfällen aus und welche Sportarten bürgen ein besonders hohes Verletzungsrisiko?

  1. Das obligatorische Aufwärmen – Erhöhte Verletzungsgefahr im Winter?
  2. Das unzureichende Aufwärmen begünstigt das Auftreten von Sportverletzungen enorm. Wird die Muskulatur langsam, gezielt und ausreichend aufgewärmt, ist sie elastischer und somit besser in der Lage, starke Belastungen verletzungsfrei zu überstehen. Zudem wird die Durchblutung gefördert und die optimale Körpertemperatur für das Training, etwa 38,5 Grad, erreicht. Auch Muskelkater kann durch effektives Aufwärmen und anschließendes Dehnen vermieden werden. Das Aufwärmen vor dem Sport ist zu jeder Jahreszeit gleichermaßen wichtig. Bei kalten Außentemperaturen sollte das Warm-up jedoch besonders gewissenhaft erfolgen, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.

  3. Schutzausrüstung, Technik und Ehrgeiz
  4. Weiterhin wichtig zur Vorbeugung von Verletzungen sind eine passende Schutzausrüstung, zum Beispiel Schienbeinschoner bei Fußballern oder ein Helm bei Skifahrern sowie die richtige Technik. Die optimale Technik bei der Ausführung der Sportart ist deshalb so essentiell, da es oft beispielsweise eine falsche Belastung der Muskulatur ist, die zu Verletzungen führt. Nicht zuletzt muss auch der persönliche Ehrgeiz an den individuellen Trainingszustand angepasst werden. Niemand sollte sich direkt zu viel vornehmen. Vielmehr ist es, egal bei welcher Sportart, sinnvoll, sich langsam immer weiter zu steigern.

  5. Erste Hilfe bei Sportunfällen – Dos and Don‘ts
  6. Zu Verletzungen beim Sport kann es immer kommen und dann ist meist eine schnelle Reaktion von Seiten der Helfer gefragt. In einer PDF des Landessportbunds Nordrhein-Westfalen sind die allgemeinen Maßnahmen bei Sportverletzungen aufgelistet. Zudem können der Publikation auch Tipps zum richtigen Verhalten im Zuge der Erstversorgung von leichten sowie komplikationsgefährdeten Sportverletzungen entnommen werden.

    Allgemeine Maßnahmen bei Sportverletzungen:

  • Da verletzte Sportler eine Gefahr für sich und andere darstellen, ist der Abbruch des Trainings, des Spiels oder des Wettkampfes bei Verdacht einer Verletzung immer notwendig.
  • Anfangs kann der Zustand eines verletzten Sportlers harmlos erscheinen, jedoch ist eine fortschreitende Verschlechterung möglich, die sich mitunter lebensbedrohlich entwickeln kann. Deshalb sollte ein Verletzter Sportler stets beaufsichtigt werden, bis Hilfe eintrifft.
  • Der Verletzte sollte, wenn möglich, eine schmerzerleichternde Schonhaltung einnehmen.
  • Da die Gefahr einer Unterkühlung besteht, sollte der Verletzte, zum Beispiel mit Hilfe einer Wärmedecke, warm gehalten werden.
  • Die Folgen einer Verletzung sind für Laien oft nicht abschätzbar. Deshalb ist es ratsam, frühzeitig den Notarzt zu alarmieren.
  • Sollte es zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand kommen, ist unverzüglich mit einer Herzdruckmassage zu beginnen, bis der Rettungsdienst eintrifft.
  • Bei manchen Verletzungen, zum Beispiel bei Knochenbrüchen, kann eine Operation notwendig sein. Dem Betroffenen sollten also vor dem Eintreffen des Rettungswagens keinerlei Speisen oder Getränke gegeben werden, da das Risiko unwillkürlichen Erbrechens im Fall einer notwenigen Narkose bei gefülltem Magen deutlich höher ist.
  • Profisportler mit erhöhtem Risiko und größerem Einsatz
  • © Maxisport - Fotolia.com
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    Anbei werden drei Sportarten beleuchtet, bei denen im Amateurbereich, aber vor allem im Profibereich ein besonders hohes Verletzungsrisiko besteht. Gerade im Profibereich ist eine Verletzung umso schwerwiegender, da sie eine lange Auszeit oder sogar das völlige Ausscheiden aus dem Profisport bedeuten kann.

      Beispiel Fußball

      Aufgrund der schnellen Bewegungswechsel und der damit einhergehenden starken Beanspruchung der Muskulatur sind Fußballspieler besonders gefährdet, Sportverletzungen zu erleiden. Der Artikel Die häufigsten Fußballverletzungen und vorbeugende Maßnahmen zeigt Verletzungen auf, die im Fußballsport besonders oft auftreten und gibt zudem Tipps zur Vorbeugung und Ersthilfe. Die folgenden Verletzungen kommen im Profifußball häufig vor:

    • Muskelzerrung
    • Muskelfaserriss
    • Bänderdehnung
    • Bänderverletzung im Knie
    • Außenbandriss im Sprunggelenk
    • Meniskusriss
    • Kreuzbandriss
    • Adduktorenzerrung
    • Schien- und Wadenbeinbruch
    • Kopfverletzungen
    • Achillessehnenriss
    • Beispiel Eishockey

      Eishockey ist ein harter Sport mit sehr häufigem Körperkontakt zwischen den rivalisierenden Spielern. Der Ärztezeitung ist zu entnehmen, dass Schnitt- und Platzwunden am Kopf besonders oft auftreten. Aufgrund moderner Helme sind schwere Schädelverletzungen die Ausnahme. Doch auch Verletzungen der Kniegelenke oder Bänderrisse kommen im Hockeysport nicht selten vor, genau wie Verletzungen oder Verrenkungen der Schultergelenke. Direkte Puck-Treffer oder Stockschläge von Gegnern können zu Muskelverletzungen führen und eine zu kurze Aufwärmphase führt nicht selten zu Zerrungen der Oberschenkelmuskulatur.

      Beispiel Skifahren

      Skiverletzungen kommen vor allem im Amateurbereich häufig vor, sind jedoch, wie die nachstehende Grafik zeigt, in den letzten Jahren leicht rückläufig.

      Die meisten Skiverletzungen müssen nicht stationär behandelt werden. (Quelle: © ARAG / In: Statista 2015)
      Die meisten Skiverletzungen müssen nicht stationär behandelt werden. (Quelle: © ARAG / In: Statista 2015)

      Am häufigsten verletzen sich Skifahrer am Knie. An zweiter Stelle mit einem Anteil von rund einem Drittel an den Gesamtverletzungen stehen Verletzungen der Schulter- und Armregion, so schulterinfo.de. Das Risiko von Kopfverletzungen kann durch das Tragen von Helmen, wie es im Profibereich sowieso Gang und Gäbe ist und auch von immer mehr Hobby-Fahrern praktiziert wird, minimiert werden. Doch auch Schenkelbrüche oder Brüche des Handgelenkes kommen, wenn auch nicht sehr oft, bei Skiunfällen immer wieder vor. Da, neben Protektoren und Helmen, vor allem die körperliche Fitness sowie die richtige Technik vor Skiunfällen schützen, sind Profifahrer seltener von Verletzungen betroffen als Amateure.

    Operation oder Schiene – Wird in Deutschland zu viel operiert?

    Bei vielen Sportverletzungen, wie zum Beispiel einem Bänderriss im Sprunggelenk, war es bis vor wenigen Jahren in Deutschland Routine zu operieren. Da eine OP jedoch nicht in allen Fällen notwendig ist, werden solche Verletzungen heute häufig geschient, sodass ein chirurgischer Eingriff, der immer auch Risiken birgt, vermieden werden kann. Bänderrisse im Knie sowie komplizierte Brüche bedürfen jedoch weiterhin einer Operation.

    Desinfektion und Resistenzen – gefährliche Hygiene

    Hygiene ist das A und O, wenn es um die Vermeidung von Infektionen geht – oder nicht? Warum Desinfektionsmittel auch Risiken mitbringen und Körper sowie Umwelt belasten, was es mit den sogenannten multiresistenten Erregern auf sich hat und wann Antibiotika sinnvoll sind, wird im Folgenden beleuchtet. Zudem erfolgt eine Übersicht der effektivsten Tipps zur Vermeidung von Ansteckungen.

    Multiresistente Erreger – Ursachen und Bekämpfung

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    Unter resistenten Erregern werden diejenigen Krankheitskeime verstanden, die eine Widerstandsfähigkeit gegen die Medikamente, welche zur Behandlung eingesetzt werden, entwickelt haben. In den letzten Jahrzehnten wurde Antibiotika vermehrt eingesetzt. Dieser Umstand und die teilweise falsche Einnahme durch die Patienten haben dazu geführt, dass sich einige Bakterien so verändert haben, dass sie gegen fast alle gängigen Antibiotika resistent sind. In diesen Fällen wird von multiresistenten Erregern gesprochen.

    1. MRSA

      Die Abkürzung MRSA steht für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, ein Bakterium, das auf der Haut vieler gesunder Menschen vorkommt, ohne diese jedoch krank zu machen und gegen fast alle Arten von Antibiotika resistent ist. Eine mitunter gefährliche Infektion bricht erst dann aus, wenn die Bakterien, zum Beispiel durch Wunden, in das Innere des Körpers vordringen. Da in Krankenhäusern häufig Antibiotika eingesetzt werden, tritt auch der MRSA Keim besonders dort vermehrt auf. Werden gesunde Menschen von MRSA Keimen besiedelt, verschwinden diese in vielen Fällen von selbst wieder. Wer sich während eines Krankenhausaufenthalts mit MRSA infiziert, wird isoliert und mit sogenannten Reserve-Antibiotika, die auch gegen multiresistente Keime häufig noch etwas ausrichten können, behandelt. Um sich nicht zu infizieren, sollten beim Umgang mit Erkrankten strenge Hygienevorschriften eingehalten werden.

    2. VRE

      Vancomycin resistenter Enterokokkus, kurz VRE, ist ein Bakterium, welches eine Resistenz gegen das Antibiotikum Vancomycin entwickelt hat. Dieser Keim ist ein normaler Bestandteil der Darmbesiedelung und führt nur gelegentlich zu einer Infektion, wenn die Erreger durch die Haut oder Schleimhaut in den Körper eindringen. Vor allem bei schwerkranken Patienten ist solch eine Infektion nur schwer zu behandeln. Hygienemaßnahmen, die die Ausbreitung verhindern, sind deshalb unerlässlich. Das Merkblatt für Angehörige und Patienten zu VRE hat die wichtigsten Verhaltensweisen aufgelistet.

    3. ESBL

      Das Kürzel ESBL steht für Extended-Spektrum Beta-Laktamasen und bezeichnet Enzyme, welche in der Lage sind, eine Vielzahl an Beta-Laktam-Antibiotika zu verändern und damit unbrauchbar zu machen. Somit werden verschiedene Bakteriengattungen, die diese Enzyme produzieren, unempfindlich gegen ein breites Spektrum an Antibiotika. Da die meisten gebräuchlichen Antibiotika nichts ausrichten können, muss, je nach Infektionsort und Stärke, auf Fosfomycin, Aminoglykoside oder Peneme zurückgegriffen werden. Da auch diese Keime meist über Schmierinfektion übertragen werden, spielt die Hygiene eine entscheidende Rolle und oft ist es nötig, den betroffenen Patienten zu isolieren.

    Der Mythos der antibakteriellen Desinfektionsmittel

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    Antibakterielle Desinfektionsmittel sollen vor Erregern schützen, jedoch tragen sie, genau wie der exzessive Einsatz von Antibiotika in den letzten Jahren, dazu bei, dass einige Keime eine Multiresistenz entwickeln.

    1. Belastung für Körper und Umwelt durch Hygienemittel

      Triclosan ist einer der am weitesten verbreiteten Bakterienhemmer und wurde ursprünglich für Ärzte und Krankenhäuser entwickelt. Heute wird Triclosan jedoch vielfältig und vor allem in großen Mengen verwendet. Diese massive Verbreitung trägt jedoch dazu bei, dass einige Bakterien eine Resistenz gegen die gängigen Antibiotika entwickeln, zudem steht die Verbindung unter Verdacht, die Muskelzellen zu schädigen. Deshalb sollten Triclosan und andere antibakterielle Desinfektionsmittel nicht im Haushalt, sondern ausschließlich in Krankenhäusern und Arztpraxen Anwendung finden. Viele Flüssigseifen für den privaten Gebrauch enthalten heute jedoch bereits antibakterielle Desinfektionsmittel. Gelangen Triclosan oder andere Stoffe über das Abwasser in Flüsse, kommt es, laut einer US-amerikanischen Studie, zudem bereits in der natürlichen Umgebung zur Entwicklung resistenter Bakterien. Die Bakteriengemeinschaft im Wasser verändert sich und die langfristigen Folgen für die Ökologie sind nicht abzuschätzen.

    2. Antibiotikum – Wundermittel mit Nebenwirkungen

      Der Begriff Antibiotika kommt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt so viel wie „gegen das Leben“. Antibiotika wirken ausschließlich gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Da die meisten Erkältungskrankheiten von Viren ausgelöst werden, ist ein Einsatz von Antibiotika in diesem Zusammenhang unwirksam. Im Kampf gegen die meisten Bakterien haben sich Antibiotika jedoch als wahres Wundermittel erwiesen. Wichtig ist, die verordnete Einnahmedauer des Antibiotikums nicht zu unterschreiten, da dies die Entwicklung multiresistenter Keime fördert. Doch das vermeintliche Wundermittel bringt noch andere unerwünschte Nebenwirkungen mit sich. So bekämpft Antibiotika nicht nur die schädlichen Bakterien, sondern auch die nützlichen. Eine Folge kann beispielsweise sein, dass die Darmflora aus dem Gleichgewicht gerät und es zu Durchfall kommt. Frauen haben während und nach der Einnahme von Antibiotika nicht selten mit vaginalen Pilzinfektionen zu kämpfen, da das Antibiotikum das sensible Gleichgewicht der Vaginalflora stört und somit eine Pilzinfektion begünstigt.

    Tipps zur Vermeidung von Ansteckungen

    Vorbeugung ist bekanntlich die beste Medizin. Deshalb folgen nun die wichtigsten Tipps, um eine Ansteckung, egal ob durch Viren oder durch Bakterien, zu vermeiden.

      Hände richtig waschen: Da die meisten Infektionskrankheiten über die Hände übertragen werden, ist gewissenhaftes und vor allem regelmäßiges Händewaschen ein guter Schutz vor Ansteckungen. Doch auf die richtige Methode kommt es an:

      Händewaschen ist mitunter der beste Schutz vor Infektionen
      Händewaschen ist mitunter der beste Schutz vor Infektionen

      Gesunde Ernährung und Bewegung: Trotz ausreichender Hygiene kommt der Mensch dennoch immer wieder in Kontakt mit Krankheitserregern. Eine starke Immunabwehr ist der beste Schutz, damit Erreger, die einmal in den Körper gelangt sind, nichts ausrichten können. Wer sich gesund ernährt und regelmäßig Sport treibt, trägt entscheidend dazu bei, den eigenen Körper fit und gesund zu halten und somit gut gegen Krankheitserreger zu wappnen. Vor allem Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, besonders Zink, sind wichtig für die eigene Abwehr. Zudem sollte sich regelmäßig an der frischen Luft bewegt werden. Ob es sich dabei um einen langen entspannten Waldspaziergang oder eine rasante Mountainbike-Tour handelt, bleibt den eigenen Vorlieben überlassen.

      Immunabwehr stärken und Stress vermeiden: Die Immunabwehr kann jedoch noch zusätzlich gestärkt werden. Ein erholsamer Schlaf spielt dabei eine wichtige Rolle, genau wie die Vermeidung von Stress, da dieser das Immunsystem auf Dauer schwächen kann. Regelmäßige Saunagänge, etwa ein- bis zweimal die Woche helfen, den Organismus abzuhärten. Dieser wird so im Winter unempfindlicher gegen den ständigen Wechsel Wärme und Kälte.

    Fazit

    Um die Krankheits- und Verletzungsvorbeugung ranken sich in der Tat zahlreiche Mythen und nicht selten gestalten sich die Fakten etwas anders. Sei es beim Thema Impfungen, den umstrittenen Masernpartys oder den Folgen des vermehrten Einsatzes von Antibiotika. Fest steht, dass bestimmte Impfungen durchaus sinnvoll sind, Antibiotika im Ernstfall zurecht als Wundermittel gelten, jedoch auch negative Folgen mit sich bringen, genau wie die massenhafte Verwendung von Desinfektionsmitteln in den verschiedenen Lebensbereichen. Viel Bewegung, eine gesunde Ernährungsweise sowie eine ausreichende Hygiene sind nach wie vor der beste Schutz im Kampf gegen Infektionskrankheiten, genau wie das Aufwärmen, die richtige Technik sowie Schutzausrüstung beim Sport die besten Mittel zur Vorbeugung von Verletzungen sind.

     

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