Schielen (Strabismus) – Ursachen, Symptome und Therapie

Beim Schielen (Strabismus) kommt es zu einer Augenfehlstellung, die eines oder auch beide Augen betreffen kann, wodurch sich diese nicht mehr parallel zueinander ausrichten. Ausmaß und Form eines Strabismus können je nach Ursache sehr unterschiedlich sein. Leichte Ausprägungen führen dabei kaum zu Beschwerden, wohingegen eine starke Ausprägung schwerwiegende Sehbehinderungen provoziert. Lesen Sie im Folgenden, wie Schielen entsteht und wie es behandelt werden kann.

Entstehung des Schielens

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Der Augapfel besitzt seine eigene Muskulatur, die beim Sehen schnelle Augenbewegungen ermöglicht. Diese äußere Augenmuskulatur setzt hierbei direkt am Augapfel an und sorgt für eine Ruhigstellung der Augen während Körperbewegungen (z.B. Kopfdrehen). Für Größenänderungen der Pupille sowie die Regulierung der Brechkraft des Auges ist hingegen die innere Augenmuskulatur zuständig. Für ein einwandfreies räumliches Sehvermögen ist die Augenmuskulatur beider Augen zueinander in ihrer Bewegung parallel ausgeglichen. Nur wenn das Gleichgewicht der Augenmuskeln stimmt, verschmelzen die Seheindrücke beider Augen zu einem einzigen Bild (Fusion).

Beim Strabismus liegt nun ein Ungleichgewicht der Augenmuskulatur vor. Die Augen können Wahrnehmungen desselben Objekts darum nicht mehr fixieren. Dies bedeutet, dass sie ein jeweils abweichendes Bild produzieren. Schielt nur ein Auge, so ist das Gehirn meist imstande, dessen Seheindruck zu kompensieren, sodass es nicht zu Doppelbildern kommt. Dabei kann das unterdrückte Auge bei ausbleibender Behandlung allerdings eine massive Sehschwäche entwickeln (Amblyopie), die dann anderweitig zu Sehproblemen führt. In ausgeprägten Fällen des Schielens können sogar beide Augen vom muskulären Ungleichgewicht betroffen sein, wobei sie sich meist beide Augen einwärts (Innenschielen) oder auswärts (Außenschielen) richten. Insgesamt ist zwischen folgenden Schielformen zu unterscheiden:

  • Lähmungsschielen – durch eine einseitig gelähmte Augenmuskulatur ist nur eines der Augen imstande zu fixieren, während das andere einen Schielwinkel aufweist.
  • Begleitschielen – entweder schielen beide Augen abwechselnd, oder nur ein Auge weist eine Fehlstellung auf. Das Gehirn ist nicht imstande diese Fehlstellung zu kompensieren.
  • Mikrostrabismus – hierbei tritt ein kaum bemerkbares, aber dauerhaftes Innenschielen auf, das sich aber kaum auf das räumliche Sehvermögen auswirkt.

Ursachen für das Schielen

Ungleichgewichte der Augenmuskulatur, die zum Schielen führen, können durch verschiedene Faktoren hervorgerufen werden. Zum einen können bestimmte Formen von Strabismus genetisch bedingt sein. Andere können wiederum im Zuge von Verletzungen oder auch durch Vorerkrankungen erworben werden. Einzelheiten hierzu entnehmen Sie bitte nachfolgender Auflistung:

  • genetische Prädisposition: Die Veranlagung zum Strabismus ist vererbbar, und tritt vor allem beim Begleitschielen auf. Es handelt sich hier um genetisch bedingte Muskelschwächen innerhalb des Auges, wie sie etwa durch eine mitochondriale Myopathie entstehen. Die Gefahr schwerwiegender Schielformen ist hierbei deutlich höher, wenn bereits ein oder gar beide Elternteile entsprechende Sehstörungen oder Augenerkrankung aufweisen.
  • Erkrankungen: Schielen kann auch als Folge von Erkrankungen auftreten. So kann zum Beispiel eine unbehandelte Fehlsichtigkeit zur Entstehung eines Ungleichgewichts in der Augenmuskulatur beitragen. Ebenso kann es auch zur Lähmung der äußeren Augenmuskulatur durch Durchblutungsstörungen oder Entzündungen kommen. Mögliche Ursachen hierfür können Schlaganfälle, Tumore, Diabetes oder auch Blutgerinnsel sein.
  • Traumata und Stressbelastung: Eine Einschränkung der äußeren Augenmuskulatur kann auch im Zuge von Geburtsverletzungen oder nach Unfällen im Gesichtsbereich auftreten. Nicht zu unterschätzen sind zudem Stresseinflüsse, welche die Augenmuskeln schwächen. Neben einer Übermüdung der Augen, etwa durch lange Bildschirmarbeiten oder minuziöse Handarbeit kommen in diesem Zusammenhang auch Muskelschwächen durch Rausch- und Genussmittel wie Alkohol oder Drogen als Ursache des Schielens in Betracht.

Symptome bei Strabismus

Die durch einen Strabismus hervorgerufene Symptomatik ist stark von der jeweiligen Ausprägung des Schielens abhängig. Mikrostrabismus bzw. leichtes Innenschielen führt bei Betroffenen meist keinerlei Beschwerden herbei. Schwere Schielformen wie Begleitschielen oder Lähmungsschielen können hingegen Sehbehinderungen wie Doppelbildern hervorrufen, die auf Dauer unangenehme Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen und Schwindel begünstigen. Generell kann Strabismus mit folgenden Symptomen einhergehen:

  • Sehstörungen
  • Doppelbilder
  • Lichtempfindlichkeit
  • brennende Augen
  • Übermüdung
  • Kopfschmerzen
  • Augenschmerzen
  • Konzentrationsstörungen
  • Schwindel
Vorsicht! Achten Sie vor allem bei Kindern auf Symptome wie eine ungeschickte Motorik oder eine permanente Schiefhaltung des Kopfes, da diese oft auf eine Sehbehinderung hindeuten.

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Diagnose und Therapie bei Strabismus

Strabismus wird innerhalb einer augenärztlichen Untersuchung diagnostiziert, bei der Patienten zunächst auf Beschwerden und äußerliche Auffälligkeiten, wie dem Abweichen eines Auges von der Parallelachse, untersucht werden. Anschließend ermittelt der Augenarzt mit Hilfe verschiedener Sehtests, ob ein Schielen vorliegt, welches Auge betroffen ist und wie stark sich das Schielen zeigt (Schielwinkel). Zur Beurteilung eines Schielens bei Kleinkindern werden dabei der Hirschberg-Test und der Brückner-Test angewandt. Durch die Tests lassen sich die Lichtreflexe beider Augen testen. Sind diese unterschiedlich, so liegt ein Schielen vor. Ergänzend ist meist ein Abdecktest nötig, der die Augenbewegung ersichtlich macht.

Wurde ein Strabismus erkannt, so erfolgt die Therapie mit dem Ziel einer Korrektur der Augenfehlstellung. Erwachsene, die ein latentes Schielen aufweisen, müssen meist nicht behandelt werden, solange es nicht zu Beschwerden kommt. Ansonsten erfolgt die Therapie zunächst mit konservativen Methoden. Besonders ausgeprägte Formen des Schielens verlangen hingegen oft nach spezielleren Therapiemaßnahmen:

  • Brillenkorrektur: Durch den Einsatz einer Brille können nicht nur Sehbehinderungen behoben, sondern auch Einfluss auf die Stellung der Augen genommen werden. Ein geringer Schielwinkel wie er für Mikrostrabismus, also leichtes Innenschielen typisch ist, lässt sich auf diese Weise meist ausgeglichen. Außerdem lassen sich in Brillen spezielle Prismengläser einsetzen, die der Unterbindung von Doppelbildern dienen.
  • Fusionsschulung: Bei einem schwach ausgeprägten Strabismus kann durch gesondertes Augentraining die Fähigkeit des Gehirns geschult werden, Doppelbilder zu einem Einzelbild zusammenzuführen. Auch hier sind in der Regel nur leichte Formen des Mikrostrabismus, beziehungsweise des leichten Außen- oder Innenschielens korrigierbar.
  • Okklusion: Durch das Abdecken des gesunden, nicht schielenden Auges wird das vom Strabismus betroffene Auge gezwungen zu fixieren. Dies wird über mehrere Monate mit einem Pflaster oder auch speziellen Folien für Brillengläser vorgenommen. Insbesondere bei Kindern führt eine Okklusion häufig zu einer Verbesserung der Sehschärfe des schielenden Auges.
  • Operation: Durch eine chirurgische Korrektur der zur Fehlstellung führenden Augenmuskulatur kann starkes Schielen häufig vollständig korrigiert werden. Hierbei wird die äußere Augenmuskulatur abhängig von der Strabismus-Art gekürzt oder auch verlagert, sodass nach dem Eingriff beide Augen wieder parallel zueinander ausgerichtet sind.
Wichtig: Vor allem bei Kindern muss eine Behandlung frühzeitig erfolgen, da es ansonsten zu irreparablen Sehstörungen kommen kann!

Schielen – Verlauf, Komplikationen und Prävention

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  • Begleitschielen kann sich innerhalb der ersten Lebensjahre chronisch manifestieren, wodurch das schielende Auge in der Folgezeit eine starke Sehschwächung erfährt. Diese kann später nicht mehr korrigiert werden und zu lebenslangen Einschränkungen führen, da kein räumliches Sehen mehr möglich ist! Der Erfolg der Behandlung ist bei einem Strabismus daher abhängig von einer frühzeitigen Diagnose und Therapie.
  • Schielen kann nicht vorgebeugt werden, da es in der Mehrzahl der Fälle durch genetische Veranlagung entsteht. Um eine durch Strabismus hervorgerufene Fehlsichtigkeit zu verhindern können aber frühzeitig korrigierende Maßnahmen ergriffen werden. Hierzu sollten vor allem Kleinkinder regelmäßig innerhalb einer augenärztlichen Kontrolle untersucht werden, damit ein vorliegendes Schielen rechtzeitig erkannt und behandelt werden kann.

Fazit

Schielen kann an einem oder auch an beiden Augen auftreten und wird von einem Ungleichgewicht innerhalb der Augenmuskulatur hervorgerufen. Das schielende Auge weicht dabei von der Parallelachse ab, und ist meist nicht in der Lage dasselbe Objekt wie das gesunde Auge zu fixieren. Schielen kann ihn jungen Jahren gut behandelt werden, wobei eine frühzeitige Therapie entscheidend für den Behandlungserfolg ist. Hat sich der Strabismus hingegen erst einmal manifestiert, sind vollständige Korrekturen meist nur noch durch operative Eingriffe möglich.

 

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