Magengeschwür – Ursachen und Gegenmittel

Mit jährlich zwischen 50.000 und 100.000 auftretenden Fällen pro Jahr in Deutschland repräsentiert das Magengeschwür hierzulande eine der häufigsten Erkrankungen unseres Verdauungstraktes. Der Großteil der Betroffenen ist über 40 Jahre alt und entwickelt im Laufe ihres Lebens wiederkehrende Geschwüre. Mögliche Ursachen können im Lebensstil begründet sein oder im Dauergebrauch bestimmter Schmerzmittel liegen. In der Mehrheit der Fälle liegt darüber hinaus eine Infektion mit Bakterien, genauer: Helicobacter Pylori, vor. Diese führt jedoch nicht automatisch zur Entwicklung von Krankheiten – 50 Prozent der gesunden Bundesbürger tragen H. pylori in sich und erleiden darunter keine Beschwerden. Wie Sie der Geschwürbildung vorbeugen und bei welchen Symptomen Sie einen Arzt aufsuchen sollten, erfahren Sie hier:

Was ist ein Magengeschwür?

Magengeschwüre bilden sich häufig im Antrum, dem unteren Teil des Magens vor dem Übergang zum Zwölffingerdarm, Quelle: © lom123 – Fotolia.com

Mediziner bezeichnen eine Verletzung der Magenschleimhaut als Magenulkus oder ulcus ventriculi – im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet man dagegen eher den Begriff Magengeschwür. Häufig tritt es im Antrum, dem Bereich des Überganges zum Magenpförtner (Pylorus) auf, welcher wiederum den Schließmuskel zum Zwölffingerdarm (Duodenum) bildet. Das Geschwür erscheint zumeist als runder Defekt in der Magenwand, der zunächst einen flachen Rand aufweist; bei länger bestehenden Geschwüren wirkt das Umfeld durch Vernarbung aufgeworfen. Wenn das Geschwür abheilt, bleibt eine Narbe in der Magenwand zurück, aus der Bewegungsstörungen des Verdauungsorgans entstehen können. Geschwüre im Magen treten nach dem 40. Lebensjahr überdurchschnittlich oft auf und betreffen Männer und Frauen gleichermaßen. Wesentlich häufiger als ein Magenulkus ist allerdings das Zwölffingerdarmgeschwür (ulcus duodeni): Es hat eine dreifach so hohe Rate an Erkrankungen in der Bevölkerung und kommt dabei unter Männern dreimal so oft vor wie bei Frauen.

Wie entsteht ein Magenulkus?

Prinzipiell kann sich ein Schaden in der Magenschleimhaut entwickeln, wenn im Verdauungsorgan ein Ungleichgewicht zwischen aggressiven Faktoren und den Schutzmechanismen des Magens entsteht. Schädigend wirken dabei ein Magensäureüberschuss und das Vorhandensein chronischer Entzündungen. Die Bildung einer säureresistenten Schleimschicht sowie eine ausreichende Durchblutung der Magenwand schützen dagegen vor der Bildung eines Geschwürs.

Welche Ursachen rufen ein Magengeschwür hervor?

Die Faktoren, die zur Verletzung der Magenschleimhaut beitragen, sind vielfältig. In der Praxis treten zumeist nicht einzeln, sondern in Kombination auf:

  • Gastritis: Eine chronische Magenschleimhautentzündung (Gastritis) wird einerseits durch Bakterien, andererseits durch Autoimmunreaktionen, Medikamente oder toxische Substanzen hervorgerufen. Besteht die Entzündung über einen längeren Zeitraum, stellt die Geschwürbildung eine der häufigsten Komplikationen dar.
  • Medikamente – NSAR: Eine Dauermedikation mit Schmerzmitteln aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika erhöht das Risiko von Geschwüren und Magenblutungen um ein Vielfaches. Zu den NSAR gehören frei verkäufliche Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Diclofenac. Indem NSAR die Produktion entzündungsfördernder Gewebshormone (Prostaglandine) hemmen, wirken sie im Allgemeinen schmerzstillend und entzündungshemmend. Auf der anderen Seite schützen Prostaglandine allerdings den Magen, indem sie die Schleimproduktion stimulieren, die Durchblutung fördern und die Säureproduktion herabsetzen. Eine Einnahme, die den Zeitraum von wenigen Tagen überschreitet, sollten Sie daher stets mit Ihrem Arzt besprechen. Im Normalfall sollte die Gabe von NSAR stets mit der Verschreibung eines Magensäurehemmers (Protonenpumpenhemmers) einhergehen.
  • Medikamente – Glucocorticoide: Werden NSAR mit Medikamenten aus der Gruppe der Glucocorticoide (Cortison) kombiniert, erhöht sich die Gefahr der Entwicklung eines Geschwürs um das 16-fache. Glucocorticoide setzen Fachleute zur Behandlung von Allergien oder Asthma sowie Haut- und Schleimhautentzündungen ein.
  • Alkohol: Der regelmäßige Konsum von Alkohol reizt die Magenschleimhaut und trägt auf diese Weise zur Entstehung eines Magenulkus bei.
  • Zigaretten: Rauchen übt einen Reiz auf den Vagusnerv aus, der wiederum zu einer erhöhten Säureausschüttung im Magen führt.
  • Hyperparathyreoidismus: Im Rahmen einer Regulationsstörung der Nebenschilddrüsen kommt es zur vermehrten Bildung des Nebenschilddrüsenhormons (Parathormon). Infolge wird überdurchschnittlich viel Gastrin ausgeschüttet, welches als Peptidhormon des Magens die Produktion von Magensäure stimuliert. Dies trägt zur Entwicklung eines Ulkus bei.
  • Zollinger-Ellison-Syndrom: Im Rahmen dieser Begleiterscheinung von Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder des Dünndarmes kommt es ebenfalls zur erhöhten Gastrinproduktion. Diese regt den Magen zur Bildung von Säure an und erhöht die Gefahr einer Geschwürbildung.
  • Dieulafoy-Ulcus: Hierbei handelt es sich um eine seltene Form des Magengeschwürs, die sich infolge einer angeborenen Gefäßfehlbildung entwickelt. Eine Arterie in der Magenwand ist dabei bis auf das Zehnfache ihres üblichen Durchmessers geweitet und stört die Motorik der Magenwand.
  • Helicobacter Pylori: Bei über 90 Prozent der Patienten mit einem Zwölffingerdarmgeschwür und 75 Prozent der Betroffenen mit einem Magenulkus wird das Bakterium H. Pylori nachgewiesen. Es trägt wesentlich zur Entwicklung der Erkrankungen bei, indem es chronische Entzündungen der Schleimhaut auslöst.
  • Stress: Psychische Belastungen, Stress und Depressionen gelten als eigenständiger Risikofaktor für die Entwicklung eines Geschwürs in der Magenwand. Patienten, die schwere Unfälle erlebt haben und größere Operationen hinter sich haben, erhalten deshalb in der Regel eine präventive Medikation mit Magensäurehemmern.
Neben Stress stellen Genussmittel, Schmerzmittel und bestehende Krankheiten mögliche Ursachen für einen Magenulkus dar, Quelle: ©gesundheits-fakten.de

Symptome eines Magengeschwürs

Betroffene erleben häufig folgende Symptome:

  • Schmerzen im Oberbauch (sogenannte epigastrische Schmerzen), die sich während oder nach der Nahrungsaufnahme verstärken. Die Schmerzempfindung strahlt dabei in manchen Fällen Richtung Unterbauch, Brustbein oder Rücken aus. Im Gegensatz dazu verspüren Patienten mit einem Zwölffingerdarmgeschwür die Schmerzen insbesondere im nüchternen Zustand.
  • Unverträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel; zumeist bei sehr säurehaltigen Speisen
  • Erbrechen und Übelkeit
  • Gewichtsverlust

Insbesondere wenn eingenommene Schmerzmittel (NSAR) die Symptome überdecken, verläuft eine Geschwürentwicklung zunächst mit wenig Beschwerden. Bei 30 Prozent der Betroffenen wird das Geschwür erst durch auftretende Komplikationen bemerkt. Diese äußern sich in:

  • Teerstuhl: Durch das Geschwür kommt es zu Blutungen, die den Stuhl schwarz verfärben. Ob dunkler Kot tatsächlich Blut enthält, können Ärzte per Hämoccult-Test bestimmen.
  • Bluterbrechen: Treten starke Blutungen im Magen auf, erbrechen die Betroffenen Magensaft, in dem sich die Blutpartikel als braun-schwarze Partikel zeigen. Aufgrund des Erscheinungsbildes sprechen Fachleute das Phänomen als Kaffeesatz-Erbrechen an.

Das Erbrechen von Blut (Hämatemesis) stellt eine medizinische Notfallindikation dar, bei deren Auftreten Sie sofort einen Arzt oder Notarzt kontaktieren sollten!

Diagnose

Eine zweifelsfreie Diagnose kann allein durch eine Magenspiegelung erfolgen, innerhalb derer eine Gewebeprobe entnommen wird. Durch Analyse der Biopsie kann ein Magenkarzinom ausgeschlossen werden, das mit dem bloßen Auge nicht von einem Geschwür differenzierbar ist. Darüber hinaus lässt sich auf diese Weise die mögliche Infektion durch Helicobacter-Bakterien feststellen. Wenn Patienten eine Magenspiegelung verweigern, bleibt die Möglichkeit, durch einen Atemtest oder einen Antikörpertest die Existenz von Helicobacter Pylori nachzuweisen.

Liegt ein Geschwür ohne Helicobacter und ohne die Einnahme von NSAR vor, dient die Bestimmung des Gastrin-Spiegels zur Diagnose oder Ausschluss des Hyperparathyreoidismus und des Zollinger-Ellison-Syndroms.

Behandlung eines Magengeschwürs

Die geeignete Therapie ist abhängig von dem jeweiligen Stadium der Erkrankung. Liegt zunächst eine Schleimhautreizung ohne Geschwür vor, können präventive Maßnahmen im Spektrum einer natürlichen Therapie seine Entwicklung verhindern. Bei bereits entwickelten Geschwüren ist eine Behandlung mit Medikamenten angezeigt – kommt es zu Komplikationen, muss unter Umständen operiert werden.

Natürliche Therapie und Hausmittel

  • Gesunde Ernährung – eine magenschonende Kost beugt auf natürliche Weise der Reizung der Magenschleimhaut vor. Hierbei sollten Sie vor allem auf scharf gewürzte, gebratene und frittierte Speisen verzichten. Eine magenfreundliche Ernährung sorgt sogar ziemlich schnell für eine Besserung der Symptome, jedoch dauert es bis zur Ausheilung eines Magengeschwürs.
  • Verzicht auf Alkohol und Nikotin – die sogenannten Genussmittel gelten als Hauptfaktoren für eine gereizte Magenschleimhaut, insbesondere dann, wenn sie regelmäßig auf nüchternen Magen konsumiert werden.
  • Stressabbau – körperliche und psychische Entspannung sorgt für einen Ausgleich im vegetativen Nervensystem, das wesentlich zur Steuerung unserer Verdauungsorgane beiträgt. Yoga, Meditationstechniken oder autogenes Training können sich bei einem nervösen Magen als hilfreich erweisen und der Entwicklung weiterer Krankheiten vorbeugen.
Erkrankungen des Verdauungssystems wie ein Magenulkus entstehen häufig unter Einfluss von vegetativem Stress. Dieser lässt sich durch Meditation, Yoga und Entspannungstechniken wirksam abbauen, Quelle: ©Pexels/pixabay.com

Schulmedizinische Therapie und Arzneimittel

  • Absetzen geschwürfördernder Medikamente – liegt bereits eine Reizung der Magenschleimhaut vor, sollte die Therapie mit NSAR beendet werden; im Absprache mit dem Arzt kann stattdessen ein magenschonenderes Schmerzmedikament, z.B. Metamizol (Novalgin), verordnet werden.
  • Therapie mit Magensäurehemmern – Geschwüre, die nicht von einer Helicobacter-Infektion begleitet werden, behandeln Mediziner standardmäßig durch die Gabe von Protonenpumpenhemmern (Omeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol). Sie behindern die Abgabe von Wasserstoffionen (H+) in den Magen, die zur Bildung von der im Magensaft wesentlich enthaltenen Salzsäure (HCl) essenziell sind.
  • Behandlung von H.-Pylori-Infektionen – als wirksame Therapie gegen den Magenkeim gilt hierzulande die Behandlung mit dem sogenannten italienischen Triple. Dabei erhält der Patient eine Woche lang einen Protonenpumpenhemmer in Kombination mit den Antibiotika Clarithromycin und Metronidazol.

Operative Therapie

  • Stillen von Blutungen und Vernähen einer Perforation – entwickelt sich eine durch ein Geschwür verursachte Blutung, wird zunächst endoskopisch versucht, sie durch Verkleben oder Abschnüren (Ligatur) des Gefäßes zu stillen. Operationen werden nötig, wenn die Blutung im Rahmen einer Magenspiegelung nicht in den Griff zu bekommen ist bzw. wenn es zu einem Durchbruch der Magenwand kommt. In diesem Fall können in den Bauchraum austretende Magensäure und Speisereste zu einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung führen. Im Fall der Perforation der Magenwand wird der Teil des Geschwürs operativ entfernt und die Öffnung in der Magenwand wieder vernäht.

Forschungsansätze

Für einige natürliche Inhaltsstoffe belegen wissenschaftliche Studien, dass sie in der Lage sind, der Entwicklung von Geschwüren der Magenschleimhaut vorzubeugen oder sie zu verhindern.

  1. Moringablätter beugen Geschwüren vor
    Im Tierversuch erzeugten Wissenschaftler bei Ratten durch Acetylsalicylsäure Magengeschwüre. Die Versuchstiere, die parallel dazu einen Extrakt aus Moringablättern erhielten, blieben gesund. Eine maximale Präventivwirkung ging dabei von einer Dosis von 300mg Extrakt pro Kilo Körpergewicht aus. Moringa moduliert laut Angabe der Forscher die Serotoninausschüttung und schützt auf diese Weise die Magenschleimhaut.(1)
  2. Moringawurzelextrakt steigert Magen-PH-Wert
    Als Forscher mittels Ethanol bei Versuchsratten eine Geschwürbildung induzierten, konnte die gleichzeitige Gabe von Moringawurzelextrakt diese signifikant aufhalten. Eine Dosis von 500mg pro Kilogramm Körpergewicht führte zu einem messbaren Anstieg des PH-Wertes des Mageninhalts und hemmte auf diese Weise die Entwicklung von Geschwüren.(2)
  3. Capsaicin wirkt präventiv gegen Geschwüre der Magenwand
    Innerhalb mehrerer Studien stellten Forscher fest, dass die Empfehlung, auf scharfes Essen zu verzichten, nur bedingt gilt, wenn man Geschwüren vorbeugen möchte. Capsaicin, die scharfe Substanz in Chilischoten hemmt signifikant die Produktion von Magensäure und stimuliert die Bildung von alkalischem Schleim. Darüber hinaus regt es die Magendurchblutung an und wirkt so ebenfalls präventiv gegenüber einer möglichen Geschwürbildung.(3)

Fazit

Ein Magengeschwür gehört im Normalfall nicht zu den Krankheiten, die plötzlich auftreten – bereits im Vorfeld verursacht eine starke Schleimhautreizung Beschwerden, die Sie beim Arzt abklären lassen sollten. Wenn Sie Ihren Lebensstil anpassen, lässt sich in diesem Moment viel tun, um die Bildung eines Geschwürs abzuwenden. Besondere Vorsicht sollten Sie bei der Einnahme von Schmerzmitteln walten lassen. Da Aspirin, Ibuprofen und Diclofenac frei verkäuflich sind, wird eine Unbedenklichkeit suggeriert – tatsächlich beinhaltet ihre unsachgemäße Einnahme ein erhebliches Risiko für das Auftreten von Magenblutungen und Geschwüren.

 

Quellenverzeichnis   [ + ]

1. Debnath S, Biswas D, Ray K, Guha D. Moringa oleifera induced potentiation of serotonin release by 5-HT(3) receptors in experimental ulcer model.Phytomedicine. 2011 Jan 15;18(2-3):91-5. doi: 10.1016/j.phymed.2010.06.003. Epub 2010 Jul 16. PubMed PMID: 20637582
2. Choudhary MK, Bodakhe SH, Gupta SK. Assessment of the antiulcer potential of Moringa oleifera root-bark extract in rats. J Acupunct Meridian Stud. 2013 Aug;6(4):214-20. doi: 10.1016/j.jams.2013.07.003. Epub 2013 Jul 27. PubMed PMID: 23972244
3. Satyanarayana MN. Capsaicin and gastric ulcers. Crit Rev Food Sci Nutr.
2006;46(4):275-328. Review. PubMed PMID: 16621751

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