skip to Main Content
Menü

Atemdepression (Bradypnoe) – Ursachen, Symptome, Therapie

Quelle: © M.Dörr & M.Frommherz – Fotolia.com

Als Atemdepression (krankhafte Bradypnoe) wird in der Medizin eine zunehmend verlangsamte oder abgeflachte Atmung bezeichnet. Wenngleich Patienten hier für gewöhnlich keine Atemnot verspüren, ist die Bradypnoe auf Dauer sehr gefährlich, da die geringe Atemfrequenz zu einem anhaltenden Sauerstoffmangel in Blut und Organen führt. Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie eine Atemdepression entsteht und was sich zur Verbesserung der Atmung unternehmen lässt.

Wie entsteht eine Atemdepression?

Die Atemfunktion unserer Lunge (Pulmo) erfolgt durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Muskeln, die gemeinsam die sogenannte Atemmuskulatur stellen. Vor allem die Zwerchfellmuskulatur ist hier für die Atemfunktion von besonderer Bedeutung. Ihre Bewegungen werden durch das im Gehirn befindliche Atemzentrum gesteuert, das einen besonderen Zellverbund im Zentralnervensystem darstellt.

Besagte Nervenzellen sorgen beim Einatmen dafür, dass sich das Zwerchfell (Diaphragma) anspannt und auf diesem Weg eine Ausdehnung des Brustkorbs herbeiführt. Hierdurch entsteht in der Pleurahöhle (Cavitas pleuralis), einem Spaltraum zwischen Brustfell (Pleura) und Lunge, ein Unterdruckverhältnis, das die Lungenflügel förmlich dazu zwingt, sich mitauszudehnen und über die Luftröhre (Trachea) Luft aus der Umgebung anzusaugen. Nach dem Einatmen erschlafft das Zwerchfell schließlich, wodurch sich die Lungenflügel wieder zusammenziehen und die in ihnen enthaltene Luft ausstoßen.

Für einen geregelten Atemvorgang muss das hirneigene Atemzentrum also sicherstellen, dass sich das Zwerchfell in regelmäßigen Intervallen an- und entspannt. Ein Erwachsener tätigt auf diese Weise zwischen 16 und 20 Atemzüge pro Minute. Bei einer krankhaften Bradypnoe sinkt die Atemfrequenz dagegen dauerhaft auf weniger als 10 Atemzüge pro Minuten. Die Muskulatur des Zwerchfells wird demnach durch bestimmte Störungen (z.B. Nerven- oder Muskelerkrankungen) von ihrer An- und Entspannungsroutine abgehalten. Unterscheiden lässt sich hier zwischen folgenden Formen:

  • zentrale Atemdepression – die krankhafte Bradypnoe wird durch Störungen im zentralen Nervensystem verursacht und beruht somit auf einer direkten Beeinträchtigung des Atemzentrums
  • periphere Atemdepression – die krankhafte Bradypnoe liegt in der Periphere, was bedeutet, dass die Ursachen außerhalb des Zentralnervensystems und damit außerhalb des Atemzentrums liegen
Wissenswertes: Abzugrenzen ist die Atemdepression von der Hypoventilation und Hyperventilation. Am ehesten ist krankhafte Bradypnoe hier noch mit der Hypoventilation zu vergleichen, bei der es durch eine gestörte oder verlangsamte Atmung zu einer verminderten Lungenbelüftung kommt. Hyperventilation ist hingegen das genaue Gegenteil von Hypoventilation, denn bei ihr kommt es durch eine abnormal beschleunigte Atmung zu einer Mehrbelüftung der Lunge.

Ursachen einer krankhaften Bradypnoe

Quelle: © RFBSIP – Fotolia.com

Eigentlich ist eine Bradypnoe nicht generell als Erkrankung der Atemwege zu verstehen. Zum Beispiel tritt sie in der REM-Schlafphase, ebenso wie bei tiefer Meditation, völlig natürlich auf. Die Atmung ist hier ohne bestimmte Krankheitsursache, sondern durch Tiefenentspannung der Atemmuskulatur verlangsamt. Anders sieht es bei einer krankhaften Bradypnoe aus, wobei hierfür folgende Ursachen in Frage kommen:

  • Atemwegserkrankungen: Vor allem bei entzündlichen Erkrankungen der Lunge, klassischerweise bei der Lungenentzündung, kann es zu einer krankheitsbedingt herabgesetzten Atemfunktionalität kommen. Ebenso ist das Schlaf-Apnoe-Syndrom als Ursache denkbar. Dabei entsteht im Schlaf eine unnatürliche Verengung des oberen Rachens, die neben einer Atemdepression auch zum Atemstillstand durch komplette Atemlähmung führen kann. Leitsymptome der Erkrankung sind vor allem ein wenig erholsamer Schlaf, Tagesmüdigkeit und häufiges Erwachen in der Nacht.
  • ungeeignete Atemtechnik: Eine falsche Atemtechnik kann dazu führen, dass die Atmung generell nur ungenügend erfolgt. So können zum Beispiel unzureichend tiefe Atemzüge zur Gewohnheit werden, was in Folge eine Bradypnoe durch anhaltenden Sauerstoffmangel provoziert.
  • neurologische Erkrankungen: Die Myasthenia gravis, eine durch Antikörper verursachte Erkrankung, beruht auf einer neuromuskulären Übertragungsstörung, durch die Nervenreize nicht oder nur unvollständig auf den Muskel übertragen werden können. Die Folge ist eine Muskelschwäche, die bei Mitbeteiligung der Zwerchfellmuskulatur eine periphere Bradypnoe auslösen kann. Bei zentralen Atemdepressionen kommen wiederum neurologische Erkrankungen in Frage, die eine Nervenlähmung oder Nervenentzündung im Bereich des Atemzentrums zur Folge haben.
  • Muskelerkrankungen: Muskelerkrankungen, welche die Atemmuskulatur betreffen, können ebenfalls zur Entstehung der Krankheit beitragen. Als Beispiel lässt sich hier Morbus Pompe nennen. Die Erbkrankheit verursacht eine Muskelschwäche, die auch das Zwerchfell betrifft und somit den wichtigsten Atemmuskel in seiner Funktion behindert.
  • Verletzungen: Als verletzungsbedingte Ursachen kommen vor allem Nervenverletzungen und Verletzungen der Atemmuskulatur (z.B. durch Unfälle im Bereich Brustkorbs) in Frage. Verletzungen im Kopfbereich führen dagegen meist zu Schäden am Zentralnervensystem, was die Entstehung einer zentralen Atemdepression begünstigt. Denkbar ist hier zum Beispiel ein Schädel-Hirn-Trauma, bei dem das Atemzentrum des Gehirns beschädigt wird.
  • Durchblutungsstörungen: Gehirninterne Gefäßerkrankungen verringern die Durchblutung des Atemzentrums enorm. Auch erhöhen sie das Risiko eines Hirninfarkts, bei dem es zu einem Untergang von Hirngewebe in Folge einer Minderdurchblutung des Gewebes kommt. In Lungen- oder Zwerchfellnähe sorgen Durchblutungsstörungen zudem für eine gestörte Muskelfunktion, was ebenfalls die Atemfähigkeit negativ beeinflussen kann.
  • Intoxikation: Zahlreiche Giftstoffe, darunter Alkohol, Umweltgifte sowie Tier- und Pflanzengifte, können Störungen des Atemzentrums begünstigen. Darüber hinaus ist Medikamentenmissbrauch (z.B. durch Opiate wie Morphin) dafür bekannt, Vergiftungen hervorzurufen, die in Folge eine Atemdepression oder gar eine bedrohliche Atemlähmung auslösen.
  • Medikamente: Muskelrelaxantien sind Medikamente, die eine Entspannung der Skelettmuskulatur herbeiführen. Der Muskeltonus, also die Spannung des Muskels, wird durch die Arzneimittel folglich herabgesetzt. Bei einer Überdosierung von Muskelrelaxantien kommt es unter Umständen zu einer derart starken Muskelentspannung, dass sich die fürs Einatmen notwendige Zwerchfellmuskulatur nicht mehr ordnungsgemäß anspannen kann. Selbst eine vollständige Atemlähmung und damit ein Atemstillstand ist bei diesem Szenario denkbar. Mit Blick auf eine zentrale Atemdepression kommen weitere Arzneimittelgruppen, etwa Opioide wie Morphin, Barbiturate, Sedativa und Anästhetika für Störungen im Atemzentrum in Betracht.

Symptome bei krankhafter Bradypnoe

Die Symptomatik einer Atemdepression ist recht eindeutig. Neben der verlangsamten Atmung, die das Leitsymptom darstellt, können vor allem folgende Symptome auftreten:

  • Schlafstörungen
  • Zyanose durch geringem Sauerstoffanteil im Blut
  • Erhöhter Anteil von CO2 im Blut
  • Antriebslosigkeit
  • Kraftlosigkeit
Achtung: Eine Atemdepression muss immer ärztlich behandelt und überwacht werden. Gehen Sie bei entsprechenden Beschwerden also bitte sofort zum Arzt.

Diagnose und Behandlung von Atemdepressionen

Quelle: © AK-DigiArt – Fotolia.com

Zur Feststellung der Erkrankung sind vor allem das Leitsymptom der verringerten Atemfrequenz sowie die Vorgeschichte des Patienten ausschlaggebend. Wichtig ist, die krankhafte Bradypnoe zuverlässig von einer banalen Kreislaufschwäche zu unterscheiden. Hierbei helfen Untersuchungsverfahren wie die Sauerstoff- und Kohlendioxidmessung im Blut. Auch ein Atemfunktionstest kann dem behandelnden Arzt weitere Anhaltspunkte liefern.

Um die Ursachen einer Atemdepression ausfindig zu machen, können im Anschluss gezielte CT- und MRT-Aufnahmen dabei helfen, Muskel- und Nervenschäden zu entdecken. Zur Behandlung der Atemdepression stehen dann folgende Maßnahmen zur Verfügung.

  • Überwachung des Patienten: Der Patient muss in jedem Falle permanent überwacht werden. Vor allem die Atemfrequenz und der Wachzustand des Patienten sind hierbei von Bedeutung. Zudem sollte der Patient immer wieder zum tiefen Einatmen aufgefordert werden, wenn er dieses aus gewohnter Routine heraus vergisst.
  • medikamentöse Therapie: Die medikamentöse Therapie richtet sich bei Atemdepressionen nach der jeweiligen Ursache. Denkbar ist beispielsweise die Gabe von Naloxon als Gegenmittel bei einer durch Opioide ausgelösten Atemdepression. Ebenso können entzündungshemmende oder antibiotische Wirkstoffe zum Einsatz kommen.
  • Atemtraining: Vor allem bei einer Atemdepression, die durch eine fehlerhafte Atemtechnik oder durch Erkrankungen der Atemwege ausgelöst wurde, muss dem Patienten eine korrekte Atemtechnik vermittelt werden. Eine entsprechende Übungstherapie muss Betroffenen vor allem geeignete Techniken vermitteln, die ausreichend tiefe und regelmäßige Atemzüge gewährleisten.
  • künstliche Beatmung: Kann der Patient die Atemfunktion überhaupt nicht mehr selbst übernehmen, so ist eine künstliche Beatmung durch geeignete Beatmungsgeräte notwendig. Ansonsten könnte es zu einem lebensgefährlichen Sauerstoffmangel im Gehirn kommen. Die künstliche Beatmung hat in solch einem Fall Vorrang vor der Ursachenfindung, die erst erfolgen kann, wenn die Sauerstoffversorgung des Patienten gesichert ist.

Atemdepression – Verlauf, Komplikationen und Prävention

  • Die Atemdepression stellt an sich schon eine medizinische Komplikation dar, die in jedem Falle ärztlich behandelt und überwacht werden muss. Das Ziel der Behandlung ist es, den regelrechten Ablauf der Atmung wiederherzustellen. Ob die krankhafte Bradypnoe vollständig abklingt oder nicht, ist von der erfolgreichen Behebung der zugrundeliegenden Ursachen abhängig.
  • Komplikationen können abhängig von der Ursache zahlreich auftreten. Im schlimmsten Falle kommt es zum Tod des Patienten durch Ersticken, falls die Ursache nicht ermittelt oder nicht behoben werden kann.
  • Vorbeugen lässt sich sehr begrenzt, indem Intoxikationen durch Giftstoffe und bestimmte Arzeinmittelgruppen nicht bewusst herbeigeführt werden. Des Weiteren kann das Vermeiden von Lungenerkrankungen durch den Verzicht auf das Rauchen und das Anwenden einer korrekten Atemtechnik indirekt präventiv wirken.

Fazit

Die Symptome einer Atemdepression mögen zunächst an eine vermeintliche Kreislaufschwäche erinnern. Tatsächlich deuten sie aber auf eine Minderversorgung lebenswichtiger Organe mit Sauerstoff hin. Es ist deshalb wichtig, entsprechende Beschwerden ernst zu nehmen, auch wenn keine Schmerzsymptome vorliegen. Durch eine geeignete Behandlung kann die Atemfunktionalität dann oftmals wiederhergestellt werden.

Back To Top