Montag, Juni 17, 2019

Herzinfarkt

Herzinfarkt – Ursachen, Symptome, Therapie

In Deutschland erleiden jährlich bis zu 300.000 Patienten einen Herzinfarkt (Myokardinfarkt). Laut Angaben der Deutschen Herzstiftung enden gut 54.000 dieser Fälle tödlich. Der Infarkt stellt somit hierzulande eine der häufigsten Todesursachen dar, wobei Männer deutlich häufiger betroffen sind als Frauen. Ähnlich auffallend ist auch, dass es sich bei den besonders schwer von Herzinfarkt gezeichneten Ländern fast ausschließlich um Industrienationen handelt.

Was genau ist ein Herzinfarkt? – Einzelheiten zum Myokardinfarkt

Ein Myokardinfarkt ereignet sich immer dann, wenn das Zellgewebe des Herzmuskels (Myokard) partiell versagt und in Folge abstirbt. Zurück zu führen ist der Zelltod hierbei auf eine permanente Durchblutungsstörung (Ischämie) des Gewebes. Sie wird meist durch bereits bestehende Herz- und Gefäßkrankheiten ausgelöst. Hierzu zählen vor allem:

  • Arterienverkalkung (Arteriosklerose)
  • Blutgerinnsel (Thromben)
  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
  • Erkrankung der Herzkranzgefäße (Koronare Herzkrankheit)
  • Herzinnenhautentzündung (Endokarditis)
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

Wichtig: Bei jedwedem Verdacht auf einen Herzinfarkt sollten Sie umgehend einen Notarzt rufen! Eine genaue Klassifizierung kann nur durch ein EKG in fachärztlicher Betreuung vorgenommen werden. Zudem müssen schnellst möglich medizinische Vorkehrungen getroffen werden, die einen wiederholten Infarkt verhindern.

Ursachen für einen Herzinfarkt

© hriana - Fotolia.com
© hriana – Fotolia.com

Wie bereits erwähnt können Vorerkrankungen des Herzmuskels oder der Herzkranzgefäße bei der Entstehung des Herzinfarktes eine entscheidende Rolle spielen. Diese können, wie etwa im Falle von Bluthochdruck, mitunter erblich bedingt sein. Allerdings stehen die Krankheiten ebenso häufig mit der Lebensweise der Betroffenen in Verbindung. Gerade die Alltagsgewohnheiten in Industrienationen begünstigen das Entstehen von Herzproblemen, was die hohe Anzahl an Infarktpatienten in entsprechenden Ländern erklärt. Hier ein kleiner Überblick zu den größten Risikofaktoren:

 

ungesunde Ernährung: Zu fettes oder zuckerhaltiges Essen hat nicht nur Auswirkungen auf die Figur. Daneben verursachen die Lebensmittel auch irreparable Schäden an Arterien und Gefäßen. So kann es beispielsweise zu übermäßigen Plaqueablagerungen an den Gefäßwänden kommen, welche in Folge zu Arterienverkalkung oder Bluthochdruck führen. Eine gestörte Durchblutung des Herzmuskels oder gar ein Herzinfarkt ist dann nicht mehr auszuschließen.

selbst verschuldeter Bluthochdruck: Es heißt, das Herzinfarktrisiko von Cholerikern sei wesentlich höher, als das ausgeglichener Menschen. Zu Recht, denn was einen cholerischen Patienten ausmacht sind chronische Wutausbrüche, die den Blutdruck in die Höhe treiben. ‚Siedendes Blut‘ begünstigt demnach das Auftreten eines Herzinfarktes enorm. Eine 2006 erhobene Studie belegte sogar, dass das emotionale Mitfiebern bei einem Fußballspiel bluthochdruckfördernde Eigenschaften besitzt und dadurch einen Herzinfarkt verursachen kann. Allerdings muss der Bluthochdruck nicht zwingend durch Tobsuchtsanfälle verursacht sein. Ebenso kommen andere Gründe für die Hypertonien in Frage (z.B. Fehlernährung oder genetische Dispositionen).

emotionale Ausnahmezustände: Zusätzlich zu extremer Wut und exzessiver Euphorie sind anhaltende seelische Verstimmungen, tiefgreifende Trauer, Angst- und Schockzustände als emotionale Auslöser eines Herzinfarktes indiziert. Die Gefühlsextreme bedeuten für die Herztätigkeit einen unglaublichen Stresszustand, der Herzrhythmusstörungen, Herzrasen und somit auch einen Herzinfarkt begünstigt. Darüber hinaus sollten Sie auch einen hektischen Alltag als Auslöser für herzbelastende Ausnahmezustände nicht unterschätzen. In Japan existiert seit 1969 sogar ein eigenständiger Begriff für stressbedingten Herzinfarkt. Er lautet Karōshi und bedeutet übersetzt so viel wie ‚Tod durch Überarbeiten‘. Auch hierzulande sind viele Infarkte auf Überarbeitung der Patienten zurück zu führen, was Stress zu einer sehr häufigen Ursache für einen Herzinfarkt macht.

Alkohol- und Zigarettenkonsum: Dauerhafter Konsum von Nikotin verengt die Herzkranzgefäße nachhaltig. Eine optimale Sauerstoffversorgung des Herzmuskels ist hier oftmals nicht mehr gewährleistet, was Zigaretten ebenfalls zu einer möglichen Ursache für einen Infarkt macht. Bei Alkohol liegt die Sache etwas anders. Zwar kann ein Übermaß auch hier zu Herzproblemen führen, ein Glas Wein pro Tag wird jedoch sogar als förderlich für die Herztätigkeit angesehen. Alkohol in Maßen zu genießen ist demnach aus herztechnischer Sicht und ohne Vorerkrankungen bisher kein Problem.

 

Welche Symptome gehen mit einem Herzinfarkt einher?

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Das häufigste Anzeichen eines Herzinfarktes sind Brustschmerzen. Sie können weit über 20 Minuten anhalten und strahlen nicht selten bis in die Kopf-, Bauch- oder Armregion. Insbesondere bei Schmerzen im linken Arm sollten Sie alarmiert sein, da sie nicht selten auf einen sich anbahnenden Infarkt hindeuten. Ein Anruf beim Notarzt wird hier dringend empfohlen. Weitere, für einen Herzinfarkt typische Symptome sind:

  • Angstgefühle und Panik
  • Atemnot
  • Beklemmungen im Bereich der Brust (Angina Pectoris)
  • Erschöpfung
  • Herzkammerflimmern
  • Herzrhythmusstörungen
  • innere Unruhe
  • Schwindel
  • Übelkeit

Viele der genannten Symptome treten als Vorboten bereits mehrere Wochen vor dem eigentlichen Herzinfarkt auf. Sie können also gelegentlich schon frühzeitig erkannt und ein Infarkt somit abgewandt werden. Leider gibt es ebenso viele Fälle, in denen sich das partielle Absterben des Herzmuskels nur durch schwache bis gar keine Symptome bemerkbar macht. Frauen sind hier mit 35 % deutlich häufiger von einem unbemerkten Herzinfarkt betroffen als Männer, von denen nur etwa 28 % keine Warnsignale an sich beobachten.

Vorsicht, Todesgefahr! – Sollte ein Herzinfarkt nicht rechtzeitig von einem Notarzt behandelt werden, droht dem Patienten ein tödliches Herzversagen. Nehmen Sie mögliche Symptome also prinzipiell ernst und rufen Sie lieber zu früh als zu spät fachärztliche Hilfe!

Herzinfarkt Diagnose und Therapie

Für die Diagnose eines Herzinfarktes stehen der Medizin verschiedene Methoden zur Verfügung. Ein Notarzt wird zunächst Anamnese des Patienten durchführen. Neben einer Schilderung akuter Symptome ist hier auch die Ermittlung bestehender Gesundheitsbeeinträchtigungen, zum Beispiel Herzerkrankungen oder Operationen relevant. Des Weiteren stehen dem Notarzt medizinische Rettungsmaßnahmen zur Verfügung, die je nach ambulanter Diagnose zum Einsatz kommen, um den vom Herzinfarkt Betroffenen zu stabilisieren.

Sobald der Patient vom Notarzt in stationäre Behandlung eines Krankenhauses übergeben wurde, wird eine gezielte Beobachtung des Herzens mittels Elektrodiagramm (EKG) notwendig. Um den Infarkt hier genauer zu klassifizieren, dient die sogenannte ST-Strecke – ein gebräuchliches EKG-Intervall, das bei extremen Hebungen auf eine mangelnde Sauerstoffversorgung in den Herzkammern des Patienten hinweist. Ist dies der Fall, sprechen Ärzte von einem ST-Hebungsinfarkt.

Ergänzend zum EKG ist bei Herzinfarkt eine gezielte Diagnose durch Bluttests möglich. Ausschlaggebend sind diesbezüglich die Biomarker Tropinin und CK-MB in den Blutwerten des Patienten. Wenngleich die beiden Stoffe erst nach einigen Stunden verlässliche Angaben liefern, ist ihre überdurchschnittliche Konzentration im Blut doch ein deutliches Zeichen für einen Herzinfarkt.

 

Therapiemaßnahmen beim Myokardinfarkt im Überblick:

therapeutische Sofortmaßnahmen während der ‚golden hour‚: Als golden hour bzw. goldene Stunde bezeichnet die Herzmedizin die erste Stunde nach einem Infarkt. Sie ist deshalb so bedeutsam, weil die hier geleisteten Erste-Hilfe-Maßnahmen über Leben und Tod des Patienten entscheiden können. Es ist demnach unerlässlich, dass Sie nach Bemerken möglicher Symptome sofort einen Notarzt rufen. Dieser kann ggf. Herzmassagen oder eine Defibrillation durchführen, um Durchblutung sowie Sauerstoffversorgung des Herzmuskels zu stabilisieren.

medikamentöse Erstversorgung: Im Anschluss an die notärztliche Versorgung werden stationäre Behandlungsmaßnahmen notwendig. Eine Kombination aus Schmerz-, Beruhigungs- und Herzmedikamenten ist dabei durchaus üblich. Zur besseren Beobachtung via EKG werden Infarktpatienten während dieser medikamentösen Stabilisierungsphase üblicherweise auf der Intensivstation untergebracht.

medikamentöse Langzeittherapie: Sobald sich der Zustand des Patienten stabilisiert hat, muss über eine dauerhafte Arzneimitteltherapie nachgedacht werden, die einem Myokardinfarkt künftig vorbeugt. Die Langzeittherapie kann aus Betablockern, ACE-Hemmern und anderen Herzmedikamenten bestehen, welche die Sauerstoffzufuhr des Herzmuskels durch Blutverdünnung verbessern. Des Weiteren ist der Einsatz von Präparaten denkbar, die einem Schlaganfall oder Hirninfarkt als Folge eines Herzinfarktes vorbeugen.

Lebensumstellungen: An vielen Patienten lässt sich nach einem Herzinfarkt eine deutliche Wesensveränderung beobachten. Sie werden sensibler und reagieren empfindlicher auf körperlichen wie emotionalen Stress, was eine Verhaltenstherapie im Umgang mit alltäglichen Situationen erfordert. Auch könnten Ernährungsumstellungen und Physiotherapien notwendig werden, um das Herz zu stärken bzw. zu schonen.

operative Eingriffe: Sollten die Herzkranzgefäße durch eine infarktbegünstigende Erkrankung (z.B. Arteriosklerose) stark beschädigt sein, kann eine Herzkranzgefäßtransplantation unumgänglich werden. Hierbei werden die zerstörten Gefäße durch Ersatzgefäße aus dem eigenen Körper ausgetauscht. Ebenso ist der Einsatz eines Herzschrittmachers bei Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen nicht auszuschließen.

 

Tipps zur Prävention bei Herzinfarkt

Die Folgen eines Infarktes können, wie bereits dargelegt, tödlich sein. Aus diesem Grund ist es wichtig, dem Herzinfarkt so gut es geht vorzubeugen:

  • Vitamin- und nährstoffreiche Kost ist von essenzieller Bedeutung für die Gesundheit des Herzmuskels. Jedoch müssen auch Fett und Zucker gemieden werden, damit die Funktionalität der blutführenden Herzgefäße erhalten bleibt. Ernähren Sie sich also fett- und zuckerarm, um infarktbegünstigende Arteriosklerose zu verhindern. Gleichermaßen können Sie durch eine gesunde Ernährung Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen vorbeugen.
  • Bewegen Sie sich in regelmäßigen Abständen. Nur so lässt sich die Belastbarkeit und Ausdauer des Herzmuskels trainieren, was das Infarktrisiko in Ausnahmesituationen verringert. Für die Durchblutung ist Sport ebenfalls sehr förderlich.
  • Stress und seelische Ungleichgewichte müssen dringend vermieden werden, wenn es darum geht, geeignete Prävention gegen Herzinfarkt zu betreiben. Wer seine Nerven schont, tut somit gleichzeitig dem Herz etwas Gutes.
  • In Sachen verengte Herzkranzgefäße ist von übermäßigem Zigaretten- und Alkoholkonsum definitiv abzuraten. Nicht nur, dass bestehende Schwächen des Herzmuskels dadurch weiter ausgebaut werden, können Rausch- und Genussmittel in großen Mengen auch gesunden Herzen schaden. Gegen ein Glas Wein am Tag spricht aber nichts, im Gegenteil. In Maßen genossen können die Phenole von Rotwein die Herztätigkeit sogar unterstützen.
  • Sollten Sie bereits einen Infarkt erlitten haben oder Herzprobleme haben, ist die Umsetzung der genannten Präventivmaßnahmen umso wichtiger. Bedenken Sie, dass Ihr Herz im Falle einer Erkrankung noch sensibler auf schädliche Einflussfaktoren reagiert. Eine gesunde, stressfreie Lebensweise ist demnach zwingend notwendig.

Fazit

Ist ein Infarkt erst einmal im Gange, kann er tödlich enden. Rufen Sie bei einem unguten Gefühl deshalb umgehend einen Notarzt, bleiben Sie aber dennoch ruhig. Noch besser als Rettungs- sind jedoch Präventivmaßnahmen, denn eine ungesunde Lebensführung begünstigt das Entstehen eines Herzinfarktes ungemein. Gestalten Sie Ihr Alltagsgeschehen Ihrem Herz zuliebe also so stressfrei und gesund wie nur irgend möglich, um den Anruf beim Notarzt zu vermeiden.