Montag, Dezember 16, 2019

Windpocken (Varizellen)

Windpocken (Varizellen) – Ursachen, Symptome, Therapie

Gemeinsam mit Masern und Röteln zählen Windpocken (Varizellen) zu den ansteckendsten Kinderkrankheiten der Welt. Gemäß einer Statistik des Robert-Koch-Instituts erkranken hierzulande rund 750 000 Menschen pro Jahr an der mit Bläschen und Juckreiz einher gehenden Vireninfektion. Am schlimmsten betroffen sind dabei neben Kindern vor allem Frauen in der Schwangerschaft. Doch auch für andere Personen können Windpocken ohne geeignete Impfung eine große Gefahr bedeuten. Insbesondere wenn es um Gürtelrose, eine Folgekrankheit der Virusinfektion geht, ist eine ausreichende Prävention durch Impfung gefragt. Lesen Sie hier mehr zum Thema.

Was sind Windpocken? – Einzelheiten zu Varizellen

Varizellen bzw. Windpocken werden durch sogenannte ‚Varizella-Zoster-Viren‘ ausgelöst. Diese befallen nach einer Inkubationszeit von zwei bis drei Wochen sowohl Hautzellen und Organe, als auch das Nerven- und Lymphsystem der Betroffenen, was sich für gewöhnlich in einem schweren Hautausschlag, bestehend aus juckenden Bläschen (Exantheme) äußert.

Im Volksmund sind besagte Exantheme auch als ‚Blattern‘ bekannt. Zwar wird der Name bisweilen für verschiedene Pockeninfektionen (z.B. Variola) verwendet, jedoch unterstreicht die vielfache Nutzung des Wortes, welche Bedeutung Pockenerkrankungen im Laufe der Jahrhunderte immer wieder einnahmen. So sollen Blattern beispielsweise schon im Alten Testament Bestandteil der ägyptischen Plagen gewesen sein. Auch im Mittelalter verursachten infektiöse Pockenbläschen neben der Pest und Cholera unheilvolle Epidemien. Darüber hinaus wird vermutet, dass europäische Einwanderer nach ihrer Ankunft in der ‚Neuen Welt‘ Amerikas Ureinwohner bewusst mit Blattern infiziert haben sollen, um sich der Ortsansässigen auf grausame Weise zu entledigen.

In der Tat häuften sich während der Kolonialisierung die Pockenfälle in ungeahntem Ausmaß, weshalb seiner Zeit jährlich bis zu 400 000 Menschen an Windpocken oder einer ähnlichen Pockeninfektion verstarben. Erst im 20. Jahrhundert mit Hilfe globaler Hilfsorganisationen wie der World Health Organisation (WHO) gelang es, Windpocken und ihnen artverwandte Blatternkrankheiten durch gezielte Präventivmaßnahmen wie Impfung und Aufklärung der Bevölkerung einzudämmen. Allerdings erkrankten bis vor einem Jahr weiterhin über 90 % aller Kinder und Jugendlichen unter 14. Jahren an Varizellen. Erst eine im März 2013 durchgeführte Reform des Infektionsschutzgesetzes brachte schließlich Besserung.

Ursachen für eine Ansteckung mit Windpocken

© Dan Race - Fotolia.com
© Dan Race – Fotolia.com

Der hochansteckende Varizella-Zoster-Virus gehört zur Gruppe der Herpesviren. Er kann auf drei verschiedenen Übertragungswegen zu einer Ansteckung führen:

 

Tröpcheninfektion: Das Wort ‚Windpocken‘ selbst gibt einen Hinweis zur häufigsten Art der Ansteckung: der Luftweg. Hierbei kommen Husten, Niesen, aber auch zu enger Sprechkontakt für eine Ausbreitung der Virusinfektion in Frage. Sollte also die ausgeatmete Luft eines Infizierten von einem gesunden Menschen eingeatmet werden, ist die Ansteckungsgefahr demnach äußerst hoch.

Schmierinfektion: Auch enger Körperkontakt betroffenen Patienten oder direkter Hautkontakt mit den krankheitsbedingten Bläschen kann zu einer Ansteckung führen. Des Weiteren ist eine Übertragung der Viren durch die gemeinsame Nutzung von Alltagsgegenständen (z.B. Geschirr oder Besteck) denkbar.

Infektion während der Schwangerschaft: Für Schwangere ohne Impfung und deren ungeborene Kinder sind Windpocken besonders gefährlich. Nicht nur, dass erkrankte Frauen während der Schwangerschaft eine höhere Sterblichkeitsrate aufweisen, auch das Risiko von Geburtsfehlern und Komplikationen während dem Geburtsvorgang ist bei einer pränatalen Infektion nicht zu unterschätzen.

 

Welche Komplikationen und Symptome verursachen Varizellen?

Ein mit starkem Juckreiz verbundener Hautausschlag ist mitunter das bekannteste Symptom bei Windpocken. Die Irritationen der Haut erscheinen dabei wie rötliche, ovale Exantheme, welche vornehmlich den Kopf, Rücken, das Gesicht, Arme oder Beine der Erkrankten befallen. Im späteren Krankheitsverlauf können die Exantheme eitern oder Schorfkrusten bilden. Je nach Alter und allgemeinem Gesundheitszustand der Patienten treten zudem folgende Symptome auf:

  • Fieber
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Komplikationen im Bereich der Blutgefäße
  • Komplikationen im Bereich frühkindlicher Entwicklung
  • Komplikationen im Bereich der Gelenke
  • Komplikationen im Bereich der Hirnhaut
  • Komplikationen im Bereich der Lunge
  • Komplikationen im Bereich des Verdauungstrakts

Vorsicht, Gürtelrose! – Bezüglich der Spätfolgen von Windpocken muss gesagt werden, dass ein Ausbruch der Windpockenfolgeerkrankung Gürtelrose (Herpes Zoster) nach erstmaliger Ansteckung nicht auszuschließen ist. Die Herpesvariante tritt bei ca. 20 % aller Varizellenpatienten auf und ist auf den Umstand zurück zu führen, dass Varizella-Zoster-Viren in latenter Form lebenslang in den körpereigenen Wirbelknoten des peripheren Nervensystems (Spinalganglien) verbleiben. Nicht selten ruhen die Viren hier unauffällig über Jahrzehnte hinweg, bis eine temporäre Schwächung des Immunsystems (z.B. durch Stress oder Krankheit) schließlich Gürtelrose hervorruft.

Diagnose und Therapie bei Windpocken

Ausschlag im Gesicht
CC0

Üblicherweise stellen Ärzte eine Infektion durch Varizellen anhand der Form und Ausprägung auf der Haut befindlicher Exantheme fest. Auch ist es möglich, den Inhalt der Bläschen oder das Blut der Patienten auf Varizella-Zoster-Viren zu untersuchen.

Da sich Virusinfektionen wie Windpocken, Masern, Röteln und Gürtelrose im Allgemeinen nur schwer behandeln lassen, bestehen therapeutische Maßnahmen überwiegend aus Symptombehandlung. Speziell bei einer Pockeninfektion ist es in diesem Zusammenhang äußerst wichtig, den Juckreiz der Bläschen zu bekämpfen. Ansonsten droht eine Freisetzung der Viren durch Kratzen an der juckenden Hautstelle. Bei besonders schweren Infektionen können zusätzlich virenhemmende Präparate (z.B. Aciclovir, Vidarabin oder Brivudin) zum Einsatz kommen. Zur Vorbeugung gegen Windpocken wird eine Impfung empfohlen.

Eine Impfung gegen Windpocken

Die seit Juli 2004 standardmäßig empfohlene Impfung gegen Windpocken hat ausschließlich vorbeugenden Charakter! Sie besteht aus einer abgeschwächten Form des Varizella-Zoster-Virus und sorgt für die vorzeitige Immunisierung des Patienten gegen die Varizellenerkrankung selbst, wie auch deren Folgekrankheit Gürtelrose. Inzwischen gibt es auch Vierfachimpfstoffe, die eine anhaltende Kollektivimmunität gegen Gürtelrose, Masern, Mumps, Röteln und Varizellen versprechen.

Bei beiden Impfvarianten ist eine Impfung ab dem 9. Lebensmonat möglich. Aufgefrischt werden muss diese meist ein bis zwei mal nach der Erstinjektion. Zu empfehlen ist eine Impfung gegen Windpocken allen Kindern unter 15 Jahren, sowie Frauen mit konkretem Kinderwunsch.

Weitere Tipps zum Umgang mit Windpocken

  • Egal ob Masern, Windpocken oder eine andere virale Erkrankungen – Sollten Sie oder ihr Kind an einer der hoch ansteckenden Virusinfektionen leiden, empfiehlt sich ein gewissenhaftes Hygieneprogramm. Achten Sie darauf, dass weder Essgeschirr noch Handtücher geteilt werden, kratzen Sie etwaige Exantheme nicht auf und schützen sie diese vor fremdem Hautkontakt.
  • Bei Windpocken im Speziellen ist luftige, leichte Kleidung, die den Juckreiz nicht zusätzlich befördert, kratzigen und eng anliegenden Stoffen definitiv vorzuziehen. Waschmittel und Weichspüler, die für Hautirritationen sorgen könnten, sind zu meiden.
  • Es empfiehlt sich, das Immunsystem durch Bettruhe und vitaminreiche Kost zu stärken. Je schneller die körpereigenen Abwehrkräfte die Varizellen besiegen, desto besser.
  • Während der Schwangerschaft unterliegt der Körper besonderen Immunveränderungen. Um diese zu kompensieren, den Schutz vor Virusinfektionen aufrecht zu erhalten und somit Komplikationen zu vermeiden, ist ebenfalls eine geeignete Ernährung wichtig. Eine Impfung zur Vorsorge sollte vor der Schwangerschaft stattfinden.
  • Im Mittelalter empfahl die Kräuterkundige Hildegard von Bingen ihren Patienten bei Windpocken unter anderem Akeleisaft, Akelei-Urtinktur und Bergamotte. Als mögliche homöopathische Mittel gelten zudem Aconitum napellus, Apis mellificia, Belladonna, Mercurius solubillis und Pulsatilla pratensis. Bei Kindern muss hier allerdings auf die Verträglichkeit der Präparate geachtet werden.

Fazit

Windpocken sind eine Kinderkrankheit, die sehr viele Kinder bekommen. Die Krankheit lässt sich selbst schwer behandeln, jedoch können Sie gegen die Symptome etwas tun. Sollten Sie Ihren Kinder eine Infektion mit Varizellen ersparen wollen, haben Sie zudem die Möglichkeit, die Kleinen zu impfen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten und finden Sie gemeinsam eine gute Lösung!