Sonntag, Dezember 15, 2019

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) – Ursachen, Symptome, Therapie – Ratgeber

Eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) kann aus verschiedenen Gründen zustande kommen. Bei manchen Patienten ist eine Autoimmunkrankheit wie Hashimoto-Thyreoiditis für die Fehlfunktionen verantwortlich. Andere Betroffene wiederum weisen einen ausgeprägten Jodmangel auf. Gemeinsam ist Personen, die an Hypothyreose leiden jedoch, dass ihr Körper mit zu wenig Schilddrüsenhormonen versorgt wird. Welche Folgen diese hormonelle Unterversorgung neben Stoffwechselstörungen wie Gewichtszunahme noch haben kann und was sich gegen eine Schilddrüsenunterfunktion tun lässt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was ist Hypothyreose? – Einzelheiten zur Schilddrüsenunterfunktion

Der menschlichen Schilddrüse (Glandula thyreoidea) kommt im Bereich des Stoffwechsels eine wichtige Rolle zu. In erster Linie fungiert das schmetterlingsförmige Organ als Jodspeicher und Produzent jodhaltiger Schilddrüsenhormone wie Triiodthyronin und Thyroxin. Beide Stoffe sind unerlässlich für den körpereigenen Zell- und Knochenaufbau, weshalb ein Mangel an Schilddrüsenhormonen für gefährliche Störungen bei der Erneuerung von Knochen und Zellen sorgen kann.

Im Falle einer Hypothyreose ist ein solcher Hormonmangel gegeben. Aufgrund ihrer Unterfunktion kann die Schilddrüse hier keine Schilddrüsenhormone in ausreichender Menge mehr herstellen, was eine Reihe an gesundheitlichen Problemen mit sich bringen kann. Gerechnet werden muss sowohl mit einer gestörten Zell- und Knochenerneuerung, als auch mit einer Gewichtszunahme aufgrund von Stoffwechselstörungen. Sie sind ebenfalls auf fehlende Schilddrüsenhormone zurück zu führen.

Ursachen für eine Schilddrüsenunterfunktion

Hals
Kristina Paukshtite auf Pexels

Will man die Gründe für eine Unterfunktion der Schilddrüse verstehen, so muss man zunächst zwischen drei verschiedenen Arten der Hypothyreose unterscheiden:

 

primäre Hypothyreose: (angeboren)

Eine primäre Schilddrüsenunterfunktion kann entweder angeboren oder erworben sein. Sollte die Unterfunktion der Schilddrüse angeboren sein, könnten möglicherweise genetisch bedingte Fehlfunktionen in der Hormonsynthese, genauer gesagt in der Synthese der Schilddrüsenhormone vorliegen. In Bezug auf eine angeborene Hypothyreose bei Säuglingen ist zudem ein Jodmangel der Mutter während der Schwangerschaft als Ursache für die primäre Schilddrüsenunterfunktion denkbar.

Der wohl häufigste Grund für eine angeborene Hypothyreose ist nach Angaben von Ärzten und Forschern jedoch eine Entzündung der Schilddrüse (Thyreoiditis). So führt die entzündliche Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis beispielsweise zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse und kann bei Nichtbehandlung nicht nur zu einer Unterfunktion der Schilddrüse führen, sondern auch deren Gewebezersetzung zur Folge haben. Eine effiziente Produktion der Schilddrüsenhormone ist dann nicht mehr möglich.

Wie genau eine Hashimoto-Thyreoiditis entsteht, ist bis heute noch nicht ausreichend erforscht. Es wird jedoch vermutet, dass bestimmte Umwelteinflüsse für die Ausbildung einer genetischen Disposition verantwortlich sein könnten. Zu diesen Einflussfaktoren gehören:

  • Stress
  • genbelastende Viruserkrankungen (z.B. pfeifferisches Drüsenfieber)
  • zu hohe Jodzufuhr (z.B. durch Lebensmittel)

primäre Hypothyreose: (erworben)

Nun muss eine primäre Schilddrüsenunterfunktion nicht unbedingt vererbt worden sein. Ebenso kann die Unterfunktion nach der Geburt erworben werden und dadurch eine Schilddrüsenunterfunktion im Kindes- oder Erwachsenenalter verursachen. Wie bei der angeborenen Hypothyreose sind es hier meist Entzündungen der Schilddrüse, die für eine chronische Unterfunktion sorgen. Zudem kommen folgende Faktoren für die erworbene, primäre Hypothyreose in Frage:

  • Operation (z.B. bei Schilddrüsentumoren)
  • Bestrahlung der Schilddrüse (z.B. bei Tumorerkrankungen oder Schilddrüsenüberfunktion)
  • Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten (z.B. Thyreostatika)

sekundäre Hypothyreose:

Seltener als die primäre ist eine sekundäre Schilddrüsenunterfunktion. Diese ist im Gegensatz zur Primärhypothyreose auf Störungen in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) zurück zu führen und kann z.B. durch Tumorerkrankungen entstehen. Bei der sekundären Art der Hypothyreose kommt es zu einer mangelhaften Neubildung thyreoidea-stimulierender Schilddrüsenhormone (TSH), welche die Gesamtproduktivität der Schilddrüse steuern. Ein Leistungsabfall innerhalb Schilddrüse ist folglich unvermeidlich.

tertiäre Hypothyreose:

Auch die sogenannten Thyreotropin-Releasing-Hormone (TRH) fördern die Funktionalität der Schilddrüse. Sollte ihre Produktion durch eine Störung des Hypothalamus beeinträchtigt werden, so spricht man von einer tertiären Schilddrüsenunterfunktion. Ursachen für diese Art der Hypothyreose können genetische Dispositionen, Entzündungen oder ein Tumorleiden sein. Allerdings kommt die tertiäre, ähnlich wie die sekundäre Schilddrüsenunterfunktion nur sehr selten vor.

Mandelentzündung
CC0

Welche Symptome verursacht eine Schilddrüsenunterfunktion?

Je nach Art der Schilddrüsenunterfunktion und dem Alter des Patienten kann die Krankheit verschiedene Symptome aufweisen. Die angeborene Hypothyreose tritt oftmals schon im frühen Säuglingsalter auf und macht sich bereits unmittelbar nach der Geburt durch eine

  • vergrößerte Fontanelle und Schilddrüse
  • auseinanderklaffende Schädelnähte
  • große Zunge
  • aufgeblähte Bauchdecke
  • raue bzw. heisere Stimme
  • kühle, Haut
  • schwache Muskulatur und Reflexe

am Säugling bemerkbar. Gegebenenfalls kann auch ein Nabelbruch Anzeichen für eine frühkindliche Hypothereose sein. Sollte die angeborene Schilddrüsenunterfunktion in den ersten Lebenswochen nicht umgehend behandelt werden, sind des Weiteren Entwicklungsverzögerungen im Bereich der Leber, des Körperwachstums, der kognitiven und motorischen Fähigkeiten zu erwarten. Besagte Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion treten für gewöhnlich zwischen dem zweiten und dritten Lebensmonat auf und können sich bis weit über die Pubertät hinaus auswirken.

Eine im Erwachsenenalter erworbene Hypothyreose verläuft hingegen zunächst unauffällig. Später können jedoch klassische Symptome eines verlangsamten Stoffwechsels auftreten. Zu ihnen zählt unter anderem eine krankhafte Veränderung der Muskulatur, welche auch als hypothyreotischen Myopathie bekannt ist. Darüber hinaus sind folgende Beschwerden nicht auszuschließen:

  • Antriebslosigkeit
  • blasse, kühle, trockene oder schuppige Haut
  • brüchige Nägel und Haare
  • Depressionen
  • Erektionsstörungen
  • Gedächtnisstörungen
  • Gewichtszunahme
  • Konzentrationsschwäche
  • Leistungsminderung
  • Müdigkeit
  • Störungen im Menstruationszyklus
  • Verstopfung

Als besonders gefährliches Symptom bei einer erworbenen Schilddrüsenunterfunktion gilt das hypothyreote Koma (Myxödemkoma). Es hat ein Absinken des Blutdrucks zur Folge und kann außerdem für einen verlangsamten Herzschlag, niedrige Körpertemperatur, flache Atmung, sowie verminderte Reflexe sorgen. Das Koma tritt vornehmlich bei unbehandelten, schlecht eingestellten oder sehr schweren Fällen von Schilddrüsenunterfunktion auf.

Therapie gegen Schilddrüsenunterfunktion – Behandlungsmöglichkeiten bei Hypothyreose

Mann mit Halsschmerzen
© Racle Fotodesign – Fotolia.com

Schilddrüsenunterfunktion ist eine chronische Krankheit und kann nur durch Hormonersatztherapien langfristig unter Kontrolle gebracht werden. Diese besteht bei Hypothyreose aus Medikamenten mit künstlichem Thyroxin, welches die Aufgabe der fehlenden Schilddrüsenhormone übernimmt.

Um den Patienten korrekt auf die Hormonpräparate gegen Schilddrüsenunterfunktion einzustellen, beginnen die meisten Therapien mit einer geringen Hormondosis, die bis zum Erreichen einer konstanten Tagesdosis schrittweise angehoben wird. Halbjährliche Kontrollen der Patientenverfassung sind während einer Hypothyreosetherapie üblich.

Ausnahmen zu dieser lebenslangen Ersatztherapie bei Schilddrüsenunterfunktion gibt es im Bereich der frühkindlichen Hypothyreose. Sofern bei der Halbjahreskontrolle keine bedenkliche Gewichtszunahme, Wachstums- oder Entwicklungsstörungen zu verzeichnen sind, lässt sich nach zwei Jahren der Beschwerdefreiheit ein langsames Absetzen der Medikamente in Erwägung ziehen.

Prävention von Schilddrüsenunterfunktion – Vermeiden Sie Jodmangel!

Viele Fälle von angeborener und erworbener Schilddrüsenunterfunktion ließen sich vermeiden, wenn die Körper der Patienten zuvor eine richtige Jodzufuhr besessen hätten. Eine Hypothyreose lässt sich demnach, wenn überhaupt, nur durch das Vorbeugen gegen Jodmangel und Jodüberschuss verhindern. Insbesondere (werdende) Mütter sind dazu angehalten, die tägliche Jodzufuhr richtig zu bemessen. Schließlich soll weder die Gesundheit des Kindes noch die der Schwangeren durch eine Schilddrüsenunterfunktion gefährdet werden. Zur besseren Übersicht bezüglich empfohlener Tagesmengen an Jod hier eine kleine Liste:

PersonengruppeAltersklasseempfohlene Jodzufuhr
Säuglinge bis 4 Monateca. 40 µg pro Tag
4 bis 12 Monate ca. 80 µg pro Tag
Kinder 1 bis unter 4 Jahre100 µg pro Tag
4 bis unter 7 Jahre120 µg pro Tag
7 bis unter 10 Jahre140 µg pro Tag
10 bis unter 13 Jahre180 µg pro Tag
13 bis unter 15 Jahre 200 µg pro Tag
Jugendliche und Erwachsene15 bis unter 51 Jahre200 µg pro Tag
51 Jahre und älter180 µg pro Tag
Schwangere-230 µg pro Tag
Stillende-260 µg pro Tag

Fazit

Eine Schilddrüsenunterfunktion lässt sich heute sehr gut behandeln. Zusammen mit Ihrem behandelnden Arzt lassen sich schlimme Ursachen oder auch Folgen schnell ausschließen und eine passgenaue Behandlung durchführen. Zur Vermeidung empfiehlt sich zudem eine ausreichende Zufuhr, was durchaus über entsprechende Lebensmittel möglich ist.