Samstag, Mai 21, 2022

Magersucht

Magersucht – Tipps und Infos zur Anorexia nervosa

Sie kennen sicherlich die Bilder vollkommen abgemagerter Menschen, die sich kaum noch aufrecht halten können. Das Erschreckende an den Bildern ist, dass sich hinter den gezeigten Personen keine Hungersnöte verbergen, sondern der Gewichtsverlust das Resultat einer ernsten Essstörung ist. Die Magersucht, in Fachkreisen als Anorexia nervosa bekannt, ist die bekannteste Essstörung und führt bei ungefähr fünfzehn Prozent aller Krankheitsfälle zum Tod. Problematisch an der Erkrankung, die zu den Suchterkrankungen zählt, ist der einfache Einstieg. Teils genügt bereits eine einzige Diät, um den Blick für die Realität, die sich im eigenen Spiegelbild offenbart, zu verlieren. Nachdem ungefähr ein Drittel der deutschen Jugendlichen angeben, mit ihrer Figur unzufrieden zu sein, wird rasch klar, warum jährlich so viele Menschen in die Magersucht abdriften.

Dennoch dürfen Sie eines nicht vergessen. Magersucht ist niemals eine für sich allein stehende Erkrankung. In der Regel ist die Psyche der Betroffenen stark geschwächt, sodass sich überhaupt erst der Zwang, immer mehr Gewicht zu verlieren, einstellen kann. Falls Sie selbst ständig hungern oder in Ihrem Bekanntenkreis jemanden kennen, der eventuell unter einer Essstörung leidet, sollten Sie das Thema gezielt aber subtil ansprechen. Doch auch wenn es hart klingt: Glauben Sie niemals, allein helfen zu können. Betroffene Personen müssen den Willen verspüren, sich von der Sucht zu lösen und unbedingt professionelle Hilfe annehmen.

Die Ursachen für die Magersucht

Bei der Anorexia nervosa gibt es keine einzelne Ursache, die die Erkrankung auslöst. Letztendlich stehen zahlreiche Faktoren miteinander in Verbindung:

  • Biologische Veranlagung
  • Psychische Probleme
  • Druck der Gesellschaft

Bislang ist nicht genau geklärt, inwieweit eine biologische Veranlagung die Magersucht begünstigt. Allerdings vermuten Forscher, dass bei Magersuchtpatienten eine Störung in Hirn vorliegt, die das Essverhalten nachhaltig stört. Sicher sind jedoch psychische Einflüsse. Bereits die Vielzahl der Fälle von minderjährigen Betroffenen zeigt, dass Personen, die sich psychisch in einer schweren Phase befinden, besonders anfällig sind. Doch auch Erwachsene fallen immer häufiger in die Fänge der Sucht. Die maßgeblichen Grüne sind wahrscheinlich

  • gestörtes Körperempfinden
  • Verlust des Selbstwertgefühls
  • fehlendes Selbstbewusstsein
  • familiäre Probleme.
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Um im Freundeskreis und von der Gesellschaft akzeptiert zu werden, sind Betroffene fest davon überzeugt, dass sie unbedingt dem gängigen Schönheitsideal entsprechen müssen. Mobbing, der Ausschluss von übergewichtigen Personen oder auch das Abwenden von Freunden, wenn ein Jugendlicher nur leicht über der von Magazinen geprägten Norm liegt, führt zumeist zum Wunsch, an Gewicht zu verlieren. Eine andere Ursache kann jedoch auch in anderen psychischen Erkrankungen liegen. Personen, die unter Depressionen leiden, selbstverletzendes Verhalten zeigen oder für sich keine Möglichkeit sehen, auf sich aufmerksam zu machen, stellen mitunter die geregelte Nahrungsaufnahme ein.

Symptome

Die Symptome der Magersucht grenzen sich deutlich von denen der Bulimie ab. Im Gegensatz zu an Bulimie-Erkrankten achten Magersüchtige stark auf die Nahrungsmittel und Kalorienzufuhr, die sie zu sich nehmen. Problematisch ist, dass die ersten Symptome bereits während einer Diät auftreten können. Für Außenstehende kann es anfangs sehr schwer sein, die eigentlichen Symptome zu erkennen, unterscheiden sie sich doch erst einmal kaum von einer Diät. Hält der Zustand jedoch an oder wird der Gewichtsverlust überaus deutlich, könnte es sich um Magersucht handeln. Zusammengefasst äußern sich die Symptome folgendermaßen:

  • stark kalorienbewusste Ernährung
  • starker Gewichtsverlust
  • Hautprobleme
  • Kreislaufprobleme
  • Haarverlust
  • Schwäche
  • ständige Gedanken um die Nahrungszufuhr.

Betroffene, die sich aus den Zwängen der Sucht befreien konnten, berichten immer wieder, dass die Nahrungsaufnahme den Mittelpunkt des Lebens darstellte. Jeder Gedanke befasst sich mit der nächsten Mahlzeit, ständig wird die Kalorienmenge berechnet und überlegt, wie sich der Tag ohne viel Nahrung überstehen lässt. Nicht selten kompensieren Betroffene ihren Hunger mit einer vermehrten Wasserzufuhr.

Ein weiteres Anzeichen ist, dass Erkrankte sehr lange für eine Mahlzeit benötigen. Jeder Bissen wird minutenlang gekaut, da so dem Körper suggeriert wird, ein Vielfaches an Nahrung zu erhalten.

Leidet ein Betroffener erst richtig unter der Essstörung, verändert sich nicht nur die Figur, sondern der gesamte Gesundheitszustand. Abgeschlagenheit, Schwäche, Konzentrationsstörungen, Herz-Kreislauf-Probleme und Haarverlust infolge der mangelnden Nährstoffzufuhr sind Anzeichen der dauerhaften Erkrankung.

Eine lange Behandlung steht an

Nicht selten behaupten Psychologen, Mediziner und Betroffene, dass die Behandlung der Magersucht niemals endet. In der Tat gehören Essstörungen zu den Erkrankungen, die sich abschwächen lassen, aber im Hinterkopf ewig vorhanden sind. Niemand darf glauben, dass eine kurze Therapie genügt, um die Anorexia nervosa zu bekämpfen. Welche Behandlung nötig ist, ergibt sich aus dem Fortschreiten des Krankheitsbildes. Ist der Betroffene bereits so stark untergewichtig, dass er künstlich ernährt werden muss, wird er zumeist direkt aus dem Krankenhaus in eine spezielle, auf Essstörungen spezialisierte, Klinik überwiesen.

Anderenfalls beginnt der erste Schritt der Behandlung beim Hausarzt und dem Psychologen. Nun sollte umgehend versucht werden, eine Aufnahme in eine Klinik zu realisieren. Es ist nur in den seltensten Fällen möglich, die Magersucht mittels einer ambulanten Therapie zu besiegen. Während der stationären Aufnahme unterliegen die Patienten strengen Regelungen, müssen wöchentliche Ziele erreichen und erlernen die Nahrungsaufnahme noch einmal von Beginn an. Es ist wichtig, dass die Behandlung mehrere Bereiche abdeckt:

  • psychologische Betreuung
  • Ernährungslehre
  • medizinische Betreuung

Über die psychiatrischen Sitzungen, die in Einzel- und Gruppengesprächen absolviert werden, erfahren Erkrankte mehr über sich und ihr Problem. Zudem wird das Selbstbewusstsein gestärkt und auf Nebenerkrankungen eingegangen, die ebenfalls mit der Psyche in Verbindung stehen. Die Ernährungslehre lehrt den Betroffenen, sich gesund und dennoch kalorienbewusst zu ernähren.

Prävention

Leider gibt es kein Allheilmittel, welches effektiv verhindert, eine Essstörung zu entwickeln. Sicherlich ist ein stabiles familiäres Umfeld wichtig und Kinder sollten früh lernen, sich selbst wertzuschätzen. Auf der anderen Seite leiden Personen an Magersucht, deren Umfeld, Umgang und Leistung als perfekt angesehen werden kann.

Viel wichtiger als die Prävention an sich ist, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen. Betroffene spüren meist, wenn eine Diät aus dem Ruder gerät und sich die Gedanken fortwährend um das Essverhalten drehen. Ein guter Weg ist, sich gleich zu Anfang ein festes Ziel zu setzen und auf jeden Fall die Diät zu beenden, wenn ein – normales – Gewicht erreicht wurde. Es hilft, die Familie zu informieren und mit in den Diätplan einzubeziehen.

Angehörige oder Bekannte hingegen sollten aufhorchen, wenn das Gewicht einer Person immer stärker sinkt und der oder die Betroffene zu dünn wird. Nun ist ein Gespräch notwendig, wobei niemand glauben muss, dass Erkrankte sich ihre Sucht eingestehen. Es ist normal, dass Magersüchtige sich nicht als solche sehen, denn erst im Laufe der Behandlung erkennen sie die Krankheit als Teil von sich an. Es darf niemals vergessen werden, dass Magersüchtige von sich selbst ein vollkommen verzerrtes Selbstbild haben und herausstehende Knochen, dürre Gliedmaßen oder auch Haut- und Haarprobleme nicht mit der Erkrankung in Verbindung setzen.

Sollte sich in Ihrem Umfeld jemand befinden, der deutlich untergewichtig ist, können Sie notfalls eine Aufnahme ins Krankenhaus erwirken. Wenden Sie sich in diesem Fall an den Hausarzt, schildern Sie den Fall und setzen Sie sich mit einer Beratungsstelle für Essstörungen und der Polizei auseinander. Sollte eine Gefahr für das Leben des Betroffenen bestehen, ist es unter Umständen möglich, ihn auch gegen seinen Willen ins Krankenhaus einzuweisen.