Montag, August 26, 2019

Hospitalismus: Ursachen, Symptome, Therapie – Ratgeber

Mit Hospitalismus setzen sich vermehrt Krankenschwestern, Altenpfleger und Pflegehelfer auseinander. Denn unter diesem Begriff werden die körperlichen, geistigen und seelischen Folgeschäden zusammengefasst, die aus einem längeren Krankenhausaufenthalt resultieren. Diese entstehen vor allem dann, wenn die Betreuung einer Person stark vernachlässigt wurde. Doch nicht nur mangelnde Betreuung, auch fehlende emotionale Bindungen können zu Hospitalismus führen. Im Folgenden haben wir alle wichtigen Informationen über diese Erkrankung zusammengefasst.

Ursache: Wie entsteht Hospitalismus?

Die meisten Menschen, die unter Hospitalismus leiden, mussten lange Zeit in einem Krankenhaus verweilen. Wissenschaftler sprechen von einem Zeitraum ab drei Monaten. In vielen Fällen sind Babys und Kleinkinder von Hospitalismus betroffen, da ihnen während ihres Krankenhausaufenthalts die emotionale Bindung zu ihren Eltern fehlt. Aufgrund dessen erleiden sie ausgeprägte Entwicklungsstörungen, die sich nur schwer wieder beheben lassen.

Hospitalismus lässt sich vermehrt auch dann beobachten, wenn Patienten zu wenig umsorgt werden. Die Gründe dafür können ein Personalmangel in Krankenhäusern und Pflegeheimen sein, oder auch eine mangelhafte Ausbildung der Fachkräfte. Bei manchen Betroffenen kommen auch familiäre Probleme hinzu, beispielsweise dann, wenn Eltern ihr Kind kaum besuchen oder es aufgrund seiner Erkrankung ablehnen. In diesem Fall spielt die fehlende emotionale Bindung für die Entstehung des Hospitalismus wieder eine bedeutende Rolle.

© ag visuell - Fotolia.com
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Bei Kindern lässt sich die Erkrankung außerdem auf eine fehlende Stimulation ihrer Reize zurückführen. Junge Patienten, die beispielsweise auf einer Intensivstation untergebracht sind, nehmen kaum mehr etwas von ihrem äußeren Umfeld wahr. Es fehlt ihnen nicht nur an sozialen Kontakten, es findet auch eine Abgrenzung zu Farben, Bildern und Musik statt. Die daraus resultierende fehlende Stimulation der Reize führt zu einer Wahrnehmungsverarbeitungsstörung. Wissenschaftler sind sich noch unschlüssig, ob diese Symptomatik des Hospitalismus sogar zu Autismus bei Kindern führen kann.

Grundsätzlich lässt sich Hospitalismus auf die folgenden Ursachen zurückführen:

  • Mangelnde oder fehlende emotionale Bindung
  • Familiäre Gewalt, Ablehnung durch die Eltern, Heimunterbringung
  • Personalmangel in Pflegeeinrichtungen
  • Mangelnde Hygiene in Pflegeeinrichtungen
  • Langfristiger Reizentzug

Diagnostik: Welche Formen des Hospitalismus gibt es?

Abhängig von der Ursache lässt sich Hospitalismus in die folgenden Kategorien einordnen:

  • Infektiöser Hospitalismus: Körperliche Vernachlässigung oder mangelnde Hygiene ist der Auslöser für Infektionen. Der Patient liegt sich zum Beispiel im Altenheim wund.
  • Psychischer Hospitalismus: Fehlende emotionale oder soziale Zuwendung ist dafür verantwortlich, dass der Patient Entwicklungsstörungen und seelische Schäden aufweist.
  • Kaspar-Hauser-Syndrom: Das Kaspar-Hauser-Syndrom ist eine Form des psychischen Hospitalismus, die meist durch Reizentzug entsteht. Es lässt sich zudem häufig bei misshandelnden Kindern beobachten, denen Grundbedürfnisse wie Kleidung, Schutz und Nahrung entzogen wurden.

Symptome: Wie äußert sich Hospitalismus?

Depression
CC0

Die Symptome sind bei Hospitalismus sehr unterschiedlich. Sie können abhängig vom Ausprägungsgrad der Erkrankung körperlich, wie auch psychisch äußern. Betroffene weisen in den meisten Fällen eine Kombination verschiedener Symptome auf. Um Hospitalismus zu diagnostizieren, achten Mediziner auf die folgenden Warnzeichen:

  • Kognitive Störungen

Betroffene haben Wahrnehmungsstörungen und leiden am Verlust des Langzeit- und Kurzzeitgedächtnisses, Konzentrationsstörungen

  • Motorische Störungen

Monotone Bewegungen, Bettlägerigkeit, eingeschränkte Reaktionsfähigkeit

  • Seelische Störungen

Borderlinesyndrom, Depressionen und Angstzustände, Apathie, Desinteresse, mangelndes Selbstwertgefühl und Suizidgedanken

  • Sensorische Störungen

Fehlendes oder verstärktes Schmerzempfinden, Berührungsängste, Hypersensibilität

  • Störungen im Sozialverhalten

Fehlendes Einfühlungsvermögen, Kommunikationsprobleme, mangelnde Anpassungsfähigkeit, Bindungsängste

  • Gestörte Wundheilung

Durch Bettlägerigkeit dauerhaft nässende oder entzündete Wunden

Personen, die unter Hospitalismus leiden, können auch eine ausgeprägte Essstörung aufweisen. Bei einem infektiösen Hospitalismus lässt sich zudem eine überdurchschnittliche Anfälligkeit für Infektionserkrankungen beobachten.

Therapie: Erste Hilfe bei Hospitalismus

Die Diagnose des Hospitalismus ist nicht immer leicht. Es müssen sowohl die Lebensumstände des Patienten, wie auch seine psychische und körperliche Verfassung betrachtet werden. In vielen Fällen müsse Mediziner zudem die Vergangenheit und die Kindheit des Betroffenen durchleuchten, um eine Diagnose stellen zu können. Anschließend gibt es verschiedene Therapieansätze, um die Erkrankung zu behandeln:

Psychologische Betreuung

Die psychologische Betreuung ist bei jeder Form des Hospitalismus von großer Bedeutung. Die meisten Menschen weisen mindestens eine seelische oder psychische Beeinträchtigung auf, die aus ihrer Krankheit resultiert. Um diese erfolgreich zu behandeln und um weitere Schäden zu vermeiden, werden Betroffene in die Obhut von Psychologen gebracht. Diese helfen ihnen bei Gesprächs- und Bewältigungstherapien dabei, das erlebte auszuarbeiten und positiver in die Zukunft zu blicken.

Physiotherapeutische Betreuung

Abhängig von der Ursache kann Hospitalismus zu körperlichen Beeinträchtigungen führen. Eine gestörte Wundheilung führt zu Schäden an der Muskulatur oder an Gelenken oder es kommt zu motorischen Störungen. In diesem Fall zielt die physiotherapeutische Betreuung darauf ab, diese Störungen auszugleichen und die Funktionen des Körpers wiederherzustellen.

Medikamentöse Therapie

Die Einnahme von Medikamenten kann verschiedene Gründe haben. Beim infektiösen Hospitalismus müssen Bakterien und Keime im Organismus bekämpft werden, um die Beschwerden zu lindern. Auch bei psychischen oder seelischen Folgeschäden kann eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva angestrebt werden. Eine alternative Behandlung kann nach Rücksprache mit dem Mediziner in Betracht gezogen werden.

Fazit

Hospitalismus ist eine Erkrankung, die nur schwer diagnostiziert werden kann. Sie äußert sich bei jedem Patienten anders und kann sowohl körperliche wie auch seelische Beeinträchtigungen verursachen. Um herauszufinden, ob eine Person an Hospitalismus leidet, ist es notwendig, ihre Vergangenheit und unter Umständen ihre Kindheit zu betrachten. Angehörige und Mitarbeiter in Krankenhäusern können den Ausbruch der Erkrankung vermeiden, indem sie sich an Hygienevorschriften halten, dem Patienten genügend Zuwendung zukommen lassen und emotionale Aufmerksamkeit schenken.