Montag, Dezember 16, 2019

Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie) – Ursachen, Symptome, Therapie

An einer Herzrhythmusstörung (Arrhythmie) leiden nach Angaben des Deutschen Rettungsdienstes landesweit knapp 2 Millionen Menschen. Wenngleich der unregelmäßige Herzschlag in den meisten Fällen harmlos ist, lassen sich ernst zu nehmende Gesundheitsprobleme als Ursache nicht völlig ausschließen. So können zum Beispiel organische Erkrankungen Grund für das stolpernde Herz sein, weshalb Sie wiederkehrenden Herzrhythmusstörungen dringend Ihren Hausarzt oder einen Kardiologen aufsuchen sollten.

Was sind Herzrhythmusstörungen? – Einzelheiten zur Arrhythmie

Im Normalfall pumpt das Herz täglich ca. 7000 Liter Blut durch den Körper. Mit einer Herzfrequenz von 60 bis 90 Schlägen pro Minute leitet der koronare Herzmuskel das rote Lebenselixier in umliegende Blutgefäße und sorgt so für einen gesunden Nähr- und Sauerstofftransport im menschlichen Organismus. Es gibt jedoch diverse innere und äußere Einflüsse, welche den Herzrhythmus in seiner Geschwindigkeit beeinträchtigen oder gänzlich aus dem Takt bringen können. Unterschieden werden Herzrhythmusstörungen dabei nach ihrer Lage:

EKG
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  • ventrikuläre Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern)
    die Arrhythmie entsteht in der Herzkammer
  • supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern)
    die Arrhythmie entsteht im Vorhof des Herzens
  • Herzrhythmusstörungen im Erregungsbildungs- und Leitungssystem
    Die Arrhythmie entsteht im Sinusknoten, dem herzeigenen Schrittmacher im rechten Vorhof

Eine weitere medizinische Klassifikation teilt Herzrhythmusstörungen nach der Geschwindigkeit der Herzfrequenz ein. Liegt ein verlangsamter Herzschlag von weniger als 40 Schlägen pro Minute vor, ist dies ein klares Anzeichen für eine bradykarde Rhythmusstörung. Zeigt sich die Herzrhythmus dagegen mit mehr als 60 Schlägen pro Minute stark beschleunigt, handelt es sich um eine tachykarde Rhythmusstörung.

Wichtig: Nicht jeder Herzrhythmusstörung ist als krankhafte Arrhythmie zu werten. Nachts senkt sich die Herzfrequenz beispielsweise auf natürliche Weise um 5 bis 10 Schläge pro Minute. Ebenso kann sich das Herz bei körperlicher Anstrengung durch kurzfristige, unbedenkliche Rhythmusstörungen äußern. Halten die Arrhythmien jedoch länger an und tauchen ohne ersichtlichen Grund auf, deuten die Symptome möglicherweise auf ein Gesundheitsproblem im Bereich des Herzens hin. Nehmen Sie Ihre Beschwerden in diesem Fall nicht auf die leichte Schulter, denn gut 80 Prozent aller plötzlichen Herztode werden von einer koronaren Herzkrankheit in Kombination mit Herzrhythmusstörungen ausgelöst. Des Weiteren steht ein gestörter Herzrhythmus häufig mit einem Herzinfarkt in Verbindung, als dessen Vorbote oder Nachwirkung die Rhythmusstörung auftreten kann.

Ursachen für eine Herzrhythmusstörung

Für die Entstehung einer Herzrhythmusstörung kommen viele Gründe in Betracht. Sowohl innerkörperliche Faktoren als auch äußere Einflüsse können das Herz zum stottern bringen. Erfahrungsgemäß spielen bei einer chronischen Arrhythmie auch gerne mehrere Einflussfaktoren zusammen, wie folgende Ursachenaufzählung zeigt:

 

bestehende Herz- und Gefäßkrankheiten: Als Begleiterscheinung von Arteriosklerose, Bluthochdruck, Herzmuskelentzündung oder koronarer Herzkrankheit sind Herzrhythmusstörungen keine Seltenheit. Daneben können auch koronare Erberkrankungen (z.B. ein angeborener Herzfehler) für Arrhythmien sorgen.

Ernährungsfaktoren: Viele Herz- und Gefäßkrankheiten, die mit Herzrhythmusstörungen einhergehen, werden durch eine falsche Ernährung oder Übergewicht hervorgerufen. Zuckerhaltige und fettreiche Lebensmittel stellen diesbezüglich die größte Bedrohung dar, da sie den Gefäßen auf Dauer schaden. Ist die Gefäßbeschädigung erst einmal weiter vorangeschritten, lassen koronare Rhythmusstörungen meist nicht lange auf sich warten.

mangelnde Sauerstoffversorgung: Sport und körperliche Anstrengung gehen stets mit einer erhöhten Herzschlaggeschwindigkeit einher, denn Gefäße und Herz müssen in einer solchen Situation mehr Blut als üblich durch den Körper pumpen, um alle Organe mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Sofern die Sauerstoffversorgung während dieser Leistungssteigerung beeinträchtigt wird (z.B. durch Übergewicht oder Herzkrankheiten), sind tachykarde Herzrhythmusstörungen durchaus denkbar. Ebenso erhöhen Erkrankungen der Atemwege wie Asthma oder Bronchitis die Wahrscheinlichkeit von Herzrhythmusstörungen aufgrund mangelnder Sauerstoffzufuhr.

seelische Ausnahmezustände: Nicht nur körperliche, auch emotionale Ausnahmezustände beeinflussen die Herzfrequenz einer Person. Ist das Herz zum Beispiel enormem Stress, tiefgreifender Angst oder Trauer ausgesetzt, wirkt sich der Gefühlszustand unmittelbar auf den Herzschlag aus. Neben übergewichtigen Menschen gehören deshalb auch Personen mit einem stressreichen Alltag, chronischen Depressionen, Prüfungsangst und cholerischen Charakterzügen zur Risikogruppe der Arrhythmiepatienten.

Medikamente: Viele Arzneimittel haben Auswirkungen auf die Herz- und Gefäßbeschaffenheit. Darüber hinaus verändern einige Medikamente die Fließgeschwindigkeit des Blutes. Alle drei Faktoren können zur Entstehung von Herzrhythmusstörungen beitragen, sodass ein unregelmäßiger Herzschlag des Öfteren als Nebenwirkung entsprechender Präparate aufgeführt wird. Äußerst sensibel reagiert der Herzrhythmus diesbezüglich bei der Einnahme von Betablockern und Hormonpräparaten.

hormonelles Ungleichgewicht: Hormonelle Erkrankungen wie Schilddrüsenüber- bzw. Schilddrüsenunterfunktion sind mit einem verminderten Hormonspiegel der Patienten verbunden. Es kommen demnach nicht nur Hormonpräparate sondern auch körpereigene Hormonstörungen als Ursache für eine Arrhythmie in Frage. Hierzu zählen neben krankhaften Hormonschwankungen vor allem schwangerschaftsbedingte und menopausale Ungleichgewichte im Hormonspiegel.

Rausch- und Genussmittelkonsum: Verengte Arterien entstehen nicht nur durch falsche Ernährung. Auch der Konsum von Zigaretten, Kaffee, Alkohol und Drogen wirkt sich direkt auf die Pumpgewohnheiten von Herz und Gefäßen aus. Je höher die zugeführte Menge an Rauschmitteln dabei ist, desto wahrscheinlicher sind Unregelmäßigkeiten im Herzrhythmus.

Infektionen und Vergiftungen: Bakterielle Krankheitserreger bedeuten für das Herz immer eine zusätzliche Belastung. So können die Keime beispielsweise über blutleitende Gefäße in den Herzmuskel gelangen und dort gefährliche Entzündungen wie Endokarditis auslösen. Herzrhythmusstörungen gelten bei derartigen Beschwerden als typisches Begleitsymptom.

Vergiftungen: Tierische Gifte sind oftmals mit Inhaltsstoffen ausgestattet, welche die Körperfunktionen potentieller Opfer lähmen sollen. Das Herz bildet hierbei keine Ausnahme, sodass eine unregelmäßige Herzfrequenz auch als Folge eines Insektenstiches, Spinnen- oder Schlangenbisses denkbar sind. Ebenfalls gefährlich sind Lebensmittelvergiftungen und eine schadstoffbelastete Umwelt. Obwohl sie sich von tierischen Giftquellen unterscheiden, sind auch toxische Bestandteile in Ernährung und Umgebung dazu fähig, die Herzfunktionalität dahingehend zu beeinträchtigen, dass ein unregelmäßiger Herzschlag entsteht.

 

Welche Symptome verursachen Herzrhythmusstörungen?

Die Symptome einer Herzrhythmusstörung sind stark abhängig von den zugrunde liegenden Ursachen. Auftreten können:

  • Atemnot
  • Bewusstseinstrübungen bis hin zur Ohnmacht
  • Brustenge
  • Herzrasen
  • Herzstolpern
  • Herzschmerzen
  • Herzschwäche
  • Krämpfe
  • Kreislaufzusammenbrüche
  • Nervosität und Schweißausbrüche
  • Schwindel
  • Seh- und Sprachstörungen

Vorsicht! – Bleibt die Arrhythmie unbehandelt, ist je nach Schwere der Grunderkrankung, Körperbelastung oder Vergiftung mit einem Schlaganfall, Herzinfarkt, im schlimmsten Fall sogar mit plötzlichem Herztod zu rechnen. Patienten mit bestehender Herzkrankheit, Übergewicht oder entsprechender Lebensführung sollten bei Unregelmäßigkeiten im Herzrhythmus deshalb dringend einen Arzt aufsuchen.

Diagnose und Therapie bei Arrhythmie

EKG
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Herzprobleme lassen sich heutzutage am besten im Elektrodiagramm (EKG) feststellen. sowohl Belastungs- als auch Ruhe-EKG zeichnen Unregelmäßigkeiten im Bereich der Herzfrequenz zuverlässig auf und erlauben gemeinsam mit einer sorgfältigen Anamnese des Patienten auch Aussagen über mögliche Ursachen für die Arrhythmie. Eine geeignete Therapie richtet sich bei Herzrhythmusstörungen nach den vorliegenden Ursachen:

 

medikamentöse Therapie: Am besten geeignet zur Behandlung vieler Herzrhythmusstörungen sind Medikamente, die es vermögen, die Herzfrequenz zu regulieren. Oftmals besitzen die Präparate auch gefäßerweiternde Eigenschaften, die den Fluss und die Sauerstoffaufnahme des Blutes erleichtern. Zu den gängigsten Antiarrhythmika gehören Adenosin, Atropin, Betablocker und Calciumantagonisten.

Ernährungs- und Bewegungstherapie: Sind die Herzrhythmusstörungen auf Übergewicht oder geringe Belastbarkeit zurück zu führen, helfen gezielte Bewegungsangebote und Ernährungskurse, die Ursachen für Anomalien im Herzrhythmus zu bekämpfen. Wichtig ist dann in erster Linie, das Herz durch Gewichtsabnahme und Konditionstraining zu entlasten.

Entspannungstherapie: Patienten, deren koronare Rhythmusstörung auf emotionalen bzw. seelischen Aspekten beruht, werden Entspannungsangebote dringend empfohlen. Der Alltag muss unbedingt stressfreier, sowie die sowie die seelischen Problemwelten minimiert werden, damit das Herz zu seinem gewohnten Rhythmus zurück findet.

Operationen: Sollte eine schwere Herzerkrankung für die Arrhythmie verantwortlich sein, bilden Bypass- und Katheteroperationen oft den letzten Ausweg. In manchen Fällen von koronaren Rhythmusstörungen wird sogar der Einsatz eines Herzschrittmachers notwendig, sofern sich der Herzschlag nicht durch Medikamente und andere Therapieoptionen regulieren lässt.

 

Prävention und Vorsorge gegen Herzrhythmusstörungen

Ein Großteil aller Herzrhythmusstörungen ließe sich durch eine gesunde Ernährung und Lebensweise erfolgreich verhindert. Zur Prävention ist daher jeder Einzelne dazu angehalten, seine Herzfunktion störfrei zu halten:

  • Meiden Sie Lebensmittel mit viel Zucker und Fett. Die Zusätze können Übergewicht und Herzkrankheiten wie Arterienverkalkung auslösen – Einflussfaktoren, welche die Entstehung von Herzrhythmusstörungen befördern.
  • Steigern Sie die Leistungsfähigkeit ihres Herzmuskels durch regelmäßige Bewegung, denn mit jeder Bewegungseinheit wird das Herz stärker und somit weniger anfällig für Rhythmusstörungen.
  • Verzichten Sie auf den übermäßigen Konsum von Genuss- und Rauschmitteln. Nicht nur Drogen und Zigaretten, auch Koffein und Energydrinks wirken sich auf den Herzschlag aus, weshalb eine Überdosierung nicht ratsam ist.
  • Innere Unruhe, verursacht durch Stress oder Aufregung, sorgt häufiger für Herzrhythmusstörungen, als viele glauben. Der moderne Alltag unserer leistungsorientierten Gesellschaft begünstigt stressbedingte Arrhythmien noch zusätzlich. Stellen Sie deshalb sicher, dass Ihr Leben so weit wie möglich stressfrei bleibt.

Fazit

Herzrhythmusstörungen sind ein klassisches Anzeichen dafür, dass Herz und Gefäße einer ungesunden Belastung ausgesetzt sind. Diese kann sowohl physischer als auch psychischer Natur sein und sollte mit Blick auf ein erhöhtes Herzinfarkt- und Herztodrisiko nicht unterschätzt werden. Insbesondere wenn die Rhythmusstörungen gehäuft auftreten, ist es deshalb sinnvoll, wenn Sie Ihre gesundheitliche Situation durch einen Arzt abklären lassen.