Donnerstag, Juni 20, 2019

Herzmuskelentzündung (Myokarditis)

Herzmuskelentzündung (Myokarditis) – Ursachen, Symptome, Therapie

Findet im Bereich des Herzens ein Entzündungsprozess statt, so spricht man von einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis). Laut Angaben des statistischen Bundesamts erkranken jährlich mehr als 280 000 Patienten an dieser koronaren Infektion, welche für gut 7 % aller Herztode verantwortlich ist. Als Ursache für die Entzündung reicht gelegentlich schon eine simple Erkältung aus. Wie genau die lebensgefährliche Myokarditis zustande kommt, und was Sie persönlich tun können, um sich und Ihr Herz davor zu schützen, erfahren Sie hier.

Was ist eine Herzmuskelentzündung – Einzelheiten zur Myokarditis

Das Herz ist ein kräftiger Muskel, der pro Minute ganze 4 bis 5 Liter Blut durch den Körper pumpt. Ist der Herzmuskel allerdings einer Entzündung ausgesetzt, kann er seine körperliche Arbeit nicht mehr korrekt ausführen. Auf lange Sicht droht durch eine Herzmuskelentzündung deshalb ein koronares Komplettversagen, das sich in plötzlichem Herzversagen oder Herzinfarkt äußern kann.

Zurück zu führen ist Myokarditis meist auf bestehende Immunschwächen (z.B. durch eine vorangegangene Erkältung), die das Vordringen von Krankheitserregern wie Bakterien, Parasiten oder Viren bis ins Herz zur Folge haben. Je nach Erreger ist in diesem Zusammenhang auch nach erfolgreicher Ausheilung mit einer bleibenden Anfälligkeit des Herzens für Folgeentzündungen zu rechnen. Unterschieden wird bei einer Herzmuskelentzündung demnach zwischen akuten und chronischen Verläufen. Ebenso lässt sich die Erkrankung in Abhängigkeit von ihrer Lage wie folgt einteilen:

  • Myokarditis – Infektion betrifft einen einzelnen Entzündungsherd im Herzmuskel
  • Perimyokarditis – Infektion betrifft Herzmuskel und Herzbeutel
  • Pankarditis – Infektion betrifft den Herzmuskel, Herzbeutel und Herzinnenwand

Ursachen für Myokarditis

Herzstolpern
CC0

Eine Herzmuskelentzündung wird in mehr als 50 Prozent der Fälle durch Viren ausgelöst. Das entsprechende Virus ist aber längst nicht immer bekannt, geschweige denn nachweisbar. Darüber hinaus können auch andere Faktoren das körperliche Abwehrsystem schwächen und somit ein Vorrücken von Krankheitserregern ins Herz begünstigen. Als häufigste Auslöser für eine Myokarditis zählen hierbei:

 

virale Vorerkrankungen: Ob seltene Viruskrankheiten wie Meningitis oder scheinbar harmlose Allgemeinkrankheiten wie die Erkältung – die Wege, auf denen sich Viren ins Herz verirren können sind vielseitig. Als häufigste Auslöser für eine Herzmuskelentzündung gelten dabei Enteroviren, Grippe- und Mumpsviren, sowie der Coxsackie-Virus.

bakterielle Vorerkrankungen: Auch ein bakterieller Infekt, wie er bei Scharlach, Borreliose, Syphilis oder Diphterie vorliegt, ist als Ursache für eine Herzmuskelentzündung nicht auszuschließen. Gerade Streptokokken, Pneumokokken und Tuberkuloseerreger sind diesbezüglich nicht zu unterschätzen, da sie die körperliche Immunabwehr stark herabsetzen.

bestehende Autoimmunerkrankungen: Ebenfalls bedenklich sind in Sachen Krankheiten Autoimmunerkrankungen als Wegbereiter für Entzündungen des Herzens. Bekannt sind unter anderem Sarkoidose oder Lupus erythematodes als autoimmune Risikofaktoren für Myokarditis.

Risikofaktor Schwangerschaft: Leidet die Mutter während der Schwangerschaft an einer Infektionskrankheit bzw. einer Autoimmunerkrankung, kann sich das Kind über die Nabelschnur anstecken. In manchen Fällen entwickelt das Ungeborene so eine Herzmuskelentzündung, welche aber zumeist direkt nach der Geburt festgestellt wird und behandelt werden kann.

Vergiftungen: Liegt der Herzmuskelentzündung weder ein Infekt noch eine Autoimmunerkrankung zu Grunde, ist eine toxische Ursache für die Entzündung nicht auszuschließen. In Frage kommen hierbei zum einen Pilze wie Aspergillen oder Candida, deren Sporen nach dem Einatmen über die Lungen in die Blutbahn und in Folge bis zum Herz gelangen. Zum anderen sind auch toxische Vorgänge durch starke Alkoholabhängigkeit und chemotherapeutische Behandlungen denkbar. Damit einhergehende Immunschwächen bedeuten dabei eine zusätzliche Gefahr für die erfolgreiche Bekämpfung von infektiösen Krankheitserregern.

 

Welche Symptome verursacht eine Herzmuskelentzündung?

Die Diagnosestellung bei Myokarditis erfordert von Patienten und Ärzten manchmal einiges an Geduld, da kein spezifisches Leitsymptom existiert. Tatsächlich verläuft eine Herzmuskelentzündung oftmals symptomlos, was das gelegentliche Auftreten von Herzversagen oder einem Herzinfarkt trotz guter Behandlungsmethoden erklärt. Da eine Herzmuskelentzündung aber meist als Folge bestehender Vorerkrankungen auftritt, sollten Sie bei ungewöhnlich intensiver Ausprägung folgender Symptome hellhörig werden:

  • Müdigkeit
  • allgemeines Unwohlsein
  • hohes Fieber
  • Atemnot
  • Brustschmerzen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzstolpern

 

Achtung! Eine unerkannte Herzmuskelentzündung kann bei sportlichen Höchstleistungen lebensgefährliche Symptome wie Herzinfarkt oder Herzstillstand verursachen! Wichtiger als sofortiger, wieder aufgenommener Leistungssport ist deshalb Schonung. Strapazieren Sie daher Ihre körperliche Leistung nach einer schweren Grippe oder ähnlichen Erkrankungen nicht über und lassen Sie Ihren Gesundheitszustand zuvor von einem Arzt abklären.

Diagnose und Therapie bei Myokarditis

© Henrie - fotolia.com
© Henrie – fotolia.com

Hauptbestandteil der Diagnostik bildet bei Herzmuskelentzündung die Krankengeschichte des Patienten. Anfälligkeiten für Myokarditis sind oftmals erblich bedingt, weshalb sie stets genaue Angaben zur familiären Krankheitshäufigkeit machen sollten. Nach einer sorgfältigen Anamnese wird in der Regel ein Elektrokardiogramm (EKG) durchgeführt, das eventuelle Unregelmäßigkeiten im Herzschlag offenbart. Als alternative bzw. ergänzende Diagnosemaßnahme kann das Herz einem Echokardiogramm (Herzmuskelultraschall) unterzogen werden.

Noch unerlässlicher als bildgebende Verfahren sind bei Herzmuskelentzündung sorgfältige Blutuntersuchungen. Diese haben zum Ziel, Virenstämme und Bakterienherde frühzeitig ausfindig zu machen. Auch geben Herzenzymwerte Ärzten Aufschluss über mögliche Herzerkrankungen, die bei einer anschließenden Therapie unter Umständen berücksichtigt werden müssen.

 

Entlastungstherapie: Auch wenn hochaktive Patienten es bisweilen als unerträglich empfinden, so ist bei Myokarditis die gezielte Schonung des Herzens mitunter am effektivsten. Körperliche Anstrengungen und exzessive Sportarten müssen während der Ausheilung der Herzmuskelentzündung definitiv vermieden werden, wenn das Herz so schnell wie möglich wieder zu alter Form auflaufen soll. Darüber hinaus kann die Schonung für eine Stärkung des Immunsystems sorgen, was die Genesung weiter beschleunigt.

Punktion: Liegt beim Patienten eine Perikariditis, also eine Herzmuskelentzündung mit Beteiligung des Herzbeutels vor, kann es zu Ergüssen kommen. Um der Gefahr einer Herzbeuteltamponade vorzubeugen, muss der Herzbeutel deshalb umgehend punktiert und die Flüssigkeitsansammlungen so abgeleitet werden.

Transplantation: Bei massiv-schwerwiegenden Infektionen des Herzens bleibt als letzte Alternative nur eine Herztransplantation. Da die Herzmuskelentzündung allerdings in etwa 70 Prozent der Fälle ohne Komplikationen wieder abheilt, ist ein solcher Eingriff eher selten.

 

Tipps zu Hausmitteln und Präventivmaßnahmen bei Herzmuskelentzündung

Vorbeugend hilft es, sich bei Grippe und anderen Infektionserkrankungen genügend Zeit für die Genesung zu nehmen. Selbstverständlich sollte während dieser Zeit auf Zigaretten und Alkohol verzichtet werden, da die Genussmittel eine Verengung der Blutgefäße und somit einen Stau von Infektionserregern am Herzen begünstigen.

  • Je dünner das Blut, umso einfacher passiert es das Herz und verhindert einen Stau bakterieller Erreger im Bereich des Herzmuskels. Achten Sie daher auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, die idealerweise aus Wasser und ungesüßten Tees ohne künstliche Aromen besteht. Vermeiden Sie jedoch Teesorten, welche die Temperatur anregen, da übermäßiges Schwitzen eine Belastung für das Herz darstellt. Als Süßmittel verwenden Sie am besten Honig, da dieser eine antibiotische Wirkung besitzt.
  • Sofern Sie an einer Herzmuskelentzündung erkrankt sind, aber auch wenn sie dieser nach einer Erkrankung vorbeugen möchten, sollten Sie sich unbedingt eine Auszeit und die damit verbundene körperliche Schonung gönnen. Treiben Sie, wenn überhaupt, nur mäßig Sport und vermeiden Sie das Heben schwerer Lasten, um Ihr Herz zu entlasten.
  • Auch Aufregung und nervliche Belastungen wie Stress oder Streit zählen zu den Einflussfaktoren, die dem Herzmuskel bei Myokarditis schaden können. Sorgen Sie demnach für einen stressfreien Alltag und hüten Sie sich vor hitzigen Auseinandersetzungen bzw. Streitgesprächen.
  • Ergänzend zur körperlichen Schonung hilft frische Luft erfahrungsgemäß sehr gut, um einen Infekt auszuheilen und die Durchblutung zu fördern. Lüften Sie daher regelmäßig, achten Sie aber darauf, Zugluft zu vermeiden. Ebenso können Sie einen Spaziergang tätigen, welcher mit Blick auf erhöhte Anstrengungen aber nicht länger als 10 bis 15 Minuten dauern sollte.

Fazit

Obwohl eine Herzmuskelentzündung zumeist harmlos verläuft und gut behandelbar ist, sollten Herzinfarkt und Herzversagen als Folge der Erkrankung nicht unterschätzt werden. Heilen Sie Infektionskrankheiten, die für Ihr Herz gefährlich werden könnten, deshalb so schnell es geht aus und belasten sie Ihren Körper während etwaiger Genesungsprozesse nach einem Befall mit Bakterien oder Viren nicht übermäßig.