Dienstag, November 19, 2019

Grüner Star

Grüner Star – Tipps und Infos zum Glaukom

Das Glaukom – im Allgemeinen häufig auch als Grüner Star bezeichnet – gehört zu den Augenerkrankungen, deren Auswirkungen von vielen Verbrauchern unterschätzt werden. Dabei gehen Mediziner davon aus, dass das Glaukom mit zu den häufigsten Erblindungsursachen gehört – weltweit sollen etwa 15 Prozent der Erblindungen auf die Auswirkungen des Glaukoms zurückgehen. Was macht den Grünen Star so gefährlich?

Grundsätzlich handelt es sich beim Glaukom nicht um eine Krankheit, der Begriff fasst mehrere Augenerkrankungen zusammen, die aber in der letzten Konsequenz zum gleichen Ergebnis führen – einer Erblindung der Betroffenen. Das Problem: Anders als beispielsweise die Linsentrübung des Katarakts (Grauer Star) entwickelt sich das Glaukom schleichend. Patienten bemerken dessen Auswirkungen erst im fortgeschrittenen Stadium – wenn der Sehnerv bereits stark geschädigt ist.

Glaukom: Die Ursachen für den Grünen Star

In der Wahrnehmung einer breiten Bevölkerungsschicht wird die Entwicklung des Glaukoms vor allem mit einem hohen Augeninnendruck verknüpft. Allerdings zeigt die medizinische Praxis, dass diverse Glaukome sich auch bei normalem Augeninnendruck ausbilden (Normaldruckglaukom). Die Ursache für den Grünen Star lässt sich also nicht immer allen auf den Augeninnendruck schieben. Allerdings ist ein hoher Innendruck sehr oft an der Entstehung des Glaukoms beteiligt.

 

  • Hochdruckglaukom:

Das menschliche Auge besteht aus drei Kammern: dem Glaskörper (hinter der Linse) sowie der vorderen und der hinteren Augenkammer. Durch das in der hinteren Augenkammer gebildete Kammerwasser, welches über die Pupille in die vordere Augenkammer fließt, wird der Augeninnendruck aufgebaut. Dessen Höhe hängt von Neubildung und Abfluss ab. Bei einem gesunden Gleichgewicht liegen die Innendruckwerte zwischen 10 bis 21 mm Hg. Bei vielen Glaukompatienten kommt es zu einer Störung im Abfluss des Kammerwassers und damit zu einem steigenden Augeninnendruck. Dieser hat zur Folge, dass die Durchblutung im Sehnerv behindert wird, was langfristig zu dessen Degeneration führt.

Das Problem: Ab welchen Werten ein erhöhter Augeninnendruck kritisch wird, ist von Person zu Person verschieden. Beispielsweise kann ein erhöhter Blutdruck die Wirkung eines hohen Innendrucks im Auge ausgleichen. Und nicht bei jedem Patienten ist eine manifeste Augeninnendruckerhöhung messbar. Einige Patienten leiden an einem Glaukom aufgrund temporärer Druckspitzen, nach denen sich der Innendruck zwar normalisiert, es trotzdem zu einer Schädigung des Sehnervs kommt. Bei anderen Patienten fehlt der erhöhte Augeninnendruck ganz.

 

Horner-Syndrom
CC0
  • Normal- oder Niederdruckglaukom:

Es kommt in der medizinischen Praxis immer wieder vor, dass Patienten trotz normaler Innendruckwerte im Auge an einem Glaukom leiden. Die Medizin spricht hier von einem Normaldruckglaukom, dessen Entstehung mit Durchblutungsstörungen des Sehnervs in Verbindung gebracht wird. Niedriger Blutdruck kann beispielsweise dazu führen, dass bereits der normale Augeninnendruck problematisch wird. Neben diesen beiden Varianten kann ein Glaukom auch angeboren sein. Hier ist ein fehlentwickelter Kammerwinkel die Ursache des gestörten Abflusses. Dieses kongenitale Glaukom kann sehr schnell progradieren, weshalb nach einer Diagnose operative Eingriffe wahrscheinlich sind.

 

  • Sekundäre Glaukome:

Neben den genannten primären Glaukomen treten entsprechende Augenerkrankungen auch in der Folge andere Krankheitsbilder auf – und werden als sekundäre Glaukome bezeichnet. Deren Ursache kann recht vielschichtig sein und reichen von Gefäßveränderung im Zuge einer Diabetes-Erkrankung bis hin zu Abflussstörungen durch starke Fehlsichtigkeiten oder Arzneimittel (Engwinkelglaukom).

Symptome des Glaukoms

Der klassische Grüne Star ist eine Erkrankung, die über weite Strecken symptomlos verläuft. Sehr häufig werden erste Anzeichen sehr spät bemerkt oder durch Patienten falsch interpretiert, weshalb eine wirksame Behandlung oft erst im fortgeschrittenen Stadium erfolgt. Da das primäre Glaukom in der Regel schmerzfrei bleibt, sind allein Veränderungen im Sehvermögen bzw. der Wahrnehmung ein Indiz auf das Glaukom. Bekannt ist die Tatsache, dass der Grüne Star zu Gesichtsfeldausfällen führt. Dabei werden Bereiche im normalen Sehfeld ausgeblendet, da die für diesen Bereich verantwortlichen Sinneszellen des Sehnervs degeneriert sind. Gesichtsfeldausfälle können sowohl die Peripherie als auch die Mitte des Sehfelds betreffen. Weniger bekannt ist als Symptom das Auftreten farbiger Ringe um Lichtquellen, die auf Epithelödeme hindeuten.

Hinweis: Das angeborene Glaukom bei Säuglingen ist schwer zu erkennen. Es äußert sich in einem auffälligen Verhalten des Kindes (häufiges Schreien, das Führen der Hände zum Auge), Lichtscheu, tränende und große Augen und möglicherweise auch Hornhauttrübungen.

Anders die Situation beim sogenannten Glaukomanfall. Hier kommt es durch eine Verlegung des Abflusses zum sprunghaften Ansteigen des Innendrucks. Die Symptome sind:

  • starke Kopf- und Augenschmerzen
  • ein gerötetes Auge
  • eine Verhärtung des Augapfels
  • das Anschwellen der Hornhaut
  • Übelkeit und Erbrechen sowie
  • deutlich wahrnehmbare Sehstörungen.

Treten bei Ihnen diese Symptome auf, ist Eile geboten – der Glaukomanfall kann zum Erblinden führen. Der behandelnde Arzt wird hier in der Regel Druckwerte zwischen 60 bis 70 mm Hg feststellen.

Tipp: Sekundäre Glaukome stehen in enger Verbindung zur Grunderkrankung, weshalb die Symptomhaftigkeit relativ individuelle Ausprägungen annehmen kann.

Diagnose und Behandlung des Glaukoms

Aufgrund seiner Besonderheiten ist das Glaukom auch diagnostisch nicht ohne Weiteres zu identifizieren. Die Messung des Augeninnendrucks ist in der Regel nicht ausreichend, da Normaldruckglaukome so nicht erkannt werden. Stattdessen arbeitet die Medizin mit einer Kombination verschiedener Diagnoseverfahren. Parallel zur Druckmessung wird über eine Untersuchung des Augenhintergrunds der Sehnerv bzw. dessen Schädigung überprüft. Mittels einer Augenspiegelung kann der Arzt die für das Glaukom typische Exkavation (Vergrößerung der Delle) des Sehnervs diagnostisch erfassen. Darüber hinaus wird per Gesichtsfeldmessung bestimmt, ob es bereits zu Ausfällen in der Wahrnehmung gekommen ist. Für weitere Aussagen kommt zudem eine Untersuchung des Augenraums mittels Spaltlampe in Betracht.

Die Behandlung eines Glaukoms kann auf unterschiedliche Weise erfolgen – entweder auf Basis diverser Arzneimittel oder durch operative Eingriffe. Das Ziel der einzelnen Therapieansätze ist allerdings gleich: Es geht um die Druckminderung im Auge. Der individuell zu erreichende Zieldruck soll eine weitere Schädigung des Sehnervs verhindern. Denkbar ist an dieser Stelle einerseits die Einflussnahme auf die Produktion des Kammerwassers (durch Medikamente bzw. Verödung des Ziliarkörpers) oder auf der anderen Seite eine Erhöhung des Abflusses (z. B. durch Prostaglandine oder Cholinergika sowie die Schaffung neuer Abflusskanäle). Eines kann die Medizin allerdings nicht – die Schädigung des Sehnervs wieder rückgängig machen.

Vorbeugung und Prophylaxe beim Grünen Star

Das Glaukom lässt sich in seiner Entstehung im Regelfall nicht ohne Weiteres verhindern. Allerdings ist eine Erkennung vor den Beginn funktioneller Beeinträchtigungen möglich. Daher sind Vorsorgeuntersuchungen das einzig richtige Mittel. In der Regel sollte damit ab dem 40. Lebensjahr begonnen werden, da die Wahrscheinlichkeit ab diesem Zeitpunkt deutlich steigt. Da gewisse Erkrankungen, wie starke Fehlsichtigkeiten und Erbfaktoren eine Rolle spielen, sollten Sie – sofern dies für Ihre Familie zutrifft – bereits früher mit ersten Vorsorgeuntersuchungen beginnen. Gleiches gilt, wenn Verletzungen bzw. Erkrankungen des Auges hinter Ihnen liegen.

Fazit

Das Glaukom ist eine Erkrankung des Auges, deren Folgen Sie nicht unterschätzen sollten. Schließlich haben Sie nur ein Augenlicht – und geschädigte Sehnerven lassen sich trotz aller Fortschritte in der Medizin nicht mehr rückgängig machen. Besonderes Augenmerk ist vor allem dann gefragt, wenn Sehstörungen bereits vorhanden sind oder es in Ihrer Familie bereits Angehörige mit Grünem Star gibt. Denn rechtzeitig erkannt kann Schlimmeres verhindert werden.