Donnerstag, Juni 20, 2019

Endokarditis

Endokarditis – Ursachen, Symptome, Therapie

Es ist die Aufgabe des Immunsystems, in den Organismus eindringende Bakterien abzuwehren, bevor sie sich im Körper einnisten können. Gelingt dies nicht und bakterielle Erreger dringen bis in die Herzregion vor, ist eine Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) nicht auszuschließen. Von der Erkrankung sind laut deutscher Krankenhausstatistik jährlich zwischen 10 000 und 13 000 Personen betroffen, wobei Männer doppelt so häufig an der Erkrankung leiden wie Frauen. Dank fortschrittlicher Diagnose- und Behandlungsmethoden lässt sich eine Endokarditis heutzutage aber meist gut behandeln. Lesen Sie mehr zum Thema im folgenden Beitrag.

Was ist eine Herzinnenhautentzündung? – Einzelheiten zur Endokarditis

Als Endokarditis bezeichnet die Kardiologie eine bakterielle Entzündung der Herzinnenhaut (Endokard), welche die Herzklappen umgibt und blutleitende Gefäße von innen auskleidet. In den meisten Fällen sind Krankheitserreger wie Streptokokken, Staphylokokken oder Pneumokokken für die Herzinnenhautentzündung verantwortlich. Morphologisch unterschieden wird hierbei zwischen folgenden Arten der Erkrankung:

  • verruköse Endokarditis – die Endokarditis wird durch eine vorangegangene Streptokokkeninfektion ausgelöst und beginnt 1 bis 3 Wochen nach der Hauptinfektion.
  • ulceröse Endokarditis – die Herzinnenhaut wird durch die Entzündung im Bereich der Herzklappen tiefgreifend zerstört, was eine Nekrose durch bakterielle Erreger verursacht.
  • Endocarditis polyposa/ulceropolyposa – hierbei lagern die Bakterien thrombotisch an den Herzklappen und bewirken so ein Absterben der Zellen.
  • Endocarditis fibroplastica: es liegt ein Hypereosinophilie-Syndrom vor, an dessen Entzündung auch das Herz beteiligt ist. Neben thrombotischen Ablagerungen sind hier auch häufig die Ventrikelhöhlen breiter als gewöhnlich. Durch die Ausdehnung der Endokard kommt es auf Dauer zu einer Deformierung der Herzklappen.

Ursachen für Endokarditis

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Bei einer Endokarditis liegen für gewöhnlich bereits andere Gesundheitsbeeinträchtigen vor, denn ein herzgesunder Mensch verfügt über ein ausreichend starkes Immunsystem, um schädliche Bakterien abzuwehren. Als Auslöser für eine Herzinnenhautentzündung kommen demnach laut der Lehren der Kardiologie folgende Gründe in Frage:

 

Marasmus: das altgriechische Wort Marasmus steht wörtlich übersetzt für ‚austrocknen‘ oder ‚dahinschwinden‘. Es bezeichnet einen Protein- oder allgemeinen Energiemangel, aufgrund dessen sämtliche körpereigenen Energie- und Eiweißreserven aufgezehrt werden. Dieser Vorgang verursacht massive, teils irreparable Schäden and der körpereigenen Muskelmasse, was auch die Herzmuskulatur mit einschließt. Durch den allgemeinen Abbau wird die Widerstandskraft des Immunsystems massiv herabgesetzt und die Entstehung einer Endokarditis begünstigt

allgemeine Infektionen: Ob eine Seitenstrangangina, Nebenhöhlen- oder Mandelentzündung; bei jeder der genannten Erkrankungen sind Bakterien involviert. Die meisten Infektionen im Körper werden dabei durch Streptokokken verursacht, die auch bei Endokarditis eine übergeordnete Rolle spielen.

mangelnde Hygiene: Medizinische Eingriffe ohne ausreichende Sterilisierung der Operationswerkzeuge begünstigen den Übertritt von Bakterien in den Blutkreislauf ebenso wie eine alte, bakterienbesiedelte, Zahnbürste. Selbst verunreinigte Nahrungsmittel und Oberflächen, die eine bakterielle Verschmutzung aufweisen können als Ursachen für eine Herzinnenhautentzündung nicht ausgeschlossen werden. Ist das Lymph-Abwehr-System durch entsprechende Vorbelastungen erst einmal geschädigt, kann sich eine harmlose Entzündung hier schnell zu einer folgenschweren Systemerkrankung wie Endokarditis entwickeln.

Pilze: Wenngleich sich ein Pilzbefall eher selten zu einer Form von Endokarditis auswächst, sind Aspergillose- und Candidapilze als Ursache für eine Entzündung der Herzinnenhaut dennoch nicht gänzlich auszuschließen. Über die Luft aufgenommen, setzen sich die Pilzsporen primär in den Lungen fest, in welcher sie zur Erstinfektion führen. Wird die daraus resultierende Lungenentzündung nicht rechtzeitig behandelt, können die Sporen Richtung Herz wandern und dort eine Endokarditis oder Myokarditis auslösen.

 

Welche Symptome verursacht eine Herzinnenhautentzündung?

Ungewöhnliche Erkrankungen
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Da es unterschiedliche Gründe für eine Endokarditis gibt, sind auch die Beschwerden nicht immer gleich. Zudem existiert eine Reihe unspezifischer Symptome, die eine Diagnose deutlich erschweren. Je nach Ursache und Art der Krankheit präsentiert sich die Endokarditis also entweder deutlich spürbar oder versteckt. Darüber hinaus können die Symptome als Begleiterscheinung einer Vorerkrankung fehlgedeutet werden. Denkbar sind:

  • hohes Fieber (39 bis 40°C)
  • schneller Ruhepuls
  • allgemeine Schwäche
  • eventuell Schüttelfrost
  • untypischer Gewichtsverlust
  • erhöhte Müdigkeit
  • Blutarmut
  • punktförmige Blutungen an der Haut
  • bläuliche oder blasse Lippenfarbe
  • vorhergehende Lungenentzündung

Diagnose und Therapie bei Endokarditis

Um bei Herzinnenhautentzündung eine verlässliche Diagnose erstellen zu können, benötigt der Arzt eine möglichst genaue Angabe bestehender Symptome. Besteht aufgrund der Beschwerden der Verdacht auf eine entzündete Endokard, wird in der Kardiologie meist auf die sogenannten Duke-Kriterien zurückgegriffen. Hierfür wird im Blut des Patienten nach bestimmten Mikroorganismen gesucht, zum Beispiel nach Bakterien wie Streptokokken oder Staphylokokken. Ist dieses Kriterium erfüllt, erfolgt im nächsten Schritt eine Echokardiografie (EKG), in welchem nach typischen Merkmalen für die Endokarditis gesucht wird. Sofern die Herzklappen betroffen sind, liefert die Herzklappenaktivität hier beispielsweise zuverlässige Hinweise.

Neben den Duke-Hauptkriterien gibt es noch einige Nebenkriterien, die auf eine bakterielle Herzinnenhautentzündung hindeuten. Eine sorgfältige Anamnese des Patienten ist darum essenziell, damit sich mögliche Risikofaktoren (z.B. intravenöser Drogenkonsum) feststellen lassen. Auch mögliche Hygienemängel im Alltag oder während einer vorangegangenen Operation sollten Sie hier als Ursache in Erwägung ziehen.

  • medikamentöse Therapie: Eine Endokarditis wird, meist über eine Zeitraum von vier bis sechs Wochen, mit intravenösen Antibiotikainjektionen behandelt. In dieser Zeit wird der Patient aufmerksam überwacht, damit sicher gestellt werden kann, dass die Behandlung Wirkung zeigt und sich die Symptome nicht verschlimmern.
  • Entlastungstherapie: Ähnlich wie bei einer Myokarditis ist auch bei einer Endokarditis strikte körperliche Schonung von Nöten, um das Herz während der Genesung zu entlasten. Sport oder große Anstrengungen müssen zu therapeutischen Zwecken deshalb grundsätzlich vermieden werden. Zudem kann eine gezielte Entlastungs- bzw. Entspannungstherapie helfen, Stress und Aufregung effektiv zu vermeiden.

Tipps zu Hausmitteln und Präventivmaßnahmen bei Endokarditis

Eine durch Bakterien verursachte Herzinnenwandentzündung lässt sich nicht durch Hausmittel heilen. Allerdings gibt es einige, privat anwendbare Tricks, die positiv auf Symptome wie Fieber und Abgeschlagenheit einwirken und den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern:

  • Weißdornblüten, Baldrianwurzel, Melisse und Arnikablüten empfehlen sich für Kräutertees gegen Endokarditis sehr. So hemmt Arnika beispielsweise zuverlässig Entzündungen und Melisse entspannt Körper, Herz und Geist. Generell empfiehlt sich der Konsum von Tee, alleine schon deshalb, weil er die Nerven und somit auch den Puls beruhigt. Auf anregende Teesorten wie Grüntee, Schwarztee und dergleichen sollte jedoch tunlichst verzichtet werden, um das Herz zu schonen. Auch sollten Sie auf eine richtige Dosierung der Kräuter achten, damit keine Nebenwirkungen auftreten.
  • Der Wirkstoff des Roten Sonnenhutes (Echinacea purpurea) wirkt immunstimulierend, was die körpereigene Bekämpfung von schädlichen Bakterien unterstützen kann. Einnehmbar über Sprays oder Tabletten fördert das Kraut also nachhaltig die Immunabwehr, was der Ausheilung von Endokarditis zuträglich sein kann und vor Folgeerkrankungen schützt.
  • Ungesättigte Fettsäuren, insbesondere Omega-3-Fettsäuren, wirken positiv auf die Funktion des Herzens und dessen Zellstabilität ein. Enthalten sind entsprechende Fette vor allem in frischen Meeresfischen wie Hering, Makrele, Lachs und Thunfisch. Alternativ können Sie auch auf spezielle Kapseln zurückgreifen, die in Apotheken als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich sind.
  • Nach einer überstandenen Herzinnenhautentzündung benötigt der Herzmuskel besondere Aufmerksamkeit. Regelmäßige Bewegung ist nicht nur eine Prophylaxe, sondern tut dem Herzen auch nach einer Krankheit gut. Ein Spaziergang an der frischen Luft, in moderatem Tempo, stabilisiert dabei nicht nur den Kreislauf, sondern fördert auch die Abwehrkräfte.
  • Keine Prophylaxe schützt so gut vor Herzerkrankungen wie ein gesunder Lebensstil. Ernähren Sie sich also stets gesund und achten Sie auf eine ausreichende Hygiene um Alltag. Von Rausch- und Genussmitteln ist mit Blick auf mögliche Schäden am Herzen abzusehen.

Fazit

Herzgesunden Menschen bleibt das Durchleiden einer Endokarditis in den meisten Fällen erspart. Auch werden Risikopatienten bei routinemäßigen Check-Ups durch den behandelnden Hausarzt über das bestehende Risiko informiert, was der Entzündung der Herzinnenhaut bereits einen Teil des Schreckens nimmt. Wenngleich gut behandelbar, sollten Sie aber auf eine ausreichende Vorsorge setzen, damit es erst gar nicht zu einer therapeutischen Behandlung Ihrer Herzklappen kommen muss.