Sonntag, Dezember 15, 2019

Keuchhusten

Keuchhusten – Tipps und Infos zu Pertussis

Pertussis, vielen Haushalten eher bekannt als Keuchhusten, ist eine Infektionskrankheit – ausgelöst durch Bakterien der Gattung Bordetella. Kennzeichen bzw. namensgebend sind anfallsartige, schwere Hustenattacken. Typischerweise verläuft eine Keuchhustenerkrankung in drei Stadien, die sich – inklusive der Inkubationszeit – über einen Zeitraum von bis zu 16 Wochen erstrecken können, weshalb Pertussis auch als „100-Tage-Husten“ bezeichnet wird. In Deutschland ist Keuchhusten seit 2013 eine meldepflichtige Erkrankung.

Besonders häufig ist Keuchhusten (laut Epidemiologischem Bulletin des RKI) in der Altersgruppe der 5- bis 14-Jährigen. Neben den klassischen Symptomen kann es nach einer Infektion mit Bordetella-Vertretern zu atypischen Verläufen und Komplikationen kommen. In die letztere Kategorie fallen neben Sekundärinfektionen unter anderem Krampfanfälle und Hirnschäden.

Die Ursache der Pertussis

Auslöser des Keuchhustens sind Bakterien aus der Gattung Bordetella, genauer Bordetella pertussis und B. parapertussis. Beide Bordetella-Vertreter besetzen als Habitat die menschlichen Atemwege und besiedeln diese oberflächlich. Trotz der Tatsache, dass es durch B. pertussis bzw. B. parapertussis nicht zum Eindringen in den „Wirtskörper“ kommt, kann eine Infektion deutliche Spuren hinterlassen. Ursache ist die Produktion toxischer Substanzen, welche vom Erreger aus in den besetzten Organismus gelangen und sich hier weiter verbreiten können. Verbreitet durch eine Tröpfcheninfektion, kann der Erreger von Mensch zu Mensch springen und wirkt in diesem Zusammenhang hochgradig infektiös.

Symptome

Eine Infektion mit den Erregern des Keuchhustens muss nicht zwangsläufig vom bekannten Leitsymptom – den stakkatoartigen Hustenanfällen – begleitet werden. Es sind Krankheitsverläufe bekannt, die deutlich von den klassischen Anzeichen für Pertussis abweichen. Generell wird der Krankheitsverlauf einer Keuchhustenerkrankung in drei Stadien eingeteilt, dem:

  • Stadium catarrhale
  • Stadium convulsivum
  • Stadium decrementi.

Diesen Stadien geht im Normalfall eine Inkubationszeit voraus, die zwischen fünf bis 21 Tage dauern kann (nach Epidemiologischem Bulletin des RKI; je nach Quelle werden abweichende Inkubationszeiten zwischen sieben bis 14 Tagen angegeben). An diese Inkubationszeit schließt sich das Stadium catarrhale an.

Keuchhusten
CC0

 

  • Stadium catarrhale:

Keuchhusten entwickelt in dieser Phase erkältungsähnliche Symptome wie Fieber, Schnupfen und ein trockener Husten. In diesem Stadium bzw. 14 Tage nach Beginn des Hustens ist die Ansteckungsgefahr durch Bordetella-Erreger am höchsten.

 

  • 2. Stadium convulsivum:

In diesem Stadium entwickeln Betroffene das typische Pertussis Leitsymptom – den anfallsartigen Husten mit hervorgestreckter Zunge und dem Keuchen am Ende der Hustenattacke (entsteht durch das Einatmen gegen die geschlossene Stimmritze). Die Hustenanfälle treten gehäuft in den Abend- und Nachtstunden in Erscheinung und sind geprägt von bis zu 10 Hustenstößen, die vom typischen Einatemgeräusch abgeschlossen werden.

Eine weitere Begleiterscheinung des Keuchhustens kann zäher, glasig wirkender Schleim sein, den Betroffene hervorwürgen. Hinzu kommen als Symptome Erbrechen, eine rote bis blaue Gesichtsfärbung, Blutungen aus der Nase bzw. der Augenbindehaut sowie tränende Augen. Da die stakkatoartigen Hustenanfälle eine enorme Anstrengung darstellen und sich innerhalb weniger Stunden mehrfach wiederholen, sind Muskel-, Bauch- und Kopfschmerzen ebenfalls bekannte Begleiterscheinung des Keuchhustens im Stadium convulsivum. Für die Dauer dieses Stadiums wird in der Literatur ein Zeitraum von sechs bis zehn Wochen angegeben.

Hinweis: Aufgrund ihrer anatomischen Besonderheiten sind Säuglinge durch die Hustenanfälle stark gefährdet, es kommt hier mitunter zum Atemstillstand und Erstickungsanfällen.

 

  • 3. Stadium decrementi:

Die letzte Phase des Keuchhustens ist vom langsamen Abklingen der Anfälle gekennzeichnet und wird in der Literatur auch als bronchitische Genesungsphase beschrieben. Im Stadium decrementi lässt nicht nur die Häufigkeit des Hustens nach, auch dessen Schwere geht zurück. Bis zum endgültigen Abklingen der Symptome können zwischen sechs bis zehn Wochen vergehen.

Diagnose und Behandlung

Grundsätzlich ist bei einer Erkrankung mit klassischem Symptombild der stakkatoartige Husten ein wesentliches Merkmal, um einen ersten diagnostischen Hinweis zu liefern. Da unter Jugendlichen und Erwachsenen die Infektion teilweise atypisch verlaufen kann, muss der Verdacht Keuchhusten auf anderem Weg bestätigt werden. Eine Variante wäre das Anlegen von Kulturen aus dem Sekret des Nasen-Rachen-Raums. Als zweite Möglichkeit lassen sich nach erfolgter Infektion serologisch Antikörper nachweisen, deren Bildung allerdings einen Zeitraum von mehreren Wochen in Anspruch nimmt. Effizienter ist die Diagnose mittels Polymerase-Kettenreaktion, mit welcher das Erbmaterial des Erregers nachgewiesen wird.

Behandelt wird Keuchhusten in der Anfangsphase (S. catarrhale bzw. frühes S. convulsivum) in erster Linie durch die Gabe eines Antibiotikums. Da die Symptome durch Toxine der Erreger ausgelöst werden, lässt sich damit die Symptomatik nur zum Teil beeinflussen. Letztlich ist es nötig, Anstrengung zu vermeiden, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und wenn möglich nur leichte Speisen aufzunehmen. Hilfreich können bei Keuchhusten Inhalationen sein. Da auch nach Beginn der Behandlung noch ein Infektionsrisiko von Betroffenen ausgeht, ist vom Kontakt mit anderen Personen abzusehen.

 

  • Hinweis: Da Säuglinge einer besonderen Gefahr ausgesetzt sind, sollte deren Therapie stationär erfolgen, um auf Notsituationen umgehend reagieren zu können.

Vorsorge und Prävention

Da eine Behandlung akuter Fälle für die Betroffenen nur bedingt die Symptome lindert, ist die Impfung gegen den Erreger der einzig wirksame Schutz. Besonders Säuglinge und Kinder stehen bei der Immunisierung gegen Keuchhusten im Mittelpunkt. Begonnen wird damit im Regelfall ab einem Alter von acht bis zehn Wochen mit der Erstimpfung, an die sich im Säuglings-/Kleinkindalter drei weitere Auffrischungsimpfungen anschließen. Im Abstand von ca. sechs bis sieben Jahren sollte der Impfschutz aufgefrischt werden.

 

  • Hinweis: Der Impfschutz gegen Keuchhusten verliert sich nach einigen Jahren. Erwachsene, die regelmäßigen Kontakt zu Kindern pflegen bzw. Paare mit Kinderwunsch sollten sich deshalb regelmäßig gegen die Infektion mit den Erregern immunisieren lassen.

Fazit

Keuchhusten ist in erster Linie für Säuglinge und Kleinkinder eine Gefahr. Als Eltern sollten Sie den Impfschutz Ihrer Jüngsten daher sehr genau im Auge behalten. Denken Sie aber auch an die eigene Gesundheit. Sekundärinfektionen auf die leichte Schulter zu nehmen kann ein fataler Fehler sein. Lassen Sie sich vom Hausarzt in Bezug auf eine wirksame Immunisierung beraten. Denn das einzige Habitat des Erregers Bordetella pertussis ist der Mensch. Ein flächendeckender Impfschutz entzieht Keuchhusten den so wichtigen Nährboden.