Montag, August 26, 2019

Blutvergiftung

Blutvergiftung – Informationen zur Sepsis

Wenngleich äußere Verletzungen der Haut die bekannteste Ursache für eine Sepsis sind, kann sie ebenso die Folge anderer Infektionen des Körpers sein. Bleiben die Entzündungen nicht lokal begrenzt oder werden nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, suchen sich die Erreger innerhalb kürzester Zeit ihren Weg in die Blutbahn. Auf diese Weise verteilen sie sich im gesamten Blutkreislauf – eine Blutvergiftung oder ein septischer Schock ist dann die Folge.

Insgesamt sind ältere Menschen deutlich häufiger von der Vergiftung des Blutes betroffen als jüngere Menschen, was unter anderem wohl auch an der sich reduzierenden Regenerationsfähigkeit des Körpers im Alter liegt. Eine Anzahl von 154 000 Neuerkrankungen pro Jahr beweist dabei, dass die Erkrankung bei weitem kein Einzelfall ist. Zudem sterben in Deutschland jährlich ca. 60 000 Menschen an ihrer Blutvergiftung, was bedeutet, dass der Krankheitsverlauf in bis zu 60 Prozent der Fälle tödlich endet. Grund für die hohe Sterberate ist meist das zu späte Erkennen der lebensbedrohlichen Entzündungsreaktion.

Ursachen

Theoretisch können Blutvergiftungen durch alle Arten von Bakterien, Pilzen oder Viren hervor gerufen werden. Darmbakterien, E-coli Bakterien und typische Krankenhauskeime, wie Staphylokokken, Streptokokken und Meningokokken sind allerdings die häufigste Infektionsursache. Zu einer Ausbreitung im Körper kommt es dabei auf verschiedene Weise.

Infektion der Organe: Am schnellsten geschieht eine Verunreinigung des Blutes durch Entzündungen an den inneren Organen. Hierzu zählen unter anderem Harnwegsinfekte, sowie Blinddarm-, Hirnhaut- oder Lungenentzündungen, die nicht oder nicht vollständig ausgeheilt wurden.

Wundinfektionen: Neben Schlangen- und Spinnenbissen sind auch ganz gewöhnliche Schürf-, Platz-, Schnitt- und Operationswunden dazu in der Lage, eine Sepsis zu verursachen, sofern sie nicht ordnungsgemäß desinfiziert werden. Je größer die Wunde dabei ist, desto größer ist auch die Gefahr einer bakteriellen Ausbreitung. Daneben spielt auch das Wundumfeld eine entscheidende Rolle. Kann die Verletzung beispielsweise nicht ein einer sterilen und keimfreien Umgebung abheilen, ist es möglich, dass selbst desinfizierte Wunden neue Infektionserreger aufnehmen und im Nachhinein verunreinigt werden. Bestes Beispiel hierfür sind die Wundinfektionen in Krankenhäusern, welche bisweilen von einer mangelnden Hygiene der medizinischen Einrichtung her rühren.

Operative und chirurgische Infektionen: Zwei weitere Gefahrenherde, die eine Blutvergiftung begünstigen, sind verunreinigtes Operationsbesteck und medizinische Hilfsmittel. So können sich zum Beispiel durch nicht sterile Katheter, Skalpelle oder für die künstliche Beatmung genutzte Lungenschläuche ebenfalls Entzündungen der Organe ergeben, die in Folge eine Vergiftung des Blutes verursachen.

Symptome

Im Laufe einer länger anhaltenden Sepsis werden durch die Infektion organische Funktionen beeinträchtigt oder die Organe gänzlich zerstört. Auch die Gehirnfunktionen können davon betroffen sein, weshalb die Symptome einer Blutvergiftung manchmal auch die Motorik sowie Wahrnehmungs- und Erinnerungsvermögen umfassen. Häufige Begleiterscheinungen sind:

  • auffällige Hautflecken (insbesondere bei einer vorangegangenen Hirnhautentzündung)
  • Benommenheit und Verwirrung
  • erhöhte oder erschwerte Atmung
  • Fieber
  • gesteigerter Herzschlag
  • innere Unruhe
  • komatöse Zustände
  • Organische Austrocknung
  • Schmerzen an verschiedenen Körperstellen
  • Störung der Nierenfunktion
  • Taubheit in Extremitäten
  • zu niedriger Blutdruck
  • Unterkühlung (manchmal verbunden mit Schüttelfrost)

Behandlung

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Da die Diagnose meist erst anhand der Symptome erfolgen kann, wird eine Sepsis oftmals sehr spät erkannt. Lässt sich die Blutvergiftung schließlich doch noch feststellen, steht die Ursachenbekämpfung an erster Stelle. Dies bedeutet, dass zunächst die Quelle der Infektion (z.B. die Lungenentzündung) ausgeheilt werden muss. Begleitend zu der Behandlung der Infektionsquelle gibt es einige weitere Therapiekomponenten:

Antibiotikatherapie: Am besten ist es, wenn die Behandlung durch Antibiotika spätestens 24 Stunden nach der Erkrankung begonnen wird. Danach sollte die Dosierung und Anwendung der Arzneimittel in zwei bis drei Tagesintervallen angeglichen werden. Die Angleichung dient dazu, eine bakterielle Resistenz gegen das Antibiotika zu verhindern. Wahlweise können auch Antimykotika zum Einsatz kommen, sofern eine Infektion durch Candida Pilze nachgewiesen ist.

Volumentherapie: Die Regulierung der Blutzirkulation ist vor allem für die schnelle Verteilung der medikamentösen Wirkstoffe von unwahrscheinlicher Bedeutung. Aus diesem Grund muss gewährleistet werden, dass das Blut mit ausreichend Sauerstoff angereichert ist, damit es die Arzneistoffe so schnell wie möglich im ganzen Körper verteilen kann. Zu diesem Zweck werden während der Behandlung der Sepsis per Infusion bestimmte Flüssigkeiten zur Sauerstoffanreicherung verabreicht.

Hormontherapie: Lassen sich der Blutdruck sowie die Durchblutung der Organe durch die Volumentherapie nicht in den Griff kriegen, wechseln viele Ärzte zu einer Hormon basierten Behandlung. Bevorzugt wird hier vor allem das Mittel Noradrenalin, doch auch Dopamin kann zum Einsatz kommen, wenn es um die Anregung des Herz-Kreislauf-Systems geht.

weitere Therapiemaßnahmen: Je nach Schwere der Blutvergiftung können zusätzlich zur medikamentösen Behandlung Methoden zum Einsatz kommen, die vorübergehend die Funktion beschädigter oder beeinträchtigter Organe übernehmen. Hierzu zählen beispielsweise Nierenersatzverfahren, künstliche Beatmung und der Ersatz von Blutzellen oder Botenstoffen des Blutes.

Eine sehr spezielle und zielgerichtete Therapiemaßnahme stellt die Early Goal-Directed Therapy dar. Diese wird insbesondere bei Patienten angewandt, die unter schwerer Sepsis erkrankt sind oder bereits einen septischen Schock erlitten haben.

Vorsorge und Prävention

Leider gibt es keine direkte Vorsorge gegen die Sepsis. Um zu verhindern, dass es im Falle einer Infektion innerer oder äußerer Körperstellen unter keinen Umständen zu einer Blutvergiftung kommt, können sie aber dennoch einiges tun.

  • Achten Sie auf eine einwandfreie Funktion Ihres Immunsystems und stärken Sie ihre Körper eigene Abwehr durch Sport sowie eine ausreichende Zufuhr an Vitaminen, Mineralien, Nährstoffen und Spurenelementen.
  • Auch Entspannung trägt zur Stärkung der Abwehr bei, da Stresshormone sich ungünstig auf das Immunsystem auswirken. Versuchen Sie deshalb, Ihren Körper nicht zu stark zu belasten und ausreichend zu Schlafen.
  • Wenn Sie zu den Menschen zählen, die an Diabetes bzw. Krebs erkrankt sind, bei denen eine HIV-Infektion vorliegt oder deren Milz operativ entfernt wurde, gehören Sie gleichzeitig zu den Risikopatienten im Bereich der Blutvergiftung. Fragen Sie darum Ihren behandelnden Arzt nach entsprechenden Impfungen, um das Sepsisrisiko zu senken.
  • Beobachten Sie gerade bei äußeren Wunden das Verhalten der betroffenen Hautstellen. Rötungen, Schwellungen und Fieber können erste Anzeichen einer Entzündung sein, weshalb Sie derartige Veränderungen schnellst möglich untersuchen lassen sollten.
  • Gehen Sie im Falle einer organischen Infektion sofort zum Arzt und lassen Sie sich rechtzeitig behandeln. Gerade mit Entzündungen der Lunge, der Harnwege und des Gehirns ist diesbezüglich nicht zu spaßen.
  • Desinfizieren Sie Wunden an der Oberfläche der Haut umgehend mit Jod oder anderen, geeigneten Desinfektionsmitteln, um das Risiko einer Blutvergiftung zu reduzieren.