Zeckenschutzimpfung – sinnvoller Schutz oder überbewertet?

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Der Klimawandel hat die Diskussion um den Nutzen einer Zeckenschutzimpfung erneut entfacht. Zu milde Winter und feuchtwarme Frühlingsmonate sorgten in den letzten Jahren für einen deutlichen Populationsanstieg von Zecken, die inzwischen deutlich über ehemalige Risikogebiete hinaus geht. Und mit der Zeckenpopulation stieg auch die Gefahr einer Ansteckung durch FSME und Borreliose. Bleibt die Frage, ob eine Zeckenimpfung hier wirklich eine sinnvolle Prävention gegen die Krankheiten durch Infektionen darstellt oder nicht. Dieser Beitrag soll Ihnen Klarheit verschaffen.

Warum sind Zecken so gefährlich?

Zecken (Ixodida) sind Insekten aus der Ordnung der Milben, die wiederum zu den Spinnentieren gehören. Als Parasiten leben sie bei uns vor allem in feuchten Waldgebieten oder am Waldrand mit mildem Klima. Zu einem Zeckenstich bzw. Zeckenbiss kommt es dabei meist, wenn die Zecken von ihren liebsten Aufenthaltsorten in hohen Gräsern oder auf Bäumen aus dem Wald „mitgenommen“ werden. Dabei ist die Gefahr, sich einen Zeckenstich einzufangen umso höher, wenn Personen kurze Kleidung tragen. Diese erlaubt den Zecken direkten Kontakt zur Hautoberfläche und zum Eindringen in unseren Körper.

Zecken ernähren sich sehr gerne von dem nahrhaften Blut der Tierwelt. Menschen kommen ihnen aber ebenso gelegen, wobei ein Zeckenbiss an sich noch keine gefährlichen Eigenschaften besitzt. Vielmehr ist es die Tatsache, dass sich im Magen-Darm-Trakt der Zecken häufig diverse Erreger tummeln, darunter für Krankheiten wie:

  • Borreliose
  • Babesiose
  • Ehrlichiose
  • Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
  • Noehrlichiose
  • und Rickettsiose.

Während des Bisses in die menschliche Haut würgen Zecken nun in regelmäßigen Abständen unverdauliche, mit Krankheitserregern durchsetzte Nahrungsreste heraus, und zwar direkt in die frische Bisswunde ihres Festmahls. Die lästigen Biester sind also nicht nur eine echte Gefahr für die Gesundheit, sondern obendrein auch ekelhaft und frei von jedweden Tischmanieren. Mehr noch, enthält ihr ebenfalls in die Bisswunde abgesondertes Speichelsekret betäubende und entzündungshemmende Wirkstoffe, welche eine sofortige Immunreaktion zunächst unterdrücken. Zu den gefährlichsten Keimen, die sich so ungehindert im Körper ausbreiten können, zählen dabei die Erreger von Krankheiten wie Borreliose und FSME. Aus folgenden Gründen:

  • Borreliose: Borreliose wird durch Bakterien aus der Gattung der Borrelien übertragen. Unser Immunsystem wird mit diesen bakteriellen Erregern oft gar nicht fertig, da sie sehr aggressiv sind und multiple Schäden am Organismus verursachen. Darunter sind massive Schäden am Zentralnervensystem, Herzmuskel, Gehirn und an den Gelenken. Erkennen lässt sich Borreliose im Frühstadium an einem auffälligen, kreisrunden Hautausschlag um den Zeckenstich, der von einem charakteristischen Rötungsring bzw. Doppelring umgeben ist. Diese spezielle Form von Hautausschlag ist auch als Wanderröte bekannt und bei einem Zeckenbiss ein Warnsignal für einen sofortigen Arztbesuch, denn hier liegt eindeutig eine Borreliose vor. Die Therapie erfolgt über Medikamente wie schwere Antibiotika, die die Bakterien abtöten sollen.
  • FSME: FSME-Viren greifen ähnlich wie Borrelien das Nervensystem, Gehirn und die Hirnhaut an. Besonders gefährlich an FSME ist, dass die Sonderform der Hirnhautentzündung als Folgekrankheit die sogenannte Kinderlähmung auslösen kann. Sie entsteht durch irreparable Schäden am Zentralnervensystem und führt in der Regel zu motorischen Störungen, spastischen Lähmungen und Deformationen im Bereich der Beine. Eine Therapie zur Komplettheilung gestaltet sich nach wie vor schwierig.

Zu diesen möglichen Konsequenzen eines Zeckenbisses erschwerend hinzu kommt, dass die Insekten aufgrund der globalen Erwärmung inzwischen nicht nur im Frühling und Sommer aktiv sind, sondern auch im Winter. Dies bedeutet, dass sie sich überproportional stark vermehren und somit das Ansteckungsrisiko drastisch in die Höhe treiben.

Zeckenschutzimpfung wirkt nur gegen FSME

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Es sei darauf hingewiesen, dass das Ansteckungsrisiko durch einen Zeckenbiss bei FSME mit ca. 100 bis 200 Fällen pro Jahr deutlich geringer ist als bei Borreliose. Letztere besitzt mit bis zu 300 Fällen jährlich allein in Süddeutschland ein deutlich höheres Ansteckungsrisiko. Mit Blick auf eine Zeckenschutzimpfung ist dies ziemlich nachteilig. Denn der Wirkstoff, der bei der Impfung injiziert wird, wirkt nur vorbeugend gegen FSME wohingegen für die häufiger auftretende Borreliose bei uns bislang kein Impfstoff zur Verfügung steht. Jedenfalls nicht für Menschen. Für die Zeckenimpfung gegen FSME gestaltet sich der Ablauf nun wie folgt:

  1. Teilimpfung: Die Impfung gegen FSME erfolgt in mehreren Schritten. Die erste Teilimpfung sollte dabei schon im Winter erfolgen, damit der Impfschutz im folgenden Frühjahr bereits greifen kann. Injiziert wird hier ein Serum aus abgetöteten FSME-Viren, welche das Immunsystem dazu anregt, vorbeugend Antikörper gegen einen möglichen Angriff durch die Viren zu entwickeln.
  2. Teilimpfung: Etwa 4 Wochen nach der ersten Impfung erfolgt die zweite Teilimpfung. Der bereits begonnene Impfschutz gegen FSME wird hier mit einer weiteren Dosis aufgefrischt, um die Antikörperproduktion des Immunsystems schrittweise zu erhöhen. Bis man es auf einen Freilandversuch ankommen lässt, sollte man nach der zweiten Impfung noch etwa 14 Tage abwarten. Im Normalfall ist der Schutz nach dieser Teilimpfung aber bereits vollständig aufgebaut.
  3. Teilimpfung und Auffrischung: Zur Absicherung erfolgt nach der ersten, mit der Impfung durchlaufenen Hochsaison für Zecken im Frühling noch Impfung Nummer drei. Sie ist für einen Zeitraum von etwa 5 bis 12 Monaten nach der zweiten Impfung anberaumt. Alle 3 bis 5 Jahre sollte nun der Schutz gegen FSME aufgefrischt werden.
  4. Zeckenimpfung – Risiken und Nebenwirkungen

    Nach der Zeckenimpfung bzw. einer Teilimpfung gegen FSME kann es vorübergehend zu Krankheitssymptomen kommen, die auf eine in Gang gesetzt Immunreaktion hindeuten. Zu den Nebenwirkungen zählen:

  • Kopfschmerzen
  • leichtes Fieber
  • grippeähnliche Symptome
  • Schwellungen an der Impfstelle
  • Schmerzen
Achtung: In seltenen Fällen verursacht die Schutzimpfung bleibende neurologische Schäden! Lähmungen, selbst tödlicher Natur, sind hier als Risiko nicht vollständig auszuschließen!

Wann ist eine Zeckenschutzimpfung sinnvoll?

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Die schweren Nebenwirkungen, die bei einer Zeckenimpfung auftreten können, ebenso wie die Tatsache, dass der verabreichte Impfstoff nicht gegen alle durch Zecken übertragbaren Krankheiten wirkt, wirft natürlich die Frage auf, ob eine derartige Impfung überhaupt sinnvoll ist. Experten raten jedenfalls dazu, die Schutzimpfung nur dann zu erwägen, wenn sie wirklich notwendig ist. Dies betrifft vor allem Risikogebiete und Risikogruppen:

  • Risikogebiete – Bei den Risikogebieten für Zecken muss sorgfältig differenziert werden. Während das Borreliose- und Zeckenrisikogebiet inzwischen eigentlich die gesamte Republik Deutschland betrifft, beschränken sich die Risikogebiete für FSME auf bewaldete Regionen in Bayern, Baden-Württemberg sowie im südlichen Teil Thüringens und Hessens. In diesen Gebieten ist ein Schutz gegen FSME also sinnvoll.
  • Berufsrisikogruppen – Ebenfalls empfehlenswert ist eine Impfung für Personen, die in der Land- und Forstwirtschaft arbeiten und sich somit häufig in den natürlichen Lebensräumen von Zecken aufhalten. Auch Biologen, Geologen und Touristenführer, die berufsbedingt viel Zeit in einschlägigen Risikogebieten für FSME verbringen.
  • Freizeitunternehmungen – Wer gerne Urlaub in den Naturgebieten von genannten Risikogebieten macht, kann ebenso über eine Schutzimpfung nachdenken. Gerade Camper und Outdoorsportler wie Wanderer oder Radfahrer halten sich hier häufig in wunderschönen, mit Blick auf Zecken aber zugleich auch riskanten Gegenden auf, weshalb eine präventive Impfung in diesen Fällen durchaus gerechtfertigt ist.

Fazit

Eine Zeckenschutzimpfung ist nicht in jedem Fall gerechtfertigt und kann auch nicht als Präventionsmaßnahme gegen jede mögliche, durch Zecken übertragbare Infektionskrankheit schützen. Sinnvoll ist die Impfung darum nur für Personen, die in FSME-Risikogebieten wohnen oder sich häufig dort aufhalten. Dabei ist zu bedenken, dass die Zeckenimpfung nur vor einer Infektion mit FSME schützt, nicht aber vor Borreliose, die leider wesentlich häufiger nach einem Zeckenstich zu beobachten ist. Nützlich ist die Impfung damit nur bedingt und unter bestimmten Voraussetzungen.

 

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