Vergiftungen

Vergiftungen – Ursachen und Behandlung – Ratgeber

Giftinformationszentren verzeichnen jährlich allein in Deutschland rund 200.000 Anrufe, in denen verzweifelte Personen Vergiftungsfälle melden. In etwa der Hälfte dieser Notrufe betreffen die Vergiftungen Kinder und Kleinkinder. Doch auch mit Vergiftungen im Erwachsenenalter ist nicht zu Spaßen, denn gut 3.000 Menschen pro Jahr sterben aufgrund ihres Kontaktes mit toxischen Substanzen, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegen dürfte.

Zum Tode kommt es meist deshalb, weil die Vergiftungsunfälle oftmals zu spät erkannt und somit nicht rechtzeitig an den Giftnotruf übermittelt werden. Bei der Behandlung von Vergiftungen spielt der Zeitfaktor also eine wichtige Rolle. Wie Sie hier durch richtiges Handeln Leben retten können, erfahren Sie im Folgenden.

Welche Arten von Vergiftungen gibt es?

Als Vergiftung (Intoxikation oder Toxikose) bezeichnet die Medizin jedwede Arten von körperlichen Schäden, die durch Aufnahme toxischer Substanzen entstehen. Zu diesen Substanzen zählen sowohl Gift- und Gefahrenstoffe, als auch Pharmazeutika und Rauschmittel. Unterschieden werden müssen hierbei:

  • akute Vergiftungen – Vergiftungsfälle, bei denen versehentlich oder wissentlich eine einmalige Einnahme giftiger Substanzen erfolgte.

  • chronische Vergiftungen – Vergiftungsfälle, bei denen eine dauerhafte Einwirkung durch toxische Substanzen auf den Körper erfolgte.

  • angeborene Vergiftungen – Vergiftungsfälle, die auf erblich bedingten Krankheiten des Säuglings, einer Schwangerschaftstoxikose oder einem Substanzmissbrauch der Mutter während der Schwangerschaft beruhen.
© ufotopixl10 - Fotolia.com
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Die in Deutschland am häufigsten vorkommenden Vergiftungen sind laut Statistik örtlicher Giftinformationszentren Lebensmittel- und Alkoholvergiftungen, Vergiftungen durch Gefahrenstoffe und Rauschmittel, sowie Tier- und Pflanzenvergiftungen. Dabei können sich unterschiedliche Arten der Intoxikation durchaus überschneiden. Dies ist zum Beispiel bei einer Fischvergiftung aufgrund von Kugelfischverzehr der Fall. Die Organe des Fisches beherbergen ein Nervengift namens Tetrodotoxin, das bei falscher Zubereitung zu einer Lebensmittelvergiftung durch Tiergift führt. Gleiches gilt für Vergiftungen, die auf den Verzehr gespritzter Lebensmittel zurückgehen. Hier liegt ebenfalls eine indirekte Lebensmittelvergiftung, in diesem Fall durch toxische Gefahrenstoffe vor.

Die genaue Bestimmung der Vergiftungsursache ist deshalb so wichtig, um rechtzeitig geeignete Entgiftungsmaßnahmen einleiten zu können. Selbe sind jedoch nicht in jedem Fall gegeben, sodass manche Vergiftungen, wie etwa eine Kugelfischvergiftung, unweigerlich zum Tod des Patienten führen.

Wie entstehen Vergiftungen? – Vergiftungsursachen im Überblick

Die Wege, sich eine Vergiftung einzuholen, sind mannigfaltig, denn sowohl chemische Substanzen, als auch Tier- und Pflanzengifte sind dazu in der Lage, Vergiftungen hervorzurufen. Ebenso können Viren und Mikroorganismen toxische Stoffe produzieren, die dem Körper in Form einer Vergiftung gefährlich werden können. Insgesamt kommen folgende Vergiftungsursachen in Frage:

    Vergiftungen durch Medikamente: Sollte ein Arzneimittel unwissentlich oder wissentlich überdosiert werden, können die Inhaltsstoffe der Präparate im Körper eine toxische Reaktion hervorrufen. Was in Maßen also zur Heilung einer Person beiträgt, hat im Übermaß nicht selten den gegenteiligen Effekt. Besonders gefährlich ist hierbei eine Überdosierung von Antibiotika, Antiepileptika, Hypnotika, Sedativa oder Hormonpräparaten.

    Vergiftungen durch Rauschmittelsubstanzen: Vergiftungen, die durch Alkohol- oder Drogenmissbrauch zustande kommen, sind hierzulande leider an der Tagesordnung. Sie können entweder durch eine einmalige Überdosis (v.a. bei Heroin- oder Morphinmissbrauch) oder die konstante Einnahme nicht geringer Mengen zustande kommen. Je stärker die Rauschmittelabhängigkeit dabei ist, desto lebensgefährlicher erscheint eine damit verbundene Vergiftung. Zu allem Überfluss können durch einen derartigen Missbrauch auch angeborene Vergiftungen bei Säuglingen entstehen, sofern die Mutter während der Schwangerschaft entsprechende Rauschmittel eingenommen hat.

    Vergiftungen durch Gefahrenstoffe: Der Kontakt mit Gefahrenstoffen ist immer wieder Ursache für Vergiftungsunfälle im Kindesalter. Gerade chemische Reinigungsmittel und unsicher verwahrte Pestizide bzw. Insektizide üben auf Kinder eine riskante Anziehungskraft aus. Daneben können Gefahrenstoffe auch bei Erwachsenen Vergiftungen induzieren. Dies ist zum Beispiel bei mangelnden Schutzvorkehrungen in Betriebsstätten der Fall, die tagtäglich toxische bzw. radioaktive Substanzen zur Herstellung von Produkten nutzen. Des Weiteren können Materialien, die zur Hausdämmung (z.B. Asbest), in der Zahnmedizin (z.B. Amalgam) oder Spielzeugindustrie (z.B. Lacke oder Beizen) verwendet werden, als toxische Gefahrenstoffe fungieren und somit Vergiftungen auslösen.

    Vergiftungen durch Lebensmittelkontamination: Gefahrenstoffe wie Pestizide, Fungizide und Insektizide spielen auch im Bereich der Lebensmittelvergiftungen eine entscheidende Rolle. Sollten damit behandelte Nahrungsmittel vor dem Verzehr nämlich nicht ausreichend gewaschen werden, gelangen die toxischen Substanzen ungehindert in den Körper und sorgen dort für eine leichte bis mittelschwere Vergiftung. Darüber hinaus besitzen verschimmelte, verdorbene und keimbelastete Lebensmittel ein großes Vergiftungspotential. Bestes Beispiel ist hier die Salmonellenvergiftung. Sie wird durch toxische Bakterienkulturen der Gattung Salmonella ausgelöst, welche sich mit Vorliebe in verdorbenem Fleisch tummeln.

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    Vergiftungen durch Tiergifte und Giftpflanzen: Ebenfalls sehr häufig vom Giftnotruf entgegen genommen werden telefonische Hilfegesuche, die einer Tier- oder Pflanzenvergiftung geschuldet sind. Meist handelt es sich dabei um Vergiftungen durch Giftpilze, Schlangenbisse oder den Verzehr von Giftfischen. Ebenso können Insektenstiche und Bisse durch kranke Tiere für eine Vergiftung dieser Art sorgen.

    Vergiftungen durch infektiöse Verletzungen: Verunreinigte Wunden bergen eine hohe Vergiftungsgefahr. Egal, ob es sich dabei um tierische Bisswunden, Schnittwunden oder andere Arten von Verletzungen handelt – sobald Keime in eine offene Wunde gelangen, ist eine Infektion meist nicht auszuschließen. Die damit am häufigsten einher gehende Toxikose ist die Blutvergiftung (Sepsis). Sie ist deshalb so gefährlich, weil sie zu einem Verlust wichtiger Vitalfunktionen führen kann, der bei besonders umfangreichen bzw. anhaltenden Wundverunreinigungen tödliche Ausmaße annimmt.

    sonstige Vergiftungen: Nicht zu unterschätzen sind Vergiftungen auch in Zusammenhang mit einer hohen Schadstoffbelastung in der Luft. Dabei sind insbesondere Fabrik- und Autoabgase zu nennen. Allerdings ist auch eine Vergiftung durch kontaminiertes Trinkwasser oder Bodenkontamination keine Seltenheit und selbst Krankheiten, die den Körper zu einer erhöhten Produktion toxischer Substanzen anregen, dürfen als Vergiftungsursachen nicht ausgeschlossen werden.

Welche Symptome verursachen Vergiftungen?

Eine Vergiftung im Frühstadium lässt sich anhand diverser Symptome erkennen. Diese deuten meist auf Fehlfunktionen einzelner Organe hin, welche von der Intoxikation erfasst wurden. Übliche Beschwerden sind:

  • Atemnot und Atemstillstand
  • Bauch- und Kopfschmerzen
  • Bewusstseinsstörungen
  • erhöhter Speichelfluss
  • Erbrechen und Übelkeit
  • Durchfall
  • Gleichgewichtsprobleme
  • Herz- und Kreislaufprobleme
  • Krämpfe
  • Müdigkeit
  • Schockzustände
  • Schwindelgefühle
  • Zittern

Achtung! Sollte eine Vergiftung nicht rechtzeitig behandelt werden, kann es zum völligen Versagen der Vitalfunktionen kommen, Je nach Art der dafür verantwortlichen, toxischen Substanzen sind zudem Lähmungen, organische Entzündungserscheinungen und allergische Reaktionen zu erwarten. Radioaktive Toxikosen bergen darüber hinaus die Gefahr, bleibende Schäden am Erbgut der Betroffenen zu verursachen.

Möglichkeiten zur Diagnose und Therapie bei Vergiftungen

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Die Giftkunde (Toxikologie) kennt verschiedene Mittel und Wege, um eine Vergiftung zu diagnostizieren. Häufig reicht eine Anamnese schon aus, um Vergiftungsfälle bzw. Vergiftungsunfälle festzustellen. Zur näheren Bestimmung ist es ferner notwendig, die für die Vergiftung verantwortliche toxische Substanz einem Labortest zu unterziehen, mit dessen Hilfe sich Giftproben genauer untersuchen lassen. Diese Proben können beispielsweise durch die Entnahme von Blut, Mageninhalt, Stuhl-, Urin oder Gewebeproben entnommen werden.

Eine moderne Alternative zur herkömmlichen Laboruntersuchung stellt die Gas-Flüssigkeits-Chromatographie dar. Sie erfasst die Verteilung von gasförmigen und flüssigen Substanzen im Körper sehr genau. Dies ist bei Vergiftungen äußerst hilfreich, gestaltet sich das Verteilungsmuster unter dem Einfluss von Giften im Körper doch entschieden anders als im Normalfall. Feststellen lassen sich mit dieser Methode unter anderem Gefahrenstoffe, Umweltgifte und toxische Arzneimittelsubstanzen. Sind die Gifte erst einmal genauer bestimmt, stehen Ärzten die nachstehenden Behandlungsoptionen zur Verfügung:

    Gegengift verabreichen: Diverse Tiergifte und Gefahrenstoffe lassen sich durch Gegengifte blockieren oder zersetzen. Jene Gegengifte werden zumeist intravenös verabreicht. Zusätzlich kann die Verabreichung von Aktivkohle und Laxan eine Vielzahl von Giften rasch absorbieren und deren Ausscheidung beschleunigen. Angewandt wird Gegengift häufig bei Vergiftungen durch Tenside, organische Lösungsmittel, Pilzgifte, Tiergifte, Medikamentenüberdosen und Endotoxinen.

    induzierte Magenentleerung: Durch Magenspülungen, Brechmittel und das stationäre Auspumpen des Magens können Giftrückstände aus dem Verdauungstrakt entfernt und die Vergiftung so gestoppt werden. Beim induzierten Erbrechen wird hier gerne mit Ipecacuanhasirup gearbeitet. Das Mittel ist vor allem für Vergiftungsunfälle relevant, die sich im Kindesalter ereignen. Daneben kommen auch zur gezielten Magenentleerung Aktivkohle und Ausscheidungsbeschleuniger wie Natriumchlorid oder Diuretika zum Einsatz. Letztere sind jedoch zur Behandlung von Kindern wegen des großen Risikos einer Wasserintoxikation nicht empfehlenswert.

    Blutreinigung: Bei Blutvergiftungen oder im Rahmen fortgeschrittener Vergiftungsfälle ist eine Reinigung des Blutes erfahrungsgemäß unabdingbar. Somit gehören auch Austauschtransfusionen, Dialyse- und Hämofiltrationsmaßnahmen zur gängigen Therapie bei Vergiftungen. Ob diese notwendig sind, muss von den behandelnden Ärzten von Fall zu Fall entschieden werden.

Wichtig! Wenn Sie an sich oder einer anderen Person Symptome beobachten, die auf eine Vergiftung hindeuten, rufen Sie zunächst umgehend den Giftnotruf an! Kontakt zu Ihrem örtlichen Giftinformationszentrum erhalten Sie über die Notrufnummer 112.

Vergiftungen – Tipps zur Ersten Hilfe im Ernstfall

  1. SchrittGiftnotruf wählen: Bevor Sie bei einer Vergiftung Gegenmaßnahmen einleiten, müssen Sie zu aller erst und unbedingt den Giftnotruf verständigen. Bei der Neutralisierung toxischer Substanzen zählt jede Minute und nur geschultes Fachpersonal kann Ihnen dabei behilflich sein.

  2. Schrittruhig bleiben: Sobald Sie sich an die zuständige Notrufzentrale gewendet haben, ist es wichtig den vergifteten Körper ruhig zu halten. Bewegung beschleunigt die Verteilung des Giftes im Organismus, was die Überlebenschancen möglicherweise verringert. Geraten Sie daher, auch wenn es schwer fällt, nicht in Panik.

  3. SchrittVitalfunktionen erhalten: Spülen Sie die Eintrittsstellen der toxischen Substanzen mit kühlem Wasser aus. Auch das Abtupfen von Haut und Augen mit Kaltwasser kann hilfreich sein, denn es hält Betroffene bei Bewusstsein und wirkt beruhigend auf die Vitalfunktionen. Sollte ein angehöriger eine Vergiftung erlitten haben, sollten Sie diesen bei Bewusstsein halten. Tun Sie dies aber auf eine beruhigende Art und Weise, um den Betroffenen nicht in Hysterie zu versetzen.

  4. SchrittErbrechen provozieren: Ein Erbrechen sollte nicht bei Intoxikationen durch Lösungen, Laugen oder Säuren provoziert werden, da dieses Vorgehen die Vergiftung noch beschleunigen könnte. Hilfreich ist die Brech-Strategie dagegen nach dem Verzehr von Giftpilzen, Tabletten und anderen toxischen Substanzen in komprimierter Form. Nähere Informationen zur Hilfe beim Erbrechen bietet Ihnen dieser Beitrag des DRK.

  5. SchrittGiftprobe für den Notarzt vorbereiten: Um dem Rettungsdienst die Bestimmung des Giftes zu erleichtern, ist es wichtig, eine Giftprobe parat zu haben und diese mit ins Krankenhaus zu nehmen. Falls Ihr Kind beispielsweise mit chemischen Substanzen gespielt hat, sollten Sie diese ermitteln. Auch Nahrungsmittelproben, Medikamente oder Angaben zu Tieren und Pflanzen, welche für die Vergiftung gesorgt haben, sind hilfreich.

Weitere Informationen zur Ersten Hilfe bei Vergiftungen erhalten Sie beim DRK unter folgendem Link.

Fazit

Vergiftungen sind grundsätzlich als Ernstfall zu betrachten, auch wenn die Beweggründe dafür augenscheinlich harmlos sind. Der erste Schritt sollte immer eine Kommunikation mit dem zuständigen Giftnotruf sein. Erst danach sind etwaige Erste-Hilfe-Maßnahmen zu ergreifen. Die Nummer Ihres örtlichen Giftnotrufes erfahren Sie im hiesigen Giftinformationszentrum. Auch Informationen zu wichtigen Sicherheitsvorkehrungen und Präventionsmaßnahmen gegen Vergiftungsfälle liegen dort für Sie bereit. Ferner kann der regionale Rettungsverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Sie über wichtige Schritte im Vergiftungsfall aufklären.

 

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